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Dead Rising 4 im Test – Oh Gott, macht das Spaß!

Ich liebe Zombies. Ich liebe langsame Zombies, ich liebe schnelle Zombies. Ich liebe den kultigen Streifen “Dawn of the Dead” aus dem Jahre 1978. Meine Güte, ich liebe sogar die “Resident Evil”-Verfilmungen. Als Kind habe ich im ersten Ableger von Resident Evil auf der PlayStation das gruselige Herrenhaus erkundet und seitdem meine Leidenschaft für unsere untoten Mitbürger nicht verloren. Leider durfte ich den humoristischen Zombie-Klopper Dead Rising niemals in meine Sammlung aufnehmen. Das hat sich aber jetzt geändert: Zehn Jahre nach Veröffentlichung des Serien-Erstlings kommen auch deutsche Spieler endlich in den Genuss des neuesten Ablegers: Dead Rising 4 – ab 18 und in Deutschland sogar komplett ungeschnitten. Wie gut Dead Rising 4 geworden ist und warum weniger mehr gewesen wäre, das verrät unser Test.

Brains! Oder: Warum hinter Zombies mehr steckt

Zombies sind gesellschaftskritisch. Richtig gehört: Die Untoten hatten ursprünglich einen ganz anderen Hintergrund, als es heutzutage den Anschein hat. Bereits mit dem ursprünglichen “Dawn of the Dead”, einem richtigen Meilenstein des Zombie-Kinos, kritisierte Kultregisseur George A. Romero schon vor knapp 40 Jahren die amerikanische Konsumgesellschaft. Und seitdem sind Shopping Center in den meisten Filmen oder Spielen Schauplatz für die Zombie-Apokalypse.

Da macht auch Dead Rising 4 keine Ausnahme: Als Frank West, investigativer Journalist und Professor für Journalismus, begeben wir uns in die Stadt Willamette. In Willamette ist eine VerdammSeuche ausgebrochen, die die Bewohner der Stadt in Zombies verwandelt. Zufälligerweise breitete sich die Seuche am sogenannten “Black Friday” aus – an dem Tag, an dem halb Amerika im Konsumchaos versinkt. Mit diesem Tribut an Romero inklusive obligatorischem Shopping Center hört die Gesellschaftskritik schon auf. In Dead Rising 4 geht es nämlich stattdessen darum, als Journalist in sieben Kapiteln eine Verschwörung rund um den Zombievirus und einer mysthischen Organisation namens Obscuris aufzudecken.

Die Wahl der Qual

Sind wir mal ehrlich: Die Story ist in Dead Rising schon immer nur Beiwerk gewesen. Es geht doch darum, Zombies zu verkloppen. Und zwar auf so einzigartige Art und Weise, dass man letztlich grinsend vor dem Monitor sitzt, wenn man eine Meute Untoter mit einem säurespuckenden Gartenzwerg nervt. Oder mit einem riesigen Eisschwert zertrümmert. Oder mit einer T-Shirt-Kanone Merchandise ins narbige Gesicht pfeffert. Es ist unglaublich, wie viel Kreativität Entwickler Capcom Vancouver in die Waffenauswahl gesteckt hat. Nicht nur gibt es dank mittelalterlichem Breitschwert, Wurfsternen und Baseballschlägern eine breite Auswahl, nein: Man kann die Waffen sogar noch kombinieren! Raus kommen dabei brennende Schwerter, Weihnachtsschmuck-Kanonen oder Feuerwerk-Armbrüste – kurz gesagt: verdammt witzige Waffen, mit denen Zombies vermöbeln einfach nur riesigen Spaß macht.

Besondere Freude machen vor allem der kräftige Exo Suit mit einer separaten Waffenpalette oder kombinierte Fahrzeuge. Genau: Man kombiniert beispielsweise ein Go-Kart und einen Elektro-Scooter und bekommt ein Elektro-Kart, mit dem man ganze Gegnermengen grillen kann. Dead Rising 4 ist dann am besten, wenn man die nächste abgefahrene Waffe sucht und anschließend vor einer riesigen Gruppe Zombies steht. Die Vorfreude ist elektrisierend.

Lahme Technik

Dead Rising 4 ist aber auch am Schlimmsten, wenn diese Situationen ausbleiben. Das passiert durch nervige Sequenzen, in denen wir beispielsweise ein Archiv oder eine Feuerwache untersuchen müssen. Wir quälen uns mit einer trägen Kameraführung durch triste Räume und suche nach Hinweisen, um endlich in das nächste Gebiet vorstoßen zu können. Dead Rising 4 nutzt diese Sequenzen, um die Story voranzutreiben und neue Areale außerhalb des Shopping Centers wie das Stadtgebiet von Willamette einzuführen. Zwar kann die Story an einigen Ecken dank Situationskomik zum Schmunzeln anregen, insgesamt stellt die Art des Storytellings dem restlichen Spielspaß ein großes Bein und sorgt für den größten Kritikpunkt.


Kritikpunkt Numero Dos ist die Technik. Dead Rising 4 läuft per se erstmal flüssig und bietet eine gewisse Detailverliebtheit dank ausgefallener Waffen und dem stimmigen Design. Aber dafür muss Dead Rising 4 nun mal laufen – und das wird bei vielen Spielern zum Problem. Publisher Microsoft hat Dead Rising 4 im hauseigenen Windows-Store platziert und blockiert den Download für viele Nutzer mit einer veralteten Version von Windows 10. Hat man das Spiel dann zum Laufen gebracht, stören Grafik- und Sound-Bugs das Spielerlebnis. In unserer Testversion fehlte anfangs der komplette Sound des Spiels. Inzwischen läuft der Titel bis auf wenige Gameplay-Bugs annehmbar.

Unser Fazit:
Hirn aus, Spiel an – so genießt man Dead Rising 4. Der neueste Ableger ist zehn Jahre nach dem ersten Teil der Reihe endlich auch in Deutschland spielbar. Capcom Vancouver hat besonders in die Auswahl der Waffen viel Kreativität und Mühe investiert – und sie so zum Mittelpunkt des Spiels gemacht. Außerhalb des Geschnetzels, den vielen Sammelgegenständen und der eindrucksvollen Waffen gibt es in Dead Rising 4 nicht viel zu sehen. Das wäre auch nicht weiter schlimm, würde uns das Spiel nicht diese nervigen Detektiv-Sequenzen zumuten. Außerhalb davon und abgesehen von der schwachen Technik liefert Capcom mit Dead Rising 4 einen wirklich spaßigen Zombie-Schnetzler, den man ohne große Anstrengung durchziehen und genießen kann.

Wertung: (3.1 / 5.0)