Donkey Kong Country: Tropical Freeze im Test – Hat’s der Affe noch drauf?

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Gemütlich feiert das Nintendo-Urgestein Donkey Kong Geburtstag mit seinen Freunden. Doch gerade als er die Kerze auf seiner Bananen-Torte ausblasen will, wird der idyllische Frieden auf seiner Insel gestört: Die Viehkinger kommen! Sie schicken einen riesigen Eisdrachen, der das ganze Eiland der Affenbande in tiefsten Winter hüllt. Der eiskalte Wind pustet Donkey, Diddy, Dixie und Cranky davon und der Spieler findet Donkey Kong auf einer fremden Insel fernab seiner Heimat wieder. Nun gilt es, den sympathischen Primaten wieder zurückzuführen und seine Insel wieder aufzutauen.

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Die Story ist nett, aber wohl eher als Mittel zum Zweck zu betrachten. Aber bei einem Spiel der Donkey Kong-Reihe erwartet wohl auch keiner eine tiefgründige Geschichte – was hier zählt ist die Jump’n Run-Action. Und die bietet Donkey Kong Country: Tropical Freeze zur Genüge!

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Das Gameplay überzeugt auf allen Ebenen. Die meiste Zeit ist man im klassischen Jump’n Run-Stil unterwegs und bewegt sich im Sidescroll-Modus durch die einzelnen Level.  Dabei kann man jede Menge Items wie Luftballons (Extraleben), Bananenmünzen (mit denen man weitere Items kaufen kann) und natürlich Bananen (von denen 100 Stück Donkey Kong ein neues Leben bringen) einsammeln. Zu sammeln gibt es aber noch mehr, nämlich die vier Buchstaben KONG und diverse Puzzleteile, die teilweise ziemlich gut versteckt sind. Wenn man aber die Augen offen hält oder sowieso ein Donkey-Kong-Spieler der alten Schule ist, entwickelt man recht schnell ein Gespür dafür. Für angenehme Abwechslung sorgen diverse andere Fortbewegungsarten und –mittel, die immer an der richtigen Stelle zum Einsatz kommen, wodurch niemals Monotonie oder Langeweile aufkommt. Egal, ob man nun in einer Lore über Schienen brettert, mit Fässern durch die Gegend geballert wird oder in einem Boot die reißenden Fluten  eines Flusses durchpflügt: für dauerhafte Action und Abwechslung ist gesorgt. Mein persönliches Highlight waren die Ritte auf dem Nashorn Rambi: das bullige Tier sprintet durch Felsblöcke als wären es Papierwände und lässt Donkey Kong freundlicherweise ab und zu auf seinem Rücken Platz nehmen. Und wem das immer noch nicht genug ist, der kann sich mit dem pelzigen Protagonisten auch ins kühle Nass stürzen und durch diverse Levelabschnitte schwimmen und tauchen.

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Man kann mit fast allem spielen, was die Controller-Kiste hergibt. Sei es mit dem Wii U GamePad, bei dem der Touchscreen in Donkey Kong Country keinerlei Funktion übernimmt und beim Spielen auf dem Fernseher schwarz bleibt (wir berichteten bereits darüber), mit der Wii-Fernbedienung – wahlweise mit oder ohne Nunchuk oder mit dem Pro Controller. Man braucht zwar kurze Zeit, bis man alle Befehle wie die Kong-Rolle, die Trommelattacke, den Druckwellenjet oder Hangeln und Klettern intus hat, aber wenn es soweit ist, hat man mit jedem Controller seine Freude an dem Spiel. Mir persönlich hat es am meisten Spaß gemacht, mit dem Pro Controller zu spielen, ganz einfach weil ich ihn für ein klassisches Jump’n Run am geeignetsten halte.

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Die Grafik ist zwar nicht das Maß aller Dinge, für ein Jump’n Run ist sie aber mehr als überzeugend. Das Spiel läuft geschmeidig und ohne Ruckeln und die Level sind sehr innovativ und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Allein Donkey Kongs Fell könnte man sich stundenlang ansehen. Die Pinsel wurden tief in viele Farbeimer getunkt, die Level sind bunt und opulent gezeichnet, ohne dass es einem zu viel wird oder die Übersicht im Spiel beeinträchtigt wird. Überhaupt ist das Leveldesign großartig. Es gibt viele Möglichkeiten, etwas an der Umgebung in den einzelnen Welten zu ändern. So gibt es zum Beispiel diverse Griffe im Erdboden, die man herausziehen kann. Tut man das, kann es passieren, dass plötzlich ein riesiger Baum aus dem Boden schießt, über den man überhaupt erst weiter vorankommt. Die Gegner sind vielzählig und wirklich cool gestaltet. Vom Pinguin-Bogenschützen, der statt Pfeilen Fische verschießt, bis zum springenden Hai ist alles mögliche an kuriosen Feinden vertreten. Das Coolste aber ist, dass sich die Perspektive des Spiels manchmal verändert. So zum Beispiel während einer Lorenfahrt um einen Baum: es wird vom Sidescrolling in einen Kameramodus gewechselt, der einem fast das Gefühl gibt, selbst in dem kleinen Metallgefährt um den Stamm zu rattern.

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Der Sound ist den Klang betreffend klar und angenehm und auf das Spielgefühl bezogen perfekt auf die einzelnen Level zugeschnitten. Sei es in der Alpenwelt, durch die man sich zu flotter Blasmusik mittels der ausgestoßenen Luft aus Alphörnern bewegt oder im Sägewerk, durch das man von schneller und spannungssteigernder „Zirkusmusik“, die an einen Hochseilauftritt erinnert, begleitet wird. Die eingebetteten klassischen Melodien aus Vorgänger-Spielen der Donkey-Kong-Reihe werden das Herz einiger Retro-Fans garantiert höher schlagen lassen.

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Der Hauptcharakter in Donkey Kong Country: Tropical Freeze ist natürlich Donkey Kong selbst. Er bekommt jedoch auch Unterstützung von seinen Freunden Diddy Kong, Dixie Kong und Cranky Kong, die ebenfalls auf ihre Heimatinsel zurück möchten. Jeder einzelne der Affen-Sidekicks hat spezielle Fähigkeiten, die einem das Weiterkommen oftmals ungemein erleichtern. Befreit man sie im Einzelspielermodus aus ihren Fässern, springen sie auf Donkeys Rücken und man kann diese Fähigkeiten nutzen. Diddy Kong hat zum Beispiel einen Fässer-Jetpack, mit dem man sich während eines Sprungs etwas länger in der Luft halten kann. Ähnlich sieht es mit dem Pferdeschwanz-Propeller von Dixie Kong aus. Cranky Kongs Spezialität ist der Stock-Sprung, mit dem man durch Dornen springen und auch stärkere Gegner mit einem Treffer besiegen kann.

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Ein weiterer Charakter des Spiels ist der Surfer-Affe Funky. Er ist zwar nicht spielbar, aber in seinem kleinen Laden „Krimskramskiste“ kann man allerlei nützliche Items für erspielte Bananenmünzen kaufen, die einem an einigen Stellen im Spiel sozusagen den Affenarsch retten können. Verschiedene Ballons, die einen vor Abgründen oder dem Ertrinken retten und der Papagei Squawks, der Donkey bei der Suche nach versteckten Puzzlestücken helfen kann sind nur zwei Beispiele aus einer Vielzahl von interessanten, lustigen und wirklich hilfreichen Gegenständen.

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Was vielleicht einige Neulinge im Donkey Kong-Universum abschrecken könnte, ist der relativ hohe Schwierigkeitsgrad des Spiels. Es gibt bereits sehr früh im Spiel einige Stellen, an denen man mehr als einen Versuch zum Weiterkommen braucht. Allerdings ist der Frust-Faktor nicht allzu hoch: immer wieder sitzen kleine Schweine in den Leveln, bei denen der Fortschritt zwischengespeichert wird. Stürzt man einmal in einen Abgrund oder fährt mit einer Lore gegen eine Wand, wird man prompt via Luftballon zum letzten Speicherschwein gebracht. Die kleinen Grunzer erklären dem Spieler unterwegs auch die wichtigsten Moves und Attacken. Außerdem lassen sich wahre Jump’n Run-Fans nicht so leicht frustrieren, sondern zocken weiter bis es eben klappt. Bei den Endbossen gibt es allerdings keine Möglichkeit zum Zwischenspeichern: machen sie einem den Garaus, muss man nochmals von der ersten Runde an mit ihnen in den Ring steigen. Allerdings sind die Bosskämpfe so spannend und cool gemacht, dass es einem nichts ausmachen sollte, wenn man eins der Riesenviecher mal nicht gleich besiegen kann.

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Unser Fazit:
Donkey Kong Country: Tropical Freeze ist ein wirklich fesselndes, spannendes, spaßiges Jump’n Run-Abenteuer, das mit viel Liebe und Hingabe produziert wurde. Das erste HD-Auftritt des wilden Bananenfans ist ein (zugegebenermaßen sehr anspruchsvoller) Volltreffer.

Unsere Wertung:Donkey-Kong-Country-Tropical-Freeze-Rebelgamer-Wertung