RebelGamer.de

The Division im Test: I ♥ NY

Auf der E3 2013 kündigte Ubisoft The Division an und veröffentlichte im selben Zug einen beeindruckenden Gameplay-Trailer, der nicht nur in Sachen Grafik, sondern auch Gameplay-technisch überzeugte. Nun, drei Jahre später, steht Tom Clancy’s The Division endlich in den Händlerregalen und wir verraten euch, ob sich der Kauf lohnt.

Darum geht’s: New York wurde von einer Pockenepidemie heimgesucht. Ob allein oder im Team – als Agent der Division ist es unsere Aufgabe, die letzten Reste der öffentlichen Ordnung zu erhalten. Wir spielen als namenloser Agent der Division, einer geheime Regierungsorganisation, deren Mitglieder sich als scheinbar gewöhnliche Bürger tarnen, die im Krisenfall von der Regierung als letzte Instanz gegen das Chaos eingesetzt werden.

Und dieser Krisenfall ist jetzt eingetreten. Am Black Friday, dem hektischen inoffiziellen Feiertag des Kapitalismus, haben Unbekannte das Pockenvirus über Geldscheine in Umlauf gebracht. Massenhaftes Ableben eines Großteils der Stadtbevölkerung ist die Folge, nur ein kleiner Teil der Menschen scheint immun zu sein. In kürzester Zeit ist das gesamte öffentliche Leben zum Erliegen gekommen, marodierende und plündernde Banden ziehen durch die einzelnen Stadtteile – es herrscht Chaos in der Stadt.

Die Story in einem Satz: Räum die Stadt auf

Wir sind also an der Reihe, denn alle anderen staatlichen Institutionen haben versagt. Die Stadt scheint am Ende zu sein, verlassene Fahrzeuge und Schneeverwehungen blockieren die Straßen, hungrige und verletzte Zivilisten streifen auf der Suche nach Nahrung und Kleidung umher.

Als Teil der so genannten „zweiten Welle“ der Division-Agenten treten wir nun an, um der Unordnung ein Ende zu setzen. Die Agenten der „ersten Welle“ sind allesamt entweder im Einsatz umgekommen oder haben spontan ihren Unternehmergeist bewiesen, indem sie angefangen haben, auf eigene Faust zu handeln.

Zu Beginn des Spiels dürfen wir einen Charakter erstellen und aus zahlreichen Individualisierungsmäglichkeiten wählen. Geschlecht, Haarfarbe, Tattoos und mehr können nach Belieben angepasst werde. Ich habe mich für einen weiblichen charakter entschieden. Folgerichtig werde ich von den KI-Gegnern im Verlaufe der Kämpfe mit der weiblichen Form eines Schimpfwortes bedacht, welches ich hier aufgrund meiner guten Erziehung auf gar keinen Fall wiederholen werde. Das müssen Games im Jahr 2016 drauf haben!

Mehr als ein 08/15-Shooter

Neben den offensichtlichen Shooterelementen gelingt es The Division vorzüglich, populäre Elemente aus anderen Genres in sich zu vereinen. Das Deckungssystem erhöht die taktische Komponente in Gefechten und sollte ausgiebig genutzt werden. Für Spieler mit schwachem Kurzzeitgedächtnis wird die Deckungstaste übrigens permanent eingeblendet.

Anstatt wie in konventionellen Shootern eine Waffe nach der anderen einfach freizuschalten, wartete The Division mit einem interessanten Crafting-System auf. Mein Tipp zum Crafting: Auch wenn es im ersten Moment verlockend erscheint, solltet ihr Ausrüstungsteile, die ihr nicht mehr braucht auf keinen Fall für Bares hergeben. Zerlegt sie lieber in eurem Inventar in Einzelteile, diese werdet ihr im weiteren Spielverlauf dringend für das Crafting benötigen, bei dem ihr deutlich stärkere Gegenstände herstellen könnt, als die verschiedenen Händler euch im Mid-Game anbieten.

Zudem könnt ihr noch die einzelnen Flügel eurer Basis aufrüsten. Der Ausbau erfolgt mit Hilfe von Vorräten, die ihr durch das Absolvieren von Missionen für jeweils einen der insgesamt drei Bereiche verdienen könnt. Im Medizinischen Flügel könnt ihr Skills, Talente und Perks verbessern, die eure Fähigkeiten als Teamplayer ausweiten. So könnt ihr am Boden liegende Teamkameraden wiederbeleben oder einen Puls aussenden, der Feinde in eurer Nähe auf der Minimap markiert. Offensiver geht es mit den Upgrades aus dem Technischen Flügel zu. Hier werden hauptsächlich mobile Geschütze und verbesserte Sprengwaffen entwickelt, mit denen ihr euer Inventar aufmöbeln könnt. Die Entwicklungen aus eurem Sicherheitsflügel dienen in erster Linie der Stärkung eurer defensiven Fertigkeiten. In einer befestigten Deckung steigert ihr beispielsweise eure Schadensresistenz, durch den Bau des „Arsenals“ rundet ihr eure Ausrüstung sogar mit einem mobilen Schild ab hinter dem, je nach Ausbaustufe, bis zu zwei Agenten gleichzeitig Platz finden.

New York, New York

Die einzelnen Stadtteile des südlichen Manhattans stehen dem Spieler prinzipiell von Beginn an offen. Jedoch empfiehlt es sich sehr, den an den Stadtteilgrenzen aufleuchtenden Levelempfehlungen Folge zu leisten, sonst ist ein Ausflug in unbekanntes Gebiet nur von kurzer Dauer.

Das urbane Setting ist die ideale Kulisse für The Division und lädt zum Erkunden ein. Man merkt der Stadt an, dass die erbarmungswürdigen Zustände bereits länger anhalten. Wohin man den Blick auch richtet, ist das Stadtbild gezeichnet von Chaos und Zerstörung. An jeder Ecke trifft man auf versprengte Zivilisten, die nach Nahrung suchen. Es gibt kaum Strom und verwaiste Fahrzeuge stehen mitten auf der Straße. Dazu kommt das hervorragende Sounddesign: Auf den verschneiten Straßen verlieren sich die eigenen Schritte in der Ferne, der Wind trägt entfernte Geräusche zu uns und lässt uns Gesprächsfetzen mithören. Hier und da läuft ein Radioprogramm, in dem Verschwörungstheoretiker ihre Ansichten zu den Ursachen der Pockenepidemie verbreiten. Ubisoft ist es gelungen, ein tolles Szenario zu inszenieren, das vor allem durch das gut durchdachte Setting glaubhaft daherkommt.

Kooperation ist Alles

Zwar ist es zumeist möglich, als einsamer Wolf durch die Spielwelt zu ziehen – in einer Gruppe von Freunden macht es jedoch deutlich mehr Spaß. Durch das individuelle Aufleveln eurer Charaktere könnt ihr eine schlagkräftige Gruppe zusammenstellen, die sich mit ihren Ausrüstungsgegenständen und Perks gegenseitig perfekt ergänzt. Wer im Verbund unterwegs ist, fühlt sich in der Geisterstadt New York auch nicht mehr ganz verloren. Auch wenn ihr mit Freunden spielt, die ein höheres Level als ihr selbst erreicht haben, ist man nicht außen vor. Man sollte sich nur etwas mehr im Hintergrund halten, sonst wird man durch permanentes Ableben zur Last fürs Team.

Wer trotzdem mal als einsamer Wolf unterwegs ist, weil die eigenen Freunde gerade nicht online sind, der kann sich dank der integrierten Matchmaking-Funktion mit anderen menschlichen Mitstreitern zusammenschließen.

Falsche Freunde in der Dark Zone

In der „Dark Zone“, dem PvP-Areal von The Division, geht man gemeinsam gegen größere „Mobs“ von KI-Gegnern vor. Auch hier gilt: Je mehr freundlich gesinnte Helfer man um sich scharen kann, desto mehr Spaß macht das Ganze. Spannend wird es am Ende eines Kampfes. Welche Items erwartet uns als Belohnung? Und bleibt es bei einer gerechten Teilung oder schießen uns die anderen Agenten in den Rücken und hauen mit den Belohnungen ab?

Sollte man tatsächlich von falschen Freunden hintergangen worden sein, oder wirklich selbst so niederträchtig sein, andere Agenten zu töten, währt die Freude über erbeutete Ausrüstungsgegenstände meist nicht allzu lange. Das Spiel versieht aufmüpfige Agenten mit dem „Rogue“-Status, der sie für alle anderen Spieler auf dem Server zur wandelnden Zielscheibe werden lässt. Wenn abtrünnige Agenten zur Strecke gebracht werden ist nicht nur eine Bestrafung durch den Verlust von Items die Konsequenz, es werden zudem auch mühsam gesammelte Erfahrungspunkte entzogen. Die Konsequenz hieraus ist, dass man angenehm selten von anderen Spielern aus einer Laune heraus attackiert wird. Wollt ihr doch auf andere Spieler losgehen, so solltet ihr euch eurer Skills sehr sicher sein. Die zu Beginn drakonischen Strafen für Rogue-Agenten sind mit dem aktuellen Patch deutlich entschärft worden, so dass die Motivation auf andere Agenten loszugehen etwas gesteigert wurde. Jedoch treten auch mehr als zwei Wochen nach dem Release noch einige Probleme mit dem Balancing auf.

Unser Fazit:

Ubisoft ist ein mitreißender RPG-Shooter gelungen, der selbst einen Shooter-Muffel wie mich in seinen Bann zieht. Stellenweise bin ich beim Spielen für diesen Test dermaßen in The Division eingetaucht, dass ich stundenlang vergessen habe, Screenshots zu machen. New York ist herausragend in Szene gesetzt, sieht super aus und kommt glaubhaft daher. Positiv sticht auch hervor, dass man sich entscheiden kann, ob man allein oder im Verbund losziehen möchte. Nur an den Stellen, an denen man allein nicht weiterkommt „zwingt“ uns das Spiel, uns mit anderen zusammen zu tun. Zudem werden die gewöhnlichen Shooterkonventionen durch einen Mix von verschiedenen Genres etwas aufgelockert.

Deutliche Abzüge gibt es allerdings in der B-Note: Mangelnde Abwechslung bei der Gestaltung der Gegner und (momentane) technische Probleme sind nicht zu übersehen. Teilweise sind die Respawnpunkte in Missionen dermaßen schlecht gewählt, dass man überhaupt keine Chance hat, sich irgendwie in Sicherheit zu bringen. Sobald der Respawntimer abgelaufen ist, liegt man schon wieder am Boden.

Auch würde etwas mehr Abwechslung im Missionsdesign sicherlich nicht schaden. Die meisten Aufgaben sehen mit minimalen Variationen derzeit folgendermaßen aus: Finde Gegenstand X, erledige die Gegner die drum herum stehen, verteidige den Gegenstand bis Verstärkung eintrifft.

Die offene Spielwelt ist wunderschön, aber sie bietet nicht viel zum Entdecken. New York ist stimmig inszeniert, jedoch ist man leider hauptsächlich damit beschäftigt, von einer Mission zur nächsten zu laufen.

Der eine oder andere Fan von reinrassigen Shootern wird sicherlich einige Kritikpunkte finden, die das Spielerlebnis trüben. Für mich war und ist The Division ein fesselndes und immersives Erlebnis, bei dem jedoch nicht jedes Element zu Jubelstürmen hinreißt.

Wertung: (4.0 / 5.0)