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ChromaGun im Test: Ich bemal’ die Welt, widde widde wie es mir gefällt

ChromaGun ist wahrlich kein neuer Titel. Die erste Version entstand in nur drei Tagen während des Ludum Dare Game Jam 32 im Jahre 2015. Bereits 2016 erschien der farbenfrohe First-Person-Puzzler in einer aufpolierten Version für den PC – 2017 folgten dann die Versionen für PlayStation 4 und XBox One. Allerdings ist die Switch-Version, die seit heute im Nintendo eShop verfügbar ist, ein Novum. Wir haben uns das Rätselspiel des deutschen Indiestudios Pixel Maniacs für euch angeschaut. Ob sich der Kauf der Switch-Version lohnt, erfahrt ihr in unserem Test.

Zugegeben, auf den ersten Blick sieht ChromaGun aus wie das uneheliche Kind von Portal und Splatoon. Allerdings können wir beruhigt sagen, dass der Titel von beiden Eltern nur das Beste geerbt hat. Somit dürfen wir uns einen Weg durch Testkammern bahnen, indem wir alles nach Herzenslust kunterbunt einfärben. Dabei wird unser Handeln durch sarkastische und teilweise zynische Sprüche aus dem Off kommentiert. Wenn man dann noch einen zweiten Blick riskiert, erkennt man das die Entwickler das bekannte Spielprinzip mit zahlreichen eigenen Ideen aufgepeppt haben.

Mit dem Fahrstuhl begeben wir uns zu den Laboren von ChromaTec. Wir haben uns, aufgrund unserer außergewöhnlichen Fähigkeiten, für die Teilnahme an einem Test für militärische Waffen qualifiziert. Immerhin beherrschen wir die grundlegende Farblehre. Warum wir uns überhaupt für den Test beworben haben, wissen wir nicht. Und das ist der einzige wirkliche Schwachpunkt von ChromaGun: Die Story. Zwar gibt es ein paar Momente die für die Geschichte wichtig sind, insgesamt bleibt sie jedoch relativ flach.

Zum Glück heißt fehlende Story nicht gleich fehlender Spielspaß, denn hier weiß der Titel sehr wohl zu überzeugen. In ungefähr 60 Testkammern müssen wir unser Können unter Beweis stellen um den Ausgang zu erreichen. Grundsätzlich gilt: Objekte mit gleicher Farbe ziehen sich gegenseitig an. Versperrt ein gelber WorkerDroid die Tür, färben wir die nahegelene Wand ebenfalls gelb ein. Der Droide macht uns darauf hin den Weg frei. Klingt im ersten Moment recht einfach und das ist es auch – bis die restlichen Primärfarben Rot und Blau hinzukommen. Wir können jederzeit zwischen den verschiedenen Farben wechseln – wie unterschiedliche Munition. Färben wir ein Objekt blau ein und legen mit einem Schuss roter Farbe nach, wird das Objekt lila. Mischen wir allerdings drei Farben miteinander, erhalten wir eine gräuliche Farbe mit der sich rein gar nichts anfangen lässt.

Spätestens wenn wir die WorkerDroids zu Schaltern manövrieren müssen, aber nicht jede Wand einfärben können, wird es schon komplizierter. Auch Droiden, deren Farbe wir nicht ändern können, machen uns das Leben schwer. Oder Wände, die unser farbenfrohes Kunstwerk nach kurzer Zeit von selbst entfernen. Zudem reagieren einige der Droiden ein wenig gereizt, wenn wir ihnen zu nahe kommen oder sie mit Farbe beschießen. Die aggressiven Verfolger sind durchaus in der Lage uns zu töten – bis wir sie mit einem Klecks Farbe an die Wand fesseln. Doch auch Kraftfelder, die nur Farbe durchlassen, und elektrische Bodenplatten fordern uns zunehmend heraus.

Einziger spielerischer Kritikpunkt ist die Tatsache, dass man sich bei ChromaGun sehr schnell in die Sackgasse gemalt hat. Dabei ist es egal ob man die falsche Farbmischung an die Wand geklatscht, oder ob man sich selbst eingesperrt hat: Das Spiel verzeiht nichts. Bemalte Objekte lassen sich nur durch einen Neustart des Levels in ihren Ursprungszustand versetzen. Aber durch das kompakte Leveldesign und die geringe Länge der einzelnen Abschnitte fällt dieser Kritikpunkt kaum ins Gewicht – da geht es eher um den persönlichen Frust.

Insgesamt haben die Jungs und Mädels von Pixel Maniacs beim Gameplay von ChromaGun sauber abgeliefert. Die Lernkurve ist gut ausbalanciert und fordert den Spieler, ohne ihn zu überfordern. Zwischendurch schwankt der Schwierigkeitsgrad zwischen “einfach” und “komplex”, aber die einfachen Level lassen sich zum durchatmen nutzen. Durch zahlreiche Kombinationen der verschiedenen Elemente hat man nie das Gefühl eine Testkammer bereits schonmal betreten zu haben. Doch auch die Spieldauer der einzelnen Testräume ist ein großer Pluspunkt: Sie ist ideal für Bus- oder Zugfahrten und somit eignet sich das Spiel perfekt für die Nintendo Switch.

Auch die technische Seite von ChromaGun kann überzeugen. Die Steuerung mit dem Controller ist sauber umgesetzt und geht flüssig von der Hand – auch bei hektischen Passagen. Die Sichtempfindlichkeit lässt sich einstellen und die Y-Achse lässt sich invertieren. Auch die Vibrationsfunktion lässt sich ein- oder ausschalten. Außerdem haben die Entwickler dem Spiel einen Farbenblind-Modus spendiert. Dieser kennzeichnet die verschiedenen Farben zusätzlich mit Symbolen. Die Ladezeiten zwischen den Testkammern fallen mit wenigen Sekunden überaus positiv auf. Auch bei der Framerate konnten wir keine gravierenden Einbrüche feststellen.

Audiovisuell muss sich ChromaGun vor den vielen anderen Indie-Games, die es für die Nintendo Switch gibt, nicht verstecken. Das Leveldesign wird durch viele weiße Wände mit einigen Formen und Linien als Kontrast dominiert. Dies mag auf den ersten Blick recht langweilig klingen, ist aber durchaus sinnvoll: Die Entwickler erleichtern auf diese Weise die Orientierung und verzichten auf überflüssige Deko-Elemente. Zudem passt die Grafik hervorragend zum allgemeinen Stil des Spiels. Untermalt wird unsere farbenfrohe Wanderung durch die Testkammern mit einem Ambient-Soundtrack. Dieser fügt sich wunderbar in das Gesamtbild ein. Ansonsten lauschen wir meist dem Klang unserer ChromaGun – oder der Stimme aus dem Off. Freunde der englischen Sprache können die Tonspur in den Einstellungen ebenfalls auf englisch stellen. Insgesamt hinterlässt der First-Person-Puzzler einen guten Eindruck was Grafik und Sound angeht.

Unser Fazit:
Die Pixel Maniacs aus Nürnberg haben mit ChromaGun einen Titel erschaffen, der sich hervorragend für die Nintendo Switch eignet – und das vor fast 3 Jahren. Sieht man über die dünne Story hinweg, bieten sich einige Stunden Spielspaß. Die Spieldauer der Level ist perfekt um sich die Busfahrt, die Zugfahrt oder die Mittagspause zu versüßen. Es gibt zahlreiche Testkammern, die einiges an Hirnschmalz abverlangen. Optisch und klanglich steht das Spiel vielen Indie-Titeln in nichts nach – und die Performance passt auch. Rätsel-Freunde dürfen also bedenkenlos zugreifen.

Wertung: (4 / 5)

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