The Elder Scrolls Online: Morrowind im Test – Sweet, sweet Memories

The Elder Scrolls Online bekam DLC-Nachschub. Am 06. Juni erschien die hei├č erwartete Morrowind-Erweiterung f├╝r das MMO aus dem Hause Zenimax. Endlich d├╝rfen wir wieder nach Vvardenfell, in die Welt des 2002 erschienenen Rollenspiel-Klassikers Morrowind reisen. Wir haben das erste gro├če Erweiterungspaket f├╝r TESO getestet.

Vor 15 Jahren erschien The Elder Scrolls III: Morrowind und damit ein echter Genre-Meilenstein. Ein hakeliges Kampfsystem und keine Questhilfen – das war Morrowind auch. In erster Linie war Morrowind aber ein verdammt atmosph├Ąrischer Titel. Zudem war Morrowind der Teil der Elder Scrolls-Reihe, in dem sich der heutige Stil so langsam festigte. Eine gro├če Welt, eine epische Geschichte und v├Âllige Freiheit bei der Charaktererstellung. Bei so einem genialen Spiel, in das ich hunderte Stunden investiert habe, hat es mich auch nicht gest├Ârt, dass ich permanent auf den virtuellen Boden schauen musste, um eine akzeptable Framerate zu bekommen.

Entsprechend begeistert war ich, als Bethesda und Zenimax im Januar diesen Jahres Morrowind als das erste richtige Add-On f├╝r The Elder Scrolls Online ank├╝ndigten. Es gibt wohl keinen anderen Teil der Reihe, den Fans lieber im TESO-Universum sehen wollen. So arbeiten Moddpannt Zenimax er bereits seit vielen Jahren an einer Umsetzung in der Engine von Oblivion und Skyrim. Das hat Zenimax erkannt und die Vulkaninsel Vvardenfell doch glatt im Spiel nachgebaut.

Bereits vor Release von TESO: Morrowind hat Zenimax das Feature “One Tamriel” eingef├╝hrt. Jedes Gebiet und jeder Kampf ist jetzt auf das Level des Spielers zugeschnitten. Die Konsequenz: Wir k├Ânnen jederzeit alle Gebiete erkunden und uns jedem Spieler, egal mit welchem Level, anschlie├čen. Was World of Warcraft nur in Legion umsetzt, erm├Âglicht Zenimax in der gesamten Spielwelt von The Elder Scrolls Online. Dieses gro├čartige Feature erlaubt uns also auch, direkt in das neue Addon einzusteigen – samt eigenem Tutorial.

Fans des Originals werden direkt zu Spielbeginn in Erinnerungen schwelgen. Das Addon beginnt n├Ąmlich an der gleichen Stelle, an der wir uns bereits 2002 nicht am damals bahnbrechend inszenierten Wasser sattschauen konnten: in der Stadt Seyda Neen. Von dort aus k├Ânnen wir die komplett nachgebaute Insel erkunden, zahlreiche Dungeons und Quests bestreiten, unserem Handwerk nachgehen oder einfach die Landschaft begutachten. Die variiert n├Ąmlich von S├╝mpfen, ├╝ber karge Felslandschaften bis zum feuerspuckenden Roten Berg – dem Vulkan in der Mitte der Insel. Nat├╝rlich ist auch wieder die Stadt Vivec begehbar, in der der gleichnamige Gott als Teil des Tribunals unsere Hilfe braucht.

Die Geschichte wird mithilfe von vertonten (und in mehreren Sprachen synchronisierten!) Dialogen w├Ąhrend der Quests erz├Ąhlt. Dabei erreichen die Quests bisweilen nicht die epischen Ausma├če anderer Genrevertreter, daf├╝r erreicht die umfangreiche Vertonung genau das, was The Elder Scrolls Online erreichen m├Âchte: Immersion.

Tats├Ąchlich wird die Online-Umsetzung der beliebten TES-Reihe vom Entwickler in j├╝ngsten Interviews nicht mehr als MMO, sondern auch als Rollenspiel bezeichnet. Diesen Singleplayer-Charakter samt serientypischer Ego-Ansicht vermischt Zenimax mit umfangreichen Online-Features wie Housing, Gildensystemen oder knackigen Raids. Nat├╝rlich darf auch in Morrowind die gesamte Insel im Alleingang durchforstet und bespielt werden – menschliche Mitspieler sind f├╝r keine regul├Ąren Quests notwendig und komplett optional.

Mit welcher Spielweise wir die K├Ąmpfe bestreiten, das l├Ąsst Morrowind uns offen. Schon im Hauptspiel hatten wir die volle Freiheit bei der Charakterentwicklung. Jede Klasse – egal ob eleganter Magier oder knallharter Drachenritter – hat verschiedene Skilltrees, die sich beliebig kombinieren lassen. So kann aus einem Templer ein Heiler oder ein Tank werden – ganz, wie wir es uns w├╝nschen. Das gleiche gilt f├╝r die neue H├╝ter-Klasse, die sich dank Frostmagie, Gef├Ąhrtensystem (analog zum Beast Master-Hunter in World of Warcraft) und Heilspr├╝che in verschiedenste Richtungen lenken l├Ąsst. Diese Freiheit bei der Charakterentwicklung kann Fluch oder Segen sein – ein Alleinstellungsmerkmal bleibt es aber. Uns gef├Ąllt das gut: eine frische Alternative zu starren Klassenstrukturen anderer MMORPGs. Mit der neuen Klasse wirkt TESO: Morrowind nun auch der Klassenarmut entgegen, die wir im urspr├╝nglichen Test noch bem├Ąngelt hatten.

Letztlich bl├╝ht The Elder Scrolls Online aber auch im neuen Addon Morrowind als Hybride zwischen Singleplayer- und Multiplayer-Erfahrung auf – jeweils einzeln funktioniert TESO n├Ąmlich nicht. F├╝r eine Singleplayer-Erfahrung sind die Mechaniken zu sperrig, die visuelle Pr├Ąsentation nicht ├╝berzeugend genug. F├╝r eine reine Multiplayer-Erfahrung hingegen fehlt TESO: Morrwind der Feinschliff eines World of Warcraft. Eine Community-, Guilding- und Raid-Struktur wie die des Genreprimus hat sich bei TESO nicht gebildet – und es sieht auch nicht danach aus. Daf├╝r bildet TESO einen interessanten Mix aus beiden Welten, der in der Summe ├╝berzeugt – haupts├Ąchlich durch die TES-Lizenz. Die wurde n├Ąmlich, wie schon im Hauptspiel von TESO, auch in Morrowind dank Original-Score und der kompletten Umsetzung der Insel ordentlich verwertet. Kennt man Morrowind im Original – und liebt es so wie ich -, dann f├╝hlt man sich sofort wie zuhause. Toll!

Besonders Spa├č macht aber das aktive Kampfsystem. W├Ąhrend wir in vielen MMORPGs starr auf der Stelle stehen, eine Rotation runterbeten und uns ab und zu aus “Area of Effect”-Schaden bewegen, fordert TESO wesentlich mehr Bewegung. Wir k├Ânnen Attacken blocken, uns aus Stuns befreien, Schaden mit Seitw├Ąrtsrollen entgehen und den Gegner anschlie├čend von Hinten attackieren. Dieses spannende Kampfsystem ist es, was das Gameplay von anderen Genrevetretern abhebt. Uns gef├Ąllt es super!

Unser Fazit:
Eine schwache Technik, ein ungewohntes Kampfsystem und unpolierte Mechaniken. Wer The Elder Scrolls Online: Morrowind das erste Mal spielt, der k├Ânnte das neueste Addon samt Hauptspiel schnell wieder vergessen. Der verpasst dann aber auch die einzigartigen Seiten des neuen MMORPGs von Zenimax: charmant vertonte Quests, eine wundersch├Âne Welt, ein atemberaubend frisches Kampfsystem und mit “One Tamriel” ein Erkundungssystem, das seinesgleichen sucht.

Mit Morrowind macht TESO nicht viel anders als vorher. Wir werden zwar mit Vvardenfell als neuer Insel und dem H├╝ter als neuer Klasse belohnt, am Grundger├╝st hat sich aber wenig getan. Das sind zwei Seiten einer Medaille: Das bedeutet, dass sich an den Schw├Ąchen ÔÇô wie einem mageren Crafting-System oder schwacher Grafik ÔÇô wenig getan hat, daf├╝r macht das aktive Kampfsystem unver├Ąndert Spa├č und die vertonten Quests begeistern nach wie vor. Wer das Hauptspiel mochte und eine frische Alternative zu WoW oder Guild Wars 2 sucht, der darf gerne nach Vvardenfell reisen.

Wertung: (4 / 5)