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Mafia 3 im Test – I fought the Law… and the Law lost!

Beinahe jeder zweite Spieler mag Mafia 3 nicht! Als ich die Steam-Bewertungen zur PC-Version von Mafia 3 las, da war mir ganz mulmig zumute. Dass PC-Ports der von mir heiß erwarteten Spiele eine bodenlose Tragödie werden, das hat nicht erst seit Aliens: Colonial Marines Tradition. Mit einer zögerlichen Handbewegung und zusammengekniffenen Augen drücke ich also auf “Play”. Und um das folgende Gefühl wahrzunehmen, das mich in den kommenden Spielstunden nicht verlassen sollte, brauch ich nicht meine Augen – sondern nur meine Ohren. Denn im Hintergrund des Hauptmenüs spielte “Watchtower” von Jimi Hendrix. Und diese grandiose Atmosphäre sollte auch nicht aufhören, als ich ein neues Spiel begann. Erfahrt alles zur PC-Version von Mafia 3 in unserem Test.

Die 1960er Jahre: kein wirklich ruhmreiches Kapitel für die Vereinigten Staaten. Offener Rassismus und der Vietnamkrieg spalten die Gesellschaft – mindestens in Weiß und Schwarz. Dass Afroamerikaner zwar institutionell ausgegrenzt, aber trotzdem zum Fronteinsatz im vietnamesischen Dschungel eingezogen werden, das haben Zeitgenossen schon verstanden. Unserem Hauptcharakter Lincoln Clay geht es da nicht anders. Er ist zwar kein Afroamerikaner, sondern lediglich halber Dominikaner, besser behandelt als die “schwarze Mafia”, zu der er gehört, wird er aber trotzdem nicht. Kaum kommt er also aus dem Einsatz in seine Heimatstadt New Bordeaux zurück, erwarten ihn noch schlimmere Zustände: Die schwarze Mafia, die er als seine eigene Familie ansieht, steckt in großen Schwierigkeiten. Sie hat Geldprobleme – und das mit dem italienischen Mob. Dass das keine Krabbelgruppe ist, das wissen wir spätestens seit “Der Pate”. Und so wird Lincoln Clay Zeuge – und Opfer – eines so düsteren Verrats, das er seinen ganz eigenen Kreuzzug führt.

Das Steckenpferd von Mafia 3 ist seine Inszenierung. Der neuesten Titel aus dem Hause Hangar 13 wird uns in ein so rassistisches Jahrzehnt, dass sich die Entwickler direkt zu Beginn in einem Disclaimer von dessen Inhalt distanzieren. Von allen Seiten, inner- oder außerhalb von Storymissionen, werden wir selber Zeuge von Diskriminierung und Ausgrenzung. In New Bordeaux gibt es genügend Viertel, in denen nur schwarze oder weiße Fußgänger über die Bürgersteige flanieren. Hangar 13 hat einen guten Job abgeliefert, einen glaubwürdigen Eindruck der rassistischen Zustände dieses Jahrzehnts rüberzubringen.

Die grandiose Inszenierung kommt aber nicht bloß aus diesem negativen Szenario. Besonderes Lob verdient der Soundtrack von Mafia 3. Wie gesagt: Der Spaß hört nicht mit Jimi Hendrix im Hauptmenü auf. Im Spiel selber findet ihr auf den verschiedenen Radiosendern auch passende Interpreten wie The Rolling Stones oder The Clash. Witzig: Am Ende eines erfolgreichen Coups singt das Team “We fought the Law… and the Law lost!” – das macht Spaß!

Die Art des Storytellings ist in Mafia 3 ebenfalls etwas besonderes: Die findet nämlich als Dokumentation statt. Viele Hintergrundinformationen über die Hauptcharaktere werden im Rahmen von Befragungen von wichtigen Personen wie Lincolns CIA-Kontakt John Donovan oder dem Pfarrer Vater Ballard enthüllt. Während sich Vater Ballard mit einem Glas Whiskey vor die Kamera gesellt, wird Donovan von einem Untersuchungskomitee über die Verbrechen von Lincoln befragt – und über seine Rolle dabei. Das macht schon einiges her und fügt der spannenden Story noch etwas Würze hinzu.

Das klingt doch alles grandios! Woher also die schlechten Bewertungen? Nun, so schön die Inszenierung, die Story, die Dialoge sein mögen, so überzeugend die Charaktere, so mitreißend die Welt gestaltet sein mag, Mafia 3 weißt auch mehr als einen Wermutstropfen auf. Der Großteil der negativen Bewertungen rühren von der technischen Seite von Mafia 3 her. Als das Spiel am 7. Oktober erschien, hatte es einen FPS-Lock von 30 Bildern pro Sekunde. Genau, richtig gehört: Das Unwort des Jahrtausends für jeden PC-Spieler war auch die Geißel von Mafia 3. Die Betonung liegt auf war: Wenige Tage später veröffentlichte Hangar 13 einen Patch, der den FPS-Lock entfernt und die Möglichkeit bietet, entweder mit 60FPS oder einer unbegrenzten Bildrate zu spielen. Das funktioniert soweit gut – leider kommt aber nicht jeder Spieler auf seine vollen 60 FPS.

Aber auch an anderer Stelle ist die Kritik berechtigt: Mafia 3 ist kein Grafikwunder. Im Gegenteil: Stellenweise vollführen matschige Texturen, hölzerne Animationen und eine selten blöde K.I. eine Zeitreise ins Jahr 2013. Im Gesamtbild ist Mafia 3 stimmig, aber immer wieder gibt es einzelne Stellen, in denen die Texturen hässlich, die Umrandungen der Figuren verwaschen oder die Stadt schlicht leblos aussieht und die uns aus dieser grandiosen Inszenierung herausreißen. Die schnelle Reaktion auf die Kritik am FPS-Lock lässt allerdings hoffen, dass Hangar 13 an einigen Stellen die Stellschrauben drehen wird.

Ich kann schwache Mechaniken, magere Technik und selbst solche Momente entschuldigen, die mich aus der mitreißenden Welt von Mafia 3 herauszerren entschuldigen, solange die restliche Inszenierung stimmt. Und das tut sie bei Mafia 3 – auf musikalischer, auf dramaturgischer, auf stilistischer Ebene. Leider wird Mafia 3 dem Titel eines Open World-Spiels nicht wirklich gerecht. Wenn man den – leider inzwischen inflationär verwendeten – Begriff Open World hört, denkt man an eine riesige, offene Welt, voller Missionen, Nebentätigkeiten und Veränderungsmöglichkeiten. Vieles davon gibt es bei Mafia 3 entweder garnicht – oder nur in unbefriedigendem Maße. Große, offene Welt? Check. Zwar ist New Bordeaux kein Los Santos, kann aber mit abwechslungsreichen Gegenden überzeugen. Nebenmissionen? Eher weniger: Vereinzelt gibt es Nebentätigkeiten, denen wir nachgehen können – beispielsweise Drogenschmuggel oder die Störung feindlicher Geschäfte. Das wird aber schnell langweilig und kann einen nicht wirklich von der Mainstory losreißen.

Und hier hört es leider auf: Wir können den Protagonisten Lincoln Clay nicht groß verändern. Seine Kleidung kann nicht angepasst, seine Frisur nicht geschnitten, sein Äußeres nicht verändert werden. Wir können uns keine zusätzlichen Immobilien kaufen, keinen Fuhrpark anlegen, sondern lediglich neue Waffen und Upgrades kaufen. Das macht Mafia 3 maximal zu einem “Open World Light”, eher noch zu einem reinen Action-Adventure. Das macht das Spiel natürlich nicht schlechter – es lenkt nur von der grandiosen Inszenierung ab. Und wirkt wie der obligatorische “Open Word”-Stempel, der in der Hinsicht noch weniger Features als Mafia 2 bietet.

Unser Fazit:
Ich habe Mafia 3 wirklich sehnlichst erwartet – und auch durchgängig Spaß mit dem neuen Werk von Hangar 13. Die musikalische Untermalung, die Inszenierung, die spannend geschrieben Story, das erfrischende Storytelling: all das überzeugt mich sehr. Die Schießereien machen mir genauso Spaß wie die Autofahrten, die Charaktere interessieren mich und jede Cutscene wird gebannt von mir verfolgt. Auf spielerischer Ebene habe ich riesigen Spaß mit Mafia 3. Die technischen Probleme sind vorhanden, ja, aber sie stören meinen Spielfluss nicht. Lediglich ein paar mehr Open World-Features hätten mir den Spaß weiter versüßt.

Wer aber Lust auf ein Mafia-Spiel mit Open World-Touch hat und schon damals gerne “The Godfather” auf der Playstation 2 gespielt hat, der wird mit Mafia 3 glücklich. 60FPS hin oder her.

Wertung: (4.0 / 5.0)