MAKERbuino im Test: DIY Game Boy f├╝r Retro-Fans

Der kroatische Student Albert Gaj┼íak t├╝ftelt seit 2014 am MAKERbuino. Inspiriert wurde der junge Student durch den GameBuino des franzosen Aurelien Rodot. Im Gegensatz zum GameBuino verspricht der MAKERbuino nun Retro-Spa├č Marke Eigenbau. Doch kann er auch halten, was Albert Gaj┼íak uns verspricht?
Wir haben den DIY Game Boy f├╝r euch getestet.

Erh├Ąltlich ist der Bausatz im Shop auf der offiziellen Homepage. Der recht g├╝nstige Preis von 40ÔéČ f├╝r den Bausatz, beziehungsweise 50ÔéČ f├╝r die fertig montierte Variante, ist dem Inhalt durchaus angemessen. Der MAKERbuino liegt damit auf dem Preisniveau aktueller PC-Spiele und unterhalb aktueller Konsolen-Spiele. Dies kann man also durchaus positiv anrechnen.

Versorgt wird der Handheld mit einem 600mAh starken Akku, der sich ├╝ber einen Micro USB-Stecker aufladen l├Ąsst. Praktisch: So kann der MAKERbuino mit nahezu jedem halbwegs modernen Smartphone-Ladekabel aufgetankt werden. Eine Akkuladung reicht f├╝r zahlreiche Spielstunden, da die Hardware nicht viel Strom ben├Âtigt.

Unter der Haube des MAKERbuinos werkelt der gleiche Mikroprozessor, wie er auch auf dem Arduino Uno-Board vorhanden ist: Der ATmega328, getaktet mit unglaublichen 16MHz, satten 2kB RAM und einem fast endlosen Programmspeicher von 32kB. Die Anzeige erfolgt monochrom ├╝ber ein hochaufl├Âsendes Display mit 84×48 Pixeln, recycelt aus alten Nokia 5110-Handys – sogar mit einstellbarer Hintergrundbeleuchtung! Der volumin├Âse Klang wird glasklar ├╝ber einen Piezo-Lautsprecher oder ├╝ber die Kopfh├Ârerbuchse ausgegeben.

Nat├╝rlich d├╝rfte euch der ironische Unterton kaum entgangen sein. Allerdings sei gesagt, dass diese Rechenleistung f├╝r den Einstieg in die Welt der DIY-Elektronik v├Âllig ausreichend ist. Der Super Nintendo war auch kein Hochleistungscomputer und hat uns trotzdem etliche Stunden an Spielspa├č beschert. Programmieranf├Ąnger d├╝rften sich ohnehin schwer tun, den MAKERbuino v├Âllig an die Grenzen seiner Leistungsf├Ąhigkeit zu bringen.

Zus├Ątzlich verf├╝gt der DIY-Handheld ├╝ber eine serielle Schnittstelle, einen I2C- und einen SPI-Port. Dadurch er├Âffnen sich unendlich viele M├Âglichkeiten f├╝r eigene Projekte. Au├čerdem erm├Âglicht der I2C-Port das Spielen von Multiplayer-Spielen – und das mit bis zu 127 Mitspielern!

Durch die Verwendung von bedrahteten Bauteilen und die relativ ├╝berschaubare Menge an Komponenten sollten selbst 11-j├Ąhrige den Bausatz mit ein wenig Hilfe der Eltern zusammenbauen k├Ânnen. Dies ist zumindest die angegebene Zielgruppe. Etwas Vorerfahrung im L├Âten kann aber trotzdem nicht schaden. Die gr├Â├čte H├╝rde ist wohl der SD-Kartenslot, das war es aber auch schon. Der Rest sollte auch f├╝r L├Ât-Einsteiger kein Problem darstellen.

F├╝r den Zusammenbau ben├Âtigt man lediglich einen L├Âtkolben, etwas L├Âtzinn, einen Seitenschneider, einen Schraubenzieher und eine kleine Menge Kleber. Zudem werden ein Multimeter, eine L├Âthilfe mit Lupe und eine Entl├Âtpumpe beziehungsweise Entl├Âtlitze empfohlen. Letztere sind aber optional und nicht zwingend notwendig. Allerdings sollten diese Werkzeuge bei den meisten Bastlern ohnehin vorhanden sein. Wer jedoch keines dieser Werkzeuge sein Eigen nennen kann, der kann im Shop ebenfalls einen Bausatz inklusive der zwingend ben├Âtigten Tools erwerben.

Hat man alles vor sich liegen, geht der Spa├č erst so richtig los. Kleiner Tipp: Sortiert man die Bauteile vor Beginn, gestaltet sich der Aufbau noch einfacher. Die Bauanleitung ist auf der Internetseite des MAKERbuinos zu finden und in sechs Kapitel aufgeteilt. Jedes Kapitel enth├Ąlt zahlreiche Fotos und Tipps und ist, trotz englischer Sprache, leicht verst├Ąndlich. Neben den Bauanweisungen finden sich auch ausf├╝hrliche Erkl├Ąrungen zu den Bauteilen und deren Funktionsweise. Je nach K├Ânnen sollte man bis zu f├╝nf Stunden f├╝r den Aufbau des MAKERbuinos einplanen.

Albert Gajsak hat es sich zum Ziel gesetzt, mit dem MAKERbuino die STEM-Grundlagen zu vermitteln. Dabei steht STEM f├╝r Science, Technology, Engineering und Mathematics. Da ich hauptberuflich in der Elektrotechnik t├Ątig bin kann ich sagen, dass ihm das auch durchaus gelungen ist. S├Ąmtliche Grundlagen werden leicht verst├Ąndlich vermittelt. Dadurch wird Albert Gajsak seiner Zielgruppe ├╝beraus gerecht.

Wer sich die Verwendung eines L├Âtkolbens nicht zutraut, der kann im Shop einen bereits fertig zusammengebauten MAKERbuino bestellen. Allerdings geht dabei ein gro├čer Teil des Spa├čes verloren.

Liegt der fertige und funktionierende MAKERbuino dann vor uns, macht sich ein Gef├╝hl der Zufriedenheit breit – selbst bei einem ge├╝bten Bastler wie mir. Es ist einfach ziemlich cool, einen Retro-Handheld selber zusammen zu bauen. Die Reise in die Retro-Welt endet jedoch nicht mit dem Einlegen der mitgelieferten microSD-Karte – sie geht erst jetzt richtig los.

Zwar sind auf der Speicherkarte zahlreiche Spiele enthalten, aber es geht auch darum selbst eigene Games zu programmieren. Daf├╝r steht eine spezielle Arduino-Bibliothek zur Verf├╝gung. Diese stammt vom GameBuino. Albert Gaj┼íak lernte, auf einer Maker Faire im Jahre 2016, den franzosen Aurelien Rodot kennen. Dieser entwickelte zuvor den GameBuino und finanzierte sein Projekt im Jahr 2014 erfolgreich ├╝ber Indiegogo. Der gr├Â├čte Unterschied zwischen beiden Handhelds ist die Tatsache, dass der GameBuino lediglich fertig verkauft wird. Dies liegt an den verwendeten Bauteilen, die ein eigenes Zusammenbauen nahezu unm├Âglich machen. Rodot unterst├╝tzte Albert Gaj┼íak w├Ąhrend der weiteren Entwicklung.

Durch diese Zusammenarbeit ist der MAKERbuino zu 100% mit dem GameBuino kompatibel – und das ist gro├čartig! Denn neben dem Wissen der kleinen, stetig wachsenden MAKERbuino-Community l├Ąsst sich somit zus├Ątzlich auf das Wissen und die Erfahrung der gro├čen GameBuino-Community zur├╝ckgreifen. Dadurch geh├Âren kleinere Probleme schnell der Vergangenheit an und selbst f├╝r schwierige Probleme l├Ąsst sich schnell eine L├Âsung finden. Zudem vermitteln viele ihr Wissen in Form von Tutorials. Aus diesem Grund k├Ânnen sogar Neulinge leicht in die Spieleprogrammierung einsteigen.

Programmiert werden die Spiele mit der, kostenlos erh├Ąltlichen, Arduino Entwicklungsumgebung. Ein weiterer Vorteil, denn f├╝r die Arduino Plattform existieren bereits etliche Tutorials und Referenzen. Immerhin ist die Arduino Plattform bei Bastlern aus aller Welt sehr beliebt.

Ein weiterer Vorteil des MAKERbuinos ist, dass er einfach zu hacken ist. Ihr k├Ânnt euren DIY-Handheld in jeglicher Hinsicht ver├Ąndern und anpassen – solange ihr wisst, was ihr da tut. Einen Joystick anschlie├čen? Kein Problem! Externe Schaltungen oder Anzeigen anbringen? Wenn ihr wollt, dann gerne! Ein eigenes Geh├Ąuse bauen? Wieso denn nicht?! Der MAKERbuino ist komplett Open Source – selbst der Schaltplan ist auf der Internetseite erh├Ąltlich.

Die Kickstarter-Kampagne endete erfolgreich im April 2017. Knapp 1600 Unterst├╝tzer haben zur Verwirklichung des MAKERbuinos beigetragen. Insgesamt wurden ├╝ber 100.000 US-Dollar gesammelt und mehr als 1800 MAKERbuinos verkauft. Durch diese immense Unterst├╝tzung konnten Albert und sein Team sogar Vollzeit-Jobs aus ihrem Hobby machen. Sie gr├╝ndeten eine Firma, die sich der Entwicklung und Herstellung von unterhaltsamen und lehrreichen Elektronik-Baus├Ątzen widmet – CircuitMess.

Fazit:
Der MAKERbuino ist ein faszinierendes St├╝ck Hardware. Durch die M├Âglichkeit die Hardware anzupassen und zu erweitern ist er vor allem f├╝r Bastler – und alle die es werden wollen – sehr interessant. Obwohl der MAKERbuino ├╝ber wenig Rechenleistung verf├╝gt, kann man damit einiges auf die Beine stellen – eine entsprechende Programmierung vorausgesetzt. Durch die Kompatibilit├Ąt zum GameBuino steht eine gro├če Community zur Verf├╝gung, wenn es um die L├Âsung von Problemen geht. Wir k├Ânnen also mit bestem Gewissen eine klare Kaufempfehlung aussprechen!

Wertung: (4,5 / 5)