RebelGamer.de

Halo 5: Guardians im Test: Der Master Chief gerät in Schieflage

Seit fast 15 Jahren treibt der Master Chief bereits sein Unwesen auf den heimischen Konsolen und sorgt für Recht und Ordnung in der Galaxie. Zumeist souverän, aber auch mal verlustreich, wie zum Beispiel in Halo 4. Doch ist wirklich alles so wie es scheint? Diese Frage soll der neueste Ableger klären. Schon lange vor Release stellte der Entwickler 343 Entertainment seinen neuesten Halo-Teil unter das Motto ‘Hunt the Truth’. Der nun mehr fünfte Serienableger, Halo 5: Guardians, liegt inzwischen in den Händlerregalen und wir haben gecheckt, ob der Master Chief wirklich einer heißen Spur folgt. Erfahrt in unserem Test, ob sich der Kauf lohnt.

Als sich Cortana am Ende von Halo 4 geopfert hat um uns zu helfen, ging etwas im Master Chief kaputt. Auch der Spieler saß leicht ratlos am Gamepad und fragte sich, ob dieses Ende nun zufriedenstellend ist. Unsere über Jahre treue KI und Begleiterin nahm Abschied von uns und wir konnten nix dagegen tun. Nun erhalten wir ein mysteriöses Signal von der totgeglaubten Cortana und mutieren vom Helden zum Deserteur. Was ist wahr und was ist Fiktion? Dieser Frage gehen wir in Halo 5 nach,- doch nicht nur aus der Sicht des Master Chiefs.

Um diese Frage zu beantworten, nehmen wir einigen Ärger auf uns und betrachten die Geschehnisse aus zwei verschiedenen Blickwinkeln. Zum einen haben wir Team Blau, die Mannschaft rund um unseren Master Chief, die uns tatkräftig unterstützt. Auf der anderen Seite spielen wir Team Osiris, angeführt vom ehemaligen ONI-Agenten und jetzigen Spartan-IV-Soldaten Jameson Locke. Nach dem der Master Chief entgegen der erteilten Befehle handelt, um dem empfangenen Signal von Cortana nachzugehen, wird Locke vom USNC damit beauftragt den Spartan ausfindig und dingfest zu machen.

Wir sind schließlich vom Helden zum Deserteur mutiert. Im Verlauf der folgenden 6-7-stündigen Geschichte spielen wir etwa zu zwei Drittel der Spielzeit Jameson Locke und seine Einheit. Nur ein Drittel der Gesamtspielzeit sind wir als Spartan-117 unterwegs. Es ist nicht zu viel verraten, dass sich die Wege der beiden Teams natürlich kreuzen werden. Auch die namensgebenden Guardians spielen dabei eine große Rolle. Doch was es damit genau auf sich hat, möchte ich in diesem Test gar nicht näher erläutern, um dem Spieler nichts Wichtiges vorweg zu nehmen.

Gemeinsam sind wir stark

Dass die sogenannten Feuerteams aus jeweils vier Leuten bestehen, ist natürlich kein Zufall. Denn als 4-köpfiges-Team liegt nichts näher, als die Missionen im Koop mit Freunden zu spielen. Und genau dort hat Halo 5: Guardians seine große Stärke. Denn erstmalig ist es möglich, die Missionen online zu viert zu bestreiten. Richtig gehört: Online und zwar ausschließlich online. Uns ärgert es wirklich sehr, dass auf einen Splitscreen-Modus komplett verzichtet wurde. So war es doch vor einem Jahr das große Pro-Argument der Halo Master Chief Collection, alle bisherigen Abenteuer im Couch-Koop zusammen nachzuholen. Nun treffen wir uns zum Halo-Zocken also nicht mehr auf dem heimischen Sofa mit unseren Freunden, sondern in der virtuellen Lobby.

Wer lieber alleine spielen mag, kann das natürlich machen. In dem Fall sind die anderen Charaktere KI-gesteuert und wir können ihnen diverse Befehle erteilen, wie zum Beispiel einen bestimmten Gegner anzugreifen oder uns wiederzubeleben. Die KI unserer Team-Kameraden funktioniert dabei recht solide. Selten kam es mal vor, dass sie Wegfindungsschwierigkeiten hatten oder aktionslos im Raum standen.

Wenn man seine KI-Kameraden in Fahrzeugen auf bestimmte Positionen setzen mag, kommt man allerdings schnell an seine nervlichen Grenzen, denn das funktioniert nur widerwillig. Diese Probleme habt ihr mit einem befreundeten Squad natürlich nicht, dort müsst ihr nur untereinander klären, wer welche Position einnimmt.

Nicht nur mit dem Gewehr sind wir stark

Ob Ghost, Banshee oder Scorpion, Halo 5: Guardians stellt eine zufriedenstellende Auswahl an bekannten Halo-Fahrzeugen zur Verfügung, die das gelungene Missionsdesign abrunden. Auch der erstmals in Halo 4-vorkommende Mantis feiert in Halo 5 sein Comeback. Neu hingegen ist der Phaeton. Allerdings muss man sich beim Phaeton erst einmal an die Steuerung gewöhnen, denn die ist durchaus etwas gewöhnungsbedürftig, aufgrund seines Kontrollschemas.

Hat man sich mit der Steuerung allerdings erstmal angefreundet, geht es wirklich gut von der Hand. Optimal war die Fahrzeugsteuerung und das Kollisionsverhalten bislang ohnehin in noch keinem Halo-Ableger und auch Halo 5: Guardians hat dort die typischen Problemchen. Insbesondere die UNSC-Fahrzeuge lassen sich nur sehr Schwammig steuern.

Doch anzusehen wie das eigene Team die Fahrzeuge besattelt, ist noch immer ein Augenschmaus, denn Halo-Spieler wissen: Wenn Fahrzeuge ins Spiel kommen, startet zumeist rasante Action. Und diese Action ist wie schon in den vorherigen Ablegern stimmig und cool inszeniert.

Wo ist Hans Zimmer, wenn man ihn braucht?

Passend zur Action und gelungenen Inszenierung von Halo 5: Guardians ist auch der Soundtrack ein stets wichtiger Faktor der Reihe. Und hier merkt man leider deutlich den Weggang von Martin O’Donell. Viel zu selten setzen bombastische, treibende und epische Melodien ein, um die gezeigte Szenerie zu unterstützen. Teilweise bleiben gesamte Abschnitte quasi klanglos. Hier werden Halo-Fans durchaus enttäuscht sein.

Bei richtigem Einsatz kann zwar auch Stille ein Stilmittel sein, doch ein Halo lebt von Bässen, tragenden Melodien, Fanfaren und Chören. Hier bleibt leider Gottes ganz viel Atmosphäre auf der Strecke liegen. Bleibt zu hoffen, dass in einem folgenden Halo auf diesen Punkt eingegangen wird, denn das konnte die Reihe einst schon mal bedeutend besser.

Abseits des Musikproblems kann sich die Stimmung und Atmosphäre von Halo 5 aber durchaus sehen lassen. In nahezu jeder Mission passiert etwas, was uns im Nachhinein im Gedächtnis geblieben ist, was nicht zuletzt den wundervoll gestalteten Settings geschuldet ist. Positiv zu erwähnen ist dabei der Fakt, dass erfreulicherweise viele Missionen in Außenarealen spielen und nicht in irgendwelchen Hangar-Hallen oder Alien-Vorrichtungen. Ausgerechnet die erste Mission mit dem Master Chief ist dabei die wohl ödeste des Spiels.

Lasst euch davon aber nicht abschrecken, denn alle folgenden Szenenarien und Planeten werden von Mission zu Mission schöner. Mal tobt eine gewaltige Raumschlacht am Himmel und mal befindet ihr euch auf dem Heimatplaneten der Eliten und erkundet deren Kultstätten. Mein persönliches Highlight ist dabei der Planet Genesis.

Ein Wiedersehen mit alten Widersachern

Natürlich begegnen uns in Halo 5 allerlei alt-bekannte und lästige Widersacher, die uns an die Gurgel wollen. Seien es die Elite, die Grunt oder die synthetischen Prometheaner, sie sind alle wieder vertreten und hegen einen großen Groll gegen uns. Wir wären allerdings kein Team aus ausgebildeten Spartans, wenn wir uns nicht zu verteidigen wüssten und was das betrifft, haben wir einiges zur Auswahl. Die Palette an Kugel-, Laser- und Projektilwaffen ist in all ihren Formen und Farben sehr abwechslungsreich und sorgt dafür, dass uns nicht langweilig wird, was die Waffenwahl betrifft.

Da wir wie gehabt nur zwei Waffen gleichzeitig tragen können, ist Halo 5: Guardians somit das vielleicht bislang taktischste Halo. So müssen wir bei höheren Schwierigkeitsgraden des öfteren gut darauf achten, mit welchen Waffen wir ins Gefecht ziehen. Andernfalls verkommen wir gerade auf Legendär schnell zu Gruntfutter.

Sollte die reine Feuerkraft nicht reichen, könnt ihr sowohl als Locke als auch in der Haut des Master Chiefs Nahkampfattacken einsetzen. Ein besonders heftiger Schulterboost setzt einzelne Feinde kurzzeitig K.O oder tötet sie direkt, während der Luft-Boden-Angriff vor allem bei ganzen Gegnergruppen effektiv ist. Power-ups, wie sie zum Beispiel in Halo Reach vorhanden waren, gibt es in Guardians allerdings nicht.

Viele Missionen bieten zudem alternative Routen, um etwaigen Gegnergefechten aus dem Weg zu gehen. So habt ihr in einer Mission die Wahl ob ihr euch durch eine Horde von gegnerischen Einheiten kämpft, um die Schilde der Allianz zu deaktivieren oder ob ihr versucht, auf einem alternativen Weg zum Energiekern vorzudringen und die Schilde abzuschalten. Gerade im Koop-Modus kommt diese Freiheit sehr zum Tragen.

Kein Halo ohne Multiplayer

Kommen wir zum Herzstück von Halo 5: Guardians: dem Multiplayer-Modus. Gewohnter Weise weiß Halo uns hier zu überzeugen und punktet mit einer gesunden Vielfalt an Spielmodi und freischaltbaren Gegenständen. Zum einen haben wir den Arena-Modus, der aus diversen Spielmodi besteht, in denen wir ranken können. Zum anderen haben wir den Spielmodus Showdown, der eine klassische Team-Deathmatch Variante darstellt, als auch bekannte weitere Modi wie Capture-the-Flag oder Festungen. Zur Auswahl stehen uns dabei 20 Mehrspieler-Karten, auf denen wir uns austoben können. Zudem hat Entwickler 343 Entertainment angekündigt, 15 weitere Mehrspieler-Karten kostenlos in das Spiel zu implementieren – und zwar im Lauf der nächsten Monate. Für Abwechslung dürfte also gesorgt sein. Allerlei Ranking-Möglichkeiten, Skin-Freischaltungen und Charakter-Optimierungen tuen dabei ihr übriges. Gespielt wird in der Arena mit 8 Spielern, also 4 Spieler pro Seite. Uns gefallen die schnellen und hitzigen Partien sehr, auch wenn sie vom Ablauf her schneller geworden sind, im Vergleich zu früheren Serienteilen.

Ein neuer – und im Vorfeld oft angepriesener – Multiplayer-Modus von Halo ist Warzone beziehungsweise Kriegsgebiet, wie es auf Deutsch heißt. Wie es der Name bereits verrät, handelt es sich um sehr große Maps, in denen eine wahre Schlacht tobt. Nicht selten fühlt man sich dabei an ein Battlefield erinnert. Doch nicht nur ihr und das gegnerische Team ringen um den Sieg. Es gibt auch neutrale, KI-gesteuerte Allianz- und Prometheaner-Einheiten, die ihr ausschalten müsst. Denn die nötigen Punkte erlangt ihr nicht nur durch die Einnahme von Basen und das Meucheln menschlicher Konkurrenz, sondern auch durch Alien-Abschüsse. Eine weitere Methode, an den Sieg zu kommen, lautet: den gegnerischen Kern zerstören. Doch dafür müsst ihr alle drei Basen besitzen und das ist nicht ganz einfach.

Die Basen dienen euch als Respawn-Möglichkeit und bieten Terminals für die überaus wichtigen Requirierungen. Das sind Waffen, Fahrzeuge und Power-ups, die ihr euch im Kriegsgebiet verdient. Ihr müsst dabei entscheiden, ob ihr sofort in Ausrüstung investiert oder lieber auf mächtigere Hilfsmittel spart. Alles in allem gibt es viele taktische Vorgehensweisen im Kriegsgebiet-Modus. Bis kurz vor Ende einer Partie ist noch nichts entschieden und genau das ist der Grund, warum dieser Modus so viel Spaß macht. Gespielt wird der Modus mit 24 Spielern, also 12 pro Seite. Uns konnte der neue Spielmodus im Test sehr überzeugen. Die sechs Maps, die es zu Beginn gibt, sehen fantastisch aus, locken mit abwechslungsreichen Settings und bieten sehr viel taktischen Spielraum.

Bei Levelaufstiegen dürft ihr dann sogenannte Requirierungspakete öffnen, die zufällige Perks und Ausrüstung für euren Spartan enthalten. Alternativ kauft ihr die Packs für REQ-Punkte, die ihr in den Multiplayer-Partien sammelt. Außerdem schaltet ihr nach und nach optische Veränderungen für euren Spartan frei. So dürfen sich auch Spieler freuen, die gerne ihren Spartan optisch verändern wollen. Seien es Waffenskins, neue Helme, neue Embleme oder Perks, die wir im Kriegsgebiet Modus verwenden können. Für jeden ist etwas dabei und die Sammelsucht hat auch uns angesteckt.

Im wahrsten Sinne eine Glanzleistung

Auch technisch gibt es in Halo 5 nichts zu beanstanden. Das Spiel glänzt mit wundervollen Texturen, einer prächtigen Spielwelt und stabil-laufenden 60 fps. Selbst dann, wenn auf dem Bildschirm so richtig viel los ist. Bei der Synchronisation des Spiels gibt es auch einige Highlights. So stößt zum Beispiel Nathan Fillion zum Cast der Sprecher, der Serienfans aus der Kult-Serie Firefly bekannt sein dürfte. Auch in der deutschen Sprachausgabe besitzt er seine allseits bekannte Stimme. Ansonsten ist auch die deutsche Synchronstimme von Vin Diesel zum Cast hinzugestoßen. Insgesamt ist Halo 5 sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch sehr gut vertont.

Unser Fazit:

Auch Halo 5: Guardians bleibt unterm Strich ein waschechtes Halo. Es erfindet das Rad zwar nicht neu, doch ich finde Halo 5 besser als seinen Vorgänger. Die schön gestalteten Planeten machen eine Menge her und das Gameplay läuft so gut wie eh und je. Auch die Kampagne hat mir ziemlich gut gefallen, auch wenn ich mir mehr Überraschungen und mehr Master Chief gewünscht hätte. Der 4-Spieler-Koop-Modus hat das allerdings etwas entschädigt, denn hier kommt wirklich sehr viel Spaß auf.

Und bis ich die Kampagne mit drei tapferen Mitstreitern auf legendär durchgespielt habe, werden noch einige Stunden vergehen. Doch das Herzstück ist und bleibt für mich der Multiplayer-Modus und in diesem habe ich mich bereits einige Stunden verloren. Seien es die gewerteten Arena-Matches oder der Warzone Modus, beides fesselt einen für viele Stunden vor den Fernseher.

Sci-Fi und Serienfans sollten also nicht lange überlegen und sich Halo 5: Guardians direkt zulegen. Auch Shooter-Freunde, die einfach eine gelungene Geschichte erleben wollen, sollten mal einen Abstecher in die Spielwelt von Halo machen. Halo 5: Guardians ist in meinen Augen eine klare Empfehlung für diesen Winter.