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Hardcore Henry: Ein abgefahrener Ego-Trip

Am 14. April läuft Hardcore Henry in den deutschen Kinos an. Hier handelt es sich um einen ganz besonderen Film. Schon alleine aus dem Grund, dass der komplette Streifen in der Ego-Perspektive gedreht wurde. Ich habe mir den Film für euch angesehen und ich möchte euch in den kommenden Zeilen kurz erläutern, was euch erwartet und ob sich der Kinobesuch lohnt.

Ganz ehrlich: Meine Erwartungen waren nie wirklich hoch. Die ersten Szenen in Teasern und Trailern haben mich nicht vom Hocker gehauen, aber alleine der Fakt, dass der Streifen komplett in der Ego-Perspektive erzählt wird, hat mein Interesse geweckt. Hier stellt man sich sofort die Frage: Kann es überhaupt funktionieren, einen Film über 90 Minuten hinweg unterhaltsam in der Ego-Perspektive erzählen? Die Antwort: Ja, es geht. Überraschend gut sogar.

Und das liegt im Falle von Hardcore ganz einfach an der Inszenierung. Der Regisseur Ilya Naishuller und sein Team haben es geschafft, in nahezu jeder Minute des Films für Überraschungen zu sorgen. In diesem Film erwarten euch krasse Stunts, unerwartete Wendungen und abgefahrene Szenen am laufenden Band. Langeweile kommt quasi nie auf.

Hardcore Henry 1

Natürlich gibt es auch einiges zu kritisieren. Die CGI-Effekte können teilweise nicht überzeugen. Das ist sehr schade, da der Film ansonsten optisch einen wirklich guten Eindruck macht. Die Story ist auch eher lahm: Der Zuschauer erlebt den Film aus der Perspektive von Henry, einer kybernetische Kampfmaschine. Henry wird von seiner Frau Estelle (Haley Bennett) ohne Erinnerungen wieder zum Leben erweckt. Und noch bevor Henrys Sprachmodul aktiviert werden kann, stürmen Söldner die Forschungseinrichtung und entführen Estelle. Und was macht eine kybernetische Kampfmaschine, deren Frau entführt wird? Richtig! Sie prügelt, schlitzt und ballert sich durch die Gegend, um den bösen Buben das Handwerk zu legen.

Dafür überzeugen die herrlich überzogenen Charaktere, die direkt aus einem Videospiel entsprungen sein könnten. Da ist etwa Akan (Danila Kozlovsky), der Bösewicht, der irgendwie etwas an Pagan Min aus Far Cry 4 erinnert – nur mit Superkräften. Oder auch Henrys Sidekick Jimmy (Sharlto Copley), der immer einen lässigen Spruch auf den Lippen hat. Henry selbst verliert übrigens im ganzen Film kein einziges Wort, was doch sehr an Gordon Freeman aus Half-Life erinnert.

Hardcore Henry 2

Und auch sonst erinnert der Film an vielen Stellen an ein Videospiel. Es wird geballert, Fäuste und Granaten fliegen durch die Gegend und manche Sequenzen wirken wie Missionen aus einem Ego-Shooter: „Säubere das Gebiet X“, „Verfolge die Zielperson Y“ oder „Vereitle die Pläne von Z“ – so oder so ähnlich könnte man die einzelnen Abschnitte des Films betiteln. Da wundert es einen fast, dass während des Films keine Quick-Time-Anzeigen zu sehen sind.

Um noch einmal kurz auf den Ego-Look einzugehen: Der Film funktioniert aus dieser Perspektive wirklich gut. Es gibt lediglich ein oder zwei Sequenzen, in denen mir das Ganze etwas zu hektisch wurde. Wer jedoch keine Lust auf eine unruhige Kameraführung hat, der wird sich mit Hardcore Henry unter Umständen nur schwer anfreunden können. Ich kann euch aber nur empfehlen: Gebt dem Film eine Chance. Hardcore Henry macht Spaß, ist unterhaltsam und erfrischend anders.

Lange Rede, kurzer Sinn: Hardcore Henry ist ein irrer Ego-Trip. Wer mal wieder so richtig Spaß im Kino haben möchte und auf Action steht, der sollte sich unbedingt ein Kinoticket holen.

Hardcore Henry 3

Und hier noch ein paar Sätze zum Film von meinem Kollegen Mike, die ich euch auch nicht vorenthalten möchte: Beim Eintritt in den Kinosaal wurden Kotztüten mit der Aufschrift „Ist er zu hart, bist du schwach“ verteilt. Der Film bietet 90 Minuten blutige, rasante Action aus der Ego-Perspektive. Irgendwie erinnerten mich die Gewaltdarstellung und der antreibende Elektro-Sound oft an den Indie-Hit Hotline Miami.

Wer Actionfilme mag, kann bei Hardcore eigentlich nichts falsch machen. Meiner Meinung nach ist auch die Ego-Perspektive bei weitem nicht so anstrengend, wie ich zuvor gedacht hatte. Ich hatte 90 Minuten blutigen Spaß.

Wertung: (4.0 / 5.0) [yasr_overall_rating]

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