Darknet: Die dunkle und schmutzige Seite des Internets

Wusstet ihr, dass es neben dem „normalen“ Internet, das jeder von uns wohl täglich benutzt, auch ein zweites, verstecktes Internet gibt? Dieses hat viele Synonyme wie z.B. Darknet, Deepweb oder Hidden Services. Dort findet man alles, was im gewöhnlichen Internet nichts zu suchen hat – seien es Waffen, geheime Dokumente, Drogen oder Material für Pädophile und vieles mehr. Ich habe mich für euch in die dunklen Gegenden des Internets begeben, um mehr darüber zu erfahren.

Zuerst zu den technischen Grundlagen: Wenn wir von unserem Computer aus im Browser eine Adresse wie z.B. http://www.google.de eingeben, wird diese an einen DNS-Server gesendet. Dieser wandelt die eingegebene Adresse in eine IP-Adresse um, und leitet uns dorthin weiter. So bekommen wir in unserem Beispiel Zugang zur Google-Suchmaschine. Geben wir eine Adresse ein, die z.B. in unserem Land gesperrt ist, kann der DNS-Server diese nicht in eine IP-Adresse auflösen und leitet uns auf eine Fehlerseite weiter. Somit kann man viele Inhalte leicht vor dem Benutzer verstecken oder blockieren, wenn diese z.B. gegen bestimmte Gesetze verstoßen.

Das Darknet beschreitet einen anderen Weg: Mittels eines Peer-to-Peer Netzwerkes sind private Rechner untereinander im Tor-Netzwerk verbunden. Das heißt, es gibt keinen zentralen Server mehr. Durch die Tor-Software ist die Verbindung zwischen den Computern zusätzlich noch verschlüsselt.

Wichtiger Hinweis: In den weiteren Schritten beschreibe ich grob, wie man Zugang zum Darknet erhält. Hierbei muss man erwähnen, dass man sich durch den Zutritt dort, bereits unwissentlich zum Mittäter machen kann. Da die Verbindung über Privat-PC’s läuft, könnte auch deiner für illegale Aktivitäten genutzt werden.

Erschreckend einfach gelingt der Zugriff auf das Darknet. Mit dem sogenannten „Tor Browser Bundle“, welches kostenlos im Internet erhältlich ist, erhält man Zugang zum Tor-Netzwerk. Diese Software klinkt sich z.B. über den Firefox ein und muss nicht installiert werden. Nach dem Start der Software kann man alle gängigen Websites aufrufen, aber auch die Seiten im Deepweb. Diese haben spezielle Endungen (.onion) und Linklisten können durch einfache Google-Recherche gefunden werden. Es gibt also keine eigene Suchmaschine, sondern man muss sich die Links selber suchen. Ein Klick auf einen Eintrag in einer Linkliste führt dann direkt zur gewünschten Seite, welche auf einem Privat-PC gehostet wird. Daher sind nicht alle Inhalte rund um die Uhr verfügbar, da nach dem Abschalten des jeweiligen PC’s auch der Link ins Leere führt. Laut Schätzungen befinden sich aber im Darknet circa 500-mal mehr Daten als im normalen Internet – das ist eine erhebliche Menge. Man muss auch dazu sagen, dass die Surfgeschwindigkeit durch die Tor-Software stark reduziert wird, da die Datenpakete verschlüsselt über mehrere PC’s laufen.

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Meine erste Anlaufstelle war The Hidden Wiki, eine der bekanntesten Link-Sammlung im Darknet. Dort werden verschiedene Links zu diversen Marktplätzen, Tauschbörsen und Foren angeboten. Eine der bekanntesten Seiten Silk Road wurde erst kürzlich durch das FBI geschlossen. Silk Road galt als der Amazon-Shop des Drogenhandels im Darknet. Seit der Abschaltung von kino.to und Megaupload haben auch immer mehr Nutzer Bedenken beim Filesharing, hier fühlen sich viele im Deepweb sicherer. Am Angebot kann sich zumindest keiner beklagen. Es gibt aber auch Seiten wo man Waffen kaufen oder Auftragskiller anheuern kann. Besonderes Interesse am Deepweb haben ebenfalls Pädophile, die sich dort in Foren austauschen und Material verbreiten. Die Verfolgung von solchen Straftaten ist extrem schwierig und gelingt nur in den wenigstens Fällen, wie z.B. bei Silk Road.

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Für Transaktionen im Darknet wird übrigens üblicherweise die digitale Währung Bitcoin verwendet. Diese ist völlig legal, hat aber einige Vorteile für die User im Darknet. Ein Netzwerk aus Computern, bildet die Grundlage für Bitcoins. Die Anzahl an eigenen Bitcoins wird in einer verschlüsselten Datei auf dem eigenen PC gespeichert. Das Ganze funktioniert ohne zentralen Server oder Firma, die alles kontrolliert. Alles läuft als Open Source über das private Computer-Netzwerk, dieses ermittelt auch die Anzahl der Bitcoins im Umlauf. Es können nie mehr als 21 Millionen Bitcoin existieren. Neue Bitcoins werden durch das sogenannte Mining erschaffen, dabei führt die Grafikkarte aufwendige Rechnungen durch. Man kann aber auch Bitcoins dafür erhalten, dass man die Rechenleistung seines Computers für Transaktionen anderer Nutzer zur Verfügung stellt. Je mehr Bitcoins im Umlauf sind, umso schwieriger sind die Rechnungen und dauern dementsprechend auch länger. Die Bitcoins können also leicht anonym übertragen werden und an legalen Plattformen in echtes Geld umgewandelt werden.

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Dem Darknet sind somit keine Grenzen gesetzt. Hier kann und wird alles angeboten, was es auf dieser Welt gibt. Das hat einerseits den Vorteil, dass man z.B. die politische Zensur bestimmter Länder umgehen kann, andererseits bietet es dem organisierten Verbrechen und sonstigen Kleinkriminellen eine wohlbehütete Sammelstelle für schmutzige Geschäfte.

Ich vermute, dass sich in Zukunft das Internet immer mehr in zwei Teile spalten wird: Dem öffentlichen, vertrauenswürdigen und überwachten Teil, den wir alle kennen und täglich nutzen. Dort werden wir weiterhin unsere alltäglichen Geschäfte abwickeln, unsere sozialen Kontakte pflegen und uns über alles Mögliche informieren. Auf der anderen Seite wird sich der freie, anonyme und nicht zensierbare Teil immer weiter entwickeln und verbreiten – das Darknet. Hier werden immer mehr Menschen illegale Daten und Waren austauschen, ihren perversen Fantasien freien Lauf lassen, ihre politische Meinung frei äußern oder einfach nur eine Suchmaschine nutzen, die im jeweiligen Land zensiert wurde. Man darf gespannt sein, ob und wie in Zukunft im Darknet die Zensur einkehren wird. Der Schlag des FBI gegen Silk Road könnte ein erstes Anzeichen dafür gewesen sein.

  • Regel Nummereins

    Die erste regel des Darknet! Man spricht nicht ĂĽber das Darknet!