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Alienware Alpha im Test – Mini-Maße mit Maxi-Leistung?

Das kennt ihr mit Sicherheit: Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man ein aktuelles Spiel startet, die Grafikeinstellungen auf “Ultra” setzt, das Spiel startet und dann feststellt: Fu$#, ich brauche einen neuen PC. Genau an diesem Punkt bin ich gerade. Und ich habe noch ein weiteres Problem. Nein, besser gesagt einen Wunsch: Ich möchte maximale Performance und das in einem möglichst kleinen PC.

Versteht mich nicht falsch, ich habe mir früher auch riesige Tower ins Zimmer gestellt, rumgebastelt und mir keine Gedanken über den Platz eines Gaming-PCs gemacht, schließlich brauchen fette Grafikkarten Platz. Aber ich bin mittlerweile der Meinung, dass Gaming-PCs viel zu groß sind. Ich betone noch einmal: Wenn jemand Bock auf riesige Gehäuse hat, sei es aus Modding-Gründen, oder weil einfach der Platz aus Performance-Gründen (hier meine ich SLI- oder Crossfire-Systeme) benötigt wird, dann ist das cool. Ich persönlich möchte das aber nicht mehr. Ich möchte einen kleinen PC – und zwar mit bestmöglicher Leistung.

Wenn man so einen PC möchte und anfängt zu suchen, dann landet man früher oder später bei Alienware. Genauer gesagt beim Alienware Alpha. Einem Mini-PC, der ungefähr so groß ist, wie eine Nintendo Wii und mit genügend Leistung, um damit auch aktuelle Games ohne Probleme zocken zu können.

Für diesen Test hat mir Dell einen Alienware Alpha mit folgender Hardware zukommen lassen:
Prozessor: Intel Core i5-6400T Quad Core mit 2,20 GHz
Grafik: Nvidia GeForce GTX 960 4GB GDDR5
Arbeitsspeicher: 8GB Dual Channel DDR bei 2133 MHz
Betriebssystem: Windows 10 Home

Als ich das Gerät zum ersten Mal in der Hand hatte, war ich erstaunt, wie unglaublich klein das Teil ist. Wie bereits erwähnt, ist der Alienware Alpha ungefähr so klein wie die Nintendo Wii. Hier die Abmessungen:
– Höhe: 55 mm
– Breite: 200 mm
– Tiefe: 200 mm
– Gewicht: 2kg

Hier der Alienware Alpha neben dem Alienware-Grafikverstärker:

Ich hatte noch nie einen kleineren, vollwertigen PC in der Hand. Die nächste Überraschung folgt nach dem Start. Das System bootete nicht in die normale Desktop-Ansicht, sondern dank HiveMind UI in eine Controller-freundliche Benutzeroberfläche. Hier kann man ganz einfach installierte Spiele suchen und starten. Das Ganze erinnert an Dashboards, wie man sie von Konsolen kennt und funktioniert ohne Probleme.

Natürlich ist es auch möglich, in die normale Windows-Ansicht zu wechseln, um mit dem Alienware Alpha zu arbeiten, wie mit jedem anderen PC auch. Auch cool: Auf dem Alpha ist eine Software vorinstalliert, die es erlaubt, die Beleuchtung des Gerätes mit einem Klick den eigenen Vorstellungen anzupassen.

Was die Größe und Bedienung betrifft, überzeugt Alienware mit dem Alpha also auf ganzer Linie. Wie sieht es aber mit der Leistung aus? Um mir ein Bild davon zu machen, wie gut der Mini-PC mit aktuellen Spielen klarkommt, habe ich auf dem Testgerät The Witcher 3: Wild Hunt und Deus Ex: Mankind Divided installiert. Beide Spiele habe ich auf “Hohen”- und “Ultra”-Grafikeinstellungen (Auflösung: 1920 x 1080) gespielt. Hier das Ergebnis:

Deus Ex: Mankind Divided lief auf der Einstellung “Hoch” mit 35 bis 40 Bildern pro Sekunde. Ich konnte zwar ohne größere Probleme spielen, aber die Leistung war trotzdem etwas enttäuschend. Auf “Ultra” brachte es der Mini-PC nur noch auf 24 bis 35 Bilder pro Sekunde, was in Actionspielen deutlich zu wenig ist.

Nicht viel anders sah es mit The Witcher 3: Wild Hunt aus. Das Spiel läuft auf “Hoch” mit 30 bis 40 Bildern in der Sekunde und auf “Ultra” mit 24 bis 30 Bildern, je nachdem, wieviel gerade auf dem Screen los ist. Mit anderen Worten: Mit dem Alienware Alpha kann man aktuelle Games ohne Probleme zocken, für ein flüssiges Spielerlebnis muss man sich aber mit mittleren Grafikeinstellungen begnügen. Auffällig war auch, dass die Lüfter während der Gaming-Sessions extrem hochgedreht und sich die Lautstärke des Testgerätes damit mal eben verdoppelt hatte. Insgesamt lief das System aber trotzdem leiser wie ein gewöhnlicher Desktop PC.

Das hört sich jetzt ziemlich enttäuschend an, oder? Aber keine Sorge, der Alienware Alpha kann noch mehr. Dell hat mir mit dem Testgerät auch noch einen Grafikverstärker mitgeliefert. Hier handelt es sich um ein externes Gehäuse, das man mit dem Alpha (und auch mit manchen Notebooks) verbinden kann. In dieses Gerät kann man jede handelsübliche Grafikkarte stecken, um die Leistung des Alienware Alpha zu “boosten”. Da man das Standardgerät im Grunde nicht modifizieren kann, ermöglicht es Dell mit diesem Verstärker jedem Gamer die die Grafikkarte einzusetzen, die er möchte.

Mein Grafikverstärker wurde für diesen Test mit einer Geforce GTX 980 befeuert. Mit angestecktem Grafikverstärker habe ich dann Deus Ex: Mankind Divided und The Witcher 3: Wild Hunt nochmal gespielt – mit äußerst zufriedenstellenden Ergebnissen.

Deus Ex lief nach mit dem Grafik-Boost auf “Hoch” fast konstant mit 60 Bildern pro Sekunde. Auf “Ultra” lief das Spiel mit 50 bis 60 Frames pro Sekunde, was absolut zufriedenstellend ist. The Witcher 3: Wild Hunt lief auf “Hoch” ebenfalls fast konstant mit 60 Frames. Auch mit den höchsten Grafikeinstellungen lief das Spiel mit 50 bis 60 Frames. Nur selten, wenn viel auf dem Screen los war, sank die Framerate auf unter 50 Bilder pro Sekunde. Übrigens: Wird der Verstärker angesteckt, sinkt die Arbeitslautstärke des Alienware Alpha auf ein Minimum. Dafür bläst dann der Verstärker wie ein großer Gaming-PC.

Lange Rede, kurzer Sinn: Der Alienware Alpha kann in Verbindung mit dem Grafikverstärker (plus entsprechender Grafikkarte) als vollwertiger Gaming-PC angesehen werden, mit dem man aktuelle Games auch mit maximalen Grafikeinstellungen flüssig spielen kann. Und das ist ziemlich beeindruckend, wenn man bedenkt, wie wenig Platz die zwei Geräte (Alpha plus Amplyfier) benötigen.

Der Alienware Alpha und der Alienware-Grafikverstärker im Größenvergleich mit der PlayStation 4:

Unser Fazit:
Ich habe jetzt einige Tage mit dem Alienware Alpha gearbeitet und gespielt und ich bin wirklich positiv überrascht. Das kleine Gerät sieht toll aus (egal ob im Arbeitszimmer oder unter dem TV), nimmt kaum Platz weg und ermöglicht es auch in der Standardausführung aktuelle Games – zumindest mit Grafikeinstellungen auf mittlerem Niveau – flüssig zu spielen. Spieler, die in Sachen Grafik aber keine Abstriche machen wollen, kommen jedoch um den Grafikverstärker (plus eine zusätzliche Grafikkarte) nicht herum. Und dann wird das Ganze natürlich ein ganzes Stück teurer. Der Alienware Alpha kostet je nach Ausstattung zwischen 799 Euro und 999 Euro. Der Grafikverstärker ist für rund 200 Euro erhältlich. Dazu kommt dann eben noch der Preis für eine leistungsstarke Grafikkarte. Das ist nicht billig. Man darf aber nicht vergessen, dass wir hier von einem vollwertigen Gaming-PC reden, der selbst mit Grafikverstärker ungefähr so klein ist wie ein Schuhkarton.

Wer also vorhat, sich einen Alienware Alpha zuzulegen, der kann das mit gutem Gewissen tun. Man sollte sich nur vorher im Klaren sein, was man will. Gelegenheitsspieler, die einen Mini-PC haben möchten, greifen zur Standardausführung. Core-Gamer mit hohen Grafikansprüchen, die auf der Suche nach einem Mini-PC sind, sollten den Kauf eines Grafikverstärkers und einer zusätzlichen Grafikkarte einplanen.

Ergo: Dell hat mit dem Alienware Alpha einen Gaming-tauglichen Mini-PC am Start, der auch in Sachen Bedienung und Style überzeugt. Lediglich in der Standardausführung lässt die Leistung zu wünschen übrig.