PES 2015 im Test: Aufsteiger oder Abstiegskandidat?

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Alle Jahre wieder liefern sich die zwei großen Reihen FIFA Football und Pro Evolution Soccer das Duell um die Krone des virtuellen Fußballs. WĂ€hrend FIFA dabei vor allem durch seine unzĂ€hligen Lizenzen punkten kann, trumpft PES eher durch ein flĂŒssiges und realistisches Gameplay und ganz nebenbei auch mit der Champions League. Wie sich das Spiel anfĂŒhlt, wie es aussieht und wie die Online Matches ablaufen, zeigen wir euch in unserem Test.

PES 4

Das MenĂŒ wurde in PES 2015 sehr modern gestaltet. Durch verschiedene, logisch gegliederte MenĂŒs in Kachelform manövriert ihr schnell mit den Schultertasten und wĂ€hlt euren Modus aus. Sollte das zu lange dauern, habt ihr die Möglichkeit, Modi auf eure Startseite zu setzen. So habt ihr sie beim Start direkt auf der ersten Seite und mĂŒsst nicht mehr lange suchen.

In unserem ersten Freundschaftsspiel stellen wir das erste Mal fest, wie flĂŒssig das Spiel zustatten geht. PĂ€sse kommen meist haargenau an, wie wir sie planen, selbst Flanken landen fast immer, so macht der virtuelle Fußball richtig Laune. Das erste Tor ist dann auch schnell im Kasten, nachdem ein tödlicher Pass genauso ankommt, wie wir ihn geplant haben. Geht die Steuerung erst mal in Fleisch und Blut ĂŒber, fĂŒhlen wir uns wie ein Profi auf dem Rasen und wappnen uns direkt fĂŒr unser erstes Online Match… und warten…. und warten…. Nach geschlagenen fĂŒnf Minuten hat sich dann der erste Gegner gefunden. Die Verbindung war recht stabil und ich merkte kaum eine Verzögerung. So macht das Online Kicken Spaß, wenn nur nicht jedes Mal diese verdammt lange Wartezeit vorher wĂ€re. Es kann sein, dass sich die Situation diesbezĂŒglich noch verbessert. Jedoch war es schon etwas ernĂŒchternd, nach jedem Spiel wieder eine halbe Ewigkeit zu warten, ehe man dann endlich online antreten konnte.

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Naja, widmen wir uns doch so lange also der Champions League. Sie ist eigentlich nichts anderes als ein erweiterter Turniermodus, jedoch fĂŒhlt es sich unter dem offiziellen CL-Banner doch alles noch etwas besser an, wĂ€ren da nicht die Lizenzen. Der deutsche Fußball lebt auf, es gibt mehr Fans der Bundesliga als je zuvor, nochmal aufgeputscht durch den WM-Titel dieses Jahr. Dass dann nur drei Bundesliga-Teams in PES auftauchen, ist doch recht ernĂŒchternd. Dieses Jahr sind es FC Bayern, Bayer Leverkusen und Schalke 04 geworden. Wenn man dann auch noch gegen umbenannte englische Teams antritt, ist der Charme der Champions League komplett verflogen. Wir freuen uns natĂŒrlich trotzdem, wenn Manuel Neuer dann den Pokal in den HĂ€nden hĂ€lt, doch es schmerzt trotzdem, dass viele Vereine vermisst werden.

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Die “Meisterliga” und der “Werde zur Legende Modus” sind verdammt motivierend, egal ob ihr euch fĂŒr die Rolle des Managers oder des Teams/Spielers entscheidet. Der Charakter-Designer fĂ€llt ĂŒbrigens wie immer sehr umfassend aus und man kann entweder unheimlich schöne oder bescheuerte Nachwuchsspieler ans Tageslicht bringen. Wir entschieden uns zum Beispiel fĂŒr einen Spieler mit “Charakter”: Er hat lilane, lange Haare und dafĂŒr einen pinken Vollbart, ist knapp 2 Meter groß und hat breite Schultern, dafĂŒr viel zu kurze Beine. Das noch gepaart mit einem angedeuteten Strip als Torjubel und schon ist Frankensteins Monster perfekt. Wir mussten einige Male lachen, als wir unseren Spieler spĂ€ter auf dem Feld in Aktion sahen. Was uns allerdings gar nicht zum Lachen bringt, ist die KI im Legenden-Modus. Vor einem Update musste man genau in der richtigen Zone stehen, damit man einen Pass von seinen regelrecht dummen Mitspielern bekommt. Jetzt kann man durch das Antippen der Schultertaste einen Befehl geben, damit der Spieler, egal in welcher Situation er sich befindet, versucht euch anzuspielen. Das war auch bitter nötig, um uns in diesem Modus an der Stange zu halten und den Controller nicht in der Luft zu zerreißen.

PES 2

myClub ist hingegen ein komplett neuer Modus in PES, der sich einiges vom Kollege FIFAÂŽs Ultimate Team abgeguckt hat, in dem ihr euch euer Team aus gesammelten Fußballspielern zusammenstellt. Es gibt jedoch einige Unterschiede, zum Beispiel kauft ihr eure Spieler nicht in Gruppen, sondern auch einzeln. Dabei halten unsere Agenten immer Ausschau nach Spielern fĂŒr unser Team. Habt ihr genug Game-Points, eine Ingame-WĂ€hrung, könnt ihr einen Star-Agenten engagieren, der nach erfahrenen Spielern fĂŒr eine bestimmte Position sucht. Einen bitteren Beigeschmack gibt mal wieder die Möglichkeit, auch gegen Echtgeld Game Points ersteigern zu können, die man ansonsten nur in Online Matches erhĂ€lt.

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Grafisch macht PES auf der einen Seite alles richtig, auf der anderen jedoch alles falsch. Die Spieler sehen in unserer PS4-Fassung einfach nur grandios aus. Die Fox Engine leistet hier ganze Arbeit und so kann man fast alle Spieler problemlos erkennen, besser sogar als beim Rivalen. Wenn man die Zuschauer jedoch von Nahem sieht, könnte man meinen, man guckt auf ein Spiel der vorletzten Generation. Wenn man darĂŒber hinweg sehen kann, erhĂ€lt man jedoch ein grafisch starkes Spiel.

Als ich das Spiel startete, wurde ich direkt von AviciiÂŽs “Wake Me Up” begrĂŒĂŸt, danach lief “Demons” von den Imagine Dragons und viele weitere tolle, aber nicht mehr ganz aktuelle Songs. Sie sorgen fĂŒr ordentlich Stimmung im MenĂŒ, auch wenn es ein paar mehr Songs hĂ€tten sein dĂŒrfen. Die Kommentatoren des Spiels nerven mich mit der Zeit jedoch so sehr, dass ich sie bald deaktivieren werde. Da nĂŒtzen auch die prominenten Stimmen von Wolf Fuss und Hansi KĂŒpper nicht viel. Es stört einfach, wenn der gleiche Spruch zum dritten mal an einer völlig unpassenden Stelle zu hören bekommt. Zum Beispiel höre ich andauernd, dass es eine HUNDERT PROZENTIGE Chance war, obwohl ich vom spitzesten Winkel aus Verzweiflung abgezogen habe. Wenn das Ding reingehen wĂŒrde, wĂŒrde ich eher unglĂ€ubig feiern, als mich bestĂ€tigt zu fĂŒhlen.

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Steuern lĂ€sst sich PES 2015 tadellos, die Tasten sind frei belegbar und auch fĂŒr LinkshĂ€nder einstellbar. Das Tastenfeedback ist super, wenn man jedoch FIFA gewohnt ist, wird man erst mal blöd gucken, wenn man die Schusskraft von einem Freistoß bestimmen möchte. Die Leiste fĂŒllt sich nĂ€mlich deutlich schneller als ein Kollegen. Da geht der ein oder andere Schuss schon mal weit ĂŒber das Tor hinaus.

Fazit:
PES 2015 ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite sind die Gameplay-Elemente so perfekt, dass der Fußball einfach nur Spaß macht und man gar nicht aufhören mag. Auf der anderen Seite sind da die langen Wartezeiten fĂŒr Online Matches, grafische Patzer und nervige Kommentatoren. Das macht das Spiel zwar zu einem soliden Titel, jedoch nicht zu dem Messi der Fußball-Simulationen. DafĂŒr muss an den besagten Faktoren noch eine ganze Menge gefeilt werden. Einen Kauf ist der Kick von Konami jedoch alle Male wert.