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Quantum Break im Test: Ein spielerischer Quantensprung?


Seit nun mehr als 15 Jahren werden Zocker aufmerksam, wenn der Name Remedy Entertainment ertönt. Das liegt vor allem an der großen Beliebtheit der Max Payne-Serie. Doch auch mit Alan Wake hat der Entwickler viele Fans gewonnen. Nun, 6 Jahre nach Alan Wake, erblickt Quantum Break das Licht der Welt, das neue Action-Flagschiff von Remedy Entertainment. Wir haben es für euch getestet und sagen euch, ob sich der Kauf lohnt.

Quantum Break, die neue Marke von Remedy Entertainment, ist nach langem Warten nun endlich erschienen und wartet mit hohen Zielen auf. Zeitreisen, pralle Action und eine eigens für das Spiel produzierte Serie mit bekannten Schauspielern stehen bei Remedys neuem Meisterstreich auf dem Zettel. Ob der Plan aufgeht und die Synergie zwischen Serie und Spiel gelingt, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Ein Spiel auf Zeit

Doch worum geht es überhaupt in Quantum Break? Unser Protagonist Jack Joyce trifft nach langer Zeit seinen Kumpel Paul Serene, der einen folgenschweren Unfall mit einer Zeitmaschine verursacht. Gebaut wurde diese Zeitmaschine von Jacks Bruder Will. Durch diese Misere entsteht ein Riss in der Zeit. Als wäre diese Tatsache nicht schon schlimm genug, rückt uns zusätzlich noch eine Militäreinheit auf die Pelle, die von einem deutlich gealterten Paul Serene angeführt wird. Was jetzt schon gewaltig klingt, sind gerade mal die ersten 20-30 Minuten des Spiels. Dementsprechend stellen wir uns bereits von Anfang an eine Menge Fragen.

Wieso greift uns unser langjähriger Kumpel Paul an? Was bewirkt der Riss in der Zeit? Und können wir das alles wieder ungeschehen machen? Fragen über fragen, die ich in diesem Test aber nicht beantworten werde, um keinem die Freude an den Plottwists zu nehmen. Das findet ihr schön selber heraus.

Eine gelungene Fusion?

Die Geschichte rund um Jack Joyce erzählt sich in einem rund 8-10 Stunden langen Actiontrip, der es gewaltig in sich hat. Wie bereits im Vorfeld bekannt wurde, werden die Hauptfiguren des Spiels von echten Schauspielern gespielt. Unter anderem hätten wir da Lance Reddick (Fringe, The Wire), Aidan Gillen (Game of Thrones) oder auch Shawn Ashmore (X-Men, Fringe). Alle Schauspieler machen dabei eine wirklich gute Figur und wirken jederzeit authentisch.

Der gute Cast ist ein Grund dafür, dass die Fusion aus Spiel und Serie überraschend gut funktioniert. Am Ende eines jeden Kapitels treffen wir eine mal mehr, mal weniger folgenschwere Entscheidung, die Einfluss auf die Serie nimmt. Insgesamt gibt es vier etwa 25 Minuten lange Episoden, die uns noch tiefer in die Story ziehen. Die Entscheidungen, die wir am Ende eines jeden Kapitels treffen, sind für den Spieler direkt spürbar. Je nachdem, wie wir uns entscheiden, sehen wir andere Sequenzen in der Serie und auch die Story und die Dialoge im Spiel ändern sich. So haben wir in Episode 1 beispielsweise die Möglichkeit, den Konzern Monarchy als strahlenden Helden dastehen zu lassen oder als Monster. Diese Idee ist wirklich sehr motivierend und funktioniert insgesamt ganz gut.

Quotenbringer oder doch nur ein Low-Light?

Zu Beginn des Spiels stellte ich mir die Frage, ob die Episoden nur eine verlängerte Cutscenes sind und lediglich als Stilmittel dienen oder ob doch mehr dahinter steckt. Zum Glück steckt mehr dahinter. Das Prinzip ist nämlich ebenso simpel, wie genial: Das Spiel zeigt uns die Geschehnisse aus den Augen von Jack und die Serie konzentriert sich auf die Sicht der Antagonisten und Nebencharaktere. Das macht ihre Handlungen im Spiel für uns noch greifbarer.

Während Defiance vor einigen Jahren mit Bravour aufgezeigt hat, wie man Spiel und Serie nicht miteinander vermischen sollte, kann man Quantum Break dafür nur loben. Natürlich bieten die Episoden keine US-Netflix-Qualität, aber mit diesem Anspruch sollte man auch nicht an die Folgen gehen. Die Serie fügt sich nicht komplett flüssig in das Gameplay ein, da sie jeweils einen Kapitelabschluss darstellen und nicht überraschend auftreten und doch könnte diese Methode wegweisend dafür sein, wie man Serien in Zukunft interaktiver gestalten könnte.

Es gibt im Netz bereits einige Stimmen, die behaupten, dass die Sequenzen sehr aufgesetzt wirken und den Spielfluss stören, doch das kann ich nicht bestätigen. Mir haben die Sequenzen als kleines On-Top zur Story sehr gut gefallen.

Neo hätte es nicht besser machen können

Allerdings gibt es leider auch kleine, störende Dinge in punkto Storytelling. In Quantum Break wird im Spiel selbst ohne Punkt und Komma geredet, in den Cutscenes wird geredet und sogar eine Serie gibt es zusätzlich on Top und doch muss ich Textboxen, Dokumente und eMails en masse lesen, um wirklich alle Hintergründe der Story zu begreifen. Je nach Länge der Textboxen ist das ja nicht weiter wild, da ich aber teilweise 5-10 Minuten immer wieder nur mit lesen beschäftigt war, kam das Gefühl in mir auf, dass man das hätte anders lösen können. Dem Spielspaß tut das keinen Abbruch, aber ärgerlich ist es dennoch.

Doch trotz der kleinen Nörgelei muss man sagen: Quantum Break geht in jedem Belang flüssig von der Hand. Die Story ist tiefer, als ich zu Beginn erwartet hätte und das Gameplay macht einfach Spaß. Und damit kommen wir zum nahezu wichtigsten Element von Quantum Break: Das Gun- und Gameplay. Im Fokus stehen dabei natürlich Jacks Eigenschaften, die er durch den Zeitreiseunfall erworben hat. Wir können nämlich die Zeit manipulieren und das macht richtig Spaß.

Egal ob wir wie Flash durch das Level düsen und die Zeit verlangsamen oder uns in einen Schild hüllen – die Special-Moves sind einfach cool in Szene gesetzt. Die Kämpfe sehen wie eine spielbare Version von Matrix aus. Gegner und Patronenhülsen fliegen in Zeitlupe durch die Gegend, während wir Gegnerwellen beseitigen. Die Fähigkeiten können wir im Verlauf des Spiels übrigens erweitern und aufwerten. Obwohl Quantum Break im Herzen ein Deckungsshooter ist, merkt man schnell, dass der wirkliche Spaß erst dann aufkommt, wenn wir die Deckung verlassen und uns mit unseren Fähigkeiten mitten ins Getümmel stürzen. Anfangs wirken die Kämpfe in Verbindung mit unseren Fähigkeiten etwas überladen, doch daran gewöhnt man sich schnell.

Nicht nur die Inszenierung ist gelungen

Passend zu der rasanten Action muss man positiv hervorheben, dass die Framerate in der Testversion jederzeit ruckelfrei und ohne Einbrüche lief. Doch so gut die Kämpfe von der Hand gehen, offenbaren sich an anderen Stellen kleine Steuerungsschwächen. Wenn es darum geht, gezielt zu einer Stelle zu springen oder sich einen Hang hochzuziehen, möchte man ab und an verzweifeln. Teilweise entscheiden Milimeter darüber, ob Jack nun macht was wir wollen oder nicht. In diesen Passagen fühlt sich die Steuerung leider etwas indirekt und schwammig an. Mit der Zeit gewöhnt man sich allerdings daran.

Was ist zusätzlich wichtig, in einem Spiel, mit einer guten und intensiven Story? Genau, die Sprachausgabe. Ich habe Quantum Break in deutsch, als auch in englisch getestet und bin mit beiden Tonspuren größtenteils sehr zufrieden. Hin und wieder wirkt die Betonung nicht ganz zur Situation passend und weckt die Vermutung, dass die Synchronsprecher noch kein Bild zu ihrem Text hatten, aber im Großen und Ganzen ist dennoch alles in sich stimmig.

Es ist nicht alles Gold was glänzt

Aber das Spiel hat auch einige Schönheitsfehler und Logiklöcher, doch die konnte ich während des Spielens verschmerzen. Dennoch finde ich ich es wichtig, sie zu erwähnen. So lernen wir relativ früh im Spielverlauf, dass wir für kurze Zeit die Uhr zurückdrehen können und doch müssen wir Rätsel mit unserem Geschwindigkeitsschub lösen, um durch eine Tür zu kommen. Wieso drehen wir vor der Tür stehend nicht einfach die Zeit zurück?

Ein weiterer Punkt sind die verschwindenden Leichen. Erst mähe ich den ganzen Platz nieder und kurz darauf liegt dort keiner mehr. Ist zwar eine Kleinigkeit, aber es fällt beim Spielen auf. Durch die lineare Struktur des Spiels ist es zudem nicht möglich, alte Spielabschnitte erneut zu besuchen, außer wir spielen das Kapitel ab der Stelle ein weiteres Mal.

Und der wohl nervigste Punkt: Wieso habe ich nach jeder Sequenz und nach jedem neuen Abschnitt wieder eine Pistole in der Hand? Ich stürme mit meiner Schrotflinte in ein Lager voller Gegner, lande in einer Cutscene, die eine große Schießerei einleitet und als erstes muss ich wieder von der Pistole zum Gewehr wechseln. Da man auf einem höherem Schwierigkeitsgrad nicht allzuviele Schüsse überlebt, kann dieser Punkt sehr störend werden.

Unser Fazit:
Das war also Quantum Break. Ich muss sagen, dass Remedy meine Erwartungen übertroffen hat. Ich war im Vorfeld nicht sonderlich gehyped, auch wenn ich mit Spielen von Remedy bisher immer auf meine Kosten gekommen bin. Ich ging anfangs davon aus, dass mich hier ein Max Payne mit etwas mehr Tiefgang erwartet. Hinter Quantum Break verbirgt sich aber noch um einiges mehr als das. Das finnische Studio weiß eben einfach, wie man Spannung aufbaut.

Zwar flacht das Spiel in meinen Augen zum Ende hin etwas ab, doch insgesamt ist es ein wirklich rundes Ding geworden. Auch die angesprochenen Schönheitsfehler schmälerten meinen Spielspaß nicht wirklich. Die Geschichte ist einfach Klasse inszeniert. Nach unzähligen Open World Spielen mit erzwungen-großer Spielwelt, tat es richtig gut, einen linearen und storybasierten Shooter zu spielen, der nicht mit Längen in der Mitte aufwartet.

Wer schon mal einen Remedy Titel gespielt hat, wird sich hier relativ schnell zuhause fühlen. Es ist die logische Weiterentwicklung von Spielen wie Max Payne und Alan Wake. Wer also einen Shooter mit einer guten Story sucht, die rund 10 Stunden dauert, der sollte bei Quantum Break unbedingt zuschlagen. Es macht großen Spaß, die Story ist gut erzählt und das Spiel an sich sieht einfach sehr cool aus.

Wertung: (4.0 / 5.0)