Bloodborne im Test – Knallhart und blutig

In einer Nacht der Jagd steht der Mond tief √ľber Yharnam. Patrouillen ziehen durch die Stra√üen, alle T√ľren sind fest verschlossen und in den dunklen Gassen lauert noch viel Schlimmeres ‚Äď und wir als J√§ger sind mittendrin. J√§ger? Nacht der Jagd? Yharnam? Selbst erfahrene Veteranen der Souls-Reihe k√∂nnen mit den neuen Begriffen von Bloodborne wenig anfangen. Das brandneue knallharte Action-RPG aus dem Hause From Software l√§sst sich Neues einfallen ‚Äď und gibt alte Tugenden dabei nicht auf. Was Neues dazu kam, Altes bew√§hrt wurde und wie gut Bloodborne wirklich ist ‚Äď das wei√ü der Test.

Yharnam – so hei√üt der Schauplatz von Bloodborne. Yharnam ist eine viktorianische Stadt voller gothischer Architektur, d√ľsteren Bewohnern und noch dunkleren Kreaturen. Als wir uns als J√§ger nach Yharnam aufmachen, beginnt gerade die “Nacht der Jagd”. Unter einem tief stehenden Mond ziehen Patroullien durch die Stra√üen und Scharfsch√ľtzen bewachen die D√§cher. Viktorianische Rollst√ľhle pflastern die Stra√üen, die Bewohner tragen ausladende Roben und hohe H√ľte. Die Stadt ist chaotisch, schmutzig und vor allem eins: blutig. Und das st√∂rt die Anwohner derma√üen, dass sie einen Hass auf die durch die Stra√üen ziehenden J√§ger entwickelt haben. “Yharnam ist am Ende”, t√∂nt es von vielen Bewohnern.

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Wirklich blutig

Blut nimmt bei Bloodborne eine zentrale Rolle ein. Nicht nur die Kämpfe sind blutig, viele Aspekte des Rollenspiels sind auf den roten Lebenssaft aufgebaut. Statt der in den Vorgängern benötigten Seelen sammeln wir jetzt Blutecho. Das erhalten wir von getöteten Gegnern und verschiedenen Items, die unseren Kontostand etwas aufbessern. Mit dem Blutecho können wir anschließend unsere Fähigkeiten verbessern und Items kaufen. Auch die Waffen können mit Blutecho und anderen Materialien verbessert werden.

Die Spiele von From Software waren nie ausgiebige Geschichtenerz√§hler. Die Faszination ihrer Spiele zieht sich daraus, das an vielen Stellen Themen nur angedeutet werden. Wer dann in Gespr√§chen und Inschriften weiter nachgr√§bt, wird erz√§hlerisch reich belohnt. Das ist bei Bloodborne nicht anders: Die weitl√§ufig gegliederten, mit Leitern, Treppen und Nebenstra√üen besetzten Karten beherbergen eine Vielzahl an interessanten Charakteren, die alle immer neue Details √ľber die Welt offenbaren. From Software verstehen es auch in ihrem neuesten Titel, eine spannende Geschichte anzudeuten und jeden interessierten mit einer sehr reichhaltigen Welt zu begeistern.

Und auch das Blut spielt bei Bloodborne erz√§hlerisch eine Rolle: Das Blut der Bewohner von Yharnam wird zunehmend schmutziger. Die Bewohner schimpfen √ľber das verdorbene Blut der Stadt – und geben den fremden J√§gern die Schuld daran. Kein Wunder also, dass euch die Anwohner nicht freundlich gesinnt sind. Einen Ausweg bietet der Klerus: Die “Heilende Kirche” √ľbt die Kunst der Blutreinigung aus und verspricht den Bewohnern durchgesp√ľlte Arterien. Eine so inhaltsvolle und tiefgehende Geschichte macht einen wichtigen Aspekt der Faszination von Bloodborne aus. Nicht umsonst erfreuen sich Erkl√§rungsvideos zur Story schon seit Demon’s Souls gro√üer Beliebtheit.

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Abgespeckte Rollenspiel-Elemente

Dark Souls war und ist ein richtiges Fest f√ľr Rollenspiel-Fans. Dank der freien Charakterentwicklung sprudelte die Community nur so vor verschiedenen Builds und Taktiken √ľber – die gro√üe Zahl an Waffen, Zaubern und F√§higkeiten machten viele Variationen m√∂glich. Leider haben From Software den Rollenspiel-Aspekt bei Bloodborne reichlich abgespeckt: Trotz dem gro√üz√ľgigen Editor gibt es nicht mehr so viele M√∂glichkeiten, seinen Charakter auszuformen. Statt der urspr√ľnglich neun skillbaren Fertigkeiten bietet Bloodborne nur noch sechs Skills an, die man gegen Blutecho aufbessern kann. Dazu kommt, dass man in Bloodborne beliebig viele Items tragen kann – ohne die Gefahr, sich zu √ľberladen. Es ist jetzt kein geschicktes Abstimmen mehr n√∂tig, um die perfekten Werte f√ľr sein liebstes Set zu erreichen – Adieu sagen wir zum ikonischen “Havel the Rock”-Set!

 

‚ÄěBei den Items gibt es keine Spielereien mehr‚Äú

 

Apropos R√ľstungen: Die kann man in Bloodborne nicht mehr aufwerten. Das Upgraden mit Materialien ist nur noch bei Waffen m√∂glich – aber auch das wurde einfacher gestaltet. Statt sich mit verschiedenen Upgradepfaden abzuplagen (Demon’s Souls l√§sst gr√ľ√üen!), sich zwischen einer Blitz-Infusion oder Giftschaden entscheiden zu m√ľssen, gibt es nur noch einen Pfad. Das Material variiert von Waffe zu Waffe, aber meistens werden daf√ľr Blutsteine benutzt. Mit denen wird die Waffe von 0 auf +10 getrieben, um dann eben den besten Schaden auszuteilen. Andere M√∂glichkeiten, seine Waffe an seine Stats anzupassen, gibt es bisweilen nicht. Als Vergleich: In Dark Souls ist es m√∂glich, beispielsweise via Blitz-Infusion einen Bonusschaden zu erzeugen, wenn der “Wille”-Stat entsprechend hoch ist. Solche Spielereien funktionieren hier nicht. Die Waffen in Bloodborne k√∂nnen lediglich mit gefundenen Runen verfeinert werden.

Veteranen verabschieden sich ebenfalls von ausr√ľstbaren Ringen, gro√üen Unterschieden in den R√ľstungen, von einem Magie-System und sinnvollen Schilden. Die aktuellen Schilde in Bloodborne werden eher als Waffen bewertet, enthalten keine Angaben √ľber Schadensreduktion und fressen bei jedem Treffer die gesamte Ausdauer und ein bisschen Lebensenergie. Schade!

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Weniger Komplexität im frischen Arsenal

Was Bloodborne an Komplexit√§t in den Rollenspiel-Elementen entzogen wurde, wurde dem Waffenarsenal als Neuerungen hinzugef√ľgt. Grundlegend gibt es zwei Waffenklassen: Trickwaffen und Feuerwaffen. Die Trickwaffen sind ein komplett neues Feature und l√∂sen die Einhand/Zweihand-Posen der Vorg√§nger ab. Eine Trickwaffe besteht aus zwei “unterschiedlichen” Zust√§nden einer Waffe: Beispielsweise kann ein Gro√üschwert zu einem Gro√ühammer zusammengesteckt werden. Die verschiedenen Zust√§nde der Waffen ver√§ndern Reichweite, Geschwindigkeit und Schaden – und fordern damit, je nach Gegner unterschiedlich eingesetzt zu werden.

Die Feuerwaffen sind genau das, was man erwartet. Neben der Trickwaffe f√ľhrt man Pistolen, Donnerb√ľchsen und Repetiergewehre. Die Wummen werden mit Quecksilbermunition geladen und machen erst mal wenig Schaden. Die wichtige Hauptaufgabe liegt in der Konter gegnerischer Angriffe: Stoppt eine unserer Kugeln den Angriff des Gegners in einem kleinen Zeitfenster, so wird er gel√§hmt und ist √§u√üerst verwundbar. Leider erf√ľllen die Feuerwaffen bisher sonst keinen Zweck und d√ľrfen gerne weiter eingebunden werden!

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Ein griffiges Kampfsystem

Abgespeckte Rollenspiel-Aspekte, gestrichene Funktionen und weniger Entfaltung: Was also macht Bloodborne dann noch besonders? Das wertvollste an den Spielen des japanischen Entwicklerstudios ist und bleibt das Kampfsystem. Und das ist bei Bloodborne so gut wie eh und je. Durch die variablen Waffen, das entschlackte Skill-System und die schmalen defensiven M√∂glichkeiten zwingt uns Bloodborne in den Angriff zu gehen. Die K√§mpfe bestehen zum gr√∂√üten Teil aus schnellen Nahk√§mpfen – ohne Magie oder dem Blocken von Angriffen. Stattdessen wird der Spieler gezwungen, sich agil zu verhalten: Das Ausweichen, Kontern und Zuschlagen im richtigen Moment steht im Vordergrund. Damit das auch funktioniert, f√§hrt Bloodborne ein gewohnt griffiges Kampfsystem auf. Alles reagiert wie es soll und die Geschwindigkeit der Aktionen f√ľhlt sich genau richtig an. So bleiben die K√§mpfe zwar fordernd, aber immer fair – und jeder Spieler kann dem Gegner mit angemessenen Mitteln begegnen.

Das ist auch wichtig: Gelassenheit k√∂nnen sich selbst Veteranen nicht leisten. From Software hat f√ľr die Gegner von Bloodborne wieder einige √úberraschungen eingepackt. Selbst Spieler mit hunderten Stunden Erfahrung in Dark Souls m√ľssen auf der Hut sein: Die Schwierigkeit wurde an vielen Stellen ordentlich angezogen. Beim New Game Plus-Modus bekommt selbst Entwickler From Software Probleme. Das mag auch daran liegen, dass regenerative Health-Items komplett verbannt wurden. Vorbei ist die Zeit der sich erneuernden Estus-Flakons: Jetzt ist man auf Blutphiolen angewiesen, die man stetig nachkaufen oder finden muss.

Die erh√∂hte Schwierigkeit merkt man vor allem an den neuen Bossen: Die neuen Endgegner bestechen mit abwechslungsreichen Movesets und undurchsichtigen Schwachstellen. Je l√§nger man einen Boss beobachtet, bevor man angreift, desto besser. Insgesamt sind die Endk√§mpfe abwechslungsreich gestaltet und immer knallhart. Grell orange leuchtende Schwachstellen bei Bossen? Bei Bloodborne Fehlanzeige: Wem zu offensichtliche Schwachstellen schon immer ein Dorn im Auge waren, der f√ľhlt sich in Yharnam pudelwohl.

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Viel Bekanntes im Multiplayer

Je mehr, desto besser: In Bloodborne gibt es auch wieder einen nebul√∂sen Mehrspieler-Modus, dem Entwickler From Software gewohnt wenig Erkl√§rungen schenkt. F√ľr den Multiplayer wurde ebenfalls eine neue W√§hrung eingef√ľhrt: Einsicht. Diese ben√∂tigt ihr, wenn ihr Freunde beschw√∂ren oder Gegner √ľberfallen m√∂chtet. Das Grundprinzip ist Fans der Reihe bereits bekannt: In Bloodborne ist es m√∂glich, Freunde als Hilfe zu beschw√∂ren – etwa bei Bossk√§mpfen. Das Gleiche ist auch bei Feinden m√∂glich: Diese k√∂nnt ihr n√§mlich √ľberfallen. Alles wie gehabt. Auch Eide k√∂nnen wieder abgelegt werden, um sich einer Fraktion anzuschlie√üen.

Die Beschw√∂rung anderer Spieler f√ľhrt man jetzt aber mit Glocken aus: Um andere Spieler zu beschw√∂ren, nutzt man die “Herausforderungsglocke”. Ist die gel√§utet, l√§dt man andere Spieler in sein Spiel ein. Diese k√∂nnen mit einer “kleinen nachhallenden Glocke” oder einer “finsteren nachhallenden Glocke” antworten. Mit der kleinen Glocke hilft man dem Host, mit der finsteren Glocke √ľberf√§llt man ihn. Besonders spannend: Immer wenn man mit der Herausforderungsglocke andere Spieler beschw√∂rt, l√§dt man Invasoren und Helfer gleicherma√üen ein. Im besten Fall bekommt man also eine helfende Hand im Bossfight, im schlimmsten einige Probleme mehr. So oder so: Bloodborne macht mit anderen Spielern immer mehr Spa√ü.

Nat√ľrlich m√∂chte man Bloodborne auch mit Freunden spielen. Aus diesem Wunsch hat From Software gelernt: Damit der Host von seinen Freunden gefunden wird, kann er sein Spiel mit einem Passwort sch√ľtzen. Man kann seine Freunde noch immer nicht direkt ins Spiel einladen, so kann man sich aber wesentlich leichter finden. Sehr sch√∂n!

Wie im Vorgänger können auch wieder Nachrichten auf dem Boden verteilt und von euch bewertet werden. Diese enthalten meist Warnungen vor nahen Hinterhälten oder Tipps zu seltenen Items. Nach festen Satzbausteinen kann jeder Spieler so seine Tipps auf dem Boden hinterlassen Рund die Spieler in Bloodborne nutzen das Feature reichlich. Alles in allem ist der Multiplayer dem der Vorgänger recht ähnlich und enthält vor allem neue Komfort-Funktionen Рwie die Beschwörung anderer Spieler ohne ein Beschwörungssymbol. Auch, wenn es bisweilen etwas dauern kann, andere Spieler zu finden.

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Visuell stimmig, aber mit Schwächen

Bloodborne l√§uft mit 30 Bildern pro Sekunde. Und da liegt schon die erste Schwierigkeit: Einem Spiel, das ein noch schnelleres Kampfsystem als die Vorg√§nger hat, w√ľrden auch 60 Bilder pro Sekunde gut stehen. Dazu kommt, dass die Framerate in einigen Gebieten auch gerne mal unter 20 Bilder die Sekunde plumpst – vor allem im Multiplayer f√§llt das auf. Auch bei den Ladezeiten schw√§chelt Bloodborne: Zwischen den Gebieten setzt Bloodborne den Spieler √ľberdurchschnittlich langen Ladezeiten aus. Dabei glotzen wir auf das Bloodborne-Logo und √ľberlegen uns, wem wir als n√§chstes unser Leben lassen.

Davon ab beweist From Software mit Bloodborne eindrucksvoll die technischen M√∂glichkeiten von Sonys Konsole. Scharfe Texturen, detailreiche Gegnermodelle und d√ľster-stimmige Beleuchtungen machen aus den unterschiedlichen Gebieten einen echten Augenschmaus. Ob nun Friedh√∂fe, verlassene Stadtteile oder von Patrouillen durchzogene Wohnviertel – in jedes der vielen Gebiete f√ľhlt man sich direkt reingesogen. From Software versteht es aufs Neue, wirklich stimmige Gebiete zu pr√§sentieren – auch wenn sie bisweilen nicht so abwechslungsreich ausfallen wie die D√§monenruinen und New Londo aus Dark Souls. Hier und da sind die Gebiete in Bloodborne aber etwas zu hell ausgeleuchtet – d√ľstere Gebiete h√§tten dem viktorianischen Setting mehr Atmosph√§re bereitet. Aber auch der eigene J√§ger macht ordentlich was her: Bei jedem Schritt bewegt sich die cool gestaltete R√ľstung mit, die Waffen sind herrlich grob und martialisch und mit jedem erlegten Gegner gibt es etwas mehr Blut aufs Leder.

Wenn From Software Musik f√ľr eines ihrer Spiele aufnimmt, dann aber richtig: In orchestralen Aufnahmen treffen d√ľstere Ch√∂re auf rasche Streichinstrumente. Wenn ein Chor aus tiefen M√§nnerstimmen auf dr√∂hnende Cellos und Violinen trifft, dann geht das unter die Haut. Erst diese Musik f√ľhrt dazu, dass Yharnam wie der bedrohliche Ort wirkt, der er auch ist. Einen tollen Einblick in die Gestaltung des Soundtracks liefert folgendes Video:

Unser Fazit:
Ein Kommentar nannte den Soundtrack von Bloodborne das “Begr√§bnislied f√ľr die Xbox One“. Und es stimmt: Mit Bloodborne hat From Software einen herausragenden Exklusivtitel f√ľr Sonys Konsole abgeliefert. Zwar wurden viele bew√§hrte Aspekte erheblich abgespeckt und selbst wichtige Items wie Schilde quasi nutzlos gemacht, daf√ľr bietet Bloodborne erfrischende Neuerungen: Variables Waffendesign, ein komfortabler Multiplayer und ein blutiges Setting, das sich angenehm von den Vorg√§ngern abhebt. Lediglich lange Ladezeiten und Framerate-Einbr√ľche tr√ľben das Bild.
Das Suchtpotential ist aber auch bei Bloodborne ungebrochen: Fortw√§hrend sucht man nach Items, Abk√ľrzungen und Taktiken, die das Spiel ertr√§glicher machen. Und so schnappen wir uns bei jedem erlegten Boss einen ordentlichen Ego-Boost. In Kombination mit der tief gehenden Geschichte erzeugt Bloodborne damit ein au√üerhalb der Reihe unerreichtes Spielgef√ľhl.

Im letzten Jahr bescheinigte ich dem Action-RPG Lords of the Fallen, das beste Rollenspiel der NextGen zu sein. Das hat sich ge√§ndert: Bloodborne hat mit erz√§hlerischer, spielerischer und atmosph√§rischer Finesse den Thron f√ľr sich beansprucht. Danke, From Software, f√ľr ein weiteres Kapitel.