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Halo Wars 2 im Test: Epische Schlachten auf Knopfdruck

Vor ziemlich genau acht Jahren wurde der erste Teil der “Halo Wars”-Reihe auf der Xbox 360 veröffentlicht. Ein handgemachtes Echtzeitstrategie-Spiel für die Konsole. Ein Genre, dass auf dem Controller als nahezu unspielbar und sperrig galt, ging plötzlich wunderbar von der Hand. Am 21. Februar erschien der langersehnte Nachfolger Halo Wars 2, programmiert von der Erfolgsschmiede Creative Assembly (bekannt für die Total War Reihe). Wir haben uns das Spiel genau angeschaut und verraten euch, wieso ihr Halo Wars 2 unbedingt mal ausprobieren solltet.

Wer mich kennt, weiß, dass mein Herz hauptsächlich für (vorwiegend japanische) Rollenspiele schlägt, doch auch das Echtzeitstrategie-Genre, kurz RTS, hat seit meiner Kindheit einen sehr hohen Stellenwert. Besonders die “Command & Conquer”-Reihe und Age of Empires prägten maßgeblich meine Jugend. Wochen, nein Monate, habe ich damit verbracht, epische Schlachten auf meinem viel zu kleinen Monitor auszutragen. Mein damaliger 350-Megahertz-Prozessor pfiff wie ein Teekessel, wenn sich die Heere auf dem Schlachtfeld trafen. Doch trotz vieler weiterer großer Titel, wie etwa Stronghold, Empire Earth und der “Total War”-Reihe, wurde es mit den Jahren immer stiller um das Genre.

Klar, Titel wie Warcraft 3 und StarCraft dominierten die eSports-Szene, doch im heimischen Jugendzimmer wurden plötzlich Shooter und Online-Rollenspiele gespielt. Umso überraschter war ich, als Halo Wars auf der Heimkonsole erschien. Eine Rückkehr des “totgeglaubten” Genres – und das auf der Konsole. “Wie soll das denn klappen?” dachte ich mir. Doch woran gerade zu Zeiten der PlayStation 2 viele Studios kläglich gescheitert sind, bewiesen die “Halo Wars”-Schöpfer das nötige Fingerspitzengefühl um dieses Genre auf die Konsole zu bringen.

Das ist inzwischen viele Jahre her und jetzt, im Jahr 2017, steht Halo Wars 2 in den Regalen. Bereits seit der Ankündigung wartete ich freudig auf den Release von Halo Wars 2 und wurde nicht enttäuscht. Allerdings verpasst Halo Wars 2 gleichzeitig den Sprung auf das Treppchen, um mit den ganz Großen in einem Atemzug genannt zu werden, aber dazu kommen wir später. Starten wir mit der Kampagne des Spiels, die wuchtiger nicht beginnen könnte. Eine wunderschön-inszenierte CGI-Cutscene, führt uns in die Kampagne ein und stellt uns die neue Bedrohung vor. Atriox, ein Antagonist, der uns die kommenden Stunden das Leben zur Hölle machen möchte. Doch diese wuchtige Einleitung soll auch der epischste Moment der kommenden zwölf Kampagnen-Missionen sein, denn jede weitere Cutscene sieht zwar immer noch wunderschön aus, verpasst aber die Gelegenheit, eine mitreißende Dramaturgie aufzubauen und uns in seinen Bann zu ziehen. Lobenswert ist allerdings, dass die komplette Kampagne im Online-Koop spielbar ist.

So bleibt es spielerisch zwar spaßig, aber erzählerisch leider sehr eindimensional und einfältig, ohne jede weitere Wendung. Wir finden das wirklich schade, denn die Story bietet großes Potenzial, dass zu großen Teilen ungenutzt bleibt. Unterm Strich ist die Kampagne von Halo Wars 2 somit kurzweiliges Popcorn-Kino, das einem nicht lange im Gedächtnis bleiben wird. Ein Command & Conquer oder ein StarCraft haben hier ganz klar die Nase vorne. Doch heutzutage geht es vielen Spielern eh primär um den Multiplayer-Modus und da hat Halo Wars 2 durchaus einiges zu bieten.

Zuerst einmal will ich auf die Grundlagen des Spiels eingehen. Halo Wars 2 unterscheidet sich nämlich in einigen Punkten von den üblichen Genrevertretern. Der größte Unterschied liegt dabei im allseits beliebten Basenbau. Normalerweise ist man es gewohnt, seine Gebäude frei nach Belieben platzieren zu können, doch in Halo Wars 2 habt ihr lediglich vorgegebene Felder, in denen ihr bauen könnt. Natürlich entscheidet ihr weiterhin selbst, was ihr bauen wollt, aber eben nicht wo ihr es platziert. Was gravierend und einschneidend klingt, funktioniert aber überraschend gut. Gerade Konsolenspielern geht der Basenbau durch diese Lösung sehr gut von der Hand. Eine weitere Erleichterung ist, das inzwischen sehr beliebte Radial-Menü, das auf der Konsole noch immer die beste Lösung ist, um viele Befehle auf einem Controller zu platzieren.

Generell muss ich die Controller-Steuerung sehr loben. Es ist erstaunlich, wie schnell die Handhabung in Fleisch und Blut übergeht. Eine Knopfdruck-gesteuerte Beschleunigung, um schneller über die Karte zu scrollen und diverse Kurzbefehle auf dem D-Pad runden die gelungene Controller-Anpassung ab. Also wirklich Hut ab. So sieht eine gute Steuerung aus.

Ansonsten spielt sich Halo Wars 2 wie ein typisches Echtzeitstrategiespiel. Ihr baut eure Basis und euer Heer auf und zieht in den Krieg, um daraufhin bestmöglich als Sieger hervorzugehen. Die Einheiten teilen sich in die Kategorien Infanterie, Fahrzeuge und Flugeinheiten ein. Das Kräfteverhältnis der Einheiten basiert auf guter alter Schere-Stein-Papier Logik. Jede Einheit hat also einen direkten Konterpart. Je länger man den Multiplayer spielt, umso mehr stört es uns aber, dass es nur zwei Fraktionen gibt. Die UNSC und die Brute. Für die kleine Runde zwischendurch ist das nicht weiter wild, allerdings geht durch das Fehlen einer dritten Fraktion eine Menge taktischer Tiefgang verloren.

Um das Manko ein wenig auszugleichen, protzt Halo Wars 2 dafür mit verschiedenen Spielmodi. Im Multiplayer-Modus dürfte für jeden Spieler was dabei sein. Vom klassischen Deathmatch bis hin zum kontrollierten Einnehmen und verteidigen von Basen ist für jeden Spieler etwas dabei. Neu ist hierbei der Blitz-Modus. Ein Spielmodus, der gänzlich auf Basenbau verzichtet und mit Sammelkarten gespielt wird. Ihr sammelt Energie und spielt euer Deck aus. Je nachdem, wie viel Energie ihr habt, könnt ihr entweder mehrere kleine Einheiten oder gezielte große Einheiten bauen. Uns haben diese dynamischen Partien richtig gut gefallen. Unterm Strich bietet der Multiplayer viel Spaß und sollte Strategie-Freunde zufrieden stellen.

Unser Fazit:
Puhhh. Es ist nicht gerade leicht, Halo Wars 2 zu bewerten. Im Vorfeld wurde es beworben als “Die Wiedergeburt des RTS-Genre”. Doch im Grunde möchte Halo Wars 2 das gar nicht sein. Es ist ein simples Schere-Stein-Papier Strategiespiel, das Fans und Einsteigern gleichermaßen viel Spaß bereiten kann. Wer eine ernsthafte “StarCraft II”-Konkurrenz erwartet, wird enttäuscht sein. Wer allerdings ein simples RTS für den Feierabend sucht, ist hier bestens bedient.

Gerade im Multiplayer-Modus zeigt sich Halo Wars 2 sehr diplomatisch und bietet auch Gelegenheitsspielern eine faire Gewinnchance. Wer also nicht wie in StarCraft II binnen sechs Minuten von einem gefühlt achtarmigen Gegenspieler besiegt werden möchte, sollte sich Halo Wars 2 einmal anschauen. Es sind viele kleine Dinge, die dafür sorgen, dass dieser Titel den Sprung zu den “großen Titeln” verpasst. Am ausschlaggebendsten für den wahrscheinlich langfristigen Misserfolg im Multiplayer ist die fehlende dritte Fraktion. Und auch in der Kampagne verpasst Halo Wars 2 die Chance einen neuen Maßstab zu setzen. Die Kampagne ist, wie bereits erwähnt, wunderschön inszeniert und mit tollen Cutscenes untermalt, doch auch hier fehlt leider das Gewisse etwas. So imposant die Cutscenes auch aussehen, reißen sie uns emotional nur selten mit. Hinzu kommt die recht kurze Spieldauer von rund sechs bis acht Stunden.

Alles in allem ist Halo Wars 2 aber bei weitem kein schlechtes Spiel. Ich selber habe es viele Abende nach Feierabend gespielt und spiele es noch immer. Gerade im Koop entfaltet das Spiel seinen Spaß, wenn man mit mehreren Kumpels in die gemeinsame Schlacht zieht. Wer also ein Faible für das RTS-Genre hat, sollte sich Halo Wars 2 auf jeden Fall einmal ansehen.

Unsere Wertung: (3.5/5.0)