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Metro Exodus im Test – So einen Ausflug erlebt man nur selten!

Dunkle Tunnel, fiese Monster und eine einzigartige Geschichte sind die Markenzeichen der Metro-Spiele. Wie sich bereits am Titel des neuesten Ablegers, Metro Exodus, und seinen ersten Trailern abzeichnet, gibt Entwickler 4A Games zumindest eines dieser Markenzeichen auf: Es geht nämlich hinaus aus der Metro. Während die Vorgänger nur kurze Ausflüge an die verstrahlte und von mutierten Monstern besiedelte Oberwelt erlaubten, wirft uns Metro Exodus gleich aus Moskau hinaus – in die Weite der russischen Ländereien. Warum der Wechsel der Szenerie Metro Exodus aber richtig gut tut und es zum besten Teil der Reihe macht, das klärt der Test.

Die Bücher von Dmitry Glukhovsky liegen mir am Herzen. Besonders die Metro-Reihe, die mit dem Erstwerk Metro 2033 den gleichnamigen Beginn der Videospiele aus dem Hause 4A Games inspirierte. Genauso, wie Metro 2033 eine Buchvorlage hatte, ist die Entwicklung von Metro Exodus aus der Metro in die Weiten Russlands nicht willkürlich: Während Metro Last Light ohne jede Vorlage von Glukhovsky auskam, orientiert sich Metro Exodus lose an der Geschichte von Metro 2035, dem letzten Buch der Metro-Reihe. So ähnelt die Geschichte besonders zu Beginn den Ereignissen aus dem Buch. Bereits nach wenigen Spielminuten verlassen wir die Moskauer Metro und entdecken, dass wir nicht die ganze Wahrheit über die Geschehnisse außerhalb der mystischen Tunnel unter der russischen Hauptstadt erfahren haben. Im weiteren Verlauf entwickelt Metro Exodus aber eine eigene, durchaus spannend und glaubhaft erzählte Geschichte, die wir hier nicht vorweg nehmen wollen. Aber so viel sei gesagt: Der Wert der Geschichte hängt maßgeblich von den sympathisch geschriebenen Charakteren und ihren Beziehungen untereinander ab. Jedoch hat sich 4A Games mit seiner Näherung an die Buchvorlage eine merkwürdige Entscheidung erlaubt und die Figur von Artjoms Frau, Anna in das Spiel integriert. Das mag Spielern, die die Buchvorlage nicht kennen, in der Anna bereits seit den ersten Seiten eine Rolle spielt, komisch vorkommen. Wer darüber hinwegsieht, wird mit der Geschichte von Metro Exodus seinen Spaß haben.

Die ist nämlich mehr als abwechslungsreich.Ob wir nun auf eine fanatische Sekte, die Elektrizität als Werk des Teufels ansieht, oder einen Kannibalenkult treffen – die Erzählung von Metro Exodus versorgt uns mit allerlei spannenden Begegnungen. Die sind nicht nur mit einem bombastisch komponierten Soundtrack unterlegt, sondern auch mit einem verfeinerten Gameplay, angenehm platzierten Quick Time Events und einem Gunplay, das seinesgleichen sucht. Bereits früh im Spiel werden wir in eine überschwemmte, verlassene und von Mutanten besetzte Lokhalle geschickt, um eine alte Lok sicherzustellen. Die Halle ist dunkel, die Wege sind begrenzt und mit Mutanten gepflastert – und zufällig füttert der irre Vater der eingangs genannten Sekte einen riesigen “Zarenfisch” mit Leichen von Ketzern. Und dieser Fisch schwimmt natürlich durch diese eh schon furchteinflößende Halle und macht diese kurze Mission zu einem herausragenden Erlebnis – einem von vielen. Ich möchte aber dringend empfehlen, Metro Exodus nicht mit deutscher, sondern vorzugsweise englischer Sprachausgabe zu spielen. Deutsche Untertitel sind unverändert möglich und man kann die Dialoge in englischer Sprache mit grandiosen, russischen Akzenten erleben. Die deutsche Sprachausgabe hingegen ist nicht gut gelungen, klingt – gerade im Vergleich zur englischen Fassung – zu glatt geschliffen und hat heftige Timingprobleme, dank denen die Charaktere “ineinander reden”.

Die größte Neuerung von Metro Exodus ist eine offene Welt. In regelmäßigen Abständen werden wir in ein uns offenstehendes Gebiet geschickt, um eine oder mehrere Missionen zu erledigen. Diese Gebiete sind abwechslungsreich gestaltet und reichen vom eisigen Gebiet an der Wolga, sumpfigen Landschaften oder einer weiten Wüste. Wie wir diese Mission angehen, zu welcher Tageszeit wir losziehen, welche Waffen und Gadgets wir mitnehmen und welche Gebiete wir auf dem Weg zur Mission auf Gegenstände absuchen – das bleibt komplett uns überlassen. Durch die weiten Missionsgebiete haben wir natürlich keinen Zugriff auf die Infrastruktur einer Metro – samt Tauschstationen für Munition und Waffenhändlern. Deshalb hat sich 4A Games einen mobilen Werktisch in unserem Rucksack einfallen lassen. Mit diesem können wir unterwegs unsere Waffen mit zahlreichen Verbesserungen wie Scopes oder Schalldämpfern ausstatten, Munition und Consumables craften und sogar unsere Waffen für bessere Leistung reinigen.

Diese Möglichkeiten rücken den Fokus natürlich noch mehr auf die Beschaffenheit unserer Waffen. Ziehen wir nachts los? Dann nehmen wir besser einen Schalldämpfer und ein Nachtsicht-Visier mit. Geht es nah an den Feind? Dann wäre eine Schrotflinte nicht schlecht. Aber egal, wie wir die Waffen auch ausrüsten, ich habe selten so ein spaßiges und geniales Waffengefühl wie in Metro Exodus erlebt – das könnte glatt aus der legendären Schmiede von id Software stammen. Die haben nämlich ein gutes Waffengefühl in einem Interview mal damit beschrieben, dass der Spieler merken soll, dass vor dem Lauf seiner Waffe gerade etwas passiert. Und das schafft Metro Exodus: In allen Kämpfen fühlen sich die Waffen kräftig an, haben ordentlich Wumms und decken von Revolver, über Schrotflinte bis zum Gatling-Gewehr alles nötig ab. Super!

Technisch war schon Metro 2033 vor beinahe 9 Jahren grandios – mit Ausnahme des Charakterdesigns sah das Spiel für das Jahr 2010 herausragend aus. Metro Exodus legt noch eine Schippe drauf: Überragende Beleuchtungseffekte, tolles Charakterdesign mit überzeugenden Animationen und stimmungsvoll gestaltete Umgebungen machen Metro Exodus zum atmosphärischsten und besten Shooter seit Jahren – sogar besser als Wolfenstein 2: The New Colossus. Und wenn ihr immer wieder ins Staunen geratet, könnt ihr auch den integrierten Fotomodus samt frei bewegbarer Kamera verwenden, um eure Erlebnisse festzuhalten.

Unser Fazit:

Metro Exodus ist das beste Spiel der Reihe und dazu der beste Ego-Shooter seit Jahren. Hier erwarten euch eine grandios erzählte Geschichte, ein unfassbar gutes Gunplay, tolle Umgebungen und ein abwechslunsgreiches Gameplay. Lediglich die deutsche Sprachausgabe steht zwischen Metro Exodus und der Perfektion. Wenn man es aber auf Englisch spielt, dann steht einem grandiosen Erlebnis nichts mehr im Weg – sowohl für Neulinge der Serie, als auch für Tunnelveteranen!

Wertung: 4.9 out of 5 stars (4,9 / 5)

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