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Firewatch im Test: Ein grandioser Indie-Überraschungshit

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich den ersten Trailer zu Firewatch gesehen habe. Ich dachte mir sofort: Das sieht verdammt gut aus. Das will ich spielen. Es gab seiner Zeit kaum Infos zum Spiel. Es war nur bekannt, dass man die Rolle von einem Charakter namens Henry übernimmt, der anfängt, für die Feuerwache in der Wildnis von Wyoming zu arbeiten, um von seinem chaotischen Leben Abschied zu nehmen. Das hörte sich “anders” und irgendwie spannend an und jetzt weiß ich: Das ist es auch. Vor ein paar Tagen flatterte der Review-Key zu Firewatch ins Haus und natürlich habe ich mich gleich ins Abenteuer gestürzt. Was ich erlebt habe und ob sich der Kauf lohnt, erfahrt ihr in diesem Test.

Kurz zur Story: Im Grunde habt ihr ja schon in der Einleitung erfahren, worum es geht. Man übernimmt die Rolle von Henry, einem Otto-Normal-Typen, der, ja, der private Probleme hat – so wie wir alle früher oder später mal. Welche Probleme das sind, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, da diese Info meiner Meinung nach wichtig für das Spielerlebnis ist. Würde ich euch diese Info vorwegnehmen, dann wäre der Spieleinstieg nur halb so spannend für euch.

Hier beginnt das eigentliche Spiel. Wir treten unseren neuen Job bei der Feuerwache in der Wildnis von Wyoming an. Dort müssen wir von einem Wachturm aus, den Horizont nach Rauch absuchen, um das Land vor Feuer zu schützen. Unser einziger Gesprächspartner ist die geheimnisvolle Delilah, unsere Dienstvorgesetzte. Sie versorgt uns mit Infos und gibt Anweisungen. Aber was noch viel wichtiger ist, sie unterhält sich mit uns. Ich meine, ab und an ein netter Plausch in der Abgeschiedenheit der Wildnis, das schadet nicht. Schließlich soll in der Einsamkeit schon der ein oder andere durchgedreht sein.

Unser erster Auftrag: Am Horizont ist ein Feuerwerk zu sehen. Wir müssen los und herausfinden, wer dafür verantwortlich ist. Mit Karte und Kompass ausgestattet, suchen wir den Ursprung des Feuerwerks auf, nur um herauszufinden, dass zwei Teenager mit ein paar Bier intus die Raketen abgefeuert hatten. Wir verjagen sie, räumen die leeren Bierdosen auf – ja, auch das gehört zu unseren Aufgaben – und machen uns auf den Rückweg zum Wachturm. Der erste Tag wäre geschafft.

Doch wenig später bemerken wir, dass jemand in unserem Wachturm eingebrochen ist und ein ziemliches Chaos angerichtet hat. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Geschichte schnell an Fahrt – und Spannung – auf. Wer ist da bei uns eingebrochen? Was suchen die Teens mitten in der Wildnis und weiß Delilah mehr, als sie zugibt?

Und hier kommen wir gleich zu einer der größten Stärke von Firewatch: Der Geschichte. Die Geschichte des Spiels wirkt frisch und unverbraucht, der Plot ist super, die Charaktere, also Henry und Dellilah sind glaubwürdig und die Art, wie die Geschichte erzählt wird, sucht seinesgleichen. Die ganze Geschichte wird im Grunde nur durch die Funkgspräche zwischen Henry und Dellilah vermittelt. Und das funktioniert unglaublich gut. Hier hat der Writer Sean Vanaman, der auch schon für einige Telltale-Spiele geschrieben hat, ganze Arbeit geleistet.

Je nachdem, wie wir uns in manchen Gesprächssituationen entscheiden – es stehen meistens verschiedene Antworten zur Wahl – greift Dellilah diese Infos zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf. Das hat auf das eigentliche Spiel zwar keine Auswirkungen, aber man hat das Gefühl, da hört einem jemand zu. Dadurch gewinnen die Charaktere an Tiefe. Coole Sache.

Spielerisch hat Firewatch nun nicht so viel zu bieten. An einem Tag müssen wir ein eingeschlagenes Fenster mit Brettern vernageln, an einem anderen bekommen wir von Dellilah den Auftrag, Vorräte zu beschaffen oder die Gegend zu erkunden. Dabei ist weder spielerisches Geschick noch Kombinationsfähigkeit gefragt, aber das macht gar nichts. Denn das Erleben der Geschichte, die von Tag zu Tag mysteriöser wird, macht einfach Spaß. Apropos Gegend erkunden: Das macht in Firewatch besonders viel Spaß. Die Welt ist zwar nicht komplett frei erkundbar, aber sie als linear zu bezeichnen wäre auch etwas zu kritisch. Die Entwickler räumen dem Spieler genügend alternative Wege ein, damit man das Gefühl der Freiheit und der Abgeschiedenheit vermittelt bekommt, ohne dabei auf die nötige Linearität zu verzichten, um die Story voranzutreiben.

Und die Wildnis von Wyoming wurde wirklich unglaublich schön umgesetzt. Der Grafikstil erinnert irgendwie ein bisschen an einen Pixar-Film und überzeugt durch wunderschöne Lichteffekte und eine malerische Vegetation. Das Gesamtbild wirkt einfach stimmig und sieht super aus. Da möchte man an jeder zweiten Lichtung halten und Fotos schießen. Jup – und sogar daran haben die Entwickler gedacht: Relativ früh im Spiel findet man eine Kamera, mit der man Schnappschüsse machen kann. Hat man Firewatch durchgespielt, dann kann man die Bilder über das Hauptmenü noch einmal bewundern und auf eine Website hochladen. Dort kann man die Pics sharen und sie sich sogar gegen eine kleine Aufwandsentschädigung zuschicken lassen. Ich habe mir meine Fotos nach dem durchzocken gleich geordert.

Auch die Sounduntermalung kann sich hören lassen. Mal ist nichts zu hören, außer die Geräusche der Natur und an den passenden Stellen sorgen melancholische Klänge für eine packende, nachdenkliche Stimmung. Der Umfang geht mit fünf bis sechs Stunden ebenfalls voll in Ordnung; vor allem für einen Preis von 17,99 Euro. Es gibt quasi keinen Leerlauf und man will ständig wissen, was der nächste Tag bringt.

Unser Fazit:
Viel bleibt nicht mehr zu sagen. Meine Erwartungen an Firewatch waren sehr hoch und zum Glück wurden sie auch erfüllt – und teilweise sogar übertroffen. Wer fünf bis sechs Stunden übrig hat und mal wieder ein richtig schönes Abenteuer erleben möchte, der darf sich Firewatch nicht entgehen lassen. Und eines ist ziemlich sicher: Vom verantwortlichen Entwicklerstudio, Campo Santo, werden wir in den kommenden Jahren noch einiges hören – und das ist auch gut so.