Bravely Default im Test: Traditionelles Rollenspiel in neuem Mantel?

Bravely Default

Eine dunkle Macht befällt den Kristall des Windes. Seine Wächterin Agnes, Mitglied eines geheimen Ordens, der den Kristall behĂĽtet, ist dieser Macht nicht gewachsen und muss fliehen. In einem anderen Teil ihrer Welt bildet sich zur selben Zeit ein gewaltiger Krater, der ein ganzes Dorf verschlingt. Der einfache Junge Tiz muss feststellen, dass er der einzige Ăśberlebende seiner Dorfgemeinschaft ist…

So wird der Spieler in die Geschichte von Bravely Default eingeführt und lernt damit auch gleich zwei der Hauptcharaktere kennen. Mehr soll zur Story des Spiels hier aus Spoiler-Gründen nicht gesagt werden. Was man aber sagen kann: Die Handlung fesselt einen von der ersten Sekunde an und lässt einen während des ganzen Spiels nicht mehr los. Die Geschichte ist episch und großartig erzählt. Klassische Motive wie Verrat, Magie und Intrigen lassen keine Langeweile aufkommen und treiben immer zum Weiterspielen an.

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Aber auch eine angenehme Portion Witz ist enthalten, die einen immer wieder schmunzeln lässt, aber nie übertrieben wirkt. Die Dialoge sind elegant und langweilen nie, sei es nun in der englischen Sprachausgabe oder in der deutschen Textübersetzung.

Das Gameplay ĂĽberzeugt und weist zwei – zwar nicht bahnbrechende, aber dennoch ganz interessante – Neuerungen auf, die dem Spiel auch seinen Titel gegeben haben: bravely und default. Die beiden neuen Befehle bringen neben klassischen Befehlen wie Angriff, Flucht, Skills und der Nutzung von Items eine interessante neue Note ins Genre.

Führt man den Befehl Brave aus, ist man im rundenbasierten Kampf fähig, vier aufeinanderfolgende Aktionen auszuführen. Das ist eine sehr effektive Angriffsmethode, die allerdings den Nachteil hat, dass man eine Runde „aussetzen“ muss, bis man seine nächste Attacke ausführen kann.

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Der Befehl Default funktioniert sozusagen genau andersherum: nutzt der gerade gespielte Charakter diese Funktion, wird der Schaden, den einem Gegner zufügen können, erheblich reduziert. Jedoch ist auch diese Kampftaktik nicht ohne Nachteil, da man in der Runde, in der man sie anwendet, nicht angreifen kann.

Indem man den Default-Modus anwendet, kann man sich auch sogenannte Battlepoints verdienen. Jede Aktion, die man im Spiel ausfĂĽhrt, verbraucht einen dieser Points. Das mag zu Anfang vielleicht etwas kompliziert wirken, aber es verleiht dem Rollenspiel ein noch intensiveres Spielerlebnis und fordert groĂźes taktisches Geschick vom Spieler. Das wird nochmals dadurch gesteigert, dass auch den gegnerischen Figuren dieses System zur VerfĂĽgung steht.

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Wie aus anderen Rollenspielen gewohnt, kann man in den Kämpfen Erfahrungspunkte, Geld und Jobpoints gewinnen. Das Jobklassensystem erinnert an Final Fantasy Tactics und bietet 24 unterschiedliche Jobs wie zum Beispiel Freelancer oder Monk, die alle verschiedene Stärken und Schwächen haben. Der Spieler kann mit seinen Charakteren also ein individuelles Team bilden, das er ganz nach seinem Geschmack und seinen eigenen Vorlieben ausbilden kann.

Grafisch holt das Spiel einiges aus dem 3DS heraus. Die Welten sind opulent gezeichnet und der 3D-Effekt der kleinen Nintendo-Konsole wird überzeugend und beeindruckend genutzt. Man fühlt sich teilweise, als würde man einen fesselnden Film auf dem kleinen Bildschirm verfolgen. Die Figuren sind liebevoll und detailreich gestaltet, sowohl in grafischer Hinsicht als auch ihre charakterliche Entwicklung betreffend. Sie erinnern ein wenig an die sympathischen Charaktere, denen man in der Welt von Kingdom Hearts begegnet. Durch den Zeichenstil der Spielewelt hat man manchmal das Gefühl, man würde den jeweiligen Charakter durch ein riesiges Gemälde steuern.

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Die Musik ist abwechslungsreich und episch, die durch sie erzeugte Atmosphäre untermalt die verschiedenen Szenen einfach grandios. Manche der gespielten Titel klingen einem noch nach Tagen im Ohr.

Will man nun irgendetwas finden, dass man an dem Spiel nicht gut findet, dann muss man schon sehr genau nachdenken. Aber wie beinahe jedes Spiel hat auch Bravely Default kleine Schwächen. Beispielsweise könnten sich Neulinge im Rollenspiel-Genre leicht etwas überfordert fühlen, wenn sie auf die zahlreichen Auswahlmöglichkeiten an Befehlen stoßen. Auch ist bereits der mittlere der drei zur Auswahl stehenden Schwierigkeitsgrade ziemlich happig. Und so schön auch alles gezeichnet sein mag, in manchen Dungeons kommt einem als Spieler manchmal der Gedanke „Das hab ich doch früher im Spiel schon mal gesehen.“ Das ist aber nun wirklich Meckern auf hohem Niveau. Bravely Default ist eines der besten Rollenspiele, das wir in den letzten Jahren gespielt haben.

Unser Fazit:
Wer von Final Fantasy 13 enttäuscht war und auf ein neues und vor allem gutes Rollenspiel gehofft hat, der sollte auf jeden Fall mal ein Auge auf Bravely Default werfen. Da hat Square Enix so gut wie nichts falsch gemacht!

Unsere Wertung:RebelGamer Wertung Far Cry 3