Uncharted: The Lost Legacy im Test РDie indische Schönheit

“Expanding Uncharted” – unter diesem Motto steht der Release von Uncharted: The Lost Legacy. Der am 22. August erschienene Titel aus dem Hause Naughty Dog, der erstmalig einen Spin Off-Ableger der Uncharted-Reihe auf Sonys Playstation 4 bringt, soll das Uncharted-Universum um eine weitere spannende Geschichte erweitern – und dieses Mal ganz ohne Protagonist Nathan Drake. Stattdessen machen wir uns in Uncharted: The Lost Legacy mit Chloe Frazer in Indien auf die Suche nach einem seltenen Artefakt – dem Sto√üzahn des Hindu-Gottes Ganesha. Ob The Lost Legacy auch ohne Nathan Drake Spa√ü macht – oder gerade deshalb – und in welchen Belangen The Lost Legacy einen H√∂hepunkt der gesamten Reihe darstellt – das kl√§ren wir im Test.

Ich bin erstaunlich sp√§t mit der Uncharted-Reihe warm geworden. Als ich 2009 den Vollpreis f√ľr Uncharted 2 gezahlt habe und kurz darauf √ľberm√§√üig entt√§uscht worden bin – da habe ich erst einmal eine Weile die Finger von Nathan Drake und seinen Abenteuern gelassen. Sp√§testens mit Uncharted 4 war ich restlos von Naughty Dogs Abenteuerreihe begeistert und habe auch alle alten Teile mit Vergn√ľgen nachgeholt. Umso aufgeregter war ich bei der Ank√ľndigung eines neuen Teils, n√§mlich Uncharted: The Lost Legacy. Nicht nur ist es der erste Spin Off-Titel auf der Playstation 4, auch d√ľrfen wir bei der Charakterwahl etwas Abwechslung erleben und uns zusammen mit Chloe Frazer und Nadine Ross ins Abenteuer st√ľrzen.

Das f√ľhrt uns in The Lost Legacy n√§mlich nach Indien. Dort soll der Sto√üzahn des Gottes Ganesha liegen, der der Legende nach von Parashurama, einem Avatar von Vishnu, abgeschlagen worden ist. Nat√ľrlich soll das Ding eine Menge Geld wert sein und deshalb machen sich Chloe Frazer und Nadine Ross gemeinsam nach Indien auf, um den Sto√üzahn ausfinding zu machen. Dort treffen sie recht schnell den Antagonisten Asav, der sich vom Arzt zum Rebellenf√ľhrer gemausert und anschlie√üend auf die Suche nach eben diesem Sto√üzahn gemacht hat. Der macht es dem weiblichen Duo nat√ľrlich entsprechend schwer und wirft uns regelm√§√üig in klassischer Uncharted-Manier seine Gegnerschergen entgegen.

√úberhaupt erfindet The Lost Legacy das Rad nicht neu und orientiert sich stark am klassischen Rezept der Uncharted-Reihe. Kletterpassagen, Schussgefechte und R√§tseleinlagen wechseln sich regelm√§√üig ab – samt der bereits aus Uncharted 4 bekannten Mechaniken, wie dem fahrbaren Jeep oder dem Kletterhaken. Das ist einerseits eine sch√∂ne Sache, da man sich auch in The Lost Legacy als Uncharted-Fan direkt zuhause f√ľhlt. Andererseits importiert The Lost Legacy damit auch einige Schw√§chen des Hauptspiels wie die unausgereiften Stealth-Mechaniken, die zwar in Teilen des Spiels durchaus wichtig sind, uns aber bis auf Stealth Kills wenig bis nichts weiteres an die Hand geben. Wieso haben wir nach wie vor nicht die M√∂glichkeit, Gegner durch Flaschen oder Pfeifen abzulenken? Selbst The Last of Us, ein Titel aus dem gleichen Hause, bietet uns ein wesentlich besseres Stealth-Erlebnis. Die Schussgefechte sind zwar etwas schn√∂de, allerdings funktionieren sie genau wie die Kletterpassagen sehr solide. Fans und Kenner der Reihe werden sich in dieser Hinsicht auch mit The Lost Legacy anfreunden k√∂nnen.

Sehr schade finden wir, dass die potentiell sehr spa√üigen Open World-Elemente leider nur auf einen Spielabschnitt begrenzt sind. Hier k√∂nnen wir die Gegend frei mit unserem Jeep erkunden, eine Nebenmission erledigen und die Hauptziele in einer beliebigen Reihenfolge erledigen. Leider sind die Missionen, namentlich Erkundungen von Tempeln, eher Mini-Missionen und der Open-World-Abschnitt ist zu schnell beendet. Daf√ľr, dass Naughty Dog dieses Feature gro√ü angek√ľndigt hat, kam hier deutlich zu wenig beim Spieler an.

Die Geschichte von The Lost Legacy muss erstmalig ohne Nathan Drake auskommen – und schafft das erstaunlich gut. Die Geschichte selbst kommt erst in der zweiten Spielh√§lfte so richtig in Fahrt und vom charismatischen B√∂sewicht Asav sehen wir allgemein leider viel zu wenig. Sobald die zweite H√§lfte der gut sechsst√ľndigen Geschichte erreicht ist, entfaltet sich die Handlung und die Motive rund um den Ausflug von Chloe Frazer. Auch die wachsende Beziehung zu Nadine Ross, die uns oft genug als B√∂sewicht gegen√ľber stand, ist charmant geschrieben und ein sch√∂ner Teil des Plots. Insgesamt wei√ü die Geschichte – und vor allem das Finale – sehr zu √ľberzeugen.

Was Uncharted: The Lost Legacy aber wirklich von anderen Genrekollegen abhebt, ist die Inszenierung. Wir sind von Uncharted 4 eine grandiose Technik gewohnt – The Lost Legacy l√§sst sich das auch nicht nehmen. Leider sind die Umgebungen nicht ann√§hernd so vielf√§ltig wie die eines Uncharted 4, die visuelle Inszenierung befindet sich daf√ľr auf dem gleichen Niveau. Die Inszenierung der Locations – vor allem die Tempelanlagen der zweiten Spielh√§lfte – geh√∂rt zu den besten der gesamten Reihe und versucht uns nur all zu oft, den Fotomodus anzuschmei√üen und ein paar wundersch√∂ne Screenshots zu schie√üen. Uncharted: The Lost Legacy ist einfach wundersch√∂n und grafisch ein Highlight auf der Playstation 4.

Zus√§tzlich bietet Uncharted: The Lost Legacy einen Multiplayer- und √úberlebens-Modus, die beide via Patch nachgereicht worden sind. Im Multiplayer-Modus bek√§mpfen sich Spieler auf 14 Maps und in 6 Modi gegenseitig – wie aus den Vorg√§ngern gewohnt. Daf√ľr ist nat√ľrlich ein Playstation Plus-Abonnement notwendig. Der √úberlebens-Modus dient als Coop-Erlebnis und ist ein klassisches “√úberleben alle Wellen”-Feature. Beide Inhalte sind spa√üige Abwechslungen, kommen aber nat√ľrlich nicht an den Story-Modus heran.

Unser Fazit:

Uncharted: The Lost Legacy ist nach Uncharted 4 wohl mein Liebling der Reihe. Die charmant inszenierte Geschichte, die grandios gestalteten Umgebungen und die umwerfende Grafik machen Uncharted: The Lost Legacy nicht nur zu einem Geheimtipp f√ľr Fans der Reihe, sondern zu einem Muss f√ľr alle Playstation-Spieler. Lediglich wenig Abwechslung in den Locations und von der Hauptreihe vererbte mechanischen Schw√§chen tr√ľben den Spielspa√ü. Insgesamt muss sich Uncharted: The Lost Legacy aber vor keinem Teil der Reihe verstecken und unterh√§lt auf ganzer Linie.

Das sechsst√ľndige Abenteuer kostet 39,99‚ā¨ und kann bequem an einem oder zwei Tagen durchgespielt werden.

Wertung: (4,5 / 5)