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The Evil Within im Test: Brutal, heftig und verdammt gut

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Lange mussten wir warten, aber nun ist Shinji Mikami’s neuer Survival-Horror-Streich The Evil Within endlich erhältlich. In den nachfolgenden Zeilen verraten wir euch, ob sich der Kauf lohnt und ob The Evil Within den hohen Erwartungen gerecht wird. Also lasst uns keine Zeit verlieren! Aber seid gewarnt: Dieses Spiel ist nichts für zartbesaitete Naturen mit schwachen Nerven!

In The Evil Within übernehmen wir die Rolle des Cops Sebastian Castellanos, der zusammen mit seinen Kollegen Kidman und Joseph zu einer Nervenheilanstalt gerufen wird, da dort schreckliche Morde passiert sind. Dort angekommen bekommen wir ein Bild des Grauens präsentiert. In der Empfangshalle der Nervenheilanstalt liegen überall entstellte Leichen, die Wände sind blutverschmiert und überhaupt scheinen wir uns bereits zu diesem Zeitpunkt in einem fürchterlichen Albtraum zu befinden. Aber es kommt noch schlimmer: Noch bevor wir in die Ermittlungen einsteigen können, erscheint eine geisthafte Gestalt (die uns etwas an Alma aus F.E.A.R. erinnert) und wir finden uns von einer Sekunde auf die andere kopfüber in einem Schlachthaus wieder. Hier müssen wir mit ansehen, wie ein riesiger, blutverschmierter, Leatherface-Verschnitt gerade eine Leiche zerteilt. Und spätestens ab hier wird klar, dass Shinji Mikami den Spieler schockieren möchte – und genau das gelingt ihm, sehr gut sogar.

Etwas verstört von dieser heftigen Szene versuchen wir uns einen Weg aus diesem Albtraum zu bahnen. Wir schleichen uns erfolgreich am monströsen Schlachter vorbei und wir wähnen uns schon in Sicherheit. Doch dann passiert es: Ein unachtsamer Schritt (den man als Spieler nicht vermeiden kann, da geskriptet) sorgt dafür, dass der Alarm ausgelöst wird – der Schlachter ist uns nun auf den Versen und versucht uns mit einer Kettensäge zu zerteilen. Er erwischt uns am Bein und wir humpeln mit letzter Kraft an einem tödlichen Reißwolf vorbei, um uns dann in einen schützenden Fahrstuhl zu hechten. Geschafft! Das erste Kapitel – von insgesamt 15 – ist erledigt und unsere Nerven sind nach den ersten 20 Spielminuten schon ziemlich angenagt.

Und dieser eben geschilderte Einstieg gibt einen wirklich guten Eindruck davon, was euch in den darauffolgenden 15 Spielstunden erwartet – Horror am laufenden Band. Und genau das ist die Stärke dieses Survival-Horror-Trips. Shinji Mikami versucht in The Evil Within den Adrenalinpegel des Spielers konstant auf Anschlag zu halten. Das gelingt ihm auf zwei Arten: Zum einen schafft es Mikami den Spieler ständig in Alarmbereitsschaft zu versetzen, da quasi hinter jeder Ecke eine tödliche Gefahr lauern kann – jede für sich schrecklicher als die vorherige. Zum anderen setzt Mikami auf tolle Stilisierungseffekte, die seinesgleichen suchen. Ob er uns nun durch pulsierende Rotblenden in einen Fiebertraum schickt, oder ob er den Bildschirm komplett mit Blut tränkt – diese konsequnte Art der Inszenierung zieht sich durch das ganze Spiel und das verursacht beim Spieler Entsetzen und Staunen zugleich, denn audiovisuell werden wir quasi die komplette Spielzeit über gefordert, gereizt und bei Laune gehalten.

Apropos audiovisuell: Sowohl grafisch, als auch Sound-technisch ist in The Evil Within einiges geboten. Die Szenerie ist stets in ein stimmiges Licht- und Schattenspiel getaucht, durch Wälder wabern Nebelschwaden, die Umgebung ist unglaublich detailliert und wirkt aus einem Guss, obwohl wir hier und da durch geskriptete Ereignisse von einer Situation in eine völlig andere geworfen werden. Lediglich an manchen Stellen gibt es ein paar detailarme Texturen zu sehen. Aber der positive Eindruck überwiegt ganz klar. Leider lässt sich der 21:9 Modus nicht deaktivieren. So hat man immer schwarze Balken am oberen und unteren Bildschirmrand.

Was den Sound betrifft, gibt es ebenfalls kaum etwas zu meckern. Der Soundtrack unterstreicht die beklemmende Stimmung zu jeder Sekunde und unterstützt somit die intensive Atmosphäre. Und ja, auch die deutsche Synchronisierung ist sehr gelungen. Die Sprecher passen gut zu den jeweiligen Charakteren und die Dialoge sind im großen und ganzen ebenfalls in Ordnung.

Auch spielerisch erfüllt The Evil Within unsere Erwartungen. Gesteuert wird – wie in Resident Evil – aus der Third-Person-Perspektive und auch der Kameraausschnitt erinnert stark an Resident Evil 4. Spielt man auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad, dann ist die automatische Zielfunktion aktiviert, aber auch ohne geht das Zielen gut von der Hand. Aber um schießen zu können, braucht man erst einmal Munition und diese ist in The Evil Within Mangelware. Zumnindest auf höheren Schwierigkeitsgraden. Zu den Schusswaffen im Spiel zählen Revolver, Schrotflinte, Scharfschützengewehr und eine Armbrust, die sich mit verschiedenen Bolzen – etwa Spreng- oder Blendbolzen – bestücken lässt, die ihr euch wiederum aus herumliegenden Teilen bauen könnt. Kleiner Tipp: Betrachtet eure Umgebung genau. Oft übersieht man Fallen, die wertvolle Lebensenergie kosten. Entdeckernaturen werden darüber hinaus mit mehr Munition, Heilung und grünem Gel belohnt – dazu gleich mehr.

Die direkte Konfrontation sollte stets der letzte Ausweg sein, denn wirklich viel verträgt unser Held nicht. Und nimmt man dann doch einmal Schaden, dann kann man sich mit einer der Spritzen heilen, die man hin und wieder findet. Praktisch: Da es oft schnell gehen muss, gibt es ein Schnellauswahlsystem, dass es euch erlaubt, Items beliebig auf das Steuerkreuz zu legen. Das spart ihr euch in hektischen Situationen lebenswichtige Sekunden!

Die meiste Zeit im Spiel sind wir damit beschäftigt, uns behutsam durch die Welt zu bewegen. Per Tastendruck geht Castellanos in die Hocke und so kann man sich auch ohne größere Probleme an Feinde heranschleichen, die sich dann mit einem beherzten Stich in den Kopf ausschalten lassen. Übrigens: Sind Feinde in der Nähe, dann wird das in Form eines kleinen Auges angezeigt. Wurden wir entdeckt, dann öffnet sich dieses Auge. Dann heißt es Beine oder Waffe in die Hand nehmen. Alternativ kann man sich auch – ähnlich wie in Outlast oder Alien: Isolation – in einem Schrank oder unter einem Bett verstecken und warten bis die Gefahr vorüber ist.

Kleinere Rätsel gibt es in The Evil Within auch, aber diese sind meist relativ einfach zu lösen. So müssen wir einmal unsere Kollegin Kidman mit einer Zahlenkombination aus einem Wassertank befreien, und ein anderes Mal müssen wir Sonden anhand von Tonbandaufzeichnungen in Gehirne injizieren. Die Bosskämpfe sind da schon etwas anspruchsvoller. Hier muss man erst herausfinden, wie sich das jeweilige Albtraumwesen überhaupt bezwingen lässt und dabei werdet ihr mit Sicherheit ab und an den Game Over Screen zu Gesicht bekommen!

Abgesehen davon lernt unser Held im Laufe des Spiels auch dazu. Überall in der Welt ist grünes Gel verteilt, das man unbedingt einsammeln sollte, denn damit kann man die Fähigkeiten von Castellanos verbessern. Hierfür muss man durch Spiegel – auf den man immer mal wieder stößt – in eine Zwischenwelt reisen, in der man dann das Gel gegen ein paar Elektroshocks und bessere Fertigkeiten eintauscht. Auf diese Weise lässt sich die Fitness, die Tragekapazität und das Waffenhandling verbessern. Das nächste Bild zeigt, wie es aussieht, wenn man eine Fähigkeit verbessert. Da möchte man fast auf ein Upgrade verzichten oder?

Was die Story betrifft, möchten wir an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Nur so viel: Es bleibt bis zum Schluss spannend. Im Grunde wird man über weite Strecken des Spiels im Unklaren gelassen, was eigentlich vor sich geht. Mikami nimmt sich alle Freiheiten und verzichtet auf einen klaren roten Faden. Und das ist unserer Meinung nach auch gut so. Das ganze Szenario wirkt tatsächlich wie ein interaktiver Albtraum – genauer gesagt 15 interaktive Albträume (Kapitel) – deren Zusammenhang sich jeder Spieler anders erschließen wird. Spieler, die auf klare Erzählstränge stehen und die Interpretationsspielräume eher nervig finden, werden an dieser Stelle vielleicht etwas enttäuscht.

Zum Schluss noch ein paar Sätze zum Gewaltgrad. Dieser fällt in The Evil Within – wie ihr sicherlich beim Lesen der bisherigen Zeilen schon gemerkt habt – ziemlich krass aus. Wer kein Blut sehen kann, oder wer findet, dass abgetrennte Gliedmaßen in einem Videospiel nichts zu suchen haben, der sollte einen Bogen um The Evil Within machen. Wir finden jedoch, dass diese drastische Inszenierung in diesem Fall durchaus berechtigt ist und für eine noch beklemmenderes Spielerlebnis sorgt – und genau das wünscht man sich als Survival-Horror-Fan.

httpv://youtu.be/nxlo67zhOWc

Unser Fazit:
Shinji Mikami hat es mit The Evil Within tatsächlich geschafft, die Messlatte für Survival-Horror-Spiele ein gutes Stück anzuheben. Hier bekommt der Spieler genau das geboten, was er in den letzten Resident-Evil-Teilen vermisst hat – Horror pur! Eine einfallsreiche Inszenierung sorgt dafür, dass nie Langeweile aufkommt, durch gekonnten Einsatz passender Stilmittel wird man als Spieler förmlich in die Spielwelt gesogen und gerade wenn man meint, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann, wird man eines besseren belehrt. Wer also auf Survival-Horror steht, der sollte sich The Evil Within auf keinen Fall entgehen lassen. Mehr davon!