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La La Land: Eine verträumte Liebeserklärung an die Filmindustrie

Gestern war es also auch bei mir und meiner Frau soweit. Im Rahmen der Oscar-Vorbereitung und des allgemeinen Hypes um den Film, sahen wir uns endlich LA LA LAND an. Ich habe versucht mir vorab so wenig wie möglich zu dem Film anzugucken, auch wenn ich natürlich grob wusste, worum es geht.

Vorab möchte ich betonen, dass ich zwar Filme liebe, aber eigentlich kein Fan / Experte von Musical-Filmen bin. So pompös sie auch gemacht sind, konnte mir weder ein Moulin Rouge, noch ein The Great Gatsby mehr als eine Kenntnisnahme abgewinnen. Doch bei LA LA LAND ist das anders. Bereits vor zwei Jahren ist es Damien Chazelle gelungen, mich mit WHIPLASH regelrecht vom Hocker zu hauen und dieser Trick gelingt ihm mit LA LA LAND direkt ein zweites Mal. Chazelle, du alter Fuchs.

Der Plot, den ich ohnehin nicht zu sehr vertiefen möchte in dieser Review, ist simpel und bereits mehrfach dagewesen. Zwei Protagonisten mit einem großen Traum und bisher eher mäßigem Erfolg treffen aufeinander und helfen sich gegenseitig dabei ihren Traum zu erfüllen. Zuletzt ging diese Formel für mich 2014 bei CAN A SONG SAVE YOUR LIFE (Originaltitel: Begin again) auf.

Doch was macht den Film nun so besonders, dass er aktuell jegliche Preise abräumt und als großer Oscar-Favorit gehandelt wird? – Es ist die Leidenschaft, die dahinter steht. LA LA LAND orientiert sich an den goldenen Filmklassikern der 30er Jahre – wie TANZ MIT MIR mit Fred Astaire und schafft es, diese Epoche sowohl zu zitieren, als auch gleichzeitig etwas neues zu sein. Zusätzlich ist es die Synergie eines Leinwandpaares, dass mir bereits in CRAZY, STUPID, LOVE gut gefiel. Die Rede ist von Emma Stone, der wohl charmantesten Mundakrobatin Hollywoods und Ryan Gosling, ein Mann der in Anzügen so cool aussieht, dass selbst Barney Stinson neidisch wird.

Als die junge Nachwuchsschauspielerin Mia (Emma Stone) auf den semi-erfolgreichen Jazzmusiker Sebastian (Ryan Gosling) trifft, wissen beide noch nicht, wie sie in ihrer angestrebten Karriere den entscheidenden Schritt nach vorne machen sollen. Mia arbeitet sich von einem Casting zum anderen und jobbt nebenher in einem Café um sich über Wasser zu halten. Sebastian widerum trauert einer sterbenden Kultur hinterher, dem Jazz. Er selbst träumt von einer Bar, die den Jazz der damaligen Zeit lebt und die Legenden huldigt, zu denen er hinaufschaut. Doch die beiden sind nicht gerade vom Glück geküsst. So weiß Sebastian nicht genau, wie er seinen Lebensunterhalt finanzieren soll und Mia wird auf ihren Castings lediglich undankbar behandelt und abgefertigt.

Natürlich treffen Mia und Sebastian aufeinander und fangen an sich gegenseitig zu unterstützen. Aus der gegenseitigen Unterstützung entwickelt sich rasch eine Romanze, die verträumter nicht aussehen könnte. Ihr wisst schon: Die gute Art von Kitsch. Gemeinsam in den Himmel tanzen zum Beispiel. Untermalt sind diese Szenen von einem Soundtrack, den ich mir aktuell sogar gerne in meiner Freizeit anhöre, weil er einfach gute Laune macht. Der Titeltrack City of Stars wird mir beispielsweise noch lange Zeit im Kopf bleiben.

Immer wieder wird dem Zuschauer vor Augen geführt, dass in der Stadt der Engel alles möglich ist – Du musst es lediglich nur schaffen. Bereits die 5-minütige Anfangssequenz des Films gibt die Marschrichtung vor und besingt auf einer stagnierenden Autobahn die Träume, die in dieser Stadt geformt werden. (An dieser Stelle Hut ab an Linus Sandgrens exzellente Kameraarbeit, die mich bereits in AMERICAN HUSTLE sehr positiv überraschte.)

Es sind die kleinen Nuancen zwischen den Zeilen, die mir ein positives Gefühl in diesem Film vermitteln. Wenn Ryan Gosling “I Ran” auf einer abgehalfterten Party spielen muss und Emma Stone überspitzt dazu tanzt und ihre berühmte Mimik und Mundakrobatik mit ins Spiel bringt – Großartig.

Doch wer von Erfolg träumt, der muss auch Opfer bringen. Diese Erfahrung machen auch Mia und Sebastian und stellen ihre Beziehung damit auf eine harte Probe. Es ist eben nicht nur alles Sonnenschein im dauerlachenden Sunshine-State. LA LA LAND besitzt genau in dieser Szenerie eine leichte Länge in der Mitte des Films, die dem Film allerdings keinerlei Abbruch tut in meinen Augen. Dafür funktioniert einfach alles drum rum zu gut. So schafft es Chazelle sogar einen John Legend mal eben als Nebencharakter in die Geschichte einzubauen.

Und so sind es auch seine Worte, die quasi für den gesamten Film stehen: “Die Leute, die du anhimmelst, waren ihrerzeit Revolutionäre – Wie willst du etwas revolutionieren, wenn du alten Tugenden hinterhertrauerst?” – In diesem Zitat schließt sich der Kreis zu LA LA LAND, der einerseits die alten Filmklassiker zitiert und die filmischen 30er Jahre neu aufleben lässt und auf der anderen Seite neue Wege geht und bunter, lauter und frecher ist. Eine ganz klare Empfehlung von mir. Ein Film, an den ich gerne zurückdenke und mir definitiv noch ein weiteres Mal anschauen werde.

Anbei ein Trailer zu LA LA LAND

Unsere Wertung: (4.6 / 5.0)