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Ich lebe für den Moment


Was für eine langweilige Überschrift! Noch dazu kommt, dass diese ersten Sätze auch einen völligen Gegensatz zu besagter Überschrift bilden. Schließlich sollte ich ja, wenn ich denn für den Moment lebe, diesen auch besonders würdigen und nicht in eine langweilige Überschrift packen…
Wenn man aber etwas darüber nachdenkt, dann kommt man schnell zu dem Schluss, dass Gut nur durch Schlecht existiert und es somit auch schlechte Momente geben muss, damit man die Guten erkennt! Schluss damit!

Nach diesem einleitenden Gedankengulasch zu etwas Gehaltvollerem. Der Moment, den der gemeine Gamer liebt, ist der, den er als solchen gar nicht wahrnimmt. Der Moment, in dem Zeit und Raum so relativ werden, dass sogar Einstein die Luft wegbleiben würde. Solche Momente… habe ich leider nur noch viel zu selten. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie unglaublich unglaubwürdig der unglaubliche Anblick des ersten SNES war. Ich konnte damals gar nicht fassen, dass es etwas derartig wunderbares überhaupt geben kann. Noch heute erinnert mich das Ryu-Theme an meine erste Super Nintendo Street Fighter Session. Ich konnte weder damals noch heute widerstehen, meinen Fuß im Takt der 8-Bit Musik auf den Boden stampfen zu lassen. Dieser Moment war einfach magisch! Und eben von diesem Moment an wusste ich, dass Gaming einen wichtigen Teil in meinem Leben ausmachen wird. Mag sein, dass ich es nicht bewusst gewusst habe, aber ich habe es definitiv gefühlt und fühle es auch heute noch!

Glücklicher Weise war das nicht der letzte Moment, an dem ich eine Euphorie wie diese verspürt habe. Jedes mal, wenn ich zu einem Freund nach Hause gekommen bin und ich eine Spielekonsole im Raum stehen sah, wurde mir ganz anders. Ich habe so lange gebettelt, bis das Ding Saft hatte und war dann sogar schon damit zufrieden, einfach nur beim Spielen zusehen zu können. So habe ich es geschafft, Zelda: Ocarina of Time komplett durchzuspielen, ohne es selber gespielt zu haben. Noch heute kann ich das ganze Spiel gedanklich durchspielen. Bis zum Wassertempel, bei dem blöden Arsch hakt es jedes Mal…

Viele andere Titel, wie Ninja Gaiden oder Super Smash Bros. haben mich in ähnliche apathische Zustände versetzt, doch ich kann nicht auf jedes Spiel eingehen. Final Fantasy X war das nächste Highlight in meiner Karriere als Gamer. Ich habe das Spiel geliebt! Aufrichtig und authentisch geliebt. (Ja ja ja ich weiß, das 8er ist eh viel mehr cool und das 7er sowieso das allerbeste das wo es gibt und so…)
Ich habe 500 Spielstunden auf einem Save und höre noch heute den genialen Soundtrack. Die Momente, an denen ich es gespielt habe, ließen mich in eine andere Welt eintauchen. In eine Welt, in der es keine Zeit und anderen unnützen Scheiß gibt! Das soll nicht heißen, dass ich mich in eine andere Welt flüchten wollte oder will, weil mein Leben doof war oder ist. Ganz im Gegenteil! Genau solche Momente haben mein Leben enorm bereichert.

Doch wie anfangs schon erwähnt, hatte ich solche Erlebnisse schon lange nicht mehr… Das letzte Spiel, dass mich so faszinierte, war Metal Gear Solid: Snake Eater. Epische Story, fantastische Umsetzung, hammer Setting und der wohl mit Abstand emotionalste Bossfight überhaupt! Einfach brilliant!

Doch seit dem Moment, an dem meine Euphorie für dieses Spiel nachgelassen hat, gab es keinen Moment mehr, an dem ich durch das Zocken – und wenn auch nur für einen kurzen Moment – den momentanen Moment vergessen konnte, weil er eben so fantastisch gewesen wäre. Ich zocke auch heute noch gern und mit Leidenschaft. Ich liebe auch heute noch Street Fighter und spiele die aktuelle Version. Ich spiele neue Final-Fantasy-Teile und finde sie gut. Ich höre gerade im Moment Snake Eater im Hintergrund und warte auf einen neuen Moment, der mich wieder fesselt. Ich denke darüber nach, ob es an mir liegt, oder ob die Qualitäten der Spiele heute andere sind. Ich weiß es nicht.!

Also warte ich weiter, in der stummen Hoffnung, dass im Moment einer der solchen Momente ist, den es nur gibt, um die Existenz solcher Momente zu ermöglichen, derer man sich erst dann bewusst wird, wenn sie vorbei sind und merkt: Ich lebe für diesen Moment!

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