God of War im Test – Kratos war nie besser!

Fans von Kratos haben lange gewartet: Fünf Jahre nach dem letzten Spin-Off und sogar acht Jahre nach dem letzten Hauptspiel der God of War-Reihe kehrt der verlorene Sohn Kratos endlich nach Hause zurück – und das brachialer, spektakulärer und schöner als je zuvor. Was das neueste Abenteuer des Kriegsgottes ausmacht, wohin es ihn überraschenderweise verschlägt und warum God of War eigentlich nicht mehr das ist, was es mal war – das klärt der Test.

Denkt man an die God of War-Reihe, dann denkt man an viel Action, verprügelte Götter, ein vielfältiges und rasantes Kampfsystem – aber nicht an eine tiefe Story, herzzerschneidende Dramatik oder männliche Tränen. Das hat bisher auch niemanden gestört, denn dafür stand God of War einfach nicht. Hier ging es nur darum, den Göttern des Olymps mal richtig in den Hintern zu treten – und das stehts vor blendend schöner Kulisse. Bereits God of War 3 war ein grafisches Meisterwerk auf der damals schon in die Tage gekommenen Playstation 3. Hier hat Entwickler Santa Monica große Fußstapfen zu füllen und – Surprise! – das ist auch gelungen.

Aber was konnte nach God of War 3 kommen? Ohne die Geschichte groß zu verraten: Kratos war mit dem Olymp so ziemlich fertig. Und deswegen führt uns God of War im Jahre 2018 auch weg aus Griechenland nach Midgard und in die nordische Mythologie. Kratos hat seiner Vergangenheit als Gott den Rücken gekehrt und sich in die nordische Wildnis zurückgezogen. Hier hat er die Kriegerfrau Faye kennengelernt und eine Familie gegründet. Die Beziehung zwischen ihm und Sohn Atreus ist der Angelpunkt der Geschichte. So schwer man sich Kratos als liebevollen Vater vorstellen kann, so große Probleme hat er selbst damit. Und so schlägt die Geschichte von God of War sehr ernste Töne an, denn es geht um die Schwierigkeiten zwischen Vater und Sohn, die emotionalen Bedürfnisse von Atreus und den Verlust seiner Mutter gleich zu Beginn von God of War. Während die vorherigen Teile der Reihe wesentlich seichtere Rachegeschichten zwischen Kratos, Zeus, Ares und Athene erzählt haben, so ist die Narrative von God of War eine willkommene Abwechslung, die im Geiste von The Last of Us mit zunehmender Spielzeit immer mehr an Fülle, Emotion und mitreißender Dramatik gewinnt. Hier haben die Damen und Herren bei Santa Monica eine mutige, aber absolut gewinnbringende Entscheidung getroffen und der Reihe das notwendige Reboot verpasst.

Und generell erinnert die Zusammenarbeit von Kratos und Atreus sehr an Mechaniken aus The Last of Us. Wir kommen nämlich nicht alleine durch die Reiche des Weltenbaums Yggdrasil: Atreus nimmt eine zentrale Rolle in verschiedenen Rätseln ein, übersetzt uns Runen und unterstützt uns im Kampf. Wie Ellie in The Last of Us kann Atreus Gegner ablenken oder selber attackieren und unterstützt uns mit seinem Bogen. Neben den vielfältigen Fähigkeiten, die wir für Kratos freischalten, können wir auch die Ausrüstung und Fähigkeiten von Atreus an unsere Bedürfnisse anpassen.

Generell ist das Kampfsystem von God of War nicht nur über alle Maße brachial, actionreich und verdammt spaßig, sondern auch fordernd. Unterschiedlichste Arten von Gegner müssen kreativ – in Zusammenarbeit mit Atreus – bearbeitet werden. Da muss ein Kampf auch mal zwei oder drei Mal wiederholt werden, bis die Taktik sitzt. Hier helfen uns einige zusätzliche Fähigkeiten wie besonders starke Runen-Angriffe, Fernkampf-Attacken oder der kraftvolle Wutmodus “Spartan Rage”. Generell ist das Skill-System in dieser Art und Weise vollkommen neu für die Reihe und eine willkommene und sinnvolle, weil nicht überladene Neuerung. Wir haben nicht zu viele Skill-Trees, schalten die Fähigkeiten nach und nach frei und sind so nicht mit der Charakter-Entwicklung überfordert. Ein komplett überladenes Rollenspiel-System mit zig Werten, die vom eigentlichen Gameplay ablenkt, das hat schon Darksiders 2 ruiniert – den Fehler macht Santa Monica mit God of War glücklicherweise nicht.

Zusätzlich können wir unsere Rüstungen, Waffen und Accessoires bei zwei sehr charmanten Zwergschmieden verbessern oder komplett neu craften. Diese Items sind auch äußerlich sichtbar, was einen zusätzlichen Anreiz gibt, Kratos in die beste Rüstung zu stecken, die Midgard, Asgard oder Helheim zu bieten haben. Die notwendigen Rohstoffe, Erweiterungen für unseren Lebens- oder Wutbalken oder ganz besondere, epische Ausrüstungsgegenstände können wir außerdem in Truhen finden, die im ganzen Spiel verteilt sind. Diese Truhen sind in der Regel von wirklich cleveren Umgebungsrätseln geschützt, die es von uns zu lösen gilt. Hier müssen wir beispielsweise verschiedene Runen in der näheren Umgebung finden und mit unserer geworfenen Axt treffen – auch gerne unter Zeitdruck oder in einer bestimmten Reihenfolge. Hierzu muss man sagen: Ich bin normalerweise kein Fan von Rätseln und schon gar nicht von Collectibles. In God of War habe ich aber jede einzelne Truhe finden wollen und hatte bei jedem Rätsel einen enormen Spaß und Antrieb, die Lösung zu finden. Chapeau, Santa Monica – das hat richtig Spaß gemacht!

Jeder, der einen Trailer zu God of War gesehen hat, weiß: Das Ding sieht absolut grandios aus. Und auch das fertige Spiel steht den Erwartungen in keiner Weise nach. Die sehr abwechslungsreichen Umgebungen in God of War sind absolut grandios umgesetzt und sehen auch auf einer normalen PS4 umwerfend aus. Alle Charaktere sind detailliert gestaltet, hochprofessionell vertont und glaubhaft animiert. Nicht nur in Cutscenes, sondern auch im regulären Gameplay sehen alle Bewegungen von Atreus und Kratos dank MotionCapturing realistisch und überzeugend aus. In Summe hat Santa Monica ein wunderschönes Spiel gebaut, bei der jede Umgebung unverändert auf das Cover eines beliebigen Viking-Metal-Albums gedruckt werden dürfte. Absolut umwerfend! Hier spielt God of War in einer Liga mit Titeln wie Uncharted 4 oder Horizon: Zero Dawn.

Unser Fazit:
Hier gibt es nichts zu meckern: God of War ist eines der besten, wenn nicht sogar das beste PS4-Exclusive to date. Eine spannende Geschichte, ein actionreiches Kampfsystem, knackige Rätsel, wunderschöne Umgebungen und eine ergiebige Mythologie machen God of War zu einem potentiellen Spiel des Jahres. Fans der Reihe sind nicht die einzigen, die eine Empfehlung bekommen – jeder sollte God of War spielen!

Wertung: (5 / 5)

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