Toren im Test: Ein Indie-Adventure mit Herz

Indie-Titel sprießen mittlerweile aus dem Boden der Videospielindustrie wie nie zuvor und sind schon so vielfältig, dass es schwierig für die Entwickler ist, durch ganz eigene Akzente aufzufallen. Dabei geht es nicht um die Länge oder die aufwendige Inszenierung des Spiels, oftmals ist es das ganz individuelle Spielerlebnis, welches den Spieler durch Emotionalität und Kreativität fesselt.

Einen solchen Spross stellt Toren, das Indie-Adventure von Versus Evil und dem noch unbekannten brasilianischen Entwicklerstudio Swordtales, dar. Ob Toren in den Himmel des Lobs wächst oder bei genauerem Hinschauen doch zu welken beginnt, erfahrt ihr im Laufe des Tests.

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Tree of Life

Als Spieler schlüpft man in die Rolle des Moonchilds, dem weiblichen Protagonisten des Spiels. Ihre Aufgabe ist es, die Spitze des namengebenden Turms Toren zu erklimmen, einen Drachen zu töten und das lang verschwundene Mondlicht zu befreien. Wie der Baum, welcher zu Beginn in Form eines Sprösslings von der Protagonistin gepflanzt wird, beginnt auch sie zu wachsen, während sie ihrer Bestimmung folgt.

Der Kreis hat weder Anfang noch Ende.

Neben der linearen Story können allerdings auch viele Interpretationsweisen aufgefasst werden, welche über das Spiel hinausgehen und philosophische Ansätze inne halten. Nicht zuletzt trägt die einfließende brasilianische Kultur des Entwicklerstudios Swordtales zur Nachdenklichkeit des Spiels bei.

Toren

Neues Spiel mit bekannten Ideen

Im zweistündigen Adventure erkennt man deutlich, woher die Inspiration für das Erzählen der Geschichte entsprungen ist. Diese liegt beim PS2-Adventure ICO, welches bereits im Jahre 2002 durch seine verschlüsselte Erzählweise und die daraus resultierende Mystik ein besonderes Spielerlebnis geschaffen hat.

Toren behält viele Tugenden bei, muss sich allerdings nicht im Schatten von ICO verstecken. Eigene Akzente werden vor allem durch den einzigartigen Artstyle, welcher vor allem durch meist bunte Farben hervorsticht, und den schönen, gleichzeitig aber auch dezenten Soundtrack gesetzt. Außerdem werden viele Momente im Spiel mit malerischen Zwischensequenzen zelebriert, an denen man sich als Spieler erfreuen kann.

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Wenn das Gameplay zur Geduldsprobe wird

Einige Indie-Titel haben den Ruf eine schwere Herausforderung zu sein. Toren jedoch beschränkt sich auf wenige, zu simple und eigentlich schnell erfüllbare Schieberätsel – bis die unpräzise und schwammige Steuerung ins Spiel kommt und einfache Sprungpassagen zur Geduldsprobe werden lässt. Auch die Kameraführung wirkt sehr sperrig und kratzt ebenfalls am Geduldsfaden des Spielers während seiner Spielerfahrung. Hauptsächlich laufen wir als Moonchild allerdings nur herum und treffen dabei in seltenen Fällen auch auf Gegner, die keine große Gefahr darstellen. Hin und wieder kommt es zu Schwertkämpfen, die zudem kaum dynamisch sind und keinerlei Können seitens des Spielers erfordern.

Nicht nur das ernüchternde Gameplay, sondern auch die Technik, zumindest bei der von uns getesteten Playstation 4-Version, lassen deutlich zu wünschen übrig. Regelmäßig kommt es zu Screen-Tearing, Lags oder Einbrüchen der Framerate, wodurch das Spielerlebnis zusätzlich negativ beeinflusst wird.

Unser Fazit:
Toren bleibt, trotz seiner Kritikpunkte zum Gameplay, eine schön inszenierte Erfahrung, welche zwar von kurzer Dauer ist, dafür aber einen bleibenden Eindruck über das Spiel hinaus hinterlässt. Man taucht in eine malerisch-schöne Welt ein und erlebt eine individuelle Reise, die von Spieler zu Spieler verschieden in Erinnerung bleiben kann. Das Spiel kostet regulär 9,99€ für PC und PS4, PlayStation Plus-Mitglieder dürfen sich sogar über einen Preisnachlass von 10% freuen. Ob sich die Spielerfahrung von nur zwei Stunden für den Preis lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Für mich persönlich ist der Preis allemal gerechtfertigt, da ich das Spiel als erfrischendes Erlebnis wahrgenommen habe.