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Stranger Things: Eine Ode an das 80er Jahre Mystery-Kino

Seit vergangenem Freitag ist endlich die neue Netflix Serie Stranger Things online. Als ich vor einigen Wochen den ersten Trailer gesehen habe, dachte ich erst, dass Steven Spielberg den Weg ins Seriengeschäft gefunden hat.

Sofort fühlte ich mich erinnert an vergangene 80er Jahre-Filmperlen wie die Goonies, Stand by me und E.T. – allesamt wichtige Filme meiner Kindheit. Um das Feeling perfekt zu machen, packt man noch Winona Ryder dazu, bedient sich einer Kleinstadt mit mysteriösen Vorfällen und gibt einem das Gefühl, in Erinnerungen zu schwelgen.

Dementsprechend gespannt habe ich auf den Serienstart von Stranger Things gewartet. Kurzum wurde das Wochenende direkt dafür genutzt, um es sich auf der Couch gemütlich zu machen und das 8 Episoden lange Spektakel am Stück zu genießen. Und was soll man sagen? Netflix bringt die 80er Jahre zurück und verbeugt sich mit Stranger Things vor vielen großen Filmemachern. Die Duffer-Brüder machten bereits im Vorfeld kein großes Geheimnis daraus, dass Stranger Things ein Geschenk sein soll – an das 80er Jahre Kino und VHS Zeitalter. Doch das Problem an so einer Hommage ist oftmals, dass es zwar viele charmante Versatzstücke besitzt, aber keine eigenen Ideen aufweist. Glücklicherweise besteht dieses Problem bei Stranger Things zu keiner Sekunde.

Doch worum geht es in Stranger Things überhaupt? Wir befinden uns in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Indiana. Schnell wird uns klar, dass die Kleinstadt ein Ort ist, in dem nicht häufig kriminelle Dinge passieren. Doch eines Tages verschwindet urplötzlich ein Junge und damit nicht genug – es mehren sich mysteriöse Vorfälle in der Kleinstadt. Ein Job für den sonst eher unterbeschäftigten Chief Hopper. Doch auch die Freunde des vermissten Jungen können nicht still sitzen und abwarten, während der Chief und die Behörden nach ihm suchen. Also beschließen sie das Heft selbst in die Hand zu nehmen und ihren Freund zu finden. Doch anstatt ihren Freund finden sie Elf (im Original: Eleven), ein mysteriöses Mädchen mit rasiertem Kopf, welches verängstigt im Wald steht. Wie sich herausstellt, weiß Elf allerdings was mit dem verschwundenen Jungen passiert ist. Also nehmen sich die drei Jungs ihrer an und begeben sich gemeinsam auf ein Abenteuer.

Diese Ausgangssituation führt zu mehreren Handlungssträngen, die schlussendlich alle miteinander verwoben sind und doch eine unterschiedliche Sprache sprechen. Zum einen haben wir die Geschichte dreier Jungs, die zusammen mit Elf versuchen Will zu finden und mehr über Elf zu erfahren. Bereits in der ersten Episode ist man sofort dazu gewillt die drei ins Herz zu schließen, weil die Dialoge zwischen ihnen mehrfach für Lacher und breites Schmunzeln sorgen. So diskutieren sie zum Beispiel auf einer Polizeiwache, ob der Düsterwald nun aus Der Herr der Ringe oder dem Hobbit stammt oder lernen sie bei einer Runde Dungeons & Dragons kennen. Die drei sind eben echte Nerds und dabei sehr charmant. Mit diesem Klischee spielt die Serie immer wieder, ohne dabei den Bogen zu überspannen. Sei es der Spielzeug-Milleniumsfalke oder auch das “Das Ding aus einer anderen Welt” – Poster im Keller.

Auf der anderen Seite haben wir Winona Ryder als besorgte Mutter, die innerhalb der Kleinstadt ohnehin als verrückt und durchgedreht gilt. Ihr Handlungsstrang ist schon bedeutend düsterer erzählt. Bei der verzweifelten Suche nach ihrem Sohn lässt sie kein Mittel unbenutzt, völlig gleich wer ihr am Ende noch glauben schenkt und wer nicht. Neben diesen zwei Strängen gibt es natürlich noch weitere, doch möchte ich nicht zu viel vorweg nehmen. So ist das Spektrum von smarter Coming-of-Age-Comedy, bis hin zu Mystery- und Gruselelementen komplett abgedeckt und gibt sich im Wechsel die Klinke in die Hand. Dieser Wechsel funktioniert erstaunlich gut und wirkt zu keiner Sekunde unpassend. Natürlich wird auch hier häufiger mal mit bestimmten Klischees gespielt, die wir in anderen Filmen alle schon mal sahen.

Eine Sache mag ich allerdings klarstellen. Ich lese aktuell häufig im Internet: “Die neue Horror-Serie von Netflix”. Stranger Things ist in meinen Augen absolut nicht im Genre Horror einzureihen. Es gibt zwar einige Versatzstücke die ich klar im Horror-Genre einordnen würde, auf die ich wegen Spoilergründen allerdings nicht näher eingehe, doch insgesamt würde ich Stranger Things eher im Sektor Mystery und Grusel einordnen. Untermalt ist die Serie von einem sehr stimmigen 80er Jahre Soundtrack, der von Toto, bis hin zu den Bangles, David Bowie und The Clash (genial eingebaut!) reicht.

Das einzige was mich etwas gestört hat an Stranger Things ist der Fakt, dass einige Dinge nicht ausreichend erklärt wurden, bzw. man sich für manche Hintergründe 5-10 Minuten mehr Zeit hätte nehmen sollen. Stichwort Regierungsmitarbeiter. Doch insgesamt fällt dieser Punkt nicht wirklich stark ins Gewicht und ist Nörgeln auf einem hohen Niveau.

Addiert man die verschiedenen Faktoren von Stranger Things, kommt unter dem Strich eine sehr packende Atmosphäre raus, die einen ab der ersten Minute in den Bann zieht. Wer noch einen kleinen Vorgeschmack benötigt, kann sich hier den offiziellen Trailer zu Stranger Things anschauen.

Der offizielle Trailer zu Stranger Things

Unser Fazit:
Wow. Einfach wow. Ich habe ungelogen seit Jahren nicht mehr so viel Spaß und Freude beim Schauen einer Serie empfunden wie bei Stranger Things. Für mich passt in dieser Serie alles zusammen. Die Charaktere, das Setting, das wirklich gut geschriebene Drehbuch und auch der außerordentlich tolle Soundtrack. Den Duffer Brüdern ist etwas gelungen, was ich anfangs nicht für möglich hielt: Ich fühlte mich binnen einer Episode sofort in meine Kindheit zurückversetzt. Ich würde die drei Jungs einfach sofort adoptieren und bei mir aufnehmen.

Wer das 80er Jahre Kino genau so liebt wie ich, sollte sich Stranger Things auf keinen Fall entgehen lassen. Doch auch wer einfach nur ein Faible für gute Mystery-Grusel-Stories hat, wird hier definitiv fündig. Man mixt einfach E.T. mit Filmen wie Stand by me, den Goonies, Das Ding aus einer anderen Welt und Super 8 und dabei raus kommt eine Serie mit schönen Bildern, tollen Dialogen und wahnsinnig viel Herz. Ganz klare Empfehlung. Hut ab Netflix.

Wertung: (5.0 / 5.0)