Far Cry 4 im Test: In den Bergen liegt die Freiheit

Far Cry 4 Titel

Far Cry 3 setzte Ende 2012 einen neuen Maßstab für Open World Shooter. Die Mischung aus Lagern einnehmen, Türme erklimmen, Jagen und die super umgesetzten Missionen machten das Spiel zu einem Hit. Jetzt, knapp zwei Jahre später, erscheint Far Cry 4, welches diesmal aber statt auf einer tropischen Insel im Himalaya-Gebirge spielt. Das ist jedoch eigentlich auch schon der größte Unterschied zum hochgelobten Vorgänger, denn eins können wir schon vorweg nehmen: Far Cry 4 fühlt sich genauso an wie der dritte Teil der Reihe. Dass das aber nicht unbedingt schlimm sein muss und warum sich der Ausflug ins Gebirge trotzdem lohnt, das zeigen wir euch in unserem Test.

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Ajay Ghale hat eigentlich eine einfache Aufgabe. Der letzte Wunsch seiner Mutter war es, dass ihre Asche auf dem höchsten Berg ihrer Heimat Kyrat verstreut wird. So kehrt der in den USA geborene Ajay in sein Ursprungsland zurück und wird schnell in einen Bürgerkrieg zwischen dem Volk Kyrats und dem selbst ernannten König Pagan Min verwickelt. Auch muss er feststellen, dass der Berg, den seine verstorbene Mutter auserkoren hat, direkt bei der Festung von Min sitzt. Na tolle Wurst…
Die Story ist zwar nicht sehr originell, jedoch hat Ubisoft mit Pagan Min einen genauso krankhaft guten Charakter wie Vaas im Vorgänger erschaffen, dass wir wieder eine Art Sympathie für ihn entwickeln. Ein Beispiel dafür ist eine Szene, in der er direkt vor einem explodierten Truck mit blutverschmierten Gesicht ein Selfie mit unserem verwirrten Ajay knipst.

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Wie schon erwähnt, hat sich beim Gameplay von Far Cry eigentlich nicht viel geändert. Immer noch nehmen wir feindliche Lager ein, klettern an Türmen hoch, gehen auf Jagd und absolvieren tolle Missionen in der offenen Welt von Kyrat, jedoch gibt es so einige Verbesserungen, die durchweg gelungen sind. Die Welt Kyrat fühlt sich toll und frisch an. Das Gebirge bringt einen neuen Touch mit sich und wurde toll gestaltet. Es gibt überall etwas zu entdecken und man möchte sich regelrecht in der weiten Landschaft verlieren. Überall gibt es kleine Dinge zu erledigen wie zum Beispiel Propaganda Poster abreißen, Masken des Zorns zu zerschießen und viele mehr. Ich sagte mir öfters: Nur noch das und dann kümmere ich mich wieder um was anderes. Aber oft ploppte dann doch wieder etwas auf der Karte auf und meine Neugier war geweckt. Dieses Gefühl kontinuierlich bei einer so großen Karte auszulösen, verdient großen Respekt.

Das Gebirge bringt übrigens wesentlich mehr vertikales Gameplay mit sich. Oft müsst ihr klettern, um einen Berg zu erklimmen und damit euer Ziel zu erreichen. Auch die Glockentürme alias Funktürme 2.0 gilt es zu besteigen, damit ihr ein Stück von der Karte aufdecken könnt und neue Waffen freischaltet. Diesmal sind die Türme jedoch meistens von Gegner bewacht und sind wesentlich komplexer aufgebaut, weswegen sich das Ganze dann doch wieder anders anfühlt und auf jeden Fall mehr Spaß macht.

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Auch die Lager spielen sich sehr ähnlich wie schon in Far Cry 3. Erledigt ihr alle Gegner in einem Lager, nehmt ihr es ein und könnt es fortan als Schnellreise-Punkt nutzen und mehrere Nebenmissionen starten. Ist das beim ersten Mal nicht so gut gelungen, habt ihr diesmal die Möglichkeit, den Angriff auf Punkte zu wiederholen. Mit einer guten Schleichtechnik ergattert ihr dabei am meisten Punkte, was allerdings nicht immer leicht ist, denn die Gegner patrouillieren logisch und entdecken Leichen schnell. Wer es hart auf hart mag, kann sich übrigens auch an einer der vier Festungen versuchen. Das Prinzip ist das gleiche wie bei den Lagern, jedoch sind Festungen wesentlich größer und schwerer einzunehmen.

Von den Missionen wollen wir eigentlich gar nicht so viel verraten. Jedoch müsst ihr diesmal öfters Entscheidungen treffen, die eure folgende Mission und damit den gesamten Spielverlauf verändern. So gibt es auch mehrere Enden in Far Cry 4, je nachdem wie ihr euch entschieden habt. Neben der Kampagne gibt es natürlich auch wieder verschiedene Nebenaufträge, für die es Kohle und Erfahrungspunkte gibt. Neben den altbekannten Auftragsmorden und Rennen stechen vor allem die groß angekündigten Shangri La-Missionen hervor. Diese entführen euch in eine fiktive, bunte Welt, die glatt aus einer alten, chinesischen Sage entspringen könnte. Das Gras ist rot, überall stehen Statuen von betenden Mönchen (die sich auch gerne mal bewegen), riesige Glocken und dazu begleitet euch auch noch ein weißer Tiger, mit dem ihr gegen böse Geister mit bedrohlichen Masken kämpft. Dieser krasse Gegensatz zur sonst recht realen Welt des Spiels hat uns beeindruckt und wir hätten gern noch mehr von Shangri La gesehen.

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Das groß angekündigte Koop-Gameplay könnt ihr direkt nach den ersten paar Missionen starten. Ihr könnt dabei zwischen öffentlichen und privaten Koop entscheiden. Letzteres macht aufgrund der besseren Kommunikation natürlich wesentlich mehr Sinn. So stürzen wir uns also mit einem Freund in die Schlacht gegen Pagan Min und… halt mal… Haupt-Missionen gehen gar nicht zu zweit? Hmmm, das ist zwar eine kleine Enttäuschung, jedoch bleiben ja noch die zahlreichen Lager und Festungen zum Einnehmen. Gerade in Letzteren entfaltet sich das Koop-Gameplay, da die Festungen etwas schwerer zu knacken sind als einfache Vorposten. Solltet ihr also ein paar Schlüssel zu Kyrat parat haben, schickt sie einfach an einen Freund und stürmt die Vorhut von Pagan Min.

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Auch grafisch ist Far Cry 4 mehr als gelungen. Natürlich gibt es verwaschene Texturen und die Skybox trübt den Blick in die Ferne etwas, allerdings muss man bedenken, dass das Spiel auch noch für die letzte Konsolengeneration erschienen ist. Unsere PS4-Fassung sieht trotzdem brillant aus. Die Wiesen sehen saftig, die Berge mächtig aus. Die Charaktere sind detailreich gestaltet, Tiere haben richtiges Fell, was ich so bis jetzt noch nicht gesehen habe, da es sonst meist recht aufgedruckt wirkte. Auch die Waffen, von denen es in Far Cry 4 reichlich gibt, wurden sehr gut dargestellt.

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Und wo wir schon bei den Schießeisen sind: Diese hören sich auch noch verdammt gut an und dröhnen ordentlich auf den Ohren, ohne künstlich zu wirken. Auch die Synchronisation ist durchweg gelungen. Die Sprecher schaffen es, sich in die Rolle der Charaktere hineinzuversetzen und ihnen so ein gelungenes Gesamtbild zu verpassen. Setzt ihr euch in ein Fahrzeug, könnt ihr euch außerdem an typisch asiatisch-indischer Musik erfreuen, was ebenfalls zur Atmosphäre beiträgt.

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Wer die Steuerung von Far Cry 3 noch kennt, brauch sich eigentlich nur an diese erinnern, da sie sich in keiner Weise verändert hat. Hier trifft der Spruch “Never change a running system” den Nagel auf den Kopf. Alles geht flüssig von der Hand, die Knöpfe sind logisch belegt, die Blickempfindlichkeit kann man großzügig verändern und die bei Oldschoolern sehr beliebte invertierte Sicht ist natürlich auch dabei. Meckern kann man hier eigentlich nur bei der PC-Version. Ihr schmeißt Wurfgeschosse mit einem Klick auf dem Mausrad. Das wäre ja schön und gut, wenn durch das Rollen des Rads nicht gleichzeitig das Wurfgeschoss wechseln würde. Ich kann gar nicht an den Händen abzählen, wie oft ich eine Granate auf ein Auto werfen wollte, plötzlich aber ein Stück Fleisch oder ein Wurfmesser durch die Luft sauste. Hier empfehlen wir wärmstens, die Steuerung einzustellen, sodass man die Waffen per Mausrad wechselt und Granaten einfach mit G wirft, wie es sich gehört. 😉

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Fazit:
Ubisoft hatte von Anfang an den Plan, einen würdigen Nachfolger für Far Cry 3 zu erschaffen. Das ist ihnen mit der Tour durch die Gebirge von Kyrat durchaus gelungen. Wer allerdings ein völlig neues Spielerlebnis sucht, wird gelinde gesagt recht enttäuscht sein. Far Cry 4 optimiert vieles, liefert uns damit wieder ein ausgezeichnetes Spiel, schafft aber nicht ganz das WOW-Erlebnis, das wir bei dem Vorgänger hatten. Wenn wir den Jungs von Ubi also einen Tipp geben können, dann löst euch von euren Fesseln und schafft mal wieder was ganz Frisches und schenkt den Spielern neues Vertrauen, welches ihr in diesem Jahr leider weitgehend verletzt habt.