NBA 2K16 im Test: Der Champion bekommt Besuch aus Hollywood

Eine wirklich große Rolle spielt die NBA in Deutschland ja nicht. WĂ€hrend die NFL aktuell immer mehr Zuwachs erfĂ€hrt, wird Basketball in Deutschland immer ein Nischensport bleiben. Als Dirk Nowitzki 2011 die Meisterschaft gewonnen hat, ging keinerlei Ruck durchs Land, der auf diesen Sport aufmerksam macht. Auch der aktuelle Erfolg von Dennis Schröder bleibt weitestgehend kommentarlos. Schade, denn so verpasst NBA 2K16 viele potentielle Spieler. Wieso das schlimm ist? Die Antwort ist einfach: Diese Sportsimulation ist es wert gespielt zu werden. Warum? Das erklĂ€ren wir euch jetzt.

Kevin ‘K-Dog’ Durant, Kobe ‘The Black Mamba’ Bryant, Monta ‘Big Bucks’ Ellis oder auch Pau ‘Spanish Fly’ Gasol. Wer nun ĂŒberlegt, ob es sich bei diesen Namen um Mafia- und Untergrundbosse handelt, der hat weit gefehlt: Diese Namen sind nur einige der weltbesten Spieler der amerikanischen Basketball Liga, der NBA. Jahr fĂŒr Jahr bringt 2K Games seinen Ableger NBA 2K in die HĂ€ndlerregale und liefert dabei stets die beste Basketball-Simulation, die man bekommen kann. Und auch dieses Jahr hat 2K Games einiges dafĂŒr getan, damit das so bleibt.

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Ein GefĂŒhl, wie live dabei

Bei NBA 2K16 drehen die Entwickler an mehreren kleinen Stellschrauben, um den diesjĂ€hrigen Ableger authentischer wirken zu lassen als seinen VorgĂ€nger. Die Bewegungen der Spieler sind noch realistischer, der Körperkontakt ruppiger und das Verteidigen des Balles ist kĂ€mpferische Arbeit. Stellungsfehler werden im meisten Fall direkt bestraft. Auch die Bewegungen unter dem Korb wurden stĂŒckweit verbessert. So hat man es als Center und Power Forward nun etwas leichter beim Aufposten und die KI-Kollegen nehmen die Rebound-Arbeit ernster als in den vorherigen Teilen.

Einige Feinheiten könnten zwar noch optimiert werden, so machen manche PĂ€sse der KI-Kollegen nur bedingt Sinn, aber dennoch arbeiten die Spieler auf dem Feld taktisch richtig gut zusammen. Auch das Blocksystem wurde ĂŒberarbeitet – es lehnt sich an die echten Spieler an. So kloppt ein LeBron James den Ball beim Blocken direkt gegen das Brett und sorgt dafĂŒr, dass der Ball wieder ins Feld gelangt. Feinheiten, die bei einem Basketballfan fĂŒr ein warmes Herz sorgen.

Ein kleines StĂŒck Hollywood

Das HerzstĂŒck der NBA 2K-Reihe ist seit Jahren der MyCareer-Modus. Zwar war die Geschichte stets etwas kitschig, doch gefesselt hat es einen dennoch. Miterleben wie der eigene Spieler zum neuen Star in der NBA wird, ist eben genau das, was man in einem Sportspiel sehen möchte. Um den MyCareer-Modus weiterzuentwickeln, haben sich die Entwickler von Visual Concepts etwas ganz besonderes einfallen lassen: Man verpflichtete Spike Lee (u.a. Malcom X, Inside Man) als Drehbuchautor und Regisseur der Story. Diese Entscheidung ist fĂŒr uns Fluch und Segen zugleich.

Das Problem daran ist, dass sich unser eigener Charakter nicht sofort anfĂŒhlt wie unser Charakter. Einen Spitznamen dĂŒrfen wir uns nĂ€mlich nicht mehr aussuchen, sondern werden von allen Frequency ‘Freq’ Vibrations genannt. Wir sind ein großes Nachwuchstalent aus Harlem und der Sohn einer afroamerikanischen Familie, was fĂŒr durchaus lustige Szenen sorgen kann. Insbesondere, wenn euer Charakter eine helle Hautfarbe hat.

Wir starten dieses Mal auch nicht direkt im Draft der NBA, sondern durchlaufen in komprimierter Version unsere Highschool- und Collegelaufbahn. Das ist zwar gut gemeint, doch hierbei passieren einige kleine Fehler. Wieso spielen wir nur 2 Minuten Viertel in der Highschool und wieso unterscheidet sich unser Charakter optisch zwischen der Highschool und der NBA nicht? Es sieht durchaus merkwĂŒrdig aus, wenn unser Point Guard mit seinen 1,91m die anderen Spieler ĂŒberragt in der Highschool und maximal der Center uns das Wasser reichen kann.

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Doch wir verbringen ohnehin nicht lange Zeit in der Highschool, sondern wechseln fix aufs College. Vorher bekommen wir noch 10 Angebote der jeweiligen Colleges und entscheiden uns schließlich fĂŒr ein Stipendium. Welches Angebot ihr annehmt, bestimmt ihr dabei selbst. Doch bei dieser Entscheidung soll es auch bleiben – zumindest in den ersten zwei fiktiven Jahren. Und damit kommen damit zum wohl grĂ¶ĂŸten Kritikpunkt: Die Story ist fest vorgegeben und bietet kaum Raum fĂŒr individuelle Entscheidungen.

Gerade bei der dramatischen Zwischensequenz, in der sich klĂ€rt ob man nun das College fĂŒr die NBA abbricht oder doch erst seine schulische Laufbahn zu einem Ende fĂŒhrt, wĂ€re mir eine Entscheidungsmöglichkeit lieb gewesen. Stattdessen startet direkt der Draft und wir finden uns in unserer ersten Rookie-Saison wieder. Auch diese spielen wir in einer komprimierten Version. Das bedeutet, dass wir aktiv lediglich acht Spiele absolvieren, in denen sich die Geschichte weitererzĂ€hlt.

Zwar bietet die Story einige dramatische Höhepunkte und Wendungen, durch die fehlende Freiheit sagt sie aber sicherlich nicht allen Spielern zu. Erst im zweiten Profijahr der NBA findet der MyCareer-Modus zu alter StĂ€rke zurĂŒck was die eigene Freiheit betrifft. Allerdings fehlt von den Cutscenes und der Spike Lee Story fortan jede Spur.

Nun haben wir die gewohnten Möglichkeiten Sponsoring-VertrĂ€ge einzugehen, auf unserem Handy die Social-Media-Feeds zu checken oder aktiv zu trainieren. ZusĂ€tzlich finden einige neue Features Einzug, die durchaus cool eingebunden sind. So können wir unsere spielfreien Tage nun selbst verplanen und uns ĂŒberlegen, ob wir in der Halle Übungen fĂŒr Attributspunkte machen, mit unseren Spielerkollegen um die HĂ€user ziehen oder uns mit Sponsoren treffen. Belohnt wird das Ganze mit noch mehr Social-Media-Fans, verdienten VC, freigeschalteten Animationen oder anderen praktischen Belohnungen.

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Ziehe selbst die FĂ€den

Wer keinen Bock auf den MyCareer-Modus hat und sich lieber anderen Aufgaben widmet: kein Problem. Dann kann man sich zum Beispiel den MyGM-Modus anschauen und als Manager eines Basketball-Teams selbst die FÀden ziehen. Wer gerne Sportmanager-Spiele spielt, kommt hier auf seine Kosten, denn 2K hat dieses Jahr im MyGM-Modus ordentlich zugelegt und prÀsentiert mit Bravour, wie ein Managerspiel aussehen kann. Wo wir beim MyCareer-Modus noch von eingeschrÀnkter Freiheit geredet haben, treffen wir hier auf das genaue Gegenteil und haben so viele Freiheiten wie nie zuvor.

Wir können sogar ein NBA-Team in eine andere Stadt umziehen lassen und machen so beispielsweise aus den Sacramento Kings die Seattle Sonics. Bis das möglich ist, mĂŒssen allerdings erstmal einige Herausforderungen abgeschlossen werden, damit die anderen Teambesitzer der Liga davon ĂŒberzeugt sind.

Durch die aufgerĂ€umten MenĂŒs, der verbesserten Trading-Logik, der neuen Summer League, den erweiterten Personalverhandlungen und den umfassenden Möglichkeiten, ein Spiel zu simulieren, bekommen NBA-Fans die volle Dröhnung Managermodus. Hier können sich andere Managerspiele definitiv eine Scheibe von abschneiden.

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Doch Karriere ist nicht alles

Wem das noch immer nicht reicht, der schaut sich den MyLeague-Modus an. Wie der Name es bereits verrĂ€t, habt ihr dort die Möglichkeit, eine eigene Liga ganz nach eurem Geschmack zu grĂŒnden. Wer die Liga gerne anders aufteilen will, hat hier die Gelegenheit dazu. Im Spielmodus Pro-AM erstellt ihr mit Freunden einen eigenen NBA-Club und tretet gegen andere Spieler an. Dieser Modus ist quasi der Ersatz fĂŒr den Jordan Rec Center-Modus aus dem letzten Jahr.

Erneut mit am Start ist der MyTeam-Modus, das Sammelkartenspiel der NBA. Die Karten wurden dieses Jahr neu gestaltet und anhand der Farbe lĂ€sst sich nun erkennen, welche QualitĂ€ten sie besitzen. ErgĂ€nzend gibt es Karten, womit ihr eure Spieler verbessern könnt, zum Beispiel Wurfquote verbessern oder Ă€hnliches. Ansonsten heißt es: Deck zusammenstellen und damit gegen andere Spieler antreten – in guter, alter Quartett-Manier.

Solltet ihr Freunde des Online-Spiels sein, habt ihr natĂŒrlich wieder die Gelegenheit, euch mit eurem Charakter auf dem Court auszutoben oder den Play-Now-Online-Modus auszuprobieren. Dieser erinnert ein wenig an FIFA. Ihr habt mehrere Ligen und steigt erst dann auf, wenn ihr eine gewisse Anzahl an Siegen habt. FĂŒr einen spannenden Wettkampf ist auf jeden Fall gesorgt.

Und wer auf gar keinen der ganzen Spielmodi Bock hat und auch nicht die Online-Herausforderung sucht, der startet einfach das schnelle Spiel, entscheidet sich fĂŒr einen Verein und legt direkt los. Definitiv ist bei der Modi-Auswahl fĂŒr jeden etwas dabei.

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Schöner sieht es im TV auch nicht aus

Doch genug vom Inhalt, kommen wir zur Technik und Grafik von NBA 2K16. Ich habe es bereits eingangs erwĂ€hnt, dass an vielen Stellen geschraubt wurde, um das Basketball-Erlebnis noch glaubwĂŒrdiger zu machen. Die Spielermodelle sehen fantastisch aus, die Hallen und die dazugehörige Beleuchtung wirkt wie in einer FernsehĂŒbertragung und auch das Publikum ist sehr authentisch und bringt Leben in die Bude. Vor allem die Bewegungsanimationen sehen wirklich realistisch aus und lassen die Spieler wirken wie ihre realen Vorbilder. Hier gibt es absolut nichts auszusetzen.

Unser Fazit:
Wie jedes Jahr hat 2K seinen Job wirklich gut gemacht. NBA 2K16 ist die beste Basketball-Simulation, die man aktuell besitzen kann und zeigt an vielen Stellen, wie Sportspiele funktionieren können. Meine anfĂ€ngliche Sorge war also unbegrĂŒndet. Der Fakt, dass es auf der gamescom nicht anspielbar gewesen ist und der Fokus aller News auf Spike Lee beruhte, machten mir vor Release ein wenig Angst.

Zwar ist das Spiel nicht gĂ€nzlich frei von Fehlern, was in meinen Augen an der Spike Lee Geschichte liegt, doch das ist schlussendlich nörgeln auf hohem Niveau. Klar ist es ein bisschen blöd, in der Story keine großen Entscheidungsmöglichkeiten zu haben, aber unter dem Strich geht es ja um das Basketballspiel an sich und da gibt es nichts zu beanstanden. Denn spielerisch macht NBA 2K16 so ziemlich alles richtig. Lediglich mit dem Spitznamen Frequency Vibrations werde ich mich wohl auch in Zukunft nicht anfreunden können. Nix desto trotz erwartet euch mit NBA 2K16 stundenlanger Spielspaß. Wer also einen Hang zu Sportspielen und der NBA hat, sollte hier nicht lange ĂŒberlegen.