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inFamous: Second Son – Der PS4-Actionkracher im Test

inFAMOUS Second Son
Die Erwartungen an inFamous: Second Son sind hoch. Zum einen ist das Spielangebot der PlayStation 4 seit ihrem Release im letzten Jahr eher dünn und kommt nur langsam in Fahrt und zum anderen führt Second Son eine der besten Open World-Exklusives auf der PS3 fort. Kann inFamous Second Son nun die hohen Erwartungen erfüllen? Im nachfolgenden Test erfahrt ihr es!

Das inFamous-Franchise fand im Serien-Erstling 2009 seinen Anfang. In der Hauptrolle glänzte Cole McGrath mit seiner elektrisierenden Superkraft. Durch eine Explosion erlangte Cole den Status eines Conduit und damit die Macht über die Elektrizität. Darauf aufgebaut bot inFamous ein Karma-System und Superhelden-Gameplay in einer offenen Welt. Durch gute oder böse Aktionen sammelte der Spieler entsprechende Karmapunkte und schaltete so Skills der jeweiligen Seite frei. Die Serie setzte sich 2011 in inFamous 2 fort und bot im Grundlegenden das Gleiche wie der Vorgänger: Eine frei begehbare Welt, ein Karma-System, Fähigkeiten der guten oder bösen Seite und coole Parcour Moves. InFamous zeichnete sich vor allem durch das grundsolide Gameplay und den hohen Wiederspielwert aus. Die Welt hatte durch ihre Collectibles und Reaktionen auf das Verhalten des Spielers eine einsaugende Wirkung. Letztlich war inFamous 2 besser, größer und ausgefeilter als der Vorgänger, innovativ oder revolutionär war es aber nicht. Bemängelt wurde ebenfalls das etwas steife Storytelling in Form von Comic-Sequenzen.

Second SonSieben Jahre nach dem guten Ende von inFamous 2 setzt Second Son an. Nachdem die Angst vor den Conduits, in ihren Kräften differenziert und quer über die Naturgewalten verteilt, Überhand genommen hatte, wurde eine Polizeiregierung in Seattle in Form der DPU eingerichtet und die Conduits als Bioterroristen verfolgt. Das Ergebnis ist eine Militärdiktatur, die neben den Conduits auch jeden Sympathisanten wegzusperren versucht. Mittendrin Delsin Rowe, der neue Protagonist von Second Son, 24 Jahre jung, Rebell und Straßenkünstler. Er lehnt den Polizeistaat ab, die Kunst ist seine Waffe gegen die Propaganda. Leider ist er der Bruder eines Polizisten und ist entsprechend schlecht auf diesen zu sprechen.

Nachdem ein Gefangenentransport einen Conduit vor seine Füße spült, lernt Delsin seine ganz eigene Fähigkeit auf die harte Tour kennen: Er kann die Fähigkeiten der Conduits absorbieren und übernehmen. Kurzerhand erlernt Delsin Rowe die Rauch-Fähigkeit des Sträflings und verwandelt sich somit selber in einen Conduit. Als wäre das nicht genug, trifft er wenig später auf die DPU – und dort treffen wir als Spieler direkt die erste von zahlreichen Karma-Entscheidungen. Diese sind zwar nach wie vor mit dem Holzhammer ins Spiel gekloppt, sie bringen uns dennoch hin und wieder in einen Gewissenskonflikt. Die klare Trennung zwischen Gut und Böse liefert zwar klare Orientierungshilfen, das macht Entscheidungen aber nicht zwangsweise einfacher.

Infamous Second Son

Mehr sei über die Story rund um den Systemkritikern Delsin nicht erzählt, eines ist aber klar: Sucker Punch vollführt mit Second Son einen eindeutigen Stilbruch. Nicht nur ist Delsin Rowe selber nun ein jugendlicher Rebell, auch die Ernsthaftigkeit (und Steifheit) der Dialoge aus den Vorgängern fehlt. Der starre und ernste, dafür auch flach skizzierte Cole McGrath hebt sich stark vom jugendlichen Leichtsinn des Delsin Rowe ab. Delsin ist überzeugend gezeichnet und passt in seine erfrischende Rolle. Dringende Voraussetzung ist aber, dass man als Spieler die Änderung akzeptiert. Es verhält sich ähnlich wie 2013 beim Devil May Cry-Reboot: Nicht jeder konnte sich vom neuen Design von Dante begeistern lassen. Hatte man es aber akzeptiert, lieferte die Neuausrichtung einen erfrischenden Touch. Die starre Erzählweise der Vorgänger über Story-Panels wurde ebenfalls einer Generalüberholung unterzogen. Normale Zwischensequenzen wurden eingeführt und sind weiterhin dominant, während Comicsequenzen coole Flashbacks oder Erzählungen bieten. Damit hat Sucker Punch genau die richtige Gewichtung getroffen.

Infamous Second Son
Auch im Gameplay spiegelt sich dieser Neustart wider. Während Cole MacGrath mehr oder weniger auf die Elektrizität beschränkt war, stehen Delsin eine ganze Reihe unterschiedlichster Fähigkeitsstränge zur Verfügung. Neben der Rauch-Fähigkeit gibt es beispielsweise auch die Neon-Kraft. Diese kann man sich als violette Version der elektrisierten Kraft vorstellen, mit der man neben den normalen Blitzen auch Schockwellen erzeugen kann. Abseits der üblichen Feuer-Wasser-Erde-Geschichte liefert Sucker Punch originelle Versionen der Conduits und das tut dem Spiel auch gut. So waren in den Vorgängern die “Elektro-Conduits” klar in der Mehrzahl – Abwechslung suchte man vergebens. Zu dieser grundsätzlichen Neuauslegung kommen Kleinigkeiten, wie beispielsweise die Möglichkeit, ohne Zielen und aus dem Lauf Geschosse zu verschießen. Zudem wurde der Touchscreen des Dualshock 4-Controllers sinnvoll in das Gameplay eingebaut. Während die meisten Spiele den Touchscreen maximal für simple Menüführungen nutzen, wird dieser nun für kleine Interaktionen in der Spielwelt eingesetzt. Das ist zwar ein Fortschritt, aber da geht noch mehr! Darüber hinaus geht das Kampfsystem flüssig vonstatten und begeisterte mich direkt. Schon durch den “Dash”, also eine schnelle Bewegung vorwärts, ist man im Kampf besonders flexibel. Dazu kommen neben den tödlichen Attacken und Flächenangriffen auch nicht-tödliche Alternativen, wie Schwefelbomben.

Second Son ist der erste Teil der Serie, der sich eine reale Stadt als Vorbild nimmt. Während die beiden Vorgänger in fiktiven Städten spielten, steckt Sucker Punch für Second Son viele Mühe in die detaillierte Modellierung von Seattle. Wir erinnern uns: GTA IV wurde aus dem Grund nicht nach New York verfrachtet, um Kritik an der realistischen Nachbildung der Metropole erst gar keinen Raum zu geben. Dieser möglichen Kritik stellen sich Sucker Punch und entwerfen ein zwar nur durchschnittlich großes, aber sehr verwinkeltes Seattle: Für die Nord-Süd-Durchquerung braucht Delsin auf Schusters Rappen ungefähr 10 Minuten. Die generelle Nachbildung der Stadt ist Sucker Punch überraschend gut gelungen. Das verstärkt den Spaß dann nicht unwesentlich, wenn man über die Dächer der Stadt hüpft. Zwar ist das Parcour-System flüssig und angenehm, leider aber nicht so ausgereift wie das eines Assassin’s Creed. Nicht jede Kante wird einwandfrei gegriffen, manche Sprünge sehen obskur aus. Nichtsdestotrotz erfüllen die Kletterpartien von Second Son ihren Zweck.

Second Son
Ein Grund, warum vielen Spielern beim Anblick der Trailer von inFamous: Second Son die Kinnlade gen Hades fiel, war die Grafik. Zwar stellt man an eine neue Konsole vergleichsweise hohe Ansprüche, diese versprachen aber dennoch übertroffen zu werden. Die finale Version des Spiels erfüllt beinahe alle Versprechen der Trailer: Die Lichteffekte sind schön, die Charaktere mit scharfen Texturen bezogen und die Kantenglättung funktioniert “like a Glove”. Lediglich einige Texturen im Hintergrundbereich und stellenweise im Charakterdesign sind überraschend matschig. Spätestens, wenn Delsin aber seine Fähigkeiten loslässt, sind diese kleinen Fehler vergessen. Die Ausführung der Fähigkeiten ist dermaßen flüssig und ansehnlich designt, dass im Kampf ein wahres Grafik-Feuerwerk entfacht. Man merkt, dass man lange nicht an der technischen Grenze der PlayStation 4 kratzt und auch inFamous: Second Son erstickt Hoffnungen für eine glänzende Zukunft dieser Konsolengeneration nicht im Keim.

Subtil, aber passend werden die Missionen von begleitender Musik untermalt. Lediglich die deutsche Sprachausgabe ist – vor allem bei Nebencharakteren und Passanten – eher suboptimal. Für die Hauptcharaktere reicht es aus, die englische Sprachausgabe ist aber, wie bei vielen Spielen, wesentlich überzeugender.

Infamous Second Son

Unser Fazit:
Einen gelungenen Action-Titel wie inFamous: Second Son hätte die PS4 bereits zum Release gebraucht! Sieht man über minimale visuelle Bremser hinweg und freundet sich mit der Neuausrichtung der Charaktere an, erlebt man ein fulminantes und spaßiges Open-World-Abenteuer. Die Entscheidung, viele verschiedene statt nur einer Fähigkeitenart einzuführen, war definitiv die Richtige. Second Son glänzt durch seine Vielfältigkeit. Ein realistisch nachmodelliertes Seattle, ein überzeugender Protagonist und eine erfrischende Art des Storytellings versprechen jedem Fan der Reihe viele spaßige Stunden in der Haut von Delsin Rowe. Cole, du hast einen würden Nachfolger gefunden!

Unsere Wertung:InFamous Second Son Rebelgamer Wertung

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