Styx: Master of Shadows im Test – Ein Goblin auf leisen Sohlen

Styx Master of Shadows

Das typische Fantasy-Gespann besteht aus Orks, Elfen und Menschen. Und dann gibt es noch Goblins. Jene kleinen, grĂĽnen Wesen, die man nicht anstatt eines Orks aufs Schlachtfeld schickt oder anstatt des Menschen auf den Thron setzt. Ein solcher unscheinbarer GrĂĽnhäuter hat dafĂĽr die Hauptrolle im Stealth-Titel “Styx: Master of Shadows” aus dem Hause Cyanide Studios. Ob sich Styx zum Erfolg schleicht, oder im Schatten erstickt, das erfahrt ihr in unserem Test.

Einen schleichenden Goblin darf man in der heutigen Spielelandschaft voller Helden wie Adam Jensen, Sam Fisher und Agenten 47 als willkommene Erfrischung begrĂĽĂźen. Zwar klingt der Titel “Styx: Master of Shadows” ein wenig klischeebehaftet, das können wir Cyanide Studios aber aufgrund des interessanten Charakterdesigns verzeihen. Der ruppige Goblin, dessen Mund nie einen Satz ohne das F-Wort verlässt, ist allerdings kein Neuling: Im 2012er Rollenspiel “Of Orcs and Men” spielte er eine Hauptrolle und hier erleben wir seine Vorgeschichte.

Styx Master of Shadows 1

Die handelt nämlich von einem seltenen Artefakt, dass der Goblin Styx klauen möchte. Warum er das möchte, das weiĂź er nicht mehr so recht. Er weiĂź nur noch, dass es sich um das Herz des Weltenbaumes handelt, aus dem die Droge und Energiequelle Goldharz gewonnen wird. Jenes Goldharz hat die Gesellschaft als Droge durchsetzt und ermöglicht Styx, seine besonderen Fähigkeiten zu nutzen. Eine Art Mana mit Suchtpotenzial, wenn man so will. Die Figuren in der Story – inklusive dem bedeutungsschwanger benannten Styx – erfahren während der Geschichte kaum Tiefe und der erste groĂźe Twist kommt erst ab Spielmitte. Mit diesem sehr gewöhnlichen Einstieg samt Genre-Standard und obligatorischer GedächtnislĂĽcke verwässern die Jungs von Cyanide die vielversprechende Hauptfigur. Letztlich entfaltet Styx: Master of Shadows leider nie die erzählerisch vielversprechende Welt, die ursprĂĽnglich in “Of Orcs and Men” erschaffen wurde. Hier wurde einiges an Potenzial verspielt!

Wie wir bereits zum Reboot von Thief berichteten, kann man in einem Stealth-Titel jedes Aufeinandertreffen mit Gegnern als ein Rätsel betrachten. Das Rätsel ist das Verhalten der Gegner und die eigenen Werkzeuge sind eventuelle Antworten auf die Frage. Auf dem Weg zum Weltenbaum bewegen wir uns durch eine lineare Anreihung von sechs Missionen mit Haupt- und belohnungsreichen Nebenaufgaben. Hier fĂĽhren mehrere Wege ĂĽber die groĂźen Karten bis nach Rom: Ob wir uns nun ĂĽber das Dach, oder den Hintereingang in das Gebäude wagen, ist unsere Entscheidung. Zwar macht Styx: Master of Shadows da erstmal alles richtig, allerdings enden letztlich alle Wege an der gleichen Stelle – das schmälert die Vielfalt etwas. Dazu kommen die mit scheuer Vorsicht gewählten Standorte, die mit einem Gefängnis und einem Schloss nicht exotisch ausfallen. Trotz ĂĽberzeugender Gestaltung wirkt die Welt durch häufiges Backtracking und fehlender Vielfalt unnötig klein.

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Alle Wege sind eine Herausforderung. Oft sind die Gegner geschickt positioniert und mĂĽssen ebenso geschickt gemieden werden: Auf allen Schwierigkeitsgraden stellen direkte Zweikämpfe nämlich eine groĂźe Schwierigkeit dar. Das liegt nicht zuletzt am klobigen Kampfsystem. Styx visiert im Falle des Kampfes den nächsten Gegner an und lässt den nicht los, bis der Kampf entschieden ist. Der Goblin ist hier als Kämpfer erstaunlich wenig agil und bietet dem Spieler wenig Möglichkeiten, dem Kampf zu entkommen. Wir können den Schlägen ausweichen oder sie in kleinen Zeitfenstern geschickt parieren, um den Kampf am Ende zu gewinnen. So oder so sind spätestens mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad alle Kämpfe ein Todesurteil – leider nicht immer aus den richtigen GrĂĽnden. Cyanide hätte das Kampfsystem variabler gestalten können.

Aufgrund der Schwierigkeit der direkten Kämpfe ist Styx: Master of Shadows ein reines Schleichspiel. Während ein Deus Ex oder ein Metal Gear Solid auch brachiale Durchgänge ermöglicht, zwingt Styx im Stile eines Thief zum stillen Vorgehen. Dazu bietet es Werkzeuge in einer Mischung aus Dishonored und Thief. Irdische Instrumente wie Sandpäckchen und Wurfmesser dienen zum Ausschalten von Fackeln und Feinden. Dazu kommen noch übermenschliche Fähigkeiten, die Styx mit der Machtquelle Goldharz betreibt. Dabei dient das Goldharz als Mana und wird bei Benutzung einer Fähigkeiten verbraucht bzw. mit entsprechenden Items aufgefüllt.

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Zu den wichtigsten Fertigkeiten gehören die selbsterklärende (und unheimlich Amber-gefräßige!) Unsichtbarkeit und das Erzeugen von Klonen. Klone? Genau – The Swapper lässt grĂĽĂźen. Der von euch geschaffene Klon verbraucht je nach Aktion Goldharz. Er kann umhergesteuert werden, Gegner ablenken, Schalter umlegen oder in einer Rauchwolke explodieren. Verschiedene Skills können durch Punkte, die fĂĽr das ErfĂĽllen von Aufgaben vergeben werden, erlernt und verbessert werden. Viele der nĂĽtzlich klingenden Aufgaben finden allerdings herzlich wenig Anwendungsmöglichkeiten, womit sich Styx: Master of Shadows ins eigene Bein schieĂźt.

Die K.I. der Gegner macht dabei aber unangenehm klar, dass man es hier kaum mit Intelligenz zu tun hat. UnnatĂĽrliche Richtungswechsel, merkwĂĽrdige Laufpfade und das Ignorieren wichtiger Hinweise lassen das Verhalten der Gegner unglaubwĂĽrdig erscheinen.

Was den Gegnern aber an Intelligenz fehlt, machen sie mit Vielfältigkeit wett. Begegnet ihr anfangs normalen Soldaten, die eurer Klinge nicht viel entgegensetzen können, sind es wenig später schon Ritter, die wesentlich schwerer zu bezwingen sind. Dann gibt es noch insektenähnliche Gegner, die zwar völlig blind sind, aber ein wahnsinnig gutes Gehör besitzen. Die Sichtlinie ist egal, aber ein zu schneller Schritt oder ein umgestoĂźener Eimer, und das Ende ist da – da machen sogar die Bodentypen wie Teppiche oder Steinboden einen erheblichen Unterschied. Diese Vielfalt der Gegnertypen und so manche spannende Begegnung werten das Schleicherlebnis in Styx: Master of Shadows massiv auf.

Styx Master of Shadows 4

Wenn alles nach Plan verläuft, dann wird man in Styx: Master of Shadows auch mit dem ein oder anderen Erfolgserlebnis belohnt. Nutzt man die Umgebung zu seinem Vorteil, vergiftet das Essen mit Goblinspucke oder lässt einen Kronleuchter fallen, nutzt man die Klone besonders gewieft oder kommt man ohne Probleme durch ganze Massen an Wachsoldaten, dann fühlt sich Styx: Master of Shadows richtig gut an.

Grafisch bewegt sich Styx: Master of Shadows im durchschnittlichen Sektor. Hier und da gibt es schöne Lichteffekte zu bestaunen, aber ab und an stößt man auch auf matschige Texturen. Insgesamt kann Styx: Master of Shadows aber ein stimmiges Bild abliefern, das mal mit ruhiger, mal mit epischer, mal mit hitziger, aber immer mit einer passenden Klangkulisse untermalt wird.

Unser Fazit:
Styx: Master of Shadows ist ein zweischneidiges Schwert. An einigen Stellen fühlt es sich unheimlich befriedigend an, erfolgreich und durch einige Tricks – an vielfältigen Gegnern vorbei – durch das Level zu schleichen. Dabei eröffnet Styx: Master of Shadows verschiedene Möglichkeiten und stellt interessante Werkzeuge bereit. Gleichzeitig enttäuschen dumme Gegner und das repetitive Leveldesign. Trotzdem: Für 29,99€ erhält man ein unterhaltsames Spiel, das vor allem eingefleischte Schleich-Fans begeistern wird!

Nachfolgend findet ihr nun noch den Launch-Trailer zu Styx: Master of Shadows: