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Super Smash Bros. 3DS im Test: Die Prügelei des Jahrzehnts?

Lange ist es her, dass das letzte Smash Bros erschien. Brawl landete 2008 auf der Wii und spaltete damals die Spielergemeinde. Für viele war es wie gewohnt der einfache, mega-spaßige Klopper, den sie erwarteten. Für die Core-Gamer allerdings war Brawl zu anspruchslos, die Sprünge waren zu hoch, viele Techniken aus Melee vom GameCube konnten nicht mehr genutzt werden. Die Augen richteten sich auf das neue Smash Bros für den 3DS und der Wii U. Wir zeigen euch in unserem Test, warum das neue Super Smash Bros. 3DS mal wieder ein ganz großer Wurf ist und warum es vielleicht die große Smash-Gemeinde wieder versöhnt.

Das Prinzip von Smash Bros. ist so simpel und doch so unterhaltsam. Ihr leert hier nicht die Energieleiste, wie es zum Beispiel bei Street Fighter oder Tekken üblich ist, sondern beginnt mit 0% Schaden. Werdet ihr getroffen, steigt diese Zahl und man kann euch weiter wegschlagen. Euer Ziel ist es, den Gegner aus dem Bildschirm zu hämmern, um dadurch Punkte zu erhalten ode ihm Leben abzuziehen. Wer am Ende die meisten Punkte hat oder als letzter lebt, gewinnt die Runde. Ein Urprinzip, was sich seit dem Nintendo 64 nicht geändert hat. Geändert hat sich allerdings immer mal wieder die Physik. War Melee noch ein superschnelles Spiel, in dem die Kämpfer kurze Sprünge machten und schnell flogen, war Brawl eher träge und man konnte sehr lange springen und fliegen. Tja, aber was is denn nun mit dem neuen Smash? Es ist eher ein Mittelding aus beiden Veteranen. Man springt zwar nicht so schnell wie in Melee, jedoch deutlich schneller als in Brawl. Das ganze Spielgeschehen fühlt sich wieder deutlich schneller an als auf der Wii. Das Treffer-Feedback ist wie immer Klasse, man hat das Gefühl, der Stärkste zu sein, wenn man den Gegner pfeifend aus dem Ring schleudert. Durch die Kombination aus einzigartenigen Charakteren, Stages und Items fühlt sich außerdem kein Match gleich an, was der Langzeit-Moivation sehr gut tut.

Beeindruckend ist diesmal die Masse an Kämpfern, die euch Nintendo zur Auswahl stellt. Ganze 49 Charaktere stehen euch zur Verfügung, wobei natürlich Nintendo´s Größen wie Mario, Link und Samus verfügbar sind, aber auch Sega´s Sonic, Namco´s Pacman und Capcom´s Megaman mischen diesmal mit. Jeder dieser Kämpfer spielt sich ganz individuell, denn alle besitzen eigene Spezialtechniken. Mario kann einen Feuerball schleudern, der Bewohner aus Animal Crossing reitet auf einem Gyroiden und Captain Falcon setzt seinen mächtigen Falcon Punch ein. Erwähnenswert ist dabei auch Xenoblade´s Shulk, der mittels Spezialangriff verschiedene Eigenschaften wie Springen, Angriff und Schnelligkeit zeitweise aufwerten kann, was einen ganz eigenen Stil mit sich bringt. Mehr Vielfalt geht kaum, und doch schafft Nintendo es, hier noch einen drauf zu setzen. Ihr könnt nämlich diesmal eure eigenen Mii´s als Kämpfer benutzen. Diesem dürft ihr eine der drei Klassen Kämpfer, Schwertkämpfer oder Schütze zuweisen, und zwischen jeweils drei Spezialattacken in allen Richtungen wählen. Außerdem könnt ihr ihn mit freischaltbaren Kleidungsstücken aufhübschen und so zu einem Unikat machen.

Auch die Stages lassen kaum zu wünschen übrig, 34 sind es an der Zahl. Neben neutralen Stages wie dem Battlefield oder der Final Destination gibt es nämlich auch schicke Levels wie die Törtel-Insel aus Animal Crossing, Wilys Schloss von Megaman, wo der Yllow Devil erscheint und euch wie im ersten Megaman das Leben zur Hölle macht, Links Lokomotive von Spirit Tracks, die immer mal wieder angegriffen wird und deswegen quer über den Bildschirm wandert und und und… Langweilig wird es dort nie, allerdings werden sich die Core-Gamer nun wieder sagen: “Fahrende Lokomitive, dritte Gegner? Wie soll man da noch ordentlich kämpfen?” Doch da hat sich Nintendo diesmal was ganz schniekes ausgedacht. Zu jeder normalen Version eines Levels gibt es auch die Omega-Variante, in der die Stage den gleichen Hintergrund und die gleiche Musik hat, jedoch wie die Final Destination nur noch aus einer großen langen Plattform besteht. Dort kann man sich nun ohne Störung von Dritten austoben und sich die Rübe einhauen. Super Idee, denn die Gegner auf den normalen Stages können schon manchmal nerven.

Was wäre ein Smash Bros doch bloß ohne seine Masse an Items? Auch diesmal sind natürlich wieder eine Menge von ihnen dabei wobei es alte Bekannte und auch neue Überraschungen gibt. Zu nennen wären dort das Huhn von Zelda, das gleich eine Schar wilder Hühner auf die Kämpfer hetzt, die Erzkeule von Kid Icarus, die mit einem Schlag einen Tornado herbeiruft, oder auch der Kugelwilli, der euch für einen gewaltigen Schlag in denselben verwandelt. Auch Pokebälle und Helfertrophäen gibt es wieder, wobei es dort sehr lustige Begegnungen gibt. Ich habe mich sehr gefreut, Dr. Kawashima zu sehen, der mit Zahlen um sich wirft, oder Mother Brain, das Retro-Getreu mit bunten Strahlen angreift, oder auch die beiden Pong-Schläger, die sich gegenseitig den Ball hin- und herschießen und sich so übertrumpfen wollen. Smash Bros hat einige Überraschungen auf Lager, die einem immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Da es auch wieder die aus Brawl bekannten Ultra-Smashes gibt, ist natürlich auch der Smash-Ball dabei. Zerschlagt ihr ihn, wird die stärkste Fähigkeit jedes Charakters freigesetzt und ihr könnt sie genau EIN Mal einsetzen. Bowser verwandelt sich so zeitweise in Gigabowser, Fox kann sich in den Landmaster setzen und Megaman versammelt alle Generationen seiner Bauart, um mit ihnen einen riesigen Laser abzufeuern. Insgeamt 71 Items können erscheinen, das ist eine ganze Menge. Da diese Items euch teilweise doch recht übermächtig machen können und es dadurch unfair werden kann, gibt euch Nintendo von Anfang an die Möglichkeit, sie entweder einzeln oder komplett zu deaktivieren, so dass es nur noch auf die echten Kampfskills ankommt. Erwähnenswert sind zusätzlich die Trophäen, die ihr auch im neuen Ableger von Smash wieder sammeln könnt. Ihr erhaltet sie entweder mitten im Kampf als Item oder schaltet sie in verschiedenen Modi frei, um sie dann in eurer Sammlung bestaunen zu können.

Sollte euch eine normale Smash-Prügelei mal zu langweilig sein, so gibt es noch viele andere Möglichkeiten, euch zu beweisen. Der Classic-Modus, in dem ihr eine Reihe an Gegner besiegt, bevor ihr euch dem Endboss stellt, wurde komplett überarbeitet. Ihr wählt am Anfang eine Schwierigkeitsstufe aus. Je höher diese ist, desto mehr Geld bekommt ihr beim Durchspielen. Dann landet ihr auf einer Karte, die euch drei Pfade vorgibt. Ihr müsst euch für einen davon entscheiden und landet dann bei der jeweiligen Stage. Für jeden Sieg erhaltet ihr eine zufällige Belohnung wie Trophäen oder Kleidungsstücke für eure Miis. Am Ende wartet dann wie immer die Meisterhand, wahlweise im Double mit der Crazy Hand auf euch, die diesmal jedoch einige Überraschungen zu bieten haben. Im All-Star-Modus kämpft ihr in chronologischer Reihenfolge gegen alle Kämper des Spiels. Das heißt, zuerst kommt Pacman, da es ihn bereits 1980 gab, dann Mario 1981 und so weiter. Im Stadion stehen euch die Modi Multi-Smash, in dem ihr Massen von Miis verprügelt, Scheibenbomber, in dem ihr eine Bombe in einen Stapel Kisten befördert und der Home-Run-Wettkampf, in dem ihr klassisch den Sandsack so weit wegschlagt, wie es geht, zur Verfügung. Komplett neu ist das Smash Abenteuer, das es nur in der DS-Version geben wird. Ihr spielt zu viert, seid aber für fünf Minuten zunächst komplett allein in einem Gebiet, in dem es Bots aus allen möglichen Spielen gibt, ähnlich wie in der Subraum-Emissär von Smash Bros Brawl. Die Gegner verlieren dabei Power-Ups der Sorten Angriff, Spezial, Schnelligkeit, Abwehr, Sprung und Item. Diese Fähigkeiten wertet ihr so lange auf, bis es nach Ablauf der Zeit zum entscheidenden Finale gegen die Mitstreiter kommt. Das kann ein ganz normaler Smash sein, manchmal müssst ihr aber auch in einem Rennen gewinnen oder in einem Multi-Smash. Der Modus macht Laune, ersetzt für mich aber nicht die schöne Story des Abenteuer-Modus aus Brawl.

Die Grafik des Spiels ist für Nintendo´s doch eher grafikschwächeren 3DS beeindruckend. Smash läuft mit 60 Bildern pro Sekunde über den Bildschirm, was ein superflüssiges Kampfgefühl vermittelt. Nur die Pokémon und Helfertrophäen wurden auf Grund der Rechenleistung auf 30 FPS runtergeschraubt, was aber kaum stört. Über die Outlines von den Charakteren wurde sich nach der Ankündigung von der Handheld-Version stark gestritten. Ich kann euch hier eine klare Entwarnung geben, denn sie fallen im Eifer des Gefechts überhaupt nicht mehr auf, und sollten sie es doch tun, gibt euch das Spiel die Möglichkeit, sie komplett zu deaktivieren, wobei jedoch der Überblick im Kampf teilweise verloren geht. Apropos Überblick, dieser ging mir auf meinem 3DS XL nie verloren. Der Bildschirm ist groß genug, um auch beim Herauszoomen noch alles zu erkennen. Das liegt aber auch daran, dass man diesmal auf riesige Stages wie New Pork City aus Brawl verzichtet hat. Ich kann mir jedoch gut vorstellen, dass man auf dem kleinen 3DS jedoch Probleme bekommen könnte, wenn die Kamera doch mal etwas mehr Abstand nimmt.

Der Soundtrack des Prüglers ist wie erwartet ein Meisterwerk. Dutzende Musik-Produzenten haben sich zusammengefunden und für jegliche Stages Remixes, Medleys und Originale bereitgestellt, die für die Kampfstimmung einfach nur brilliant sind. Für jeden Level gibt es mehrere Stücke, von denen zufällig eins gespielt wird. So gibt es ein geniales Gerudo-Medley, einen tollen Kirby-Remix und ich meine wow, hört euch diese geile Sparkman-Version an:

Übrigens: Ihr könnt euch den Soundtrack auch im Standby des 3DS anhören, wenn ihr euch in der Audiothek befindet und Kopfhörer angechlossen habt. Darüber hinaus könnt ihr die einzelnen Komponenten Musik, Sounds und Stimmen frei einstellen. Etwas schade ist, dass man nicht mehr die Wahrscheinlichkeit für das Aftauchen eines Songs auf der Stage einstellen kann, wie es noch in Brawl der Fall war. So muss man sich hier auch bei seinem Lieblingstitel auf den Zufall verlassen, wenn man die Stage wählt. Eventuell wird sowas Ähnliches ja noch als Update angekündigt und wenn nicht, dann erwarte ich diese Funktion auf der Wii U, da dort bereits eine noch größere Menge an Musik angekündigt wurde und es schade wäre, diese nicht verwalten zu können.

Die Steurung auf Nintendo´s Handheld gelingt den Entwicklern unerwartet gut. Die Figuren lassen sich gut mit dem Circle Pat steuern und auch das Ausweichen und Greifen mit den Schultertasten gelingt wunderbar. Sollte euch was an der Belegung stören, so dürft ihr diese frei in den Optionen ändern.

Natürlich wäre Smash nicht das, was es ist, wenn man nur gegen Computer-Gegner antreten könnte. Ihr habt die Möglichkeit, entweder lokal oder über das Nintendo Network online anzutreten. Schade, dass das lokale Spiel nur mit zwei oder mehr Spielkarten funktioniert, dass also kein Downloadspiel wie bei Mario Kart 7 verfügbar ist. Ansonsten machen die Prügeleien mit Freunden natürlich gleich doppelt so viel Laune wie alleine und zeigen das Party-, aber auch das e-Sport-Potenzial von Smash Bros. Nach dem enttäuschenden Online-Modus von Brawl, der sich fast immer durch Delays bei der Steuerung auszeichnete, wollte man mit dem neuen Ableger einiges gut machen. Dies gelingt aber nur teilweise. Ihr könnt gegen Freunde oder gegen die ganze Welt antreten und dabei zwischen Kämpfe mit oder ohne Items entscheiden. Ohne Items gibt es diesmal auch einen 1vs1 Modus, der schon lange überfällig war. Dieser funktionierte zu meiner Freude auch meist ohne größere Lags, allerdings kam es bei vier Spielern sehr oft zu Delays. Ob es an der Internetverbindung der anderen Spieler lag oder nicht, kann ich bis jetzt noch nicht sagen. So macht der Online-Modus allerdings nur teilweise Spaß.

Fazit:
Wenn man von den Delays im Online-Modus absieht, ist alles, was man am neuen Smash Bros. auszusetzen hat, meckern auf ganz hohem Niveau. Es macht nach wie vor einfach nur Laune, sich mit Kumpels zu bekämpfen. Die Vielzahl an unterschiedlichen Kämpfern, Stages und Items und sein einzigartiges Spielprinzip machen aus dem Titel ein Powerhouse, welches euch über Monate hinweg beschäftigen wird, egal ob unterwegs oder zuhause. Zusätzlich gibt es eine tolle Grafik und einen weltklasse Soundtrack oben drauf. Ein absoluter Pflichtkauf für jeden Handheldbesitzer, während wir uns natürlich zusätzlich noch auf den Ableger für die Wii U freuen.