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Resident Evil 7 im Test – Alte Liebe rostet nicht

Wir haben alle nicht schlecht gestaunt, als Capcom auf der letzten E3 ein neues Resident Evil ankündigte. Schließlich gab es keinen bekannten Charakter zu sehen, keine Umbrella Schriftzüge, keine Zombies und doch waren wir alle angefixt. Schließlich schien es so, als würde sich die Reihe auf seine alte Stärke zurückbesinnen. Ein verlassenes Haus, eine morbide Atmosphäre und ein Charakter, der sich mehr wie ein Opfer als ein Held anfühlt. Ob das wirklich so ist und inwieweit Resident Evil 7 ein echtes Resident Evil ist, will ich euch in den kommenden Zeilen gerne erläutern.

Hach, Resident Evil. Ich war damals 9 Jahre alt als wir uns kennenlernten – damals im sagenumwobenen Herrenhaus. Ich habe jeden Winkel erforscht und bekam nicht genug von dir. Seither haben wir viele Stunden – nein Jahre – miteinander verbracht. Wir haben uns zusammen gegruselt, wir sind gemeinsam weggelaufen, wir haben uns durch Zombiehorden geschossen und irgendwie hatten wir uns am Ende dann doch nichts mehr zu erzählen. Ich habe dir so viele Chancen eingeräumt, doch jeder weitere Versuch von dir scheiterte kläglich. Ich sag es dir nur ungerne, aber am Ende warst du sogar nur noch ein Abziehbild deiner selbst.

Doch scheinbar hast du deine Fehler eingesehen, denn auf der letzten E3 hattest du auf einmal wieder meine Aufmerksamkeit. Seither hast du mich immer wieder angeteasert und mich stückweit an deiner Verwandlung teilhaben lassen. Es kribbelte in mir. Es war das gleiche Kribbeln wie früher. Und siehe da: Die Jugendliebe erstrahlt so schön, wie zuletzt an dem Tag als wir uns kennenlernten. Du hast hier und da noch kleine Macken, aber hey, niemand von uns ist perfekt. Und vielleicht liebe ich deine kleinen Macken ja sogar. Doch erzähl erstmal, was ist deine Geschichte?

Ein armer Protagonist, dessen Freundin Mia vor drei Jahren verschollen ist? Das ist ja grausam. Ach, sie lebt noch? Aber wieso meldet sie sich dann erst nach drei Jahren? Und was macht sie in Lousiana? Egal, wichtig ist, dass sie noch lebt. Lass uns aufbrechen. Doch was finden wir da vor? Ein verlassenes Haus mitten in der tiefsten Pampa der Südstaaten? Dieser Ort sieht aus, als hätten Evil Dead und die erste Staffel von True Detective ein Kind miteinander gezeugt. Wo hast du uns da nur hingeführt Mia?

So würde wohl ein Dialog meinerseits aussehen, wenn Resident Evil eine reale Person wäre. Doch natürlich handelt es sich um den neuesten Horror-Blockbuster aus dem Hause Capcom. Doch die Frage, wo Mia uns hingeführt hat, ist durchaus berechtigt. Resident Evil 7 braucht keine 15 Minuten um uns ein mulmiges Gefühl zu verpassen. Und so mulmig es ist, so schön ist es auch. Schließlich wissen wir, was das letzte Mal passiert war, als Capcom ein neues “waschechtes Resident Evil” angekündigt hat. Wir bekamen den Action-Ableger Resident Evil 6. Die Enttäuschung daraufhin war sehr groß. Doch vergesst die Vergangenheit. Jetzt ist Resident Evil 7 da und das Spiel macht vieles richtig.

Wer den ersten Resident Evil Ableger gespielt hat, wird sich im siebten Teil schnell heimisch fühlen. Das Haus der Bakers wirkt von der ersten Minute an sehr vertraut, obwohl man es bis auf die Teaser-Demos noch nie betreten hat. Ein kurzer Prolog innerhalb des Hauses führt euch in die Geschichte ein und fortan gilt es, dem Schrecken zu entkommen und eure Freundin zu retten. Doch auch mit Mia scheint etwas nicht ganz in Ordnung zu sein. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken und es gilt das Haus genauestens abzusuchen. Andernfalls bekommen wir irgendwann ein Problem mit Heilmitteln oder Munition. Beides gibt es nämlich nicht im Überschuss. So sorgt jeder Schuss, der nicht direkt in den Kopf geht, anfangs für einige Schweißperlen auf meiner Stirn. Doch nach und nach nimmt die Bewaffnung zumindest soweit zu, dass man sich stückweit sicherer fühlt – aber nie übermächtig.

Garniert wird das Ganze mit soliden Rätseleinlagen, die uns zwar nicht verzweifeln lassen, aber angemessenes Level schwierig sind. Natürlich können wir nicht jeden Raum sofort betreten, sondern erschließen uns den Weg nach und nach. Das sorgt dafür, dass wir irgendwann ein richtiges Gefühl für das Haus entwickeln, da wir zwecks notwendigem Backtracking viele Wege mehrfach erkunden. Wer allerdings denkt, dass dieser Aspekt dem Haus seinen Schrecken nimmt, den kann ich entwarnen. Jeder wiederholte Gang wirkt keineswegs entspannter. Schließlich weiß man ja nie, wann man der Familie Baker in die Arme läuft. Nicht selten ist zum Beispiel Jack plötzlich mit einer Axt hinter euch her. Ihr fühlt euch also nie zu sicher, da die Familie stetig durch ihr Haus patroulliert. Schön ist zudem der Wegfall jeglicher Ladebildschirme – außer natürlich ihr segnet das Zeitliche.

Ein weiteres Highlight ist ganz klar die Soundkulisse. Selten hat mich ein Knarzen des Fußbodens oder ein Klopfen an der Tür so sehr ausser Fassung gebracht, wie in Resident Evil 7. Auch die Schatten sind gekonnt in Szene gesetzt und so kann es schon mal passieren, dass man einfach so Angst bekommt, weil man denkt, es kommt jemand – und dann ist es doch nur der Schatten vom Ventilator. Das Spiel aus Licht und Schatten bleibt auch bis zum Ende hin stimmig und untermalt zusammen mit der Soundkulisse die ohnehin schaurige Atmosphäre. Nicht selten bekam ich einen leichten Anflug von Paranoia, weil mich ein Familienmitglied der Bakers verfolgte oder plötzlich Molden (Die Gegner in Resident Evil 7) auftauchten.

Wer arg schreckhaft ist, sollte das Spiel aus diesen Gründen eventuell erst auf dem leichten Schwierigkeitsgrad starten. Das Spiel verzeiht einem dort sehr viele Fehler und sorgt dafür, dass man viele Gegner umlaufen kann wenn es zu heikel wird. Auch die deutsche Vertonung kann sich durchaus sehen beziehungsweise hören lassen. Ich finde die Synchronstimmen der Charaktere allesamt sehr gelungen. Ein weiterer Pluspunkt für Horrorfilm-Liebhaber wie mich: Das Spiel zitiert durchaus einige Klassiker der Horrorfilmgeschichte und baut diese Zitate charmant in seiner Geschichte ein. So gibt es beispielsweise eine Szene, in der eine Kettensäge und das Wort “Groovy” miteinander im Kontext stehen. Ash aus Evil Dead würde Lüftsprünge machen. Auch Klassiker wie Texas Chainsaw Massacre, Saw und Der Exorzist finden eine Erwähnung.

Doch wo Licht ist, ist natürlich auch Schatten. Resident Evil 7 ist meiner Meinung nach schon nahe an der Perfektion, doch es gibt durchaus auch kleine Mankos. Da wäre zum einen die Engine. In Summe gesehen sieht das Spiel wunderschön aus, doch wenn man sich zu nahe an einige Gegenstände heranbewegt, treffen wir auf mitunter verwaschene und unscharfe Texturen. Und auch das Verhalten der Feinde verliert irgendwann seinen Schrecken, wenn man die Mechanik genau hinterfragt. So offenbart sich irgendwann ein Muster in welchen Situationen die Bakers auftauchen und wann es heikel wird. Doch das fällt einem eigentlich erst so richtig beim zweiten Durchlauf auf.

Ansonsten kann ich nicht viel am neuen Resident Evil beanstanden. Lediglich das letzte Viertel des Spiels wird eventuell auf gemischte Gefühle treffen, da es dort relativ actionlastig wird. Für mich fiel es nicht schwer ins Gewicht, da man sehr viel beklemmenden Horror bis dahin hinter sich gelassen hat, aber ich bin mir sicher, den ein oder anderen wird das eventuell etwas stören. Allerdings sprechen wir hier von keiner Resident Evil 6 Action, also keine Bange. Zudem passt es inhaltlich zum Storytelling.

Und dann wäre da noch diese eine Frage. Ist Resident Evil 7 wirklich eine Fortsetzung & Kanon? Kein Raccoon City, keine Jill Valentine, nicht mal Leon S. Kennedy. Nur ein Haus mit wahnsinnigen Südstaaten-Hillbillys!? Natürlich werde ich die Antwort nur anreißen und nicht näher erklären, aber: Ja! Es ist Kanon. Zugegeben, die Erklärung was genau passiert ist, erfolgt erst sehr spät im Hauptspiel, aber glaubt mir, es ergibt im Kontext alles einen Sinn. Anfangs war ich etwas skeptisch, doch insgesamt bin ich mit der Erklärung und dem Ende sehr zufrieden und freue mich auf weitere Ableger der (neuen) “Resident Evil”-Reihe.

Unser Fazit:
Wow. Das war Resident Evil 7. Ich mag es kaum glauben, nach all den Jahren der Enttäuschung, aber: Ich bin überwältigt. Capcom ist tatsächlich der große Wurf gelungen. Es war natürlich auch allerhöchste Eisenbahn, denn einen weiteren Fehltritt hätte wohl auch der größte Serienfan nicht verkraftet. Doch Resident Evil 7 macht alles richtig und markiert einen Neuanfang der Serie, wie es zuletzt der legendäre vierte Teil seinerzeit tat. Weniger Action, mehr Grusel. Anstatt weitlaufender Areale lieber dunkle und enge Passagen. Keine Waffenübermacht, sondern genaues haushalten mit dem Inventar und der Munition. Das macht Laune.

Ich habe mich lange nicht mehr so unwohl dabei gefühlt, eine verschlossene Tür in einem Spiel zu öffnen. Die Angst vor dem Ungewissen. Lauert dort etwas auf mich? Springt mich gleich etwas an? Ist wieder einer der Bakers hinter mir her? Doch man überwindet Stück für Stück seine Angst und wird dafür belohnt. Resident Evil 7 hat es geschafft, gleichzeitig Fortsetzung und Reboot zu sein. Hut ab Capcom und gerne mehr davon.

Unsere Wertung: (4.5/5.0)

. Damals war es dein sagenumwobendes