Unsere Kinokritik zu The First Avenger: Civil War – Wenn Freunde zu Feinden werden

The First Avenger – Civil War feierte vor ein paar Wochen seine Premiere in den deutschen Kinos und natürlich war ich als großer Film,- und Comicfan mit dabei. Ziemlich genau ein Jahr nach Avengers 2: The Age of Ultron versammeln sich die Avengers erneut auf der Kinoleinwand, doch dieses Mal kommt die Bedrohung aus den eigenen Reihen.

Die wichtigste Frage will ich direkt vorab klären: Muss man die Comicvorlage kennen, um Civil War komplett zu verstehen? Nein, muss man nicht. Zwar hält sich Civil War in groben Teilen an seine Vorlage, doch der Film bringt eine Menge eigener Ideen mit und überraschte damit stellenweise selbst mich. In einigen Punkten gefällt mir der Film sogar besser als der beliebte Comic aus dem Jahre 2006. So wird Iron Man abgebildet, wie wir ihn aus den bisherigen Marvel-Filmen kennen und nicht so abgehoben und hochnäsig, wie er im Civil War Comic dargestellt wird. Und auch die nervige Nebenhandlung von Thors Klon fällt im Kinofilm durch das Fehlen von Thor komplett weg. Jedoch sollte man Captain America 2: The Return of the First Avenger gesehen haben, um alle Handlungsstränge zu verstehen.

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Doch worum geht es überhaupt in Civil War?

Nach den folgenschweren Ereignissen der bisherigen Marvel – und vor allem Avengers – Filmen sind überall auf der Welt Zweifel laut geworden, bezüglich dem bunten Superhelden-Ensemble. Zwar haben sich die Rächer mehrere Male dafür eingesetzt, die Menschheit zu retten, doch nicht gänzlich ohne (Zivil-)Opfer. New York, Washington D.C. und die fiktive Stadt Sokovia sind drei bezeichnende Beispiele, über denen ein großer Schatten liegt. In Folge der weltweiten Verunsicherung schaltet sich der Staatssekretär General Ross ein und fordert, dass sich die Avengers einem Abkommen unterwerfen, sodass sie keine eigene Entscheidungsgewalt mehr besitzen.

Bevor weitere Zweifel aufkommen – getreu dem Motto “Was der Mensch nicht kontrollieren kann, das macht ihm Angst” – soll also eine klare Lösung her. Es ist kein Spoiler wenn man erwähnt, dass mit dieser Lösung natürlich nicht alle Avengers einverstanden sind. So bilden sich zwei Fronten, die jeweils an ihre Ideale glauben. Nur eben jeder für sich.

Während dieser Geschehnisse versucht James Buchanan “Bucky” Barnes, besser bekannt als der Winter Soldier, seine Vergangenheit endgültig hinter sich zu lassen. Doch dieser Plan scheitert, als er in ein folgenschweres Attentat verwickelt wird. Während die ganze Welt auf der Suche nach Bucky ist, steht ihm jedoch einer zur Seite – Captain America. Doch Caps Loyalität zu Bucky bricht einen Streit vom Zaun, den die Avengers nicht mehr gewaltfrei lösen können. Nun steht also noch mehr auf dem Spiel, als nur ein Superhelden Abkommen. Wie löst man unter Freunden ein Problem, wenn es mit Diplomatie nicht mehr funktioniert? Im Kern beschäftigt sich Civil War mit eben genau dieser Frage. Auf die weitere Handlung möchte ich an dieser Stelle auch gar nicht eingehen, um niemandem etwas vorweg zu nehmen.

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Neue Helden braucht das Land

Bekanntermaßen stoßen mit The First Avenger: Civil War neue Helden zum Cast dazu. Zwar lange nicht alle Helden, die in der Vorlage mitwirken, doch Black Panther und Spider-Man feiern ihre Bühnenpremiere. Bei beiden Helden war ich anfangs sehr skeptisch. So ist Tom Holland inzwischen der dritte Darsteller, der Spider-Man verkörpern darf. Doch dieses Mal darf der Held meiner Jugend für Marvel – und nicht wie bisher für Sony – die Fäden spinnen. Und was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt. In meinen Augen ist Tom Holland der ideale Spider-Man. Zwar fand ich Andrew Garfield nicht gänzlich schlecht, doch Holland fokussiert sich mehr auf die Darstellung des New Spider-Man und nicht des Amazing Spider-Man. Außerdem ist die Idee ihn in Civil War einzubauen – und nicht seinen eigenen Film abzuwarten – den Russo Brüdern 1a gelungen. Ab der ersten Sekunde ging mir ein “Na endlich! Das ist der richtige für den Job” durch den Kopf.

Ähnlich verhält es sich mit Chadwick Boseman aka T’Challa aka Black Panther. Nach vielen kleineren Serienauftritten durfte er bereits letztes Jahr sein Können als James Brown im Bio-Pic Get on Up auf der Leinwand beweisen und zeigt auch in Civil War, zu was er im Stande ist. Und ohne zu viel zu verraten: Er ist genau wie Tom Holland eine riesige Bereicherung für den Superhelden-Cast. Noch dazu hat er wohl eines der coolsten Kostüme von allen. Welche wichtige Rolle er in Civil War einnimmt, verrate ich allerdings nicht. Ansonsten feiern noch viele weitere Bekannte ein Wiedersehen, wie z.B. Vision, Scarlet Witch und Ant-Man. Auch ein Deutscher feiert in Civil War seine Premiere: Daniel Brühl. Doch welche Rolle er einnimmt, das findet ihr selber heraus.

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Ein Krieg für die ganze Familie

Alles in allem ist The First Avenger: Civil War in meinen Augen der bisher beste Kino-Blockbuster des Jahres und insgesamt der bislang beste Marvel Film. Der Film bietet überraschend viel Tiefe trotz seiner eher plumpen Vorlage und verzichtet dabei dennoch nicht auf den typischen Marvel-Humor. Auch der Konflikt als solches ist absolut nachvollziehbar.

Auch technisch macht Civil War eigentlich alles richtig: Der Soundtrack ist absolut stimmig und die Effekte wirken an keiner Stelle überladen. Wer also nach dem eher misslungenen Batman V Superman skeptisch ist, ob er sich Civil War anschauen soll, dem kann ich nur dazu raten.

René’s persönliche Meinung

Ich selber bin begeisterter Comic- und insbesondere Marvel Fan, seit ich 10 Jahre alt bin. Also seit nunmehr 17 Jahren. Dementsprechend kommt eigentlich kein Marvel-Film ins Kino, dessen illustrierte Vorlage ich nicht kenne. Gerade im Bezug auf Civil War war ich demnach sehr skeptisch, ob es nicht viel zu früh dafür ist. Schließlich haben die Avengers im letzten Film erst so richtig zueinander gefunden und sollen sich nun schon zerstreiten.

Doch da der kommende gemeinsame Avengers Film sich mit einem DER Bösewichte befassen soll, gab es wohl keinen anderen Zeitpunkt. Etwas schade, da ich es zu einem späteren Zeitpunkt besser gefunden hätte, aber gut. Da sich The First Avenger: Civil War nicht komplett an seine Vorlage hält, funktioniert dieser Spagat dennoch besser als eingangs vermutet. Denn Civil War macht einfach Spaß. Über’s Knie gebrochen legt ein Haufen Superhelden Städte und Flughäfen in Schutt und Asche, nur um zu schauen, wer mehr im Recht ist. Das klingt im ersten Moment etwas kindisch und doch ist es absolut nachvollziebar. Schließlich geht es im Kern um das Thema Freundschaft. Den Russo Brüdern gelingt es dabei, jedem Helden den notwendigen Tiefgang zu verpassen und seine Figur auszubauen.

Auch die Neuzugänge, Spider-Man und Black Panther, passen dabei super ins Konzept. Gerade Spider-Man sorgt mitunter für die lustigsten Momente des Films. Verwunderlich ist lediglich die erstaunlich heiße Darstellung seiner Tante May. Doch auch sie passt irgendwie in das Gesamtkonzept. Beiden Neuzugängen gelingt es mit Bravour, uns heiß auf ihre Solofilme zu machen. Warum Civil War allerdings als Captain America Film und nicht als Avengers Film erschienen ist, ist dabei unklar. Aber diese Frage stand ja schon bereits bei Winter Soldier im Raum.

Fans der Civil War Vorlage werden zwar gerade am Ende erhebliche Abweichungen zum Comic feststellen, doch das steht dem Film insgesamt sehr gut. Rundum ist The First Avenger: Civil War gerade nach dem enttäuschenden The Age of Ultron letztes Jahr, für mich der bislang mit Abstand beste Marvel Film.

Wertung: (4.5 / 5.0)
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