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Dark Souls 2 im Test – Baby, don’t hurt me…

Dark Souls 2

Dark Souls 2. Der Klang alleine löst in vielen Spielern pure Ehrfurcht aus. Obwohl ich erst gestern versucht habe zu beweisen, dass Dark Souls fair, halb so schlimm und sogar sehr belohnend sein kann, mag so Mancher noch mit dem Kauf des Nachfolgers zögern. Heute erscheint Dark Souls 2 endlich auch für den PC und ist nun auch für die Tastaturhelden zugänglich. Warum ihr, wenn ihr eurer Angst freien Lauf lasst, eins der besten Rollenspiele der letzten Jahre verpasst – das erzähle ich euch gerne.

Recht passend war die PC-Version von Dark Souls 2012 mit “Prepare to Die Edition” untertitelt. Die vor 2 Jahren erschienene PC-Version hatte zwar alle Zusatzinhalte, gleichzeitig aber auch eine versterbende Technik. Nicht wenige Spieler erinnern sich an die verheißungsvolle Schandstadt, die spielerisch schon schwer genug war. Dank der extrem schlechten Framerate mutierte die Stadt jedoch zum Schlachthaus. An diversen Stellen von Dark Souls griff nicht der Gegner, sondern die schmierige Pranke schlechter Technik nach dem Spielerleben. Zwar machte From Software aus ihren dürftigen Portierungskünsten keinen Hehl, ein Modder mit dem schneidigen Namen Durante konnte das Spiel dank diverser Fixes aber noch retten. Jetzt, zwei Jahre später, stellt dieser Umstand ganz besondere Ansprüche und Erwartungen an den Nachfolger aus dem Hause From Software. Bevor wir zum Spiel selbst kommen, möchte ich euch vorher erzählen, wie sich die Technik denn in den zwei Jahren weiterentwickelt hat.

Dark Souls 2

Während Dark Souls 2012 auf den Rechenmaschinen stark mit der Technik kämpfen musste, scheinen die Jungs und Mädels von From Software aus ihren Fehlern gelernt zu haben. Die bei Dark Souls erst durch den Fan-Fix freigeschaltete Full HD-Auflösung samt Anti-Aliasing ist bei Dark Souls 2 nun endlich nativ enthalten. Dazu gibt es noch die obligatorischen, nicht zu komplexen Einstellungsmöglichkeiten in Sachen Grafik. Das Spiel läuft nun durchgängig mit 60 Frames per Second und bietet uns deswegen ein flüssiges Gesamtbild. Dazu passen auch die – laut Hesteller – “kinoreifen Motion Capture-Animationen”, die insgesamt sehr rund wirken und aus mehr Bewegungsabläufen bestehen. Während Bewegungen des Vorgängers oftmals durch zu wenige erfasste Zwischenbewegungen abgehackt wirkten, ist das bei Dark Souls 2 nicht mehr der Fall. Sämtliche Abläufe, ob in der Bewegung oder im Kampf, wirken schön rund.

Auch wenn man die Bemühungen von From Software in Sachen Technik als willkommene Änderung sehen kann, darf man bei Dark Souls 2 keinesfalls ein Grafikwunder erwarten. Wie auch schon die Vorgänger keine visuellen Meisterwerke waren, weist Dark Souls 2 an vielen Ecken unscharfe Texturen oder nicht zur vollen Schönheit modellierte Charaktere auf – aber das muss es auch gar nicht. Hier und da lässt uns Dark Souls die Kinnlade durch schöne Beleuchtungen und gewohnt eindrucksvolles Leveldesign aufklappen, der selbe Anspruch wie etwa an ein Crysis oder Metro: Last Light besteht da dennoch nicht. Die Levels sind eindrucksvoll designt und enthalten nun vermehrt solche Gebiete, die im Vorgänger für Staunen sorgten. Dazu gehören erleuchtete, farbenfrohe Segmente (wie Anor Londo in Dark Souls), die auch in einem düsteren Spiel wie Dark Souls 2 vorhanden sein dürfen und sollen. In Dark Souls 2 geht es letzt aber hauptsächlich um das eigentliche Spielerlebnis, den händeringenden Kampf mit jedem Gegner. Und da glänzt Dark Souls 2 in alter Gewohnheit. Letztlich sind die Grafikeinbußen auch nur sehr kleine Kritikpunkte, denn Dark Souls 2 liefert ein stimmiges und schönes Gesamtbild ab.

Dark Souls 2

So ähnlich die drei Souls-Spiele in ihrer Geschichte sind, jeder Titel hat eine ganz eigene Herangehensweise an die eigene Hintergrundstory. Während Demon’s Souls noch mitten in der “Zerstörung der Welt” steckte und damit eine dynamische Geschichte zu erzählen wusste, strich Dark Souls das Wort “lebending” buchstäblich aus der Story und legte mehr Fokus auf den Fluch der Untoten. Die Mythologie hinter Dark Souls, vor Allem über die großen Fürsten, wurde in Dark Souls näher beleuchtet. Dabei kam oftmals der Fluch selber in seiner Erklärung zu kurz und erforderte so viel (erfolgreiche) Forschung seitens der Community. So konnte auf YouTube mit der “Prepare to Cry”-Videoreihe ein schöner Einblick in die Geschichte gewährt werden. Der Fluch der Untoten selbst stellt nun bei Dark Souls 2 ein Kernthema der Erzählung dar. Diese gibt Auskunft, wie sich der Fluch verhält, was er mit den Verfluchten tut und wie hoffnungslos doch eigentlich das Bestreben der Untoten sei, den Fluch zu brechen. So seid auch ihr wieder nur einer der vielen Verfluchten, der sich gegen sein Schicksal wehren möchte, bevor er – wie viele vor ihm – den Verstand verliert. Das, was die Community in eigener Arbeit vorher schon erarbeitet hat, wird in die Geschichte von Dark Souls 2 eingebunden.

Habt ihr euch durch den umfangreichen Editor gekämpft, startet ihr in einer Art Tutorial mit dem unglücklichen Namen “Dazwischen”, welches euch alle wichtigen Bewegungen in Aktion üben lässt und euch am Ende bei drei älteren Damen ausspuckt. Diese erinnern euch an euren Fluch. Kurz darauf werdet ihr in die Welt entsendet und gelangt sogleich in die Siedlung Majula, die in ihrer Funktion an den Nexus aus Demon’s Souls und den Feuerband-Schrein aus Dark Souls erinnert und als Knotenpunkt fungiert. Von hier aus habt ihr Zugriff auf diverse Händler, ein Leuchtfeuer, eine sprechende Katze und die anliegenden Gebiete. Genau, eine sprechende Katze. Ihr dürft sie die schöne Shalquoir nennen. Au chanté.

Genauso wie es sprechende Katzen auch schon im Vorgänger gab, hat sich am Gameplay in Dark Souls 2 kaum etwas geändert. Nach wie vor kann das Equipment frei verteilt werden, anschließend könnt ihr eure Gegner anvisieren und mit eurem Prügel, eurem Bogen oder Magie malträtieren. Nach wie vor gibt es einen – diesmal etwas gelockerten – Multiplayer-Modus und nach wie vor sind die Blutflecken am Boden präzise Vorboten vergangener Fehler. Die Bewegungen im Kampf sind wie eingangs erwähnt etwas flüssiger als im Vorgänger, das System bleibt aber das gleiche. Lediglich der Tritt wurde mit einer Funktion zum Abwehrdurchbruch ersetzt. Zusätzlich wurden einige Bewegungen wie der Sprung vereinfacht. Nein, das Kampfsystem aber wurde – zum Glück – kaum angetastet.

Dark Souls 2

Die legitimen Änderungen im Gameplay finden sich eher auf funktionaler Ebene: Dark Souls 2 ist durch einige Luxusfunktionen näher an den Spieler gerückt. Das macht Dark Souls 2 zwar einfacher, aber lange nicht einfach – es ist nach wie vor eins der schwersten Rollenspiele auf dem Markt. Generell weißt Dark Souls 2 einen tendenziell sinkenden Schwierigkeitsgrad auf. Das macht das Spiel aber eher angenehmer als zu einfach, denn der Sprung ist nur ein Kleiner. Am Leuchtfeuer kann man sich nun zu anderen Leuchtfeuern teleportieren, dieser Luxus war den Spielern von Dark Souls erst ab der Mitte des Spiels vergönnt. Zusätzlich können Stats nun mit speziellen Items zurückgesetzt und bei Trainern am Leuchtfeuer erhöht werden. Damit kommt Dark Souls 2 den Spielern entgegen und macht das Erlebnis etwas runder. Es rückt Dark Souls 2 aus der spielerischen Nische heraus. Das bedeutet letztlich weniger Frust und mehr Ansporn, die Gegend zu entdecken. Schließlich kann man sich ja immer wieder teleportieren – und verfehlte Builds kann es dank Reset auch nicht geben. Die User Interfaces und das Inventar wurden ebenfalls überarbeitet und wirken nun angenehmer, einfach moderner. Letztlich haben die Entwickler von Dark Souls 2 die funktionierenden Mechaniken, wie das Kampfsystem aus dem Vorgänger, konserviert und altbackene, bedürftige Features überarbeitet. So kommen Fans der Serie voll auf ihre Kosten, während sich der zweite Teil dennoch frisch anfühlt.

Ein sehr wichtiger Punkt der Vorgänger war immer die herausregende Synchronisierung. Jede Figur hatte eine exzellente englische Sprachausgabe, die immer zu der jeweiligen Figur gepasst und sie ganz prägend charakterisiert hat. Schließlich waren die NPCs kein kleiner Faktor bei der generierten Atmosphäre der Vorgänger. Auch in Dark Souls 2 hat jeder NPC diese kleine, so unendlich passende Verzweiflung in der Stimme. Auch wenn jede Synchronisierung das gemein hat, sie gibt jeder Figur einen ganz eigenen, markanten Charakter. From Software hat sich keinesfalls verschlechtert und bewegt sich auf dem Niveau eines Dark Souls. Damit gepaart haben wir einen – Vorbestellungen beiliegenden – Soundtrack, der sich wie gewohnt an das Gameplay anschmiegt, dabei aber außerhalb von Bosskämpfen sanft im Hintergrund bleibt.

Unser Fazit:
Von der Souls-Reihe in sich sollte man keine großen Innovationen erwarten, denn die Spiele selber sind innovativ genug. Dark Souls 2 ist ein genauso forderndes und belohnendes Spiel wie seine Vorgänger und beweißt echte Selbstreflexion. Die Entwickler bei From Software haben effektiv aus ihren Fehlern der letzten Portierung gelernt und Dark Souls 2, neben der jetzt überzeugenden Grafik, einen modernen und angenehmen Look verpasst. Die Gebiete sind abwechslungsreich und erfreulich hell, die Neuerungen absolut angebracht – wer allerdings den Vorgänger verschlungen hat, könnte etwas die Faszination des Vorgängers vermissen. Dark Souls 2 nimmt sich letztlich vieles aus dem Vorgänger und macht es besser. Die Entwickler erfinden das Rad nicht neu, machen es aber um einiges runder.
Ye who enter here… Enjoy the Ride!

Unsere Wertung:

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