This War of Mine im Test: Ein emotionales Anti-Kriegsspiel der besonderen Art

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Wenn wir an Krieg in Zusammenhang mit Videospielen denken, dann fallen uns natürlich spontan Weltkriegs-Shooter wie beispielsweise Ableger der Call of Duty- oder Medal of Honor-Reihe ein. Dort spielen wir überstarke Kriegsmaschinen, die auf den Schlachtfeldern unzählige Feinde erledigen. Das polnische Indie-Entwicklerstudio 11 Bit Studios will mit dem Spiel “This War of Mine” eine etwas andere Sicht auf den Krieg ermöglichen. Im Spiel geht es um die Zivilbevölkerung, die nicht direkt am Krieg beteiligt ist, aber trotzdem ums Überleben kämpfen muss. In unserem Test wollen wir euch nun verraten, ob dieser neue Ansatz für Spielspaß sorgt.

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Zum Spielstart werden drei zufällige Charaktere erstellt, die jeweils unterschiedliche Eigenschaften besitzen. Ich startete mit Pavle, Bruno und Katia. Pavle ist ein schneller Läufer und war ein Star der lokalen Fußballmannschaft. Bruno hatte seine eigene Koch-Show im Fernsehen und ist dadurch ein guter Koch. Katia hingegen kann gut feilschen. Sie traf Pavel schon vor dem Krieg und ist momentan leicht krank. Somit wissen wir zumindest schon etwas über unsere Mitstreiter und können einschätzen, wie wir diese im Überlebenskampf einsetzen können.

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Das Spiel bietet je nach Tageszeit zwei unterschiedliche Szenarien. Am Tag, also von 6:00 – 20:00 Uhr, sind wir in unserer Unterkunft und müssen dort den Alltag meistern. Am Anfang durchsuchen wir zuerst alle interessanten Orte im Haus nach Ressourcen. Wir stoßen dabei beispielsweise auf unterschiedliche Materialien (Holz, Metall, elektrische Bauteile, usw.), Nahrung, Munition oder Waffenteile. Mit diesen Ressourcen können wir uns diverse Gegenstände bauen, wie etwa ein Bett, einen Ofen oder eine Werkbank. Ihr könnt euch sicherlich schon denken, dass die Materialien stark begrenzt vorliegen und somit der Einsatz dieser gut überlegt sein sollte. Das dies nicht ganz einfach ist, stellen wir schnell fest: Pavle hat starken Hunger und Katia ist extrem übermüdet. Wir haben aber nur Rohstoffe, um entweder ein Bett oder einen provisorischen Herd zur Essenszubereitung zu bauen. Wie wir uns auch entscheiden, einer von beiden wird dadurch den Kürzeren ziehen. Stirbt einer unserer Charaktere, ist dieser übrigens endgültig tot und kann nicht mehr ins Spiel zurückkehren – das macht die Sache natürlich nicht unbedingt leichter.

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Generell leiden unsere Leute ziemlich oft an Hunger, Krankheiten und Müdigkeit. Somit steht eigentlich immer die Suche nach Nahrung und Medizin auf dem Tagesprogramm. Am Tag kommen aber auch gelegentlich fremde Leute mit unterschiedlichen Beweggründen an eure Haustüre. Die einen wollen handeln (dazu eignen sich Juwelen, Zigaretten und Alkohol), andere wollen sich uns anschließen oder bitten um Hilfe. Wenn wir schon kaum unsere eigenen Leute mit Nahrung versorgen können, wie sollen wir dann noch eine weitere Person durchfüttern?! Kehrt unser Mann heil von der Hilfsaktion zurück?! This War of Mine konfrontiert uns durchgehend mit Entscheidungen, die uns absolut nicht leicht fallen.

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Ihr braucht aber nicht glauben, dass ihr nachts eure Ruhe habt, hier wird es erst richtig herausfordernd. Bei Nachteinbruch wird eine Stadtkarte eingeblendet, auf der wir unser Vorgehen planen. Wir können jeden unserer Leute anweisen, auf Plünderung zu gehen, unser Haus zu beschützen oder zu schlafen. Auf der Karte kann der Ort der Plünderung ausgewählt werden, am Anfang stehen noch wenige zu Verfügung, dies ändert sich aber im Laufe des Spiels. So erkunden wir später verschiedene Wohnhäuser, eine Kirche oder ein Krankenhaus. Am rechten oberen Bildrand werden Informationen zum markierten Ort angezeigt, die auf zu findende Rohstoffe und mögliche Gegner hinweisen. Bereits hier ist wieder gute Planung gefragt: Am Besten schicken wir den schnellen Pavle auf Plünderung, lassen Bruno das Haus bewachen und unsere erschöpfte Katia im Bett ausruhen. Wenn alle eure Leute zu geschwächt für einen Beutezug sind, dann könnt ihr auch die Nacht im Haus verbringen. Damit seid ihr aber nicht automatisch in Sicherheit, denn auch euer Haus wird für Raubzüge anderer Menschen genutzt. Ob diese Aufeinandertreffen friedlich oder mit Waffengewalt enden, ist ungewiss.

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Haben wir uns für eine Plünderung entschieden, müssen wir den Plünderer im nächsten Schritt mit seiner Ausrüstung ausstatten. Die Auswahl sei gut durchdacht, da unser Rucksack nur begrenzten Stauraum bietet und wir ja schließlich auch unsere Beute darin platzieren müssen. Nützlich ist etwa eine Schaufel oder ein Brecheisen, um vor Ort schneller an Ressourcen zu gelangen.

Am Ort der Plünderung wird es dann richtig spannend: Mit einem Hand-Symbol wird auf Positionen hingewiesen, an denen wir etwas holen können. An einer Tür wird ein Augensymbol angezeigt; hier spähen wir durch das Schlüsselloch. Rote Punkte zeigen Bewegungen an. Ob diese von Menschen oder beispielsweise Ratten stammen, wissen wir erst, wenn wir uns auf Sichtweite nähern. Wenn wir auf einen Menschen treffen, kann dies ein harmloser Zivilist sein, der uns bittet, das Haus zu verlassen und nichts zu stehlen, oder eine Person auf Beutezug. Wenn wir Glück haben, können ihr friedlich miteinander plündern. Wenn wir Pech haben, werden wir direkt attackiert. Dann sollten wir schnell den Rückweg einschlagen, vor allem wenn wir keine Waffe mit dabei haben. Generell sollte man Kämpfe vermeiden, da die Spielfiguren dabei meist schwer verletzt werden oder im schlimmsten Fall sogar sterben. Außerdem sollte man das Gebiet vor Tagesanbruch verlassen, da sonst der Plünderer tagsüber zurückgehen muss.

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Richtig entspannen können wir in This War of Mine eigentlich nie. Wir haben fast immer ein schlechtes Gewissen und leiden mit unseren Mitstreitern. Der langsame Hungertod eines Kameraden oder der schmerzhafte Verlauf einer Krankheit wird auf emotionale Art und Weise vermittelt, auch wenn die Figuren nur mittels Sprechblasen mit uns kommunizieren. Steht eine Familie vor unser Tür und wir müssen diese aufgrund unserer miserablen Lage abweisen, hinterlässt das ein ungutes Gefühl im Magen. Aber die Spielfiguren können auch an Depressionen leiden, dies kann soweit führen, dass ihr einen Charakter nicht mehr befehligen könnt. Um Depressionen vorzubeugen, müsst ihr beispielsweise mit den Figuren über deren Probleme reden und ihnen neue Hoffnung schenken.

Grafisch setzt das Spiel auf eine minimalistische 2D-Grafik, der Fokus soll hier klar auf dem Spielprinzip und dessen Atmosphäre liegen. Mich persönlich hat der sich bewegende Hintergrund im Spiel etwas genervt, ansonsten finde ich die Grafik ganz passabel. Auch die Soundkulisse setzt auf Minimalismus und passt sich somit optimal ins Gesamtkonzept ein.

This War of Mine ist für Windows-PC, Linux und Mac auf Steam und als Retail-Version für 18,99€ Euro erhältlich.

httpv://youtu.be/gotK5DLdVvI

Unser Fazit:

Ich habe selten eine so dichte und packende Atmosphäre in einem Spiel erlebt. Permanent plagt mich mein Gewissen, ich bin oft einfach hilflos und muss mich mit dem langsamen virtuellen Ableben meiner Spielfiguren abfinden. Ich wimmle die dem Tod geweihten Familien an meiner Haustür ab und raube wehrlose Zivilisten aus, nur damit meine Leute hoffentlich am Leben bleiben. Das geht auf Dauer nicht spurlos an einem vorbei.

This War of Mine ist ein durchgehender Drahtseilakt, der euch permanent mit emotionsgeladenen Entscheidungen konfrontiert. Leicht ist das Spiel auf keinen Fall, denn mindestens einer unserer Charaktere leidet immer an Hunger, Krankeit oder Müdigkeit. Gegenmittel dafür sind rar, aber genau das macht den Reiz dieses Spiels aus. Wir besitzen keine sich regenerierende Gesundheit, wie in den bekannten Weltkriegs-Shootern, sondern müssen uns alles hart erarbeiten und oft genug dem virtuellen Tod ins Auge blicken. Nach ungefähr fünf Spielstunden hatte ich persönlich den Anreiz zum Weiterspielen verloren, da mich, trotz zufälligen Bedingungen bei einem neuen Durchgang, schnell die Motivation verließ. Wer gerne emotionale Spiele und Survival-Abenteuer mag, der kann aber bedenkenlos bei This War of Mine zuschlagen.

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