Rise of the Tomb Raider im Test

Rise of the Tomb Raider

Crystal Dynamics rebootete im Jahr 2013 mit Erfolg das Tomb Raider Franchise. Ob Ihnen das mit Rise of the Tomb Raider erneut so unterhaltsam gelingt, klärt unser Test, der dank dem Weihnachtsmann nun endlich nachgeholt wird.

Ihr kennt das: der Weihnachtsschmaus ist am Verdauen, die Heimreise angetreten und der ein oder andere „Verdauerli“ war bestimmt auch auf dem Essenstisch. Die Bettzeit kann dennoch nicht warten, immerhin möchte man doch nur kurz einen Blick auf das eben ergatterte Spiel werfen…

Mit nur mal kurz war es allerdings nicht getan. Lara fesselt mit dem gelungenem Mix aus Action und Erkundung erneut an den Bildschirm und lässt einen schnell die Zeit vergessen.

“Ach, ich kann schon steuern?”

Crystal Dynamics schaffen einen eindrucksvollen Einstieg, in dem sie den Spieler für das Tutorial in einen Schneesturm werfen, der über einen Gletscher hinwegfegt. Eindrucksvolle Panoramen, tolle Wettereffekte, grandioses Licht und lebendige Animationen: Rise of the Tomb Raider ist von der ersten Minute an ein absolutes Grafikbrett und lässt einen regelmäßig die Kinnlade runterklappen. Egal ob ihr euch am Gipfel eines Berges bewegt, ihr euch über die Äste in der Wäldern schwingt oder eine Höhle erkundet. Das Spiel sieht fantastisch aus und erzeugt besonders in den Höhlen und Gräbern eine Atmosphäre, die einen schnell im Spiel versinken lässt.

Während der ersten beiden Spielstunden werdet ihr mit den Spielmechaniken vertraut gemacht, die euch im Laufe des rund 14 Stündigen Abenteuers begegnen (+ einige Stunden, wenn ihr alle Neben- und Sammelaufgaben abschließen wollt). Klettern, die Interaktion mit der Spielwelt und das Sammeln von Artefakten geht dank der Steuerung einfach von der Hand. Der Controller ist sinnvoll belegt und die vielen (abschaltbaren) Tutorials helfen, falls ihr doch mal zu lange stehen bleiben solltet.

Das aus dem Vorgänger bekannte Upgradesystem und die storyergänzenden Tagebucheinträge wurden quasi eins zu eins aus dem Vorgänger übernommmen. Lara lässt sich mit gefundenen Gegenständen und Erfahrungspunkten mit neuen Fähigkeiten und Ausrüstung ausstatten, die sich aber nicht in allen Fällen spürbar auswirken. Einige Höhlen und Gänge könnt ihr erst mit Spezialausrüstung betreten, die ihr aber automatisch und ohne Uprade im Spielverlauf findet.

Wer bin ich?

Etwas hektischer geht es in den Schusswechseln und in den gescripteten Fluchtsequenzen zu, in denen ihr filmreif vor Naturgewalten oder Gegnern flĂĽchtet. Schmerzhaft wird es, solltet ihr zu langsam sein: Die aus dem Vorgänger bekannten Todesanimationen sind ebenfalls wieder an Bord und verwehren das “ein SpaĂź fĂĽr die ganze Familie” Prädikat.

Viele Tests haben die Kämpfe mit den menschlichen Gegnern bemängelt. Auch ich hatte meine Schwierigkeiten mit den Gefechten, da Crystal Dynamics zwar sehr viele Möglichkeiten zur Gegnerbeseitigung anbietet, die Intellligenz der gegner für diese Ambitionen aber nicht ausreichend ist.

Auf dem vorletzten Schwierigkeitsgrad treffen Gegner euch ziemlich genau und ihr könnt nicht viel einstecken, daher ist es oft ratsamer leise vorzugehen. Von hinten herangepirscht ist es aber oft viel zu leicht selbst größere Gruppen auszuschalten, da eure Widersacher euch scheinbar nicht hören wollen, außer ihr lenkt sie mit den überall herumliegenden Dosen und Flaschen ab. Räumt doch mal auf Jungs!

Dennoch gab es auch einige Situationen, in denen das Kampfsystem durchaus viel Spaß machte. Aus dem Baumwipfel einen selbstgebastelten Molotow in eine Gegnergruppe zu werfen und kurz darauf vom Ast auf eine einzelne Wache zu springen hat schon fast etwas von Splinter Cell und bringt nebenbei noch einen ordentlichen Bonus an EP, der mich in der Levelbewertung vor meine Freunde bringt. Echtes Survival-Feeling kommt dennoch nicht auf. Munition oder Material für Munitionsherstellung wird einem quasi hinterhergeworfen. Die selbst gebastelten Medikits sind mir während des Spielens ebenfalls nicht ausgegangen, Mutter Natur meint es halt gut mit Lara Croft.

Wer hats erfunden?

In Rise of the Tomb Raider begleitet ihr Lara Croft auf ihrer Reise durch die sibirische Wildnis, um dem Geheimnis einer göttlichen Quelle auf die Spur zu kommen, hinter der bereits ihr Vater her war. Lara und ihr aus dem Vorgänger bekannter Kumpel Jonah merken aber recht früh, dass sie nicht die einzigen sind, die ein Auge auf diesen Schatz geworfen haben. Eine Sektenähnliche Truppe giert ebenfalls nach der Quelle und nimmt dabei keine Rücksicht auf Verluste.

Oberbösewicht, hilfsbereites Volk, Helikopter und verschneite Bergregionen: Rise of the Tomb Raider zitiert an vielen Stellen das große Uncharted 2. Leider hat man es verpasst, Lara eine ähnlich sympathische Truppe an die Seite zu stellen. Wie gern hätte ich noch mehr über Jonah gelacht, der in der deutschen Version von Tobias Kluckert (Seth Rogen) gesprochen wird. Ein Sidekick wie gemacht für ein paar flache Witze um im Kino die Lacher auf seiner Seite zu haben. Die Nebencharaktere bleiben aber genauso blass wie das angedeutete Familiendrama im Hause Croft, das mit seiner überzogenen Dramatik aber nicht in das Flair des Abenteuers passen will. Lara wird übrigens nicht mehr von Nora Tschirner gesprochen, sondern von Maria Koschny, die unter anderem für die Vertonung von Jennifer Lawrence verantwortlich ist. Eine angenehmere Wahl, auch wenn Lara für meinen Geschmack etwas zu oft herumstöhnt. Na klar ist das anstrengend, aber was sollen denn die Nachbarn denken?

Dafür macht Rise of the Tomb Raider aber auch einige Sachen besser als das große Vorbild: Geheimnisvolle Ruinen mit mal mehr mal weniger anspruchsvollen Rätseln findet ihr viel öfter als bei Nathan Drake. Nicht enden wollende Gegnermassen gibt es bei Laras neuem Abenteuer auch erst gegen Spielende, wo sie aber auch hineinpassen.

Nachdem ich den episch inszenierten Schlussteil genießen konnte und der Abspann sammt Cliffhanger über den Bildschirm flimmerte, saß ich zufrieden auf der Couch und ärgerte mich gleichzeitig, dass ich Rise of the Tomb Raider nicht in meiner Best of 2015 Liste stehen hatte. Wer sich nicht von der mit Sammelkram vollgepackten Karte ablenken lässt, erlebt hier einen nahezu perfekten Spielfluß mit einer Lara Croft, die in einiger Zeit auch alle nicht Xbox-Besitzer glücklick machen wird.

Fazit:

Zugegeben, ich hab eben schön viel gemeckert. Das aber auf hohem Niveau: Rise of the Tomb Raider hat für den Action-Adventure-Fan einige tolle Momente zu bieten, die das Eintrittsgeld mehr als Wert sind. Noch nie war es schöner, nach ein paar unvorsichtigen Schritten von einem wilden Tier angefallen zu werden. Zwar gibt es nach dem Abschließen der Story und aller neun Gräber nicht mehr viel zu tun, aber der gebotene Inhalt kann durchweg überzeugen und unterhalten. Trotz B-Movie-Geschichte mit einigen Logiklücken („Badet die jetzt wirklich schon wieder im Eiswasser?“) wird hier ein großes Abenteuer erzählt, das mit seinem fantastischem Flow von Anfang bis Ende einfach Spaß macht und seinen eigenen Charm entwickeln kann.

Moin, Moin. Mein Name ist René und ich verstärke als frisches Mitglied die Rebel Gamer Redaktion. Neben Videospielen, dem wohl schönsten Unterhaltungsmedium, verbringe ich noch gern Zeit mit Musik, Gassi gehen und der Erhaltung meines Körpers.

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