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Battlefield 1 im Test – Das actionreichste Battlefield aller Zeiten!

Mit Battlefield 1 wagen DICE und Electronic Arts einen mutigen Schritt. Sie verfrachten das Franchise, das die moderne Kriegsführung in Videospielen salonfähig machte, 100 Jahre zurück in der Zeit – und schicken uns zusammen mit Italienern, Österreichern, Osmanen, Australiern und Iren in den Ersten Weltkrieg. Natürlich sah der Krieg damals nicht weniger schrecklich, dafür komplett anders aus: Statt Hubschraubern und Abrams-Panzern dominierten Pferde, schwerfällige Tanks, Bajonette und Schützengräben die Schlachtfelder. Ob DICE dennoch die Action eines Battlefields beibehalten und die Serie endlich wieder erfrischen kann – das verrät unser Test zu Battlefield 1.

“Achtung, Gas!” schallt es durch den Schützengraben, als gelbliche Nebelschwaden vor mir aufziehen und ich und meine Kameraden in Hustenkrämpfe verfallen – schnell ziehe ich meine Gasmaske auf. Das Husten ist vergangen, ich wieder konzentriert. Dafür ist meine Sicht nun stark eingeschränkt, ich höre schlecht. Dennoch steige ich über den matschigen Rand meines Schützengrabens und sehe zwei italienische Soldaten vor mir. Den ersten erwische ich mit hektischen Schüssen aus meinem Gewehr. Schreiend und brüllend renne ich auf einen zweiten zu, stoße ihm mein Bajonett in den Bauch und ihn zu Boden. Nur wenige Sekunden später erwischt mich ein Scharfschütze und schickt mich in den Schlamm.

Ich kann behaupten: So etwas habe ich noch nie erlebt! In den 15 Jahren, in denen ich inzwischen Shooter auf allen möglichen Plattformen spiele, wurde ich nie mit Giftgas, Schützengräben oder dem Kampf mit dem Bajonett konfrontiert. Wie denn auch? Bisher hat kein AAA-Shooter den Ersten Weltkrieg als lohnenswertes Setting erkannt. Die Spiele, die es versucht haben, waren entweder Adventures wie “Valiant Hearts” aus dem Hause Ubisoft – oder schlicht nicht erfolgreich. Dabei bietet der Erste Weltkrieg mit seinen zahlreichen Fronten und seiner Mischung aus alter und moderner Kriegsführung eine großartige Bühne für ein hochpoliertes Stück Software. Und DICE beweist uns mit Battlefield 1, was wir bisher verpasst haben – und wie sie mit dem neuesten Ableger die Reihe revolutionieren.

Die Kampagne von Battlefield 1 versetzt uns an die verschiedenen Fronten des Ersten Weltkrieges. In insgesamt sechs Handlungssträngen schickt uns der Titel in die italienischen Alpen, vor die Küste von Gallipoli, an die Seite von Lawrence von Arabien oder hinter das Steuer eines britischen Jagdfliegers – rund um die Welt eben. Aus dem Debakel der Battlefield 4-Kampagne haben die Jungs und Mädels bei DICE gelernt und wesentlich mehr Arbeit in die Inszenierung der Kampagnen gesteckt.

Die beginnen nämlich mit einer Cutscene, die uns in die emotionalen Hintergründe der jeweiligen Kampagne einführt. In den italienischen Alpen erleben wir die Geschichte zweier italienischer Brüder, an der Küste von Gallipoli das Schicksal eines hartgesottenen Veterans, der auf einen etwas übereifrigen Rekruten wacht. Besonders cool: Die Kampagnen basieren auf echten Begebenheiten und so werden sogar echte Gruppen wie die “Harlem Hellfighters” genannt, eine Einheit von schwarzen Soldaten. Man merkt, dass Battlefield 1 den emotionalen, humanitären Aspekt des Ersten Weltkrieges – berechtigterweise – in den Fokus rücken möchte. In der Theorie gelingt das dank emotionaler und vergleichsweise spannender Inszenierung – praktisch aber nicht. Dafür sind die Kampagnen zu kurz und wir als Spieler können uns weder in die Figuren reinfühlen, noch für sie trauern oder uns für sie freuen. Aber das bringt eine Aufteilung in mehrere kurze Kampagnen mit sich und ist nicht überraschend. Insgesamt ist die Kampagne aber die Beste seit Battlefield: Bad Company und ein gelungene Dreingabe zum genialen Multiplayer.

Hachja, der Multiplayer – das Herzstück eines jeden Battlefield-Spiels. Wie gewohnt können wir in verschiedenen Modi mit bis zu 64 Spielern gegen ein anderes Team antreten. Altbekannte Modi wie Eroberung, Rush oder Team-Deathmatch sind uns erhalten geblieben. Neu dazugekommen ist unter anderem der Modus “Kriegstauben”, in dem wir mit Tauben und Hunden versuchen, Artilleriekoordination an unsere Basis zu übermitteln – und den Gegner so zu überrumpeln. Wer aber lieber im großen Maßstab kämpft, der stürzt sich auf den Modus “Operationen”. Diese Operationen sind im Prinzip nichts anderes als Kampagnen-Missionen im Multiplayer. Hier müssen wir als Italiener die schwedischen Alpen vor den einfallenden Soldaten Österreich-Ungarns verteidigen. Das passiert in mehreren Etappen. Um zu gewinnen, müssen wir unsere Punkte verteidigen und dabei möglichst viele Angreifer erledigen. Beide Modi, besonders die Operationen, verleihen dem Multiplayer von Battlefield 1 ausreichend Ausweichmöglichkeiten für etwas Abwechslung.

Aber mal ganz ehrlich: In Battlefield dominiert seit jeher ein Modus – nämlich Eroberung. In klassischer Manier nehmen wir mit insgesamt 64 Spielern Flaggen auf der ganzen Karte ein, bekämpfen uns mit Flugzeugen und Panzern und gewinnen dann, wenn wir die Zielpunktzahl erreicht haben. Zum Glück hat sich das in Battlefield 1 nicht geändert und der Eroberungs-Modus macht mit Abstand am meisten Spaß. Auf verschiedenen Maps toben wir uns als Sturmsoldaten, Sanitäter, Versorgungssoldaten oder Scharfschützen aus, besetzen Panzer, Bomber, Jägerflugzeuge und Pferde und liefern uns auf den abwechslungsreichen Karten Stadtgefechte, Fahrzeugschlachten oder Scharfschützenduelle.

Und das ohne viel Schnick-Schnack: Veteranen der Battlefield-Reihe sind Gadgets wie C4, Holo-Visiere oder Helikopter gewohnt. Das alles gab es im Ersten Weltkrieg natürlich nicht. Stattdessen müssen wir über Kimme und Korn zielen, Panzer mit Dynamit zerstören und uns mit schwerfälligen Bombern abgeben. Das macht Battlefield 1 aber nicht weniger imposant – im Gegenteil: Es ist das actionreichste Battlefield aller Zeiten. Giftgas, Sturmangriffe mit dem Bajonett und Stellungskämpfe in Schützengräben und Häuserschluchten sind schlichtweg bombastisch und überzeugend mehr denn je. Rein mechanisch hat sich leider wenig getan: Die spielbaren Klassen ähneln sehr denen der Vorgänger. Nach wie vor verteilen wir Munitionspakete oder beleben gefallene Soldaten wieder. Das Gameplay der einzelnen Klassen erinnert grundlegend sehr an die Vorgänger und lässt etwas Innovation vermissen. Auch die Veränderung unseres Soldates wurde naturgemäß stark zurückgefahren: Insgesamt gibt es weniger Waffen und Gadgets, aus denen wir unseres Loadout zusammenbasteln können. Die müssen wir zwar auch erst einmal freischalten und sind so einige Stunden zugange, abwechslungsreich ist das Arsenal aber kaum. Glücklicherweise macht die, gelinde gesagt, rustikale Handhabung der Waffen das ganze wieder wett – und dazu auch ordentlich Spaß. Spätestens wenn riesige Kriegsschiffe, Panzerzüge oder Zeppeline einem Team zur Unterstützung kommen, ist das Feeling auf dem Schlachtfeld einfach perfekt.

Grafisch hat Battlefield 1 wirklich einiges zu bieten. Die Schlachtfelder sind eindrucksvoll inszeniert und dank Frostbite-Engine erneut vielseitig zerstörtbar, die Kämpfe sind bombastisch und die Karten allesamt sehr stimmig. Besonders gut haben uns die Kämpfe in den italienischen Alpen gefallen. Die riesigen Gebirgsketten sind als Hintergründe wirklich sehr schön anzusehen. Gelegentliche FPS-Einbrüche trüben aber selbst bei starken Systemen das Gesamtbild. Insgesamt lässt sich aber auch dieses Jahr wieder feststellen, dass Battlefield 1 audiovisuell wie gewohnt in der obersten Liga mitspielen kann.

Unser Fazit:
Mit Battlefield 1 haben DICE und Electronic Arts nicht nur eine mutige Richtung eingeschlagen, sondern gleichzeitig einfach mal den besten Serien-Ableger seit Bad Company hochgezogen. Erfrischendes neues Gameplay, grandiose Maps, spannende Modi und eine für Serienverhältnisse überdurchschnittliche Kampagne machen Battlefield 1 zum eindrucksvollsten Multiplayer-Shooter seit langer Zeit und zum bombastischsten Battlefield aller Zeiten. Da Battlefield 1 aber rein mechanisch sehr an seine Vorgänger erinnert, werden Gegner nicht zu Liebhabern der Reihe bekehrt. Wer aber Battlefield gerne spielt und Zeuge eines überzeugenden neuen Settings werden will – schlägt zu!

Wertung: (4.5 / 5.0)