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Doom im Test: Ein höllisches Vergnügen

Wenn Kultspiele nach vielen Jahren eine Fortsetzung spendiert bekommen, ist das immer so eine Sache. Duke Nukem Forever hat vor fünf Jahren vorgemacht, wie eine Fortsetzung nicht aussehen sollte. Bethesda hat mit Wolfenstein: The New Order allerdings aufgezeigt, dass dieses Experiment auch glücken kann. Dementsprechend stark war das Vertrauen in Bethesda, als sie einen neuen DOOM-Ableger angekündigt haben. Nun, 12 Jahre nach Doom 3, ist der neue Ableger auf dem Markt und wir haben ihn für euch ausführlich getestet.

Heutzutage ist es fast schon selbstverständlich, dass die ersten Spielminuten eines jeden Spiels aus einem erklärten Tutorial bestehen, um uns näher in die Spielmechanik einzuführen. Nicht so bei Doom. Nach etwa 5 Sekunden halten wir unsere erste Waffe in der Hand und verarbeiten das erste Monster zu Brei. Daraufhin erfahren wir die notwendigsten Dinge zur Geschichte und fangen an, die Monster zurück in die Hölle zu schicken. Story ist allgemein ein Element, dass bei Doom nicht allzu groß geschrieben wird: Eine Person öffnet das Tor zur Hölle, Monster brechen aus und wir nehmen die Sache in die Hand und schicken sie dorthin zurück, wo sie herkamen. Mehr muss man zur Geschichte eigentlich auch gar nicht wissen, denn in diesem Retro-Shooter stehen andere Dinge im Vordergrund.

Ein Hauch von alter Schule

Inzwischen ist man es von heutigen Shootern häufig gewöhnt, ständig von Deckung zu Deckung zu hecheln. Doch in Doom solltet ihr von diesem Gedanken schnellstens Abstand nehmen. Was einzig und alleine hilft, ist die Flucht nach vorne – denn Angriff ist bekanntlich manchmal die beste Verteidigung. Also stellt euch den Höllenschergen einfach mit allem entgegen was ihr habt. Euer Repertoire ist dabei sehr vielfältig: Von einer Schrotlinte, bis hin zu einem Plasmagewehr und der guten alten BFG, ist alles am Start.

Begleitet wird die Gewaltorgie von feinsten Thrash-Metal Klängen, während wir uns durch die Arenen schießen und die Monster zurück in die Hölle schicken. Auch optisch macht die Monsterjagd einiges her. Wo man hinguckt, sieht man platzende Köpfe und Blut in alle Richtungen spritzen. Auch die Level selbst sind oftmals mit blutverschmierten Wänden und herumliegenden Leichen “verziert”. Stilistisch orientert sich das Spiel dabei eher an den ersten beiden Serienablegern. Die Jumpscare- und Schockmomente aus Doom 3 fehlen hier gänzlich. Doch gerade diese schnörkellose Action gefällt mir richtig gut.

Selten sah ein platzender Kopf so schön aus

Damit die (Monster-)Tode auch möglichst prunkvoll in Szene gestellt werden, hat sich Bethesda das Glory-Kill-System eingeführt. Sobald die Gegner ausreichend geschwächt sind, fangen sie an zu blinken und können via Glory Kill beseitigt werden. Dabei richten wir den Gegner möglichst brutal zu Grunde und bekommen dafür unter anderem Gesundheit als Belohnung. Richtig – Gesundheit. Auto-Heal gibt es in Doom nämlich nicht. Ganz wie damals eben, bevor Halo einst das Auto-Heal-System einführte. Bei den Glory Kills kann es passieren, dass wir den Kopf eines Monsters mit unseren Stiefeln zerstampfen oder das wir einem Monster den Arm ausreißen, um ihm damit seinen eigenen Kopf abzuschlagen. So sehr gejubelt habe ich seit Braindead nicht mehr. Natürlich wird das nicht jedem gefallen, doch wer Doom spielt, weiß im Regelfall worauf er sich einlässt.

Das Gunplay fühlt sich einfach gut an und sorgt dafür, dass uns öfters gar nicht auffällt, wie monoton die eigentliche Struktur des Spiels ist. Denn im Kern machen wir in Doom immer die gleichen Dinge: Wir laufen durch geräumige, aber relativ geradlinige Bereiche, suchen verschieden farbige Schlüsselkarten und besiegen immer größer werdende Horden von Monstern. Da viele Level funktionieren wie aufeinanderfolgende Arenen, müssen wir meist immer einen Levelabschnitt clearen, bevor es weitergeht oder sich eine Tür öffnet. Sonderlich innovativ ist das nicht und doch stört es mich erschreckend wenig, da die Ballerei einfach so viel Spaß macht. Wem das allerdings nicht reicht, dem könnte bereits nach 3-4 Stunden relativ langweilig werden. Ein bisschen mehr Abwechslung hätte dem Spiel an dieser Stelle auf jeden Fall nicht geschadet.

Und was ist mit leveln?

Zwar leveln wir in Doom nicht mit unserem Charakter, doch dafür können wir unsere Ausrüstung aufwerten. Wir finden beispielsweise Energiekugeln, die unser Leben erhöhen oder die es uns ermöglichen, mehr Munition tragen zu können. Genauso gibt es Droiden, bei denen wir uns Freischaltungen für unsere Waffen aussuchen können. Ihr wollt mit eurer MG auch kleine Raketen schießen? Ihr wollt das eure Schrotflinte auch explosive Geschosse schießt? Kein Problem! Es gibt für jede Waffe zwei Freischaltungen, die wir hinterher noch individuell weiter verstärken können. Also auch dort stellt Doom den eifrigen Rollenspieler in uns zufrieden.

Während des Kampfes können wir dabei jederzeit die verschiedenen Modi unserer Waffen aktivieren. Zusätzlich gibt es noch zwei Waffen, die wir nicht verstärken können – die es aber auch gar nicht nötig haben: Die Kettensäge und die BFG-9000. Zwei Waffen, die in einem Doom-Ableger natürlich nicht fehlen dürfen. Bei beiden haben wir zwar nur begrenzte Möglichkeiten, sie einzusetzen, zwecks mangelnder Munition, doch wenn wir sie benutzen, dann knallt es gewaltig. Entweder wir zersägen den Gegner und bekommen zur Belohnung eine Menge Munition spendiert oder wir schießen mit der BFG auf einen Gegner und zerlegen ihn in 1000 Einzelteile. Gerade bei stärkeren Gegnern kann das goldwert sein.

Und abseits der Höllentour?

Wem die ca. 12-14 stündige Kampagne nicht reicht, der kann seine Zeit zusätzlich in den Multiplayer-Modus investieren. Im Kern funktioniert der Multiplayer wie in vielen anderen Shootern – nur eben noch schneller. Ihr erstellt eure Klasse, legt fest welche Waffen sie tragen soll und sucht einen passenden Spielmodi aus. Während meines Tests wurde dabei überwiegend Team Deathmatch gespielt. In den Grundzügen erinnerte mich der Aufbau und die Geschwindigkeit an meine alten Quake-Tage. Doch wirklich lange konnte mich der Multiplayer dennoch nicht begeistern. Er ist eben solide, aber nicht bahnbrechend.

Wem das nicht genügt, der hat mit Snapmap einen Editor zur Hand, mit dem durchaus witzige Dinge möglich sind. So gibt es bereits von der Community erstellte Maps, die an alte Doom-Klassiker erinnern. Auch diverse Tower Defense Abwandlungen haben schon den Weg ins Netz gefunden. Wer sich also kreativ austoben möchhte, der hat hier die beste Gelegenheit dazu.

Unser Fazit:

Wie schon bei Wolfenstein: The New Order ist es Bethesda gelungen, eine in die Jahre gekommene Spieleserie erfolgreich weiterzuführen. Doom ist von vorne bis hinten ein waschechter Shooter der alten Schule. Die Handlung ist natürlich so dünn wie Seidenpapier, doch das tut bei Doom auch nicht sonderlich weh. Denn in Doom geht es um vieles, aber nicht um die Story. Viel mehr steht die einfache Spielmechanik und ein ausgefeiltes Gunplay im Vordergrund und dort punktet Doom auf ganzer Linie. Zwischen rockigen Riffs und unzähligen Monstermassen schnetzeln wir uns mit allem durch, was uns zur Verfügung steht.

Die einzige Kritik, die sich Doom gefallen lassen muss: Auf Dauer erscheint es hier und da etwas monoton. Überwiegend schießen wir uns durch arena-artige Areale und suchen bunte Schlüsselkarten oder Totenköpfe. Die ein oder andere Cutscene hätte dem Spiel an manchen Stellen dabei durchaus gut getan. Doch eingefleischte Doom Fans stört das wahrscheinlich weniger – denn im Kern verbindet das neue Doom alle guten Eigenschaften der ersten beiden Teile und hebt es in die Moderne, ohne dabei zu modern zu wirken. Wer im Jahr 2016 also noch mal in das Spielgefühl der späten 90er abtauchen möchte: zuschlagen!

Wertung: (3.5 / 5.0)