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Guitar Hero Live: Wie nahe ist das Spiel am echten Bühnenerlebnis?

Das Spiel Guitar Hero Live soll uns Spielern das Bühnenleben eines Gitarristen so nahebringen, wie es irgendwie geht. Doch wie gut und realistisch schafft es Guitar Hero Live, uns dieses Erlebnis zu suggerieren? Dieser Frage will ich nun auf den Grund gehen. Wie kann ich das? Ich wage diesen Vergleich, da ich selbst Bühnenerfahrung als Gitarrist vorweisen kann. In mehr als 10 Jahren habe ich in verschiedenen Musikgruppen, vor verschiedenstem Publikum zwischen 3 und 3.000 Zuhörern gespielt.

Um eines vorweg zu nehmen, Guitar Hero Live ist es sehr gutes Spiel geworden, ich werde einige Aspekte beleuchten, jedoch liegt das Hauptaugenmerk ganz klar auf dem Live-Erleben.

Zu Beginn des Spiels werde ich aufgefordert, das Spiel zu kalibrieren. Besonders wichtig hierbei: Um das Beste aus dem Spiel herauszuholen, müssen die Toneinstellungen exakt sein! Den Ton genau dann zu hören, wenn ich ihn spielen soll, ist fundamental. Nichts ist schlimmer bei Guitar Hero, als Fehler zu machen, weil der Ton zu früh oder zu spät kommt. Das zerstört nicht nur das perfekte Lied, sondern auch den Spielspaß. Sobald die Einstellungen perfekt sind, geht es an die erste Auswahl: Im Menü haben wir die Wahl zwischen Live-Shows und dem TV-Modus. Der Live-Show-Modus ist genau das, wonach es klingt. Und genau auf diesen stürze ich mich nun in meinem Test.

Ich finde mich zu Beginn in Ego-Perspektive hinter einer Bühne wieder. Ein Tontechniker will sicherstellen, dass mein Instrument perfekt ist, dieser Teil ist das Tutorial, um die Techniken von Guitar Hero Live in aller Kürze kennenzulernen. Im Hintergrund höre ich bereits das Publikum jubeln und fordern. Zufrieden schickt mich der Techniker mit den Worten „denk dran, wenn du es vermasselst, werden die Leute dich hassen“ nach draußen auf die Bühne. Hier treffe ich nun das erste Mal auf die feiernden Massen vor der Bühne. Das Publikum selbst setzt sich auf den verschiedenen Festivals immer sehr unterschiedlich zusammen. Mal sind es große Massen von tausenden Menschen in einem Stadion, mal spielt man einen überraschungs-Gig in einem kleinen Club vor wenigen Auserwählten Zuschauern. Hier liegt auch eine der Stärken des Spiels. Das Publikum ist einfach super gelungen. Da ich alles aus der Ego-Perspektive erlebe, bin ich mittendrin im Geschehen. Man hört Fangesänge, Klatschen, Jubeln, Zwischenrufe und alles was dazu gehört. Die Fans tanzen, gehen ab und haben nur Augen für unser virtuelles Ich. Hier können wir nun den ersten Vergleich ziehen. Um das Erleben des Spielers so interessant wie möglich zu gestalten, dreht sich natürlich alles um mich, den Gitarristen. Die Fans jubeln nur mir zu, drehen bei Soli und der „Guitar-Hero-Superpower“ gerade zu durch. Jeder Schritt wird verfolgt, die Interaktion zwischen Gitarrist und Publikum ist einzigartig. Und genau das ist der Punkt: es ist einzigartig. Ein Publikum wird sich so gut wie nie auf nur einen der Band konzentrieren, vor allem nicht, wenn dieser jemand nicht mal der Mittelpunkt, also in den meisten Fällen der Frontmann/die Frontfrau der Gruppe ist. Dennoch ist die Umsetzung in diesem Punkt verdammt gut gelungen.

Den nächsten Vergleich suche ich in der Toleranz des Publikums. Eine Band funktioniert nur perfekt, wenn jeder seine Leistung bringt, und das jederzeit. Wie reagiert also das Publikum, wenn ich Fehler mache? In Guitar Hero Live ist das Publikum absolut gnadenlos. Beim recherchieren für diesen Test, ist es oft vorgekommen, dass ich mich komplett auf das Publikum, und nicht auf meine Performance gekümmert habe. Dieses missbilligte das Publikum ohne Gleichen. Sobald genug Noten falsch, oder gar nicht gespielt werden, verwandelt sich die feiernde Masse in einen pöbelnden, mit Bechern und anderen Sachen schmeißenden Mob. Obi-Wan würde sagen: Nur das Guitar-Hero-Publikum kennt nichts als Extreme. Und genau so ist es. Entweder ich werde als Held gefeiert oder als Versager lautstark von der Bühne befördert. Wie realistisch sind diese beiden Vorstellungen des Publikums?

In beiden Fällen wird hier sehr wirksam übertrieben. Vor allem auf den kleineren Konzerten wirkt die Atmosphäre eher gestellt. Was in Stadien wunderbar funktioniert, wirkt im kleinen Rahmen doch sehr künstlich. Sei es das übertrieben engagierte positive-, oder das fast gewalttätig werdende negative Publikum. Sowohl vor, als auch auf der Bühne habe ich noch kein Publikum erleben müssen, das dermaßen kritisch mit den Musikern umgeht. Für Guitar Hero erzielt es jedoch den gewünschten Effekt und passt wunderbar in das Spiel.

Wenn man so etwas wie ein Bühnenerleben beschreibt, dann gehören nicht nur das Publikum, sondern auch die anderen Bandmitglieder dazu. In Guitar Hero Live spiele ich mit verschiedenen Bands der verschiedensten Musikrichtungen zusammen. Alle haben jedoch die gleichen Extreme wie das virtuelle Publikum gemein: Spiele ich gut, jubeln meine Bandkollegen, werfen mir lächelnde Blicke zu, und performen gemeinsam mit mir. Sobald ich allerdings einige Töne falsch spiele, empfange ich lediglich Wellen der Verachtung. Die Stimmung wird eiskalt, meine Kollegen stimmen in den Kanon des enttäuschten und wütenden Publikums ein. Das Kopfschütteln des Schlagzeugers durchbohrt mein Gewissen. In wie weit geht es hier realistisch zu? Jeder Musiker weiß: Die Stimmung auf der Bühne überträgt sich automatisch auf das Publikum. Die Performance neben der Musik ist live genauso wichtig, wie die Musik selbst. Im positiven Geschehen ist das Bild, das Guitar Hero Live vermittelt durchaus realistisch. Die Stimmung der Bandmitglieder untereinander ist super, es herrscht Einigkeit und ein gutes Zusammenspiel, so wie es sein soll. Dass die Aufmerksamkeit wieder exzessiv auf den Gitarristen fällt, ist natürlich übertrieben. Im negativen Fall, also wenn ich mal ein paar Töne vorbeigehauen habe, ist das Bild weniger realistisch. Auf der Bühne heißt es allgemein: Auch wenn wir perfekt „abliefern“ wollen, jeder macht mal Fehler, also hängt euch nicht daran auf. Würde eine Band mir gegenüber nach ein paar Fehlern solche Blicke und Stimmung verbreiten, wäre dies mein letzter Auftritt gewesen. In diesem Fall heißt es professionell bleiben, und nichts anmerken lassen. Fehler gewollt aussehen lassen und immer schön lächeln! In diesen Zwiespalt der Extreme stimmen übrigens alle beteiligten wie Roadies, Tontechniker, Bühnenmitarbeiter oder sonstige Anwesende mit ein.

Wie sieht es denn mit dem Sound auf der Bühne aus? In den meisten Fällen bekommt man vom Bühnensound ja nichts mit. Vor der Bühne ist alles perfekt abgemischt, jede Frequenz bis ins kleinste Detail geplant und überwacht. Genau so hört es sich auch für uns an. Perfekt. Jedes Instrument zu hören, der Gesang kristallklar und darüber hinaus das Publikum in Gänze. Doch so hört sich ein Konzert für einen Musiker auf der Bühne einfach nicht an. Wenn man mit Monitorboxen arbeitet, ist man als Gitarrist froh, wenn man sich selbst und den Gesang, bei großen Bühnen vielleicht auch noch die Bass Drum hört. In vielen Fällen ist man auf In-Ear-Monitoring angewiesen, der Sound kommt gänzlich aus einem Knopf in meinem Ohr. Ich bin sehr dankbar, dass Guitar Hero in diesem Punkt von der Realität abweicht, denn perfekter Sound auf der Bühne kommt dem Spielspaß definitiv zu gute.

Soweit zu meinem kleinen Vergleich zwischen realem Bühnenerlebnis und dem von Guitar Hero Live. Natürlich ließen sich noch viele andere Aspekte zwischen Spiel und Realität vergleichen, doch dem Bühnenerlebnis sei hiermit genüge getan.

httpv://youtu.be/ev66m8Obosw

Das denken wir:
Guitar Hero Live schafft es, wenn auch übertrieben, bemerkenswert gut, eine Live-Show als Gitarrist zu erleben. Die Sets fühlen sich echt an, genau wie der Sound auf der Bühne. Ein ums andere Mal habe ich bei voll aufgedrehter Anlage eine Gänsehaut bekommen, da das Feeling einer Bühne authentisch rübergebracht wird. Ich habe jedes der Live-Sets gespielt und sehr viel Spaß dabei gehabt. Ich denke, kein anderes Spiel bringt einen derzeit näher an eine echte Bühnenerfahrung als Guitar Hero Live!

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