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Star Wars Battlefront im Test: Wahrgewordener Kindheitstraum oder lediglich ein Grafikblender?

Star Wars wurde selten so groß geschrieben wie in diesen Tagen. Ein neuer Kinofilm, neues Merchandise und ein neuer Titel aus dem Hause EA / DICE. Die Star Wars Lizenz ist unumstritten eine der erfolgreichsten Marken der Welt.

Pünktlich um das Star Wars Marketing noch mehr in Fahrt zu bringen, ist vor kurzem Star Wars Battlefront auf dem Markt erschienen und soll uns eine filmische Atmosphäre im Shootergewand liefern. Ob dieser Versuch DICE wirklich geglückt ist und wir uns in die Schlachten hineinversetzen können, erfahrt ihr in unserem Test.

Die Macht ist stark in euch

Die Geschichte der Star Wars Lizenzspiele ist eine sehr lange und hügelige. Bei weitem nicht alles wo Star Wars draufsteht, weckt in einem dieses wohlige Gefühl, dass der Fan mit Star Wars verbindet. Ich selber bin ein riesengroßer Star Wars Fan und kenne die Berg-und Talfahrten, die man in den “Star Wars”-Spielen durchmachen musste. Es gibt zwar viele gelungene Titel, doch auch eine große Anzahl an misslungenen Softwareumsetzungen. Titel wie Knights of the Old Republic oder eben die “Star Wars Battlefront”-Reihe, die in der Vergangenheit zwei sehr beliebte Titel hervorgebracht hat, gehören dabei ganz klar zu den besseren Ablegern.

DICE war sich dieser Thematik durchaus bewusst und bekräftigte mehrfach, dass sie mit dem Battlefront Reboot das beste “Star Wars”-Spiel aller Zeiten schaffen wollen. Damit haben sie sich einiges vorgenommen. Wir haben für euch geklärt, ob ihnen das wirklich gelungen ist.

Nur ein Grafikblender?

Ich würde diesen Test nun bei der Kampagne von Star Wars Battlefront beginnen, wenn Star Wars Battlefront über eine Kampagne verfügen würde. Wie bereits seit einigen Monaten bekannt, handelt es sich bei Battlefront um einen reinen Multiplayer-Titel. Bei vielen Spielern bestand im Vorfeld die Sorge, dass es sich bei Star Wars Battlefront lediglich um einen Battlefield-Klon handeln könnte mit Star Wars Skins. Ohne zu viel zu verraten, kann ich direkt vorweggreifen, dass diese Sorge unbegründet ist.

Battlefront spielt sich wie ein komplett eigenständiges Spiel und fühlt sich an keiner Stelle wie eine Kopie an. Genau genommen ist Star Wars Battlefront in vielen Mechaniken viel zu stark vereinfacht, um es mit einem Battlefield direkt vergleichen zu können. Zu vereinfacht heißt dabei allerdings nicht, dass es schlechter als ein Battlefield ist, es ist lediglich anders und das ist in meinen Augen auch gut so.

Die Galaxie retten auf unterschiedlichen Wegen

Was ist in einem Multiplayer-Shooter wichtig? Genau, die Spielmodi und auf die möchte ich näher eingehen. Fangen wir im Hauptmenü an, wo wir neben dem Mehrspieler-Modus noch einen Einzelspieler-Modus finden. Nicht irritieren lassen, der Einzelspieler-Modus ist keine Kampagne, sondern besteht aus drei Spielmodi, die mehr oder minder ein Tutorial darstellen. Hier werdet ihr an die Mechaniken des Spiels herangeführt. Sei es das Spielen mit einem Helden, die Bewegungssteuerung mit einem Vehikel oder die einfache Shootermechanik. Wer allerdings schon mal einen Shooter gespielt hat, hat dieses Tutorial nicht wirklich nötig. Alternativ habt ihr einen Art Horde-Modus namens Survival den ihr spielen könnt. Hier müsst ihr mehrere Wellen gegen KI-Gegner überleben.

Doch widmen wir uns dem Mehrspieler-Modus von Star Wars Battlefront, dem Dreh- und Angelpunkt des Spiels. Geboten werden uns hier 9 verschiedene Spielmodi, in denen ihr euch austoben könnt. Vom klassischen Team Deathmatch, hier Gefecht genannt, bis hin zu einem Capture the Flag oder dem aus anderen Spielen bekannten Festungsmodus ist hier alles vertreten. Die Modi sind lediglich alle etwas anders benannt. Ein Capture the Flag heißt hier beispielsweise Fracht. Neben den bekannten Standard Shooter-Modi gibt es allerdings auch noch Modi wie Kampfläufer-Angriff, den wir bereits in der Beta spielen konnten. Hier geht es um einen bevorstehenden AT-AT Angriff, den die Rebellen versuchen müssen zu verhindern.
Auf Seiten des Imperiums müsst ihr folgedessen alles daran setzen, dass die Rebellen keinen Erfolg mit ihrem Widerstand haben. Je nach Karte hat es hier mal das Imperium einfacher und mal die Rebellenseite. Insgesamt leidet dieser Modus allerdings noch unter starken Balancing-Problemen. Wir hoffen, dass das mit kommenden Patches noch bearbeitet wird.

Endlich den Millenium Falken steuern

Kampfläufer-Angriff ist zudem einer der drei Spielmodi, in denen wir von Fahrzeugen Gebrauch machen können. Die beiden weiteren Spielmodi wären Jägerstaffel und Vorherrschaft.

Jägerstaffel ist einer der spaßigsten Spielmodi in Star Wars Battlefront. Zwar herrscht hier teilweise wildes durcheinander, doch das trübt den Spaß nicht. Hier gibt es je nach Einstellung in Third Person- oder Cockpit-Ansicht-Luftschlachten wie man sie sich vorstellt, in einem Star Wars Spiel. Gespielt wird hier 20 gegen 20, jedoch sind nur die Hälfte der Spieler menschliche Spieler, die andere Hälfte wird auf beiden Seiten von der KI gesteuert. Man fliegt durch die Lüfte und versucht die Gegner vom Himmel zu holen. Da sich das Zielen durch die wendigen Flugmanöver manchmal nicht ganz einfach gestaltet, habt ihr ein Auto-Aim System, dass euch beim Zielen unterstützt. Durch Perks auf der Karte, die ihr einsammeln könnt, bekommt ihr zusätzlich die Gelegenheit, im Millenium Falken Platz zu nehmen oder Boba Fetts Slave One zu steuern. Hier werden Kinderträume wahr.

Der dritte Spielmodus in dem wir uns unter anderem mit Fahrzeugen austoben dürfen, ist Vorherrschaft. Ein Spielmodus für 40 Spieler, in dem es darum geht, taktisch wichtige Punkte einzunehmen und zu halten. Dabei könnt ihr auf dem Boden und auch in der Luft kämpfen. Gesehen hat man sowas bereits in vielen Battlefield-Ablegern oder im Warzone Modus in Halo 5: Guardians. Generell ist Erobern und Halten eine goldene Regel bei Star Wars Battlefront. Die Spielmodi Vorherrschaft, Abwurfzone, Droidenalarm und Kampfläufer-Angriff basieren auf dieser Mechanik einen Punkt einnehmen und halten zu müssen. Mir ist das ein stückweit zu viel Wiederholung in der Modi-Auswahl, sodass die 9 Spielmodi sich nicht wirklich wie 9 verschiedene Modi anfühlen. Kürzlich wurde ein neuer kostenfreier Spielmodus von DICE angekündigt, in dem es auch darum geht drei Punkte einzunehmen und zu halten, also gesellt sich ein weiterer Modus mit dieser Mechanik hinzu. Die Unterschiede liegen dabei im Detail: Mal spawnt das Ziel erst, mal müssen wir sie in einer bestimmten Reihenfolge einnehmen und mal bewegen sich die einzunehmenden Ziele. Zudem unterscheidet sich die Spielerzahl in den verschiedenen Modi.

Luke ich bin dein….

Helden bzw. Schurken haben wir in Star Wars Battlefront genau sechs zur Auswahl: Luke Skywalker, Han Solo, Leia, Darth Vader, Boba Fett und der Imperator. Die letzten beiden Spielmodi machen diese sechs Helden zum Mittelpunkt des Geschehens. Zum einen haben wir da Heldenjagd und zum anderen den Modus Helden vs. Schurken. Der Modus Heldenjagd besteht aus einer unfair-klingenden Gegneraufteilung, denn wir spielen 7 gegen 1. Ein Spieler spielt den Helden und 7 Leute versuchen ihn dabei aufzuhalten einen Killstreak aufzubauen. Der Spieler, der den Helden tötet, ist in der nächsten Runde der Held und versucht dann seine eigenen Killstreak aufzubauen. Der Spieler, der als Held zuerst eine gewisse Anzahl an Kills erfüllt hat, gewinnt die Partie. Was in der Theorie spaßig klingt, hat bei mir wenig Wohlbefinden ausgelöst. Nach dreimaligem spielen des Modus, habe ich keine Lust mehr verspürt, mein Glück dort zu versuchen. Entweder gebe ich mir größte Mühe den Helden seines Lebens zu berauben und ein anderer Spieler stibitzt den letzten Abschuss und wird zum Helden oder man hat eben das Glück den entscheidenden Schuss gesetzt zu haben.

In Helden vs. Schurken treten zwei Teams, bestehend aus jeweils 6 Leuten, gegeneinander an und versuchen das gegnerische Team zu eliminieren. Drei Spieler steuern dabei jeweils die Helden / Schurken aus dem “Star Wars”-Universum und die anderen 3 Spieler sind als normale Einheiten unterwegs. Gespielt werden mehrere Runden hintereinander und wer eine gewisse Anzahl an Runden gewonnen hat, gewinnt auch die Partie. Teilweise gingen die Sessions lediglich 6 Minuten und stellten uns nur mäßig zufrieden. Das liegt nicht an der Spielidee selbst, sondern erneut an dem Thema Balancing. Die Rebellen haben durch ihre zwei Fernkämpfer einen entscheidenen Vorteil gegenüber der imperialen Seite, die 2 Nah-Mitteldistanz Kämpfer besitzen und nur einen Fernkämpfer. Unterm Strich fallen die beiden Heldenmodi bei mir persönlich eher in die Kategorie „Gut gemeint, ist nicht gut gemacht“. Aber auch diese Spielmodi haben sicherlich einen eigenen Fan- und Spielerkreis.

Kein Multiplayer-Titel ohne Perks und Gimmicks

Was wäre ein Call of Duty oder ein Battlefield ohne die ganzen Waffenaufwertungen und Perks? Für viele wäre das Ganze nur halb so spaßig, denn dieses Wettrüsten gehört inzwischen fast überall fest zur Spielmechanik dazu. So verzichtet auch ein Star Wars Battlefront nicht auf diese Mechanik. Umgesetzt wird diese Mechanik durch sogenannte Stern- und Eigenschaftskarten. Durch die Sternkarten bekommt ihr beispielsweise gesonderte Waffen, einen Jetpack oder Thermaldetonatoren an die Hand, so dass euch mehrere Möglichkeiten zur Gegnerdezimierung oder Flucht offen stehen.

Auf Rang 15 schaltet ihr dann die Eigenschaftskarten frei. Die haben wiederum direkten Einfluss auf euren Charakter und eure Spielweise. So verfügen diese Karten über Fähigkeiten wie einer schnelleren Heilung oder der Möglichkeit noch präziser zu zielen. Durch diese Karten lassen sich verschiedene taktische Herangehensweisen ausprobieren und laden zum wilden Herumexperimentieren ein, mit welcher Kombination man selber am besten fährt.

Unser Fazit:

Jahrelang habe ich mir als großer Fan der Serie einen neuen “Star Wars Battlefront”-Ableger gewünscht. Nun ist er da, doch komplett zufrieden bin ich leider nicht. Na klar ist es ein tolles Gefühl, in der Schlacht gegen oder für das Imperium hautnah dabei zu sein und natürlich ist es ein geiles Gefühl, die bekannten Melodien im Ohr zu haben während des Spiels. Doch als kompetitiver Mehrspieler-Titel fällt Star Wars Battlefront in meinen Augen durch. Zu viele Wiederholungen in den Spielmodi, zu viele Maps, die keine richtige Balance besitzen und nicht jede Map wirkt in jedem Modus passend. Doch das ist auch gar nicht der Anspruch des Titels. Es geht hierbei nicht um einen Arena-Shooter mit Ladder System und ausgeklügelten Maps. Es geht nicht um das typische Kill/Death-Ratio-Geprahle und es geht auch nicht darum, einen gewissen Rang als Erster zu erreichen.

Es geht bei Star Wars Battlefront um Fan-Service, es geht um Zugänglichkeit und es geht darum, Kinderträume zu erfüllen. Nimm Platz im X-Wing, steuer den Millenium Falken oder sei Darth Vader. All das ermöglicht Star Wars Battlefront dem Spieler in einem technisch einwandfreien Gewand. Wer Maps sucht, die für Modi wie Team Deathmatch ausgelegt und genau konzipiert sind, der könnte durchaus enttäuscht sein mit dem Ergebnis. Wer aber gerne in die Welt von Star Wars eintauchen möchte, um mit seinem Lieblingshelden beispielsweise auf Endor die Schlacht zu gewinnen, der ist hier goldrichtig. Star Wars Battlefront ist kein Versuch ein Call of Duty vom Thron zu stoßen. Star Wars Battlefront ist ein Geschenk an die Star Wars Fans dort draußen.