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The Evil Within 2 im Test – Durch Mark und Bein

Ziemlich genau drei Jahre ist es her, dass The Evil Within Horrorfans in Angst und Schrecken versetzt hat. Am Freitag, dem 13. Oktober ist nun The Evil Within 2 erschienen und versucht mit einer Mischung aus Open World und spannender Geschichte zu überzeugen. Ob das klappt, das klärt der Test.

Ich habe Angst vor Checkpoints – zumindest seit dem Release von The Evil Within 2. Der neueste Titel von Resident Evil-Schöpfer Shinji Mikami hat mir gezeigt, was nach einem Checkpoint kommen kann: nämlich Panik und Schrecken. Kaum habe ich in der Haut von Ex-Detective Sebastian Castellanos ein klaustrophobischs Tunnelsystem durchdrungen, erreiche ich einen offenen Raum und an dessen Tür einen Checkpoint. Am liebsten wär ich umgedreht und hätte mich ins bequeme Safe House zurückgezogen. Und angesichts dessen, was in dem Raum auf mich zukam, wäre das auch die bessere Wahl gewesen.

Aber eines nach dem anderen – worum geht es in The Evil Within 2? Wer 2014 den ersten Ableger gespielt hat, der kennt die Geschichte von Sebastian und den Vorfällen im Bacon Mental Hospital. Nach diesen Ereignissen verlässt Sebastian kurzerhand die Polizei und gibt sich dem Alkohol hin. Kurze Zeit später meldet sich seine ehemalige Kollegin Kidman bei ihm – und bietet ihm die Chance seines Lebens: seine totgeglaubte Tochter zu retten. Diese sei angeblich nicht tot, sondern Versuchskaninchen des Schurkenkonzerns Mobius. Um seine Tochter zu retten, soll Sebastian in die simulierte Stadt Union und damit in das Gehirn seiner Tochter eintreten. Die Stadt sieht dank der Technologie STEM so aus, wie sich seine Tochter gerade fühlt – und gut fühlt sie sich nicht. Deshalb steht in Union kein Spaziergang, sondern eine ganze Menge fieses Zeug zwischen uns und unserer Tochter.

The Evil Within 2 bietet mit Union eine offene Spielwelt. Im Gegensatz zur linearen Erzählweise des Vorgängers dürfen wir in The Evil Within 2 die Spielwelt frei durchstreifen, Waffen und Crafting-Materialien sammeln und sogar Nebenmissionen absolvieren. Leider besteht Union hauptsächlich aus kleinen Häusern, vielen unbetretbaren Bereichen und bietet dem Spiel nicht wirklich viel Mehrwert. Dafür sind die Nebenmissionen eine erfrischender Zusatz zur spannenden Hauptgeschichte. In denen versuchen wir beispielsweise, die restlichen Einsatzkräfte von Mobius zu finden und zu retten. Eine gelungene Abwechslung ist das unterirdische Tunnelsystem, “The Marrow” genannt. Die Begegnungen im Marrow – selbst wenn es nur wenige Gegner sind – sind einige der atmosphärisch dichtesten Stellen des Spiels. Und wenn wir dann noch aus der Ego-Perspektive in der Gasmaske durch die Tunnel schlendern, dann wird es spannend.

Die Geschichte von The Evil Within 2 wird in Kapitel unterteilt und durch die verschiedenen Hauptmissionen erzählt. Dabei baut das Spiel zwar auf die Handlungen des Vorgängers auf, ist aber auch ohne Vorwissen gut zu genießen. Die Geschichte ist facettenreich: Die Suche nach seiner Tochter lässt Sebastian nicht nur verdammt gruselige, sondern auch bizarre und actionreichen Sequenzen durchstehen. Die Spielzeit der Hauptmissionen kann sich mit 15-20 Spielstunden auch sehen lassen – und da sind die Nebenmissionen und die Erkundung von Union noch nicht mit eingerechnet.

Damit wir die Begegnungen mit den zombieartigen und abwechslungsreichen Gegnerhorden gut überstehen, können wir Sebastian und seine Waffen upgraden. Hier geht es ganz klassisch um den Schaden der Waffen, die Gesundheit, Ausdauer und Zielfertigkeit von Sebastian oder seine Schleichfähigkeiten. Man kann seine Fähigkeiten also etwas an seine Spielweise anpassen und sich entweder auf ungesehene Fortbewegung oder Feuerkraft fokussieren.

So oder so: Die Schießeisen wie die abgesägte Schrotflinte oder die aus dem Vorgänger bekannte Armbrust haben ordentlich Wumms und spielen sich verdammt befriedigend. Leider – oder glücklicherweise – ist The Evil Within 2 aber nach wie vor Survival Horror und spendiert uns nicht allzu viel Munition. So haben wir zwar Spaß, auf die Gegner zu ballern, aber haben wir etwas zu viel Spaß, dann haben wir bald keine Munition mehr und müssen die Beine in die Hand nehmen. Hier schafft The Evil Within 2 eine zum Schneiden dicke Atmosphäre und so eins der besten Horrorerlebnisse der letzten Jahre.

Maßgeblichen Anteil an der Atmosphäre von The Evil Within 2 hat das grandiose Sound Design. Die musikalische Untermalung bringt die Nerven in jeder Situation auf Hochspannung – egal ob laute Trommeln oder leise Streicher. Die Musik hat es wirklich in sich. Dazu kommt eine hervorragende Technik und eine tolle Grafik mit scharfen Texturen. Auf technischer Ebene ist The Evil Within 2 mehr als befriedigend.

Unser Fazit:
Was für ein Kracher. Bereits der Vorgänger war nichts für sanfte Gemüter, aber The Evil Within 2 ist der Spagat zwischen Open World und linearer Erzählweise grandios gelungen. Die Geschichte ist dank befriedigendem Finale extrem spannend erzählt, das Kampfsystem macht Spaß und der Survival Horror kommt nicht zu kurz. Trotz der noch etwas leeren Spielwelt fesselt The Evil Within 2 an das Gamepad und ist ein Muss für jeden Horrorfan.

Ein Anwärter auf das beste Horrorspiel des Jahres!

Wertung: (4,6 / 5)