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The Crew 2 im Test: Spaßiger Racer oder platter Reifen?

Vor etwas mehr als 3,5 Jahren erschien The Crew – mit diesem Spiel wollte Ubisoft dem Genre der Arcade Racer frischen Wind einhauchen. Was folgte war jedoch eine enttäuschende Engine, ein schwammiges Fahrgefühl und eine größtenteils unglückliche Community. Inzwischen ist The Crew 2 erschienen und soll alles besser machen, als sein Vorgänger. Mehr Vielfalt, eine größere Welt und nahezu unbegrenzte Freiheit sollen die Probleme des Erstlings lösen. Ob das wirklich gelungen ist, erfahrt Ihr in unserem Test

Auf dem Arcade-Racing-Markt sieht es aktuell recht dünn aus. Kein neuer Ableger von Midnight Club, kein neues Burnout und Need for Speed ist seit 15 Jahren nur noch ein Schatten seiner selbst. Neben Forza Horizon gibt es also keinen ernsthaften Konkurrenten auf dem Markt. Das Entwicklerstudio Ivory Tower wollte das mit The Crew 2 ändern und einen Open World Racer auf den Markt bringen, der uns nicht nur auf dem Boden unterhält, sondern auch zu Wasser und in der Luft. Dazu eine frei befahrbare Spielwelt, die uns im Vergleich zum ersten Teil, direkt von Beginn an offensteht. In der Theorie klingt das alles sehr gut – doch wieso es in der Praxis hapert, erläutern wir in den nächsten Zeilen.

The Crew 2 01

Zu Beginn wählt Ihr euren Fahrer oder eure Fahrerin aus. Gespickt sind die mit kitschig-motivierenden Sprüchen, die euch überzeugen sollen euch mit eurem Fahrer oder eurer Fahrerin zu identifizieren. Habt ihr euren Fahrer ausgewählt, startet Ihr die Story von The Crew 2 und befindet euch im ersten Tutorial-Rennen. Schnell merkt man: Man wollte im Story Modus super hip und trendy sein – landete aber leider knietief in der Fremdscham-Kiste. Mit steigenden Followern schaltet ihr nach und nach neue Rennen und Challenges frei. Follower sind quasi euer Fortschritt.

Bereits während der ersten Rennen fällt direkt der größte Kritikpunkt an The Crew 2 auf: Die künstliche Intelligenz. Ein Rennspiel, das kaum bis keine Fehler verzeiht, kann man machen – aber dann muss es technisch und auch inhaltlich verdammt gut gestaltet sein. Leider ist The Crew 2 beides nicht. So führt es oft dazu, dass Ihr ein Rennen vier oder fünf Mal starten müsst, weil Ihr eine Kurve übersehen habt, zu früh abbremst oder an einer unsichtbaren Kante hängenbleibt. Eine Rückspul-Funktion oder etwas Vergleichbares gibt es nicht.

The Crew 2 02

Egal wie gut ihr fahrt, die KI ist euch durchgehend knapp auf den Fersen und sobald Ihr euch einen Fahrfehler leistet, brettern die Computergegner an euch vorbei. Je nachdem wie grob dieser Fehler war, ist das Rennen daraufhin für euch gelaufen. Gerade bei Nacht kann das sehr frustrierend sein – denn dafür ist der Streckenverlauf zu schlecht gekennzeichnet. Nicht selten musste ich wegen solchen Lappalien ein Rennen kurz vor dem Ende noch mal neustarten. Das hat ein Midnight Club bereits vor vielen Jahren besser gemacht.

Ist das Rennen geschafft, hagelt es neue Follower, Geld und Loot. Letzterer ist wirklich wichtig, denn ohne Loot könnt Ihr euer Fahrzeug nicht verbessern. Gerade zum Ende hin ist es wirklich essenziell, ein Rennen mehrfach zu fahren, um genug Verbesserungen für sein Fahrzeug zu bekommen. Macht Ihr das nicht, werdet Ihr im hinteren Verlauf kaum noch ein Rennen gewinnen. Grind ist also notwendig. Die Events selber können direkt von der Karte gestartet werden, sodass Ihr nicht extra hinfahren müsst.

The Crew 2 03

Entschließt Ihr euch aber doch selber hinzufahren, könnt Ihr die wirklich große Open World (eine eigene Version der kompletten USA) erkunden und zum Beispiel eine Stunde lang von Las Vegas nach New York fahren. Via Knopfdruck wechselt ihr dabei euer Vehikel und landet auf Wunsch im Boot oder im Flugzeug. Dieses Feature ist wirklich spaßig und zusätzlich könnt Ihr kleinere Challenges auf den Wegen absolvieren. Ihr fahrt die langen Wege also nicht umsonst. Der Detailgrad der Spielwelt und die Texturen kommen dabei nicht im Ansatz an den Detailgrad eines Forza Horizon heran. Die Spielwelt sieht unterm Strich zwar okay aus, stellt man es neben ein Project Cars oder ein Forza Horizon wirkt es allerdings wie ein Spiel, das bereits einige Jahre auf dem Buckel hat. Lediglich die Lichteffekte gehören lobend erwähnt. Wenn Ihr durch einen Vorort fahrt und die Sonne durch die Bäume scheint, sieht das schon sehr schick aus. Generell punktet das Spiel optisch in den Außenarealen, denn langweiliger und steriler könnten die Städte leider kaum aussehen. Gerade ein Las Vegas müsste nachts mit Lichteffekten und blinkenden Casinos ein Highlight sein – aber nein. Auch das in New York am Times Square tagsüber nur sechs Leute lang laufen, ist etwas traurig.

Obwohl das Spiel viele Singleplayer-Inhalte bzw. einen gesonderten Singleplayer-Modus besitzt, müsst Ihr durchgehend online sein. Wirklich verständlich ist das nicht. Wechselt Ihr in den Multiplayer-Modus, erwarten euch eine Anzahl an verschiedenen Events und eine Menge anderer Spieler, die die Gegend unsicher machen. Eine direkte Interaktion mit anderen Spielern gibt es dabei aber nicht. Nur über ein umständliches Menü könnt ihr Spieler in eure Crew einladen. Ein weiterer Punkt, den man bedeutend besser lösen könnte.

The Crew 2 04

Der Fuhrpark selber ist insgesamt solide. Auch hier sollte man keinen Vergleich zu anderen Rennspielen anstellen, denn dann wirkt The Crew 2 sehr überschaubar. Aber mit Marken wie BMW, Porsche, Ferrari oder Koenigsegg sind zumindest viele namenhafte Vertreter dabei. Lediglich die Tuning Einstellungen fallen wirklich etwas mager aus. Also in einem Need for Speed Underground konnte man vor 15 Jahren bedeutend mehr am Auto machen. So fühlt man sich an nahezu keiner Stelle motiviert, mehr als notwendig am eigenen Fahrzeug vorzunehmen. Auch hier wieder verschenktes Potenzial. Insgesamt gibt es also viele tolle Ansätze, aber keiner wurde wirklich zu Ende gedacht.

Unser Fazit:
Was soll ich sagen. An The Crew 2 ist per se nicht alles schlecht. Das Konzept ist in der Theorie nach wie vor super und kann auch durchaus Spaß machen, aber im Vergleich zu einem Forza Horizon hakt und fehlt es an jedem Punkt. Die Fahrphysik ist mehr als gewöhnungsbedürftig, die KI ist unfair und die Texturen sehen stellenweise wirklich altbacken aus. Man wollte mit The Crew 2 vieles besser machen, doch in meinen Augen ist das leider nur bedingt gelungen. Jeder Aspekt, der durchaus positiv ist und dem man Gutes abgewinnen kann, wurde von vielen Vertretern bereits bedeutend besser umgesetzt. So setzt man 2018 keine Maßstäbe.

Wer die erwähnten Schwächen ignorieren kann und einfach ein paar Rennen fahren möchte, kann sich The Crew 2 durchaus mal anschauen. Der Rest sollte eventuell lieber auf Forza Horizon 4 warten. Ich bin leider enttäuscht von The Crew 2. Wirkt alles nur bedingt zeitgemäß. Schade.

Wertung: (2,3 / 5)

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