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Hitman 2 im Test – Gefundenes Fressen für Fans

HITMAN ist eine ganz besondere Serie. Seit inzwischen 18 Jahren läuft das Franchise mehr oder weniger ungestört: gleichbleibend solides Gameplay, kaum negative Schlagzeilen. Natürlich gab es gute und schlechte Ableger rund um den glatzköpfigen Attentäter-Klon Agent 47, insgesamt konnte IO Interactive aber in knapp zwei Jahrzehnten eine treue und konstante Fanbase um das Franchise scharen. Seit Mitte November ist nun der neueste Teil, Hitman 2, auf dem Markt und verspricht feine Änderungen, die auf dem Episoden-System des Vorgängers aufbauen. Schafft Hitman 2 es erneut, uns in seinen Bann zu ziehen, oder wird das Konzept doch langsam langweilig? Der Test klärt es.

Ich habe im Jahr 2006 meine ersten Erfahrungen mit der Hitman-Reihe gemacht. Eines der ersten Spiele, die ich in meinem Leben gespielt habe, war Dark Project: Der Meisterdieb – Stealth-Games waren damals und sind noch heute voll mein Ding. Zu gerne suche ich die besten Routen und versuche mich an den heimlichsten Kills. Als ich dann Hitman: Blood Money gespielt habe, war ich von der Stealth-Sandbox, mit seinen unendlichen Möglichkeiten, begeistert und die Liebe zur Hitman-Reihe hält bis heute an.

Deswegen hatte ich auch große Erwartungen und Vorfreude an und auf Hitman 2. Die kontroverse Entscheidung, bereits den Vorgänger in kaufbare Episoden zu unterteilen, störte mich kaum. Im Gegenteil: Das 2016 erschienene Reboot HITMAN war ein erfrischender Wandel des 2012 releasten Hitman: Absolution. Ich hatte, wie auch die Jahre zuvor, großen Spaß damit.

Das Episoden-System taucht auch in Hitman 2 wieder auf. Für den Spieler, der mit dem Kauf des Spiels alle Episoden erhält, macht das kaum einen Unterschied. Es macht Hitman 2 schlichtweg zu keinem linearen Singleplayer-Erlebnis, sondern erlaubt uns, alle Einsätze in einer beliebigen Reihenfolge zu spielen. Natürlich macht die erzählerische Reihenfolge am meisten Sinn – darauf weist das Spiel auch hin -, aber für die peniblen Stealth-Fans wie mich ist es toll, Missionen mit anderen Parametern zu wiederholen, um kürzeste Zeit oder den perfekten Kill zu erzielen. Dafür ist das Prinzip perfekt – Nachteile hat es für den Spieler keine.

Um den perfekten Kill zu schaffen, unterstützt uns Hitman 2 mit so genannten “Mission Stories”. Einerseits ist Gameplay-Gerüst von Hitman 2 quasi unverändert und enthält nach wie vor Klassiker, wie das Verkleidung-System oder die ikonische Klaviersaite. Kurz: Wir können uns wie gewohnt durch die weitläufigen und wunderschön gestalteten Maps bewegen und uns eigene Wege suchen, wie wir das Ziel zur Strecke bringen. Andererseits können wir auf Mission Stories zurückgreifen und uns beispielsweise als Künstler verkleiden, der das Ziel der Mission porträtieren soll – und kurzerhand seinen Drink vergiften. Zu jeder Mission gibt es eine Handvoll solcher Mission Stories, die nicht nur unterhaltsam und abwechslungsreich sind, sondern gerade frischen Spielern einen guten Einstieg in die Missionen geben. Natürlich können wir auch ohne diese Stories spielen – ganz wie gewohnt.

Ansonsten ist das Gameplay wie gewohnt. Wir beginnen eine Mission mit verschiedenen Auswahlmöglichkeiten, die wir nach und nach freischalten können. Dazu gehören neue Startpunkte, Items oder Outfits. Dann gilt es, die Ziele möglichst unauffällig auszuschalten und das Missionsgebiet lebendig zu verlassen. IO Interactive hat die Missionen abwechslungsreicher denn je gestaltet: Mal geht es in die Slums von Mumbai, dann in einen südamerikanischen Dschungel samt Druglord-Villa. Die Geschichte um Hitman 2 ist nämlich so ernst wie nie: Immer noch auf der Suche nach seinen Wurzeln hat Agent 47 zusammen mit Kollegin Diana Burnwood einen anderen Agenten ausfindig gemacht, der sich aber im Gegensatz zu 47 an seine “Kindheit” erinnert. Und diesen Mann suchen wir. Wie gewohnt ist die Story hinter Agent 47 kein Meisterwerk und im Grunde nur ein Rahmen für die abwechslungsreichen Einsätze rund um die Welt. Insgesamt erfüllt sie aber ihren Zweck und rückt die verschiedenen Missionen in Perspektive.

Neben den Einsätzen in Miami, Mumbai & Co. können wir uns auch in Multiplayer-Modi vertiefen. Hier können wir beispielsweise gegen einen anderen Agenten antreten: Wer die Mission am schnellsten und effektivsten erfüllt, der gewinnt. Der Wettkampf findet hier in Echtzeit statt und kann bisweilen für spannende Kopf-an-Kopf-Rennen sorgen. Eine wirklich interessante Neuerung sind die sogenannten “Elusive Targets”. Diese regelmäßig wechselnden Sondereinsätze präsentieren uns ein Attentat mit Permadeath-Feature. Wir haben nur ein Leben und können die Mission, sobald wir gestorben sind, nicht erneut beginnen. Die Mission lässt sich ebenfalls nicht neu starten, sobald mit der Erfüllung der Missionsziele begonnen wurde. Durch die zukünftig wechselnden Elusive Targets kommt eine weitere Abwechslung hinzu, bei der wir uns hoffentlich auf aufregende und konstant kommende Missionen freuen dürfen. Der Einstieg namens “The Undying” macht Spaß: Wir jagen eine Zielperson, dessen Tod bereits mehrere Male von Agenten bestätigt wurde – und dennoch erwachte sie regelmäßig zum Leben. Coole Idee!

Zum Modus der “Elusive Targets” gesellt sich eine Sniper-Challenge, die wir aus dem Vorbestellerbonus von Hitman: Absolution kennen. Hier müssen wir auf verschiedenen Maps eine gewisse Zahl von Zielpersonen mit einem Scharfschützengewehr ausschalten. Natürlich kann man hier auf passende Möglichkeiten warten, aus mangelnder Geduld, eine statische Map 15 Minuten lang durch ein Visier zu beobachten, wird aus dem Modus eine Schießbude. Leider wenig spannend!

Grafisch befindet sich Hitman 2 auf dem Level des Vorgängers. Das Spiel läuft flüssig, hat schöne Umgebungen und ist bis zum Rand mit NPCs gefüllt. Bereits Hitman: Absolution rühmte sich damit, eine ganze Menge autonomer NPCs darstellen zu können. Auch in Hitman 2 ist das wieder der Fall – eine Menge authentischer und belebter Orte sind garantiert. Leider muss IO Interactive noch an ein paar Details arbeiten: Wenn uns kolumbianische Drogen-Gangster in bestem amerikanischen Englisch freundlich auffordern, uns durchsuchen zu lassen, dann stört das doch etwas die Atmosphäre. Aber das sind Kleinigkeiten.

Unser Fazit:
Für Fans der Reihe – und von Stealth-Spielen allgemein – ist Hitman 2 ein spaßiger und kurzweiliger Titel. Abwechslungsreiche Missionen, viel Freiraum und überzeugende Umgebungen haben aus Hitman 2 eine tolle Erfahrung gemacht. Ich kann es auf jeden Fall jedem empfehlen, der Spaß an Stealth-Titeln hat und den Vorgänger gerne gespielt hat.

Wertung: (4,7 / 5)

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