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Osiris: New Dawn im Early Access-Test

Ich beichte euch eine Sünde: Ich mag Early Access-Titel. Und ich spiele sie auch gerne. Die frischen Konzepte, die Unterstützung der Entwickler – das finde ich alles super. Und deshalb habe ich alle nennenswerten Early Access-Spiele gespielt. Oder sogar gekauft. Dabei ist mir natürlich bewusst, wie sehr man mit diesem Konzept, dem Entwickler vor Release das Geld zu geben, auf die Schnauze fliegen kann. Titel wie “DayZ” sind da das beste Beispiel: Nach einem Verkaufsrekord setzte sich Chefentwickler Dean Hall kurzerhand ab und die Entwicklung des Survival-Titels ist seit jeher eher stockend.

Aber dass Early Access-Titel auch richtig spaßig, atmosphärisch und einfach vielversprechend sein können, das haben viele Titel vorher gezeigt – und das tut nun auch Osiris: New Dawn. Das ist nämlich erst seit wenigen Tagen im Early Access erhältlich und wird von den Entwicklern als “Early Beta” bezeichnet. Der Entwickler Fenix Fire Entertainment verspricht einen Mix aus Survival und Shooter. Ganz konkret erinnert das Gameplay von Osiris: New Dawn an ARK: Survival Evolved, das Setting – aber auch nur zum jetzigen Zeitpunkt – an Andy Weirs “Der Marsianer”. Denn Osiris: New Dawn ist ein Survival-Titel auf fremden Planeten.

Der Marsianer? Richtig – und das sollte aufhorchen lassen. Tatsächlich erinnert Osiris: New Dawn an Matt Damons Ausflug auf den Mars. Denn unser bisher einziger, nicht zufällig generierter Startplanet ist eine reine Sandwüste, auf der wir mit kaputtem Anzug und nur einer aufblasbaren Kuppel stranden – den Rest müssen wir uns selber sammeln, craften und bauen. Und das tun wir in ganz klassischer Survival-Manier: Wir sammeln Mineralien, verwursten sie zu Materialien wie Plastik, Glass und Stahl und bauen daraus eine zwar überschaubare, aber für den Start eindrucksvolle Auswahl an Gebäuden, wie einem Labor oder Wohnquartieren. Leider fäät die Suche nach den Mineralien bisher recht eintönig und “grindy” aus, da wir weite Strecken zurücklegen müssen, um die passenden Mineralien zu finden. Diese Wanderungen werden dadurch erschwert, dass wir bereits nach wenigen Erzbrocken überladen und schneckenlangsam sind. Da müssen die Entwickler noch feinjustieren.

Im schlimmsten Fall sind wir auf diesen endlos langen Wanderungen noch unterwegs, wenn die Nacht einbricht – und hier hören die Survival-Analogien auf und der Shooter-Aspekt kommt buchstäblich ins Spiel. Denn die fiesesten Alien-Kreaturen kommen Nachts aus ihren Löchern gekrochen und beweisen, dass Osiris: New Dawn in Sachen Atmosphäre so einiges drauf hat. Unsere Taschenlampe kommt kaum gegen die Dunkelheit an, unsere Munition ist begrenzt und von allen Seiten dringen Krächzen, Knurren, Krabbeln, Schnappen und Kratzen in unser Ohr. Immer wieder greifen diese Biester an, bis sie uns endlich haben. Und clever sind die Biester noch dazu: Die Aliens flankieren, umkreisen und tricksen uns regelmäßig aus. Genau hier entwickeln sich richtige Panik-Momente, in denen man hektisch seine Taschenlampe hin und her wedelt und in alle Richtungen schießt. Und das endet meistens mit dem Tod. Als wäre das nicht genug, sind auch tagsüber Aliens unterwegs – sogar riesige Sandwürmer schießen aus dem Wüstenboden und erinnern dabei kräftig an Dune. Insgesamt sind unsere Überlebenschancen nicht allzu groß. Wem das alles zu schwierig ist, der kann bei Spielstart viele Parameter einstellen, darunter auch die Aggressivität und Stärke der Aliens.

Osiris: New Dawn ist kein reiner Singleplayer-Titel. Auch im Multiplayer dürfen wir uns mit Freunden und Fremden auf Mineraliensuche begeben, Gebäude in Kolonien errichten und Aliens abwehren. An sich eine gute Idee, technisch aber bisher suboptimal gelöst. Während wir im Test im Singleplayer durchgängig stabile 60 FPS hatten, begegneten uns im Multiplayer 20 FPS und zahlreiche Lags – und das ging einem Großteil der Community genauso. Da Entwickler Fenix Fire Entertainment aber aktuell alle paar Tage neue Patches mit Fixes und Features – so wurden erst jetzt neue Fahrzeuge hinzugefügt – veröffentlicht, sollte das Problem bald erledigt sein.

Und genau da liegt die Hoffnung von Osiris: New Dawn. Gepaart mit der wirklich hübschen Optik, den versprochenen Features, den regelmäßigen Patches und den zum Start vergleichsweise umfangreichen Mechaniken könnte genau das auf uns zukommen, was No Man’s Sky werden sollte: ein richtig gutes Spiel. Osiris: New Dawn soll in Zukunft nicht bloß neue Gebäude, Materialien und Features bieten, sondern auch interplanetare Reisen erlauben – ganz wie im Trailer gezeigt. Genau: Das Kernfeature von No Man’s Sky soll auch in Osiris: New Dawn unterkommen. So können wir zukünftig wohl Raketen bauen und frische Planeten ansteuern. Sollte Osiris: New Dawn das wirklich packen, dann hat es den digitalen Wettlauf ins All gewonnen.


Unser Fazit:

Eigentlich ist es inzwischen ein Unding geworden, sein Geld auf Early Access-Titel zu setzen. Zu oft werden Spieler enttäuscht und nicht alle Spiele erreichen überhaupt erst den Release. Und auch Osiris: New Dawn gibt uns keine Garantie, dass da das nächste große Ding draus wird. Aber das könnte es werden, wenn die Entwickler die Richtung, die sie eingeschlagen haben, weiter verfolgen. Die geplanten Features klingen grandios, der Start ist schon jetzt umfangreich und Osiris: New Dawn liefert bisweilen atmosphärische Glanzleistungen ab.

Wer schon immer mal eine Survival-Titel auf fremden Planeten spielen wollte und für den Space Engineers zu knifflig, ARK: Survival Evolved aber genau richtig ist – der sollte beide Augen auf Osiris: New Dawn werfen.