Far Cry Primal im Test: Willkommen in der Steinzeit

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Es ist noch gar nicht so lange her, da räumten wir den Himalaya in Far Cry 4 auf und schon steht das nächste Far Cry vor der Tür. Doch diesmal gibt es keinen durchgedrehten und psychopathischen Bösewicht, der uns das Leben zur Hölle machen will. Stattdessen verschlägt es uns in die Steinzeit. Ob uns das prähistorische Setting überzeugen konnte, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Willkommen in der Steinzeit. Als der AnkĂĽndigungs-Trailer von Far Cry Primal seine Premiere feierte, warf sich schnell die Frage auf, ob uns mit Primal ein vollwertiger Titel erwartet oder lediglich ein DLC zu Far Cry 4. Inzwischen wissen wir, dass es sich bei Far Cry Primal um einen Vollpreistitel handelt. Doch fĂĽhlt sich Primal auch wirklich wie einer an?

Wir schlüpfen in Far Cry Primal in die Rolle von Takkar. Wir sind Jäger des Stammes der Wenja und tummeln uns in der Welt Oros. Unsere Aufgabe? Wir sollen den Clan der Wenja wieder vereinen und den anderen Clans zeigen, wo der Frosch die Locken hat. Klingt wie ein prähistorischer Gangbattle? Das ist es schlussendlich auch. Allerdings ohne Uzis und Drive-By, dafür aber mit Keulen, Speeren und Pfeil und Bogen.

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Entfesselt den Bestienmeister

Doch natürlich müssen wir dieses Battle nicht alleine bestreiten, sondern haben stets einen tierischen Begleiter an unserer Seite. Und damit kommen wir bereits zu einer der großen Neuerungen von Far Cry Primal: Wir können wilde Tiere zähmen, die fortan an unserer Seite kämpfen. Was im ersten Moment ziemlich spannend klingt, ist unter dem Strich leider sehr öde gelöst. Wir pirschen uns an das Wildtier ran, drücken X, streicheln es kurz und schon gehorcht es uns.

Insgesamt gibt es 17 verschiedene Tiere, die wir fangen können. Angefangen beim Dachs und endend bei einem Säbelzahntiger. Natürlich bedarf es für die wirklich coolen Wildtiere eine Menge Skillpunkte im entsprechenden Baum. Doch zu keinem Zeitpunkt fühlte ich mich wirklich mit meinem Begleiter verbunden. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wenn er stirbt, ich ihn via Knopfdruck einfach wieder rufen kann.

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Wo geht’s hier lang?

Doch wer versaut uns eigentlich den Tag, obwohl wir einfach nur in Ruhe Mammuts jagen wollen? Das sind zum einen die barbarischen Udam und zum anderen die weiter fortgeschrittenen Izila. Diese beiden Clans gilt es zu zerschlagen, um selber zu alter Stärke zurückzufinden. Im Lauf der Geschichte treffen wir auf weitere Auftraggeber und arbeiten uns langsam aber sicher durch die Welt von Oros und vereinen Schritt für Schritt unseren Clan. Doch nicht jeder Stammesanhänger springt uns sofort in die Arme, einige sind skeptisch und wollen erst von uns überzeugt werden. Diese Überzeugungskunst besteht im Regelfall aus mehreren Missionen, die wir bestreiten müssen.

Diese Struktur führt dazu, dass es keinen geradlinigen Erzählstrang mehr gibt, sondern wir die Missionen in einer beliebigen Reihenfolge abschließen können. Wer also auf Twists, vorgegebene Story-Zusammenhänge oder tiefgreifende Charakterentwicklungen hofft, der sucht hier vergebens. Jeder Questgeber hat zwar eine vorgegebene Questlinie mit entsprechenden Cutscenes, doch ein wohlwollendes Gefühl nach Beenden der Quests mag hier nicht wirklich aufkommen. Auch die Missionen selbst sind leider bis auf sehr wenige Ausnahmen arg eintönig und stellenweise müßig.

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Jäger und Sammler

Was wäre ein Spiel in der Steinzeit ohne die beiden Steinzeit-Eigenschaften schlechthin: Jagen und Sammeln. Insbesondere Sammeln ist – passend zum Setting – eines der großen Schlüsselwörter in Far Cry Primal. Knochen, Holz, Steine, Fette, Felle oder Fleisch. Einfach alles will in Far Cry Primal gesammelt werden. Und wem das noch nicht reicht, der kann auch noch Totems, Wenja-Armbänder, Daysha-Hände und Izila-Masken sammeln. Ach und Höhlenmalereien, die können wir auch noch finden. Wer also nicht still sitzen kann, bis er alle Sammelaufgaben erledigt hat, der streift wahrscheinlich nächstes Jahr noch durch Oros.

Mit den gesammelten Gegenständen können wir uns dann entweder heilen oder auch Waffen und dazu passende Munition herstellen. Eine weitere Verwendung der Gegenstände findet sich im Ausbau unserer Siedlung. So verhelfen wir dem Clan nach und nach zu alter Stärke und schalten dabei seltene Objekte frei.

Doch so toll das im ersten Moment klingt, endet diese Ubisoft-typische Sammelwut leider oft darin, dass der Spielfluss immer wieder unterbrochen wird. Gefühlt halten wir alle zwei Meter an, um etwas zu pflücken oder zu erlegen. Je nachdem, welchen Begleiter wir nutzen, kann er uns in diesen Tätigkeiten zwar unterstützen, doch das macht es nicht weniger nervig. Manchmal wäre etwas weniger dann doch mehr gewesen.

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So schön sah Far Cry noch nie aus

Besonders ärgerlich sind diese kleinen Unterbrechungen, weil die offene Welt von Oros der eigentliche Star des Spiels ist. Zusammen mit der eigens für das Spiel entwickelten Sprache der Wenja, die man nur mit Untertiteln versteht, ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild in Punkto Spielwelt. Wenn man beispielsweise auf einer Klippe steht, ins weite Tal blickt und sich eine Herde von Mammuts zum Wasser macht, kommt so richtig Stimmung auf.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass eine Steinzeitidylle noch nie so eindrucksvoll in einem Spiel aussah. Von weiten grünen Tälern, bis hin zu Schnee- und Felsenlandschaften begegnen uns allerlei Areale, die nur darauf warten, von uns durchforstet zu werden. Einen Tag- und Nachtwechsel gibt es Far Cry Primal übrigens auch. Nachts sind noch wildere Tiere unterwegs als tagsüber, doch wirklich bedrohlich wird es dadurch nicht für uns. Im Zweifelsfall entzünden wir einfach unsere Keule und vertreiben die Tiere mit Feuer.

Far Cry Primal

Auch auf alte Tugenden mĂĽssen wir nicht verzichten

Allerdings verzichtet auch Primal nicht auf serien-typische Gewohnheiten. Jeder der schon einmal Assassins Creed oder einen anderen Far Cry-Ableger gespielt hat, kennt Ubisofts Affinität zu Türmen, um die Map zu erweitern und / oder Schnellreisepunkte zu generieren. Natürlich begegnen wir dieser Mechanik auch hier, doch diesmal sind es Leuchtfeuer, die wir entzünden müssen.

Das ist zwar nicht ganz so nervtötend wie Türme erklimmen, einen Innovationspreis gewinnt man damit aber trotzdem nicht. Im Kern ist Primal eben noch immer ein waschechtes Far Cry, welches den Steinzeit-Anzug übergestülpt bekommen hat. Aufgrund des Settings aber ohne Motorräder, Jetskis, Wingsuits oder anderen coolen Gerätschaften.

Unser Fazit:

Puhh. Das war also Far Cry Primal. Ich habe sowohl Far Cry 3, als auch 4 wirklich sehr gerne gespielt und die abgedrehten Facetten genossen, aber ich muss offen zugeben, dass mich dieser Titel vorne- und hinten nicht überzeugen konnte. Es ist einfach traurig zu sehen, wie häufig sich die Missionen wiederholen. Im Kern ist es andauernd der gleiche Einheitsbrei an Aufgaben. Zusätzlich zu dieser schnell eintretenden Öde ist mir kein einziger Charakter im Gedächtnis geblieben, weil sie schlichtweg langweilig geschrieben sind. Dabei waren es doch genau diese Punkte, die ich an der Reihe so mag: Abgedrehte Aufgaben und schillernde Charaktere.

Genau so verhält es sich mit dem Sammel- und Crafting-System. Ich möchte 2016 nicht mehr alle zwei Meter stehen bleiben müssen, um Steine, Knochen, Gräser, Holz oder sonstiges abzubauen. Klar ist das Thema präsent in der Far Cry-Serie, aber man kann es auch übertreiben. Und die neue Funktion, Tiere zähmen zu können, ist zwar gut gemeint, aber inkonsequent umgesetzt.

Zusätzlich kommt der Fakt, dass sich Far Cry Primal für mich eher wie ein DLC angefühlt hat und nicht wie ein vollwertiger Far Cry-Ableger. In zu vielen Punkten wirkt es durch das Setting wie ein technischer Rückschritt der Serie. Hinzu kommt, dass sich Far Cry Primal der gleichen Map bedient, wie Far Cry 4. Zwar ist die Wirkung durch das Setting eine gänzlich andere, seltsam finde ich es dennoch. Das verhärtet meinen Verdacht, dass Primal ursprünglich als DLC angedacht war und nun teuer verkauft wird. Ich bin mir sicher, dass einige Survival- und Steinzeitfreunde ihren Spaß mit Primal haben werden, aber mich konnte der Titel leider nicht überzeugen.

Wertung: (2.5 / 5.0)

Autor

Rene

Cineast & Serienjunkie | Zocker | NBA / NFL Fan | Musikalisch irgendwo zwischen Drum n' Bass, Rock, Metal und Hip Hop!
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