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Final Fantasy XII: The Zodiac Age im Test – Ein missverstandenes Meisterwerk?

Manchmal benötigen Dinge Zeit um vernünftig zu wirken. Gerade Werke, die damals schon ihrer Zeit voraus waren, haben es oftmals schwer und werden erst in der Zukunft wirklich geschätzt. Fight Club und The Big Lebowski sind solche Beispiele. Beide sind an den Kinokassen maßlos gefloppt und heute als Kultfilme nicht mehr wegzudenken. Auch im Videospielbereich gibt es solche Beispiele. Final Fantasy XII ist eines davon. Square Enix hatte es nicht leicht, als der Titel 2006 ursprünglich auf der PlayStation 2 erschienen ist. Das neue Kampfsystem, die offenere Welt und die sehr politische Story war den meisten zu neu. So verkam es bei vielen Spielern schnell zum „Offline-MMO“, noch bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Doch wie sieht das ganze 11 Jahre später aus? Wir haben uns das Remaster Final Fantasy XII: The Zodiac Age ganz genau für euch angeschaut.

Doch fangen wir erst mal vorne an. Final Fantasy XII: The Zodiac Age ist nämlich kein neues Final Fantasy Spiel, sondern ein PS2-Remaster. Wichtig dabei: Remaster, nicht Remake. Das bedeutet die Grafik und die Sprites wurden zwar überarbeitet, aber nicht neu entworfen. Die PS2-Herkunft sieht man dem Spiel daher natürlich an, wenn man es mit anderen heutigen Titeln, wie z.B. The Witcher 3 oder Horizon: Zero Dawn vergleicht. Doch das macht nichts, denn es sieht dennoch wunderschön aus. Legt man beide Versionen übereinander, hat man es mit einer deutlich schickeren Grafik zu tun, die auch auf einem 55 Zoll Fernseher nicht hässlich aussieht. Lediglich einige Texturen verkommen auch 2017 noch zu Pixelbrei.

Final Fantasy XII The Zodiac Age 01

Wo sich das Spiel allerdings nicht verstecken braucht, ist der Soundtrack. Denn der damals schon wunderschöne OST wurde komplett neu von einem Orchester eingespielt. Wer also Angst vor etwas piepsigen PS2-Melodien hat, kann beruhigt aufatmen. Der neu eingespielte Soundtrack ist ein Ohrenschmaus, der euch über 40 Stunden durch die Handlung begleitet. Apropos Handlung: Worum geht es in Final Fantasy XII überhaupt? Für all jene, die damals das Original nicht gespielt haben, will ich die wichtigsten Punkte kurz zusammenfassen.

Final Fantasy XII spielt in der fiktiven Welt Ivalice. Das habt ihr schon mal gehört? Gut möglich, denn Final Fantasy XII spielt in der gleichen Welt wie Final Fantasy Tactics und Vagrant Story. Die Story dreht sich um den Freiheitskampf der Nation Dalmasca, welches nach einem Überfall vom archadianischen Imperium und Konsul Vayne Solidor kontrolliert wird. Ihr selbst spielt Vaan, einen Straßenjungen und Dieb, dem viel daran liegt, dass Dalmasca wieder frei ist. Im Laufe eurer Reise trefft ihr diverse Weggefährten, wie z.B. den Luftpirat Balthier (der wohl coolste männliche Hauptcharakter der gesamten “Final Fantasy”-Reihe) und seine Begleiterin Fran, so wie die rebellierende Prinzessin Ashe oder eure Jugendfreundin Penelo.

Cooler Luftpirat samt Begleitung, Imperium, eine rebellierende Prinzessin. Wer dabei gerade an “Star Wars” denkt, liegt gar nicht falsch. So weist Final Fantasy XII unheimlich viele Parallelen zum Sci-Fi Epos auf und wirkt an vielen Stellen wie die “Star Wars”-Story im Final Fantasy Gewand. Doch mehr möchte ich an dieser Stelle zur Story gar nicht verraten. Aber lasst euch gesagt sein: Sie lohnt sich! Wer übrigens lieber die originale japanische Tonspur haben möchte, kann auch das jederzeit in den Optionen einstellen.

Final Fantasy XII The Zodiac Age 02

Doch widmen wir uns lieber den weiteren Neuerungen des PS2-Remaster, denn gerade wir Europäer werden mit einigen Neuerungen konfrontiert, die es 2006 bei uns nicht gab. So ist Final Fantasy XII: The Zodiac Age nämlich kein HD-Remaster der 2006er Version, sondern von der Japan-exklusiven 2007er Version Final Fantasy XII International Zodiac Job System. Während das Skillsystem in Europa darauf basierte, dass jeder Held ALLES lernen kann, so ging es namensgebend in der japanischen Version um das Jobsystem. Ein Relikt der ersten Final Fantasy Ableger.

The Zodiac Age erweitert dieses System allerdings und sorgt dafür, dass jeder Held zwei Jobs annehmen kann. Das sorgt dafür, dass man auf keine Spezifikationen verzichten muss, weil am Ende alles abgedeckt werden kann.

So liegt es bei euch, ob Vaan ein Jäger ist oder Fran eine Maschinistin. Natürlich haben die Charaktere klare Präferenzen, welcher Job für sie der beste ist, aber auch experimentierfreudige werden ohne Frust spielen können. Verteilt werden die Attribute und freizuschaltenden Fähigkeiten auf dem Lizenzbrett. Ein ähnliches Skillsystem wie das Sphärobrett in Final Fantasy X.

Final Fantasy XII The Zodiac Age 03

Eine weitere praktische Neuerung ist der Speedboost. So ist es möglich, das Spiel in doppelter oder sogar vierfacher Geschwindigkeit zu spielen. Gerade bei backtracking-lastigen Passagen oder Levelgrind ist diese Funktion goldwert. So ist man fix aus einem Dungeon geflitzt oder die Grindsession geht nur 30 Minuten anstatt zwei Stunden. Da stundenlanges farmen heutzutage out ist und lediglich den Spielfluss stört, bietet der Speedboost somit den idealen Kompromiss.

Wer Final Fantasy XII also überwiegend spielt, um die Geschichte zu erleben, darf beruhigt zugreifen. Final Fantasy XII: The Zodiac Age ist mit seinen Neuerungen so konzipiert, dass es 2017 noch immer frisch wirkt und man sich fragt, wieso man viele dieser Systeme nicht in anderen Titeln wiederfindet.

So hat das Gambit-System in FFXII besser funktioniert, als heute in vielen anderen Titeln. Kurz zur Erklärung: Das Gambit-System ist eine Mechanik, um euren KI-gesteuerten Mitstreitern Handlungsketten und Befehle zu geben. Ihr wollt, dass euch Balthier ab 70% der Gesundheit heilt? Dann stellt es im Gambit System ein. Es bieten sich unfassbar viele Möglichkeiten, eure KI-Gefährten so einzustellen, wie ihr es gerade braucht.

Final Fantasy XII The Zodiac Age 04

Alles in allem hat Square mit Final Fantasy XII: The Zodiac Age einen guten Job gemacht. Klar, die Grafik ist etwas veraltet, doch alle weiteren Punkte gleichen das wieder aus. Der Soundtrack ist wunderschön, die Spielmechanik geht butterweich von der Hand, die Story reißt einen mit und die Neuerungen sorgen für ein frisches Spielgefühl – selbst bei Veteranen. Mein einziger Kritikpunkt ist lediglich Vaan, unser Hauptcharakter.

Bereits 2006 empfand ich es als störend, dass Vaan im Vergleich zu allen anderen Charakteren sehr blass bleibt und lediglich als Projektion der Geschichte dient. Doch das ist wirklich Nörgeln auf hohem Niveau. Schließlich fußt das rundum beliebte Final Fantasy X bei seiner Hauptfigur Tidus auf dem gleichen Problem. Doch genug der Worte. Ihr könnt bei Final Fantasy XII: The Zodiac Age bedenkenlos zuschlagen. Ihr habt meinen Segen.

Unser Fazit:
Hach. Final Fantasy XII, du bist hervorragend gealtert. Genau genommen: Du funktionierst heute noch besser als damals. Ich habe die Abneigung gegenüber FFXII ja bereits 2006 schon nicht verstanden. Doch das Remaster zeigt, dass es für die meisten einfach eine Zeitgeist-Frage war. So sind die damaligen Kritikpunkte heute die großen Pluspunkte des Titels. Die selbstkämpfende KI, das Gambit-System und die MMO-eske Kampfweise waren den meisten damals einfach zu neu. Heute ist es durch den MMO-Boom und auch wegen Titel wie beispielsweise Xenoblade Chronicles selbstverständlicher als damals.

Doch Final Fantasy XII bewies seinerzeit schon, dass das ATB-Kampfsysten in die Jahre gekommen ist. Auch die Neuerungen von The Zodiac Age greifen wunderbar und runden das Spielgefühl ab. Das Jobsystem macht das Spiel dynamischer, der Speedboost erleichtert Grinding-Passagen und der neu eingespielte Soundtrack ist ein Ohrenschmaus.

Wer damals nicht die Gelegenheit bekam, sollte zuschlagen und wer damals nicht allzu begeistert war, sollte dem Spiel eventuell eine zweite Chance geben.

Wertung: [usr 4]

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