Splatoon im Test – Achtung, bunt und glitschig!

Nintendo holt mit Splatoon auf der Wii U zu einem weiterem, überaus kreativen Schlag aus, dem ihr in diesem Fall nicht ausweichen solltet. Ob sich ein Ausflug nach Inkopolis lohnt, verrät unser Test.

Darum geht es – im Ernst jetzt.

Wer denkt bei Splatoon gehe es „nur“ um niedliche Figuren aus dem Nintendo-Universum, die sich in schmalen Arenen gegenseitig mit Farbe bespritzen, hat zwar Recht, kennt aber nur die halbe Wahrheit.

Ayoli und Limone. Zwei extravagant geschminkt und gekleidete Mensch/Katze-Hybriden sind die beiden Nachrichtenansagerinnen in Inkopolis – der Stadt, in der Splatoon spielt. Von diesen beiden Damen erhaltet ihr nach Spielstart Instruktionen für die bizarre Welt, in der Katzenmenschen sich in Tintenfische verwandeln, um sich schneller auf Farbpfützen zu bewegen.

Splatoon 5

Die Stadt wird von einem riesigen Wels mit Strom versorgt, der üblicherweise an einem Sendeturm hängt. Dieser ist aber bei eurer Ankunft in Inkopolis unter mysteriösen Umständen verschwunden. Unter dem Turm verbirgt sich ebenfalls der Eingang zu den Arenen, in denen sich die Katzenmenschen mit Farbrollern, Farbpistolen, Farbbomben und speziellen Weapons of Farbdestruction gegenseitig über den Haufen ballern. Ihr trefft in der Stadt neben anderen Spieleravataren noch einen alten Greis namens Käpt’n Kuttelfisch, der euch einen engen Anzug steckt und in teekesselförmige Abluftrohre zwingt, damit ihr den Strom zurück nach Inkopolis holen könnt. Eigentlich schade, dass dem Spiel kein Making Of mit Szenen aus den Brainstorm-Sessions der Entwickler beiliegt.

Splatoon 2

Aber im Ernst, nachdem man sich durch die ersten, durchaus witzigen Dialoge durchgeklickt hat, präsentiert sich Splatoon als lohnenswertes Paket, in dem sich wirklich unterhaltsame Multiplayer-Schlachten verstecken. Aber auch für Solisten lohnt sich der Blick in die circa 40 Euro teure Spielehülle.

Die ersten Schritte

Zu Beginn bekommt ihr ein kleines Tutorial spendiert, welches euch den Einstieg erleichtert. Zuvor müsst ihr jedoch euer Geschlecht bestimmen und etwas an eurem Aussehen feilen. Wer sich von den anderen Spielern unterscheiden möchte, wird aber erst nach einer Shoppingtour im Klamottenladen glücklich werden. Dieser ist ist neben anderen Geschäften in Inkopolis ansässig. Das Stadtzentrum dient als kompaktes Hub, von dem aus ihr schnell auf alle möglichen Spielinhalte zugreifen könnt.

Splatoon 6

Während ihr die Stadt besucht, könnt ihr auf dem Gamepad eine Map finden, sowie auf eure Ausrüstung und die Steuerungsoptionen zugreifen. Fans des Pro Controllers werden aber enttäuscht: Splatoon lässt sich außer im lokalen Zweispielermodus nur mit dem Wii U Pad spielen. Schade, hier könnte man noch nachbessern, da das Gamepad größtenteils nur eine Karte darstellt und sonst kaum sinnvoll genutzt wird.

Der Multiplayer: Konkurrenz für Smash Bros. und Mario Kart?

Das Spielprinzip ist einfach, aber bietet Raum für einige innovative Ideen: Zwei Teams mit jeweils vier Spielern treten gegeneinander an. Das Team, welches den größeren Anteil der Arena mit der eigenen Farbe eindecken kann, gewinnt. Abschüsse der gegnerischen Teammitglieder sind für euren Fortschritt aber genauso wichtig, wie den Überblick über die Karte zu behalten.

Für das abgeschlossene Matches verdient ihr Erfahrungspunkte, die euch in eurem Rang aufsteigen lassen. Dadurch werden genretypisch Perks und Boni freigeschaltet. Ab Rang 10 dürft ihr an den sogenannten Ranglistenspielen teilnehmen, in denen ihr Zonen einnehmen und halten müsst. Weitere Modi folgen hoffentlich in Kürze, die zahlreichen Freischaltungen halten aber auch im aktuellen Umfang eine ganze Weile bei der Stange.

Splatoon 3

Die Arenen unterscheiden sich alle durch individuelle Designs, ähneln sich aber zu sehr im Aufbau und in der Größe. Im Grunde genommen findet ihr immer den selbe Kasten, der aber für jede Arena mit anderen Gängen und Ebenen bestückt wurde. Hindernisse, Wände, Gitter und Sprungschanzen überwindet ihr mit dem Kernfeature des Spiels: der Tintenfischform eures Charakters.

Mit Druck auf die rechte Schultertaste wechselt ihr zum Tintenfisch und bewegt euch so viel schneller, als noch zu Fuß – gleichzeitig füllt ihr auch euren Farbtank auf. Vorausgesetzt, der Weg ist mit eurer eigenen Farbe bedeckt. Mit diesem Prinzip könnt ihr jede Oberfläche überqueren, die sich mit Farbe eindecken lässt. Mit ein wenig Übung lassen sich schnell Manöver ausführen, mit denen ihr nicht nur schnell von A nach B kommt, sondern euren Gegnern auch gefährlich in die Flanke rutscht, um diese dann mit Farbbombe oder Pistole aufs Korn zu nehmen.

Splatoon 7

Abschüsse und das Einfärben des Spielfeldes füllt eine (änderbare) Spezialfähigkeit auf, die euch kurzzeitig Vorteile wie einen Farbtornado, einen Farbbombenhagel oder einen Schutzschild gewährt. Das gewonnene Geld investiert ihr in neue Ausrüstung, die wiederum verbessert wird, in dem man sie auch benutzt.

Die Kampagne – mehr als nur eine Dreingabe

“Super Mario Sunshine Galaxy auf Zuckerschock” würde die Kampagne von Splatoon kurz und treffend beschreiben. Ähnlich wie in Super Mario Galaxy müsst ihr in der fünf geteilten Oberwelt erst einmal die Eingänge zu den Levels finden, in denen es jeweils einen Elektrowels und eine (optionale) versteckte Münz… ähm… Schriftrolle zu finden gibt. Habt ihr genug Welse gesammelt, steht euch der Weg zu einem Endboss frei. Nintendotypisch haben diese Kämpfe natürlich drei Phasen, überraschen aber mit denkwürdigen Momenten und cleveren Taktiken. Die sind zwar nicht all zu schwer zu durchschauen sind, machen aber eine Menge Spaß.

Die einzelnen Levels sind mit feindlichen Tintenfischen und deren Mutationen gefüllt, die euch unterschiedliche Taktiken abverlangen. An bestimmten Gegnern kommt ihr nur mit geschicktem Granateneinsatz vorbei, andere hetzten euch von Deckung zu Deckung und die sogenannten Octolinge können sich – wie euer Charakter auch – in ihrer eigenen Farbe verstecken.

Splatoon 1

Arenakämpfe sind ebenso Bestandteil der Kampagne wie Levels, in denen man sich unter dem Druck von ständig auftauchenden Farbtornados durchschlagen muss. Nintendo füllt den für die Wii U exklusiven Titel mit so vielen Ideen, dass während der kompletten Kampagne kein einziger Abschnitt durch Langeweile auffällt. Zwar werden geübte Spieler für die Kampagne keine zehn Stunden benötigen, diese darf dafür aber auch von vorn bis hinten genossen werden.

Wer alle Schriftrollen sammeln möchte, kann etwas Spielzeit hinzurechnen und bekommt als „Belohnung“ ein paar zusätzliche Informationen zur Story. Immerhin ist das mehr, als Münzmillionäre in New Super Mario Bros. 2 für den 3DS erhalten haben.

httpv://www.youtube.com/watch?v=uPVFMLrLtuI

Wie schaut es aus?

Splatoon hat ein paar sehr schöne Grafikeffekte zu bieten – zum Beispiel Darstellung von Farben auf den zahlreichen Oberflächen. Schöne Panoramen, ulkige Kreaturen und die träumerischen Hintergründe versprühen Charme. Die Action läuft stets flüssig, was bei all den Farben, Bomben und Fischen, die zeitgleich über den Bildschirm fliegen, durchaus lobenswert ist. Klar, der bunte Look mag trotzdem nicht jedermanns Sache sein.

Im Testbetrieb sind keine nennenswerten Störungen aufgetreten: Nintendo zeigt einmal mehr, wie ein Spiel zum Verkaufsstart laufen sollte. Spätestens einen Nachmittag vor Release kamen auch Multiplayermatches zügig zu Stande und währenddessen sind keine Störungen aufgefallen.

Netter Zusatz: Während der Wartezeit könnt ihr auf dem Gamepad ein Minispiel zocken. Es gilt einen – wer hätte es gedacht – Tintenfisch durch präzise getimten Tastendruck über Plattformen empor klettern zu lassen.

Splatoon 8

Kannst du das bitte ausmachen?

Einzig in der Kategorie Sound konnte Splatoon im Test nicht ganz überzeugen. Der Soundtrack ist eingängig, die Stücke wiederholen sich jedoch schnell und glänzen auch sonst nicht mit viel Abwechslung. Hier hätte man sich wesentlich mehr Mühe geben können bzw. ein paar externe Soundtüftler beauftragen können. Ein stimmiger Soundtrack wäre das Sahnehäubchen auf diesem sonst voll überzeugendem Titel gewesen.

Farbspritzer und Aktionen der Figuren werden wie in einem Trickfilm untermalt und unterstreichen den bunten Gesamteindruck des Spiels. Ein weiteres Manko: Nintendo verzichtet in Splatoon auf eine Sprachausgabe, sowie die Möglichkeit mit anderen Spielern zu sprechen.

Splatoon 9

Unser Fazit:
Wii U Besitzer bekommen mit Splatoon einen weiteren Hochkaräter in ihr Regal. Nintendo konnte mit seiner neuen Marke alle Erwartungen erfüllen oder übertreffen und hat einen farbenfrohen Plattform-Shooter geschafffen, der auch Erwachsene unterhalten kann. Wer genug vom Prügeln und Kartfahren hat, wird online viel Zeit mit Splatoon verbringen können. Hoffentlich versorgt Nintendo alle Käufer auch langfristig mit neuen Inhalten, die einen regelmäßigen Besuch von Inkopolis rechtfertigen.

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