Overwatch: Deshalb macht der Ranked-Modus aktuell keinen Spaß

Vor knapp 1,5 Monaten ist nach langem Warten endlich Blizzard’s neuester Streich Overwatch erschienen. Seit der ersten Minute spiele ich es rauf und runter und liebe es abgöttisch. Vergangene Woche ist nach 5 Wochen der Warterei dann auch endlich der Ranked-Modus erschienen. Meine Augen funkelten, als ich die Meldung sah und ich schmiss mich direkt ins GetĂŒmmel. Doch ich wurde enttĂ€uscht. Ziemlich enttĂ€uscht. Wieso? – Ich erklĂ€re es euch.

In den offiziellen Foren und sozialen Netzwerken hĂ€ufen sich die Beschwerden ĂŒber den Ranked-Modus von Overwatch. Benachteiligung, GlĂŒcksspiel und schlecht durchdachte Mechaniken sind dabei die genannten GrĂŒnde. Nach einigen Partien im Ranked-Modus kann ich das so bestĂ€tigen und liste die Probleme einmal auf.

Problem Nummer 1: Die Leaver

Schon vor dem offiziellen Start des Ranked-Modus hat Blizzard angekĂŒndigt, dass es Strafen fĂŒr Leaver geben wird. Also fĂŒr Leute, die vorzeitig die Partie verlassen. Zwar ist diese Konsequenz sehr löblich, doch nicht komplett durchdacht. Aktuell hat Blizzard mit einem Disconnect-Problem zu kĂ€mpfen, welches nicht vom Spieler verursacht wird. Zwar wird man fĂŒr 60 Sekunden in der Partie gehalten bei einem Disconnect, doch stellenweise hat man so schnell nicht alles neugestartet. Die Folge: Wir werden als Leaver bestraft und erhalten fortan weniger EXP. Hier ist es dringend notwendig, dass Blizzard den Grund dahinter erkennt, ob wirklich jemand mutwillig die Partie verlassen hat.

Problem Nummer 2: Die Konsequenz der Leaver

Okay. Angenommen der Leaver verlĂ€sst mutwillig die Partie und lĂ€sst sein Team im Stich – bestraft der Leaver nicht nur sich selbst, sondern das gesamte Team. Sobald der erste die Partie verlassen hat, bekommen wir die Meldung, dass wir straffrei die Partie verlassen können. ABER: Wir bekommen die Partie dann als Niederlage gewertet. Ja richtig gehört. Jemand anderes lĂ€sst euch im Stich und ihr tragt die Konsequenzen. Schlimmer noch, bei einem Leaver bleibt es selten. Doch egal wer und wieviele die Partie verlassen, wir haben eine nahezu sichere Niederlage in der Tasche und verlieren wertvolle Rankpunkte und steigen weiter ab.

Problem Nummer 3: Supporter werden nicht geschÀtzt

Supporter sind ja bereits im Quick Game eine heikle Diskussionsbasis. Ohne sie geht es nicht, aber wirklich spielen wollen sie auch nur die wenigsten. Der Ranked-Modus wĂ€re die Gelegenheit gewesen, daran etwas zu Ă€ndern. Die Betonung liegt auf wĂ€re. Leider ist das Gegenteil eingetroffen. Nicht nur, dass man als Supporter gerne mal der SĂŒndenbock des Teams ist, nein – wir bekommen sogar noch weniger EXP dafĂŒr. Da man als Supporter im Regelfall nur bei der Heilung eine Goldmedaille trĂ€gt, hat man laut Blizzard weniger gemacht als der Rest des Teams. Die Folge: Wir erhalten weniger Exp als die Tanks und DDs. So kommt es im Ranked-Modus hĂ€ufig vor, dass die Zusammenstellung des eigenen Teams mehr als fragwĂŒrdig ist und man den Job entweder selbst ĂŒbernimmt oder es keiner macht. Machen wir es, dankt es uns aber auch keiner. Gerade wenn man Mercy spielt, hat man nach Abschluss der Partie keine sonderlich großen Chancen auf einen Rangaufstieg. Liest man sich durch die Redditforen hĂ€ufen sich die Support-Spieler, die lieber auf DD umsteigen um auch einen Teil vom Kuchen ab zubekommen.

Problem Nummer 4: Das Balancing:

Das Balancing spielt in zweierlei Dingen eine entscheidene Rolle. Zum einen bekommen wir fĂŒr einen Sieg oftmals nur einen Daumenbreit EXP zum nĂ€chsten Ranglevel, verlieren bei einer Niederlage aber fast ein halbes Level. So kommt es hĂ€ufig dazu, dass man mit einer 55-60% Winrate dennoch Rangpunkte verliert und weiter absteigt. Das kann so nicht gewollt sein. Zum anderen stĂ¶ĂŸt vielen Spielern die “Sudden Death” Mechanik sauer auf. Wenn es nach den regulĂ€ren Runden zu keiner Entscheidung gekommen ist, wird eine letzte entscheidende Runde gespielt. Dabei entscheidet die MĂŒnze welche Seite Angreifer und welche Verteidiger ist. Auf vielen Maps hat man je nach Position aber signifikante Vorteile oder eben auch Nachteile. So entscheidet oftmals das GlĂŒck ĂŒber den Gewinner der Partie.

Problem Nummer 5: Die Belohnungen

Wenn es schon keine Ligen und keine Divisionen in Overwatch gibt, sondern nur eine Zahl, dann muss der Reiz eben von wo anders kommen. Im Regelfall sind das die Belohnungen. Doch auch hier schaut es aktuell mau aus. Die 500 weltbesten bekommen nach Ende einer Saison ein animiertes Spray. Okay. Der Ottonormal-Ranked Spieler möchte aber auch eine Belohnung bekommen. DafĂŒr gibt es die goldenen Waffen. Doch eine goldene Waffe kostet 300 Rangpunkte. Ihr bekommt einen pro Sieg. Also benötigt ihr 300 Siege fĂŒr eine goldene Waffe. Da die Ranked-Spiele lĂ€nger dauern und man grob eine 50:50 Win / Lose Statistik besitzt, dauert es also 100-130 Spielstunden fĂŒr eine Waffe. Da ist noch Luft nach oben.

Alles in allem muss Blizzard in vielen Punkten noch nachbessern. Ich verstehe die Entscheidung, wieso man auf Ligen und Divisionen verzichtet hat, doch perfekt ist der Modus noch lange nicht. Ich hoffe, dass sie die Probleme schnell in den Griff bekommen. So lange spiele ich wohl weiter Quick Play.