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Total War: Warhammer 2 im Test – hammerharte Action

Mit Total War: Warhammer hat Creative Assembly im letzten Jahr einen neuen Weg eingeschlagen und historische Schauplätze durch das Warhammer-Universum ausgetauscht – dafür gab es bei uns 4.5 von 5.0 Sternen. Am 28. September legte das Studio mit Total War: Warhammer 2 noch eine Schippe drauf. Wir haben uns den Titel für euch angesehen.

Wenn ich an High Fantasy denke, dann denke ich an mächtige Zauberer, prächtige Ritter, an Orks, Menschen und Zwerge. Genau dieses erfrischende Setting hat uns Total War: Warhammer vergangenes Jahr geboten. Jetzt ist es an Warhammer 2, das Setting erneut aufzufrischen. Um das zu schaffen, werden die spielbaren Rassen kurzerhand komplett ausgetauscht. Statt Menschen und Orks zu spielen, dürfen wir jetzt in die – mal glatte, mal haarige – Haut der Hochelfen, der Dunkelelfen, der rattengleichen Skaven und schuppigen Echsenmenschen schlüpfen. Von denen gibt es jeweils zwei Fraktionen, die aber alle das gleiche Ziel im Auge haben: den großen Mahlstrom. Der sieht aus wie ein Magietornado und ist der Mittelpunkt der Geschichte von Warhammer 2, die uns in stimmigen Zwischensequenzen erzählt wird. Wer mich kennt, der weiß: Ich bin kein Fan von Kampagnen in Strategie-Titeln. Selbst die viel bejubelte Kampagne von Warcraft 3 lässt mich nach wenigen Minuten kalt, weil ich gerne sofort alle Spielmechaniken benutze und die Handlung das meistens nicht vorsieht. Die Geschichte von Warhammer 2 hingegen kann mich begeistern. Die Sequenzen jeder Fraktion sind stimmungsvoll gezeichnet und toll vertont. Egal, ob die gehobene, würdevolle Stimme eines Hochelfen-Magiers oder das gequälte Gekrächze und Gequietsche eines Skavenlords – so hat sich Fantasy anzuhören. Hier hat sich Creative Assembly selbst übertroffen.

Der Mahlstrom ist nicht nur Mittelpunkt der Geschichte, sondern auch das imposante Zentrum der serientypischen Strategiekarte. Total War: Warhammer 2 schickt uns nämlich auf die Heimatinsel der Hochelfen, die hier den Mahlstrom als Schutz vor den Mächten des Chaos erschaffen haben. In der Kampagne der Hochelfen geht es also darum, den Mahlstrom zu stabilisieren und die fiesen Chaoskrieger abzuwehren. Die Dunkelelfen, angeführt von einem in Ungnade gefallenen Hochelfen, versuchen das Gegenteil und wollen Einfluss auf den Mahlstrom nehmen. Jede Fraktion, mit der wir auf der Karte starten, hat also eigene Ziele und muss dafür eine bestimmte Anzahl Rituale durchführen. Um das zu schaffen, werden fraktionsabhängige Ressourcen benötigt, die wir durch Ereignisse im Spiel und Eroberungen und siegreiche Schlachten bekommen. So ist die Kampagne in verschiedene Stadien untergliedert, die mit neuen Sequenzen erklärt werden und eine gewisse Dynamik ins Spielgeschehen bringen.

Die Strategiekarte hat sich hauptsächlich optisch geändert. Ansonsten übernimmt Warhammer 2 die Mechaniken, die bereits 2013 mit Total War: Rome 2 eingeführt worden sind. Die Strategiekarte ist hier in verschiedene Provinzen aufgeteilt, meistens mit 3 oder 4 Städten. Diese können wir anschließend mit verschiedene Gebäuden ausstatten und neue Einheiten produzieren. Haben wir alle Städte einer Provinz eingenommen, können wir Boni für die gesamte Provinz erlassen. So gut dieses System für Einsteiger sein mag, es lässt doch einiges an Tiefe vermissen. Der strategische Städtebau eines Civilization ist dem stumpfen Upgraden der Warhammer-Städte weit überlegen. Dennoch: Jede Rasse spielt sich unterschiedlich und spannend. Während die Hochelfen klassisch Städte einnehmen und anschließend ihre gewonnenen Einflusspunkte nutzen, um Beziehungen zu anderen Fraktionen zu stärken, graben sich die Skaven unter der Erde voran und verstecken ihre Städte als Ruinen.

Aber die Strategiekarte mal beiseite: Wirklich spaßig wird Total War: Warhammer 2 wie seine Vorgänger erst auf dem Schlachtfeld. In eindrucksvollen und bisweilen strategisch herausfordernden Schlachten hetzen wir die Greifen der Hochelfen, die Drachen der Dunkelelfen, die giftsprühenden Skaven und die Bestien der Echsenmenschen aufeinander. Creative Assembly führt erstmalig handgestaltete Schlachtfelder ein und generiert diese nicht mehr zufällig. Das sorgt für abwechslungsreiche und spannende Strategien im Terrain: Hügel, Engpässe und Klippen werden sinnvoll genutzt – von letzterer dürfen sogar Gegner gestoßen werden. Die Schlachten sind – auch dank der magischen Einheiten – nicht nur detailliert und fordernd, sondern verdammt episch. Wenn die riesigen Armeen aufeinander krachen und sich gegenseitig mit Pfeilen und Feuer beschießen – das macht einfach nur Spaß. Total War: Warhammer 2 hat die besten Schlachten der gesamten Reihe. Ein bisschen mehr strategische Tiefe wäre beim Managen der Formationen wünschenswert gewesen. Verschiedene Formationsformen- und -arten hätten die Schlachten auf leichtem Wege noch eindrucksvoller gemacht. Insgesamt kann sich aber jeder Strategiefan die eine oder andere Träne verkneifen, so viel Spaß machen die Schlachten.

Auch auf technischer Ebene ist Warhammer 2 der Zenit der Serie. Es ist kein Geheimnis, dass die Total War-Spiele keine technischen Meisterwerke sind und nicht nur Ressourcen-, sondern dank langer Ladezeiten auch Zeitfresser sind. Die Ladezeiten in Warhammer 2 gehen wesentlich schneller vorüber als noch in Warhammer 1 oder Attila. Dafür sind die Einheiten unverändert schön und detailliert gestaltet. Für einen Strategietitel in diesem Maßstab ist Total War: Warhammer 2 nicht nur eindrucksvoll, sondern auch wunderschön.


Unser Fazit:

Was für ein Brett! Ich hatte mit Total War: Warhammer 2 sogar noch mehr Spaß als mit seinem Vorgänger. Warhammer 2 ist der beste Teil der Reihe seit Shogun 2 und begeistert in beinahe allen Aspekten. Die Inszenierung, die Zwischensequenzen, die Vertonung? Ein Traum! Die Schlachten? Einfach nur episch! Lediglich an strategischer Tiefe fehlt es an einigen Stellen, vor allem in den Provinzen auf der Strategiekarte.

Dennoch: Total War: Warhammer 2 ist für Fans von actionreicher Strategie ein absolutes Muss und dank der einfachen Mechaniken gerade für Anfänger der perfekte Zeitpunkt, in diese legendäre Reihe einzutauchen.

Wertung: (4,7 / 5)

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