Life is Feudal MMO: Unser erster Eindruck

Der Name “Life is Feudal” macht die Runde: Erst brachte Entwickler Bitbox mit “Life is Feudal: Your Own” ein Online-RPG auf den Markt, kurz darauf folgte mit “Life is Feudal: Forest Village” ein Aufbauspiel im Stile der Siedler-Reihe. Nun soll es ein besonderes Genre sein: Mit Life is Feudal MMO sollen über 10.000 Spieler gleichzeitig dem mittelalterlichen Leben fröhnen – inklusive Politik, Landwirtschaft und den guten, alten Massenschlachten. Aktuell befindet sich Life is Feudal MMO noch im Beta-Status und bietet nur einen Bruchteil der Features. Wie vielversprechend der erste Eindruck ist, das erfahrt ihr hier.

Wer auf dem dichten Markt der MMORPGs Erfolg haben will, der fühlt sich wie David, der mit einer Schleuder auf Goliath schießt. Riesige Titel wie World of Warcraft und Guild Wars 2 haben es sich auf dem Genre-Olymp bequem gemacht und zertrümmern dank eingefleischter Fanbase und bewährter Mechaniken die Konkurrenz. Um das zu verhindern, hilft eigentlich nur eins: Man muss etwas komplett Neues schaffen, das sich jeden Vergleichs entzieht. Und diesen Anspruch hat Life is Feudal MMO.

Life is Feudal MMO ist ein unheimlich komplexes Mittelalter-MMO. Bereits im jetzigen Beta-Status, in dem wir uns mit weitaus weniger Spielern als den versprochenen 10.000 (etwa 20?) auf der Noob-Insel bewegen, ist die Komplexität des endgültigen Spiels bereits zu erahnen. Wir starten nach einer kurzen Charaktererstellung, in der wir aus drei Völkern auswählen und Fähigkeiten wie Jagd, Handwerken oder Kavallerie bestimmen, auf der normalerweise 21x21km großen Karte. Die kann laut Entwickler aber beliebig und zufällig generiert erweitert werden. An der Küste und somit zu Beginn des Spiels fehlt Life is Feudal MMO das, was vielen Rollenspiele/MMOs in dieser Größenordnung fehlt: der rote Faden. Die einzige Hilfestellung ist ein kurzes, rein schriftliches Tutorial, das uns durch die ersten handvoll Schritte begleitet. Anschließend? Freiflug. Viel wichtiger ist ein breit ausgelegter Einstieg samt Quests, wie ihn beinahe alle anderen MMORPGs auch haben.

In diesem Freiflug kommen dafür all die tollen Features von Life is Feudal MMO zum Vorschein. Ein Blick in das Baumenü offenbart uns eine Vielzahl an Gebäuden, die wir schon jetzt – passende Ressourcen vorausgesetzt – bauen können. Darunter befinden sich neben einem Kessel oder einer kleinen Hütte auch Teile einer ganzen Burg. Wir bauen also Werkzeuge, sammeln Ressourcen wie Holz und Steine und bauen drauf los. Leider ist der Einstieg sehr holprig und schiebt dem Spielspaß nur allzu oft den Riegel vor. Wieso sagt uns das Spiel erst nachdem wir den Ladebalken für den Arbeitsprozess abgewartet haben, dass uns ein Werkzeug fehlt? Warum muss das Inventar, in dem sich die ganze Erde vom Terraforming automatisch ansammelt, so hakelig sein? Und wieso ist es so fürchterlich anstrengend, den Boden für ein Gebäude Zelle für Zelle zu ebnen? In Life is Feudal MMO müssen wir uns für jede Aktion erst durch ein rustikales Dropdown-Menü klicken, um sie auszuführen. Wieso gibt es keine dedizierten Buttons für jede Aktion? Im aktuellen Status hat Life is Feudal MMO durchaus merkwürdige Design-Entscheidungen inne, von denen man bloß hoffen kann, dass Entwickler bitbox die vielen Ecken abschleift. Wenn man sich aber durch die Menüführung durchquält, Mitspieler findet und einige Stunden investiert, dann kann man ordentlich Spaß haben. Entwickler bitbox verspricht eigene Königreiche, Gilden, spezialisierte Berufe und mit über 40 Millionen Alchemie-Rezepten ein bombastisches Crafting-System.

Die Welt von Life is Feudal MMO ist dank unglaublich stimmiger Musik (Mittelalter-Gedudel!) und atmosphärischer Wettereffekte gut inszeniert. Klar: technische Schwächen gibt es gerade in diesem Entwicklungsstadium zuhauf. Aber die Inszenierung ist mit Sicherheit einer der besten Aspekte von Life is Feudal MMO. Wenn man zu dieser passenden Musik durch dichte Wälder streift und nach Rehen zum Jagen sucht, dann ist die mittelalterliche Stimmung perfekt. Andere Regionen wie raue Küstengebiete oder weite Steppen runden das Gesamtbild ab.

Auf technischer Ebene spielt Life is Feudal MMO zwar bloß im Mittelfeld, sieht aber für ein MMORPG vergleichsweise ordentlich aus. Abwechslungsreiche Umgebungen, detaillierte Charaktermodelle und passende Lichteffekte schaffen insgesamt ein stimmiges Bild, das bisweilen – wohl auch durch sein aktuelles Entwicklungsstadium – durch mangelhafte Kantenglättung und unschöne Texturisierung abgeschwächt wird. Insgesamt wird bis zum Release aber (hoffentlich) noch mehr kommen – und dieser Wunsch nach Feinschliff gilt für beinahe alle Aspekte des Spiels.

Unser Ersteindruck:
Life is Feudal MMO steht – wie viele Early Access-Titel vor und nach ihm – an einem Scheideweg. Die Ansprüche und Ziele sind hoch – und können sich auszahlen, sollte bitbox ihnen folgen. Dann dürfen wir nämlich ein unheimlich komplexes, packendes und stimmiges Mittelalter-Abenteuer erwarten, dessen Ausmaße noch nicht einmal zu erahnen sind. Im schlimmsten Fall endet die ganze Geschichte wie schon oft halbgar und das Endprodukt ist nur ein Schatten seiner Versprechungen. So oder so: zum aktuellen Zeitpunkt hat Life is Feudal MMO gerade in seiner Bedienung erhebliche Schwächen, macht dafür aber ordentlich Spaß. Sammelt eure Freunde und springt ins Mittelalter – es gibt viel zu tun!

Wertung: (3,9 / 5)

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