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Wolfenstein: Youngblood im Test – Wenn zwei Schwestern auf Nazijagd gehen

Wolfenstein 2: The New Colossus hat uns richtig gut gefallen und in unserem Test eine perfekte Wertung abgegriffen. Nun ist mit Wolfenstein: Youngblood – das Quasi-Sequel – erschienen und macht so einiges anders. Was klasse geworden ist und welche Neuerungen merkwürdig erscheinen, das klärt der Test.

19 Jahre nach Wolfenstein 2: The New Colossus ist Amerika von den Nazis befreit. Hier und da erfreuen sich die strammen Blechsoldaten noch einiger Beliebtheit – zum Beispiel in Europa. Das gefällt dem knallharten Serienhelden B.J. Blazkowicz natürlich nicht. So macht er sich, ohne ein Sterbenswort zu sagen, in das von den Nazis besetzte Paris auf – und lässt seine Frau und seine zwei inzwischen beinahe erwachsenen Töchter Jess und Soph zurück. Die haben aber nicht nur einiges an Schneid von ihrem alten Herren geerbt, sondern sind auch genauso stur: Kurzerhand klauen sie einen Helikopter des FBI und machen sich auf die Suche nach B.J. Blazkowicz und auf den Weg nach Paris.

Die Story von Youngblood ist nicht annähernd so detailreich und witzig wie die seines Vorgängers, kann aber an vielen Stellen mit spritzigen Dialogen zwischen den Schwestern und anderen Untergrund-Kämpfern begeistern. Insgesamt bietet die Geschichte gerade genug Drive, um den Spieler am Ball zu halten und zum absolut grandiosen Finale zu führen.

Wolfenstein: Youngblood ist nicht wie The New Colossus. Im Gegenteil: Rein mechanisch ist es quasi ein komplett neues Spiel. Der Fokus auf Level-Ups, Waffen-Tuning und Special-Skills wie Unsichtbarkeit erinnern eher an einen Loot-Shooter. Jeder Gegner hat eine HP-Leiste über sich, die in reine Lebensenergie und zusätzliche Rüstung aufgeteilt ist. Das gesamte Gameplay fokussiert sich nun darauf, Jess oder Soph mit besseren Waffen und neuen Fähigkeiten auszustatten, um diese Lebensleisten noch rasanter dem Erdboden gleich zu machen. Dabei agiert Youngblood als Koop-Shooter: Lokal oder online, mit K.I. oder Freunden – wir haben immer jemanden dabei, der wahlweise Jess oder Soph steuert.

So sollten besonders schwere Gegner von beiden Seiten angegangen werden, verletzte Mitspieler geheilt und auch das eine oder andere Koop-Rätsel gemeinsam gelöst werden. Sowohl im Koop-Modus, als auch mit K.I. funktioniert das absolut reibungslos. Wir wissen dank intuitiver Mini-Map und Tutorials immer, wo es weitergeht und wie wir das Hindernis überwinden können. Das Gunplay erinnert hier etwas an eine Mischung aus RAGE2 und The New Colossus: Wir haben die brachialen Sturmgewehre und Schrotflinten eines Wolfenstein-Spiels im Arsenal und können sie mit Fähigkeiten wie dem “Rammbock” oder einer Art “Ground Slam” kombinieren.

Dadurch, dass die beiden Schwestern auch sehr schnell unterwegs sind, dazu sprinten, auf dem Boden rutschen und einige Waffen sogar doppelt führen können, macht das Geballer wie gewohnt so richtig Spaß und ist der beste Punkt an Wolfenstein: Youngblood. Die Notwendigkeit, die Figuren aufzuleveln und die Waffen zu verbessern, um die großen Jungs aufs Korn zu nehmen und überhaupt in der Story weiterzukommen, fühlt sich leider schnell wie ein Grind an. Credits müssen gesammelt und Fähigkeitspunkte verdient werden, um stark genug für den nächsten Abschnitt zu werden. Damit schlägt Youngblood in die Sparte eines Destiny und The Division 2 – nur ohne die passende Spielerschaft und den richtigen Dreh.

Generell sollte man an Youngblood nicht zu verkopft herangehen. Das Spiel ist nicht nur preislich, sondern auch spielerisch ein halbes Wolfenstein. Mit The New Colossus ist es an keiner Stelle vergleichbar und fährt auch nur die Hälfte an Charme und Witz auf. Dafür bietet es eine angenehme, 20-stündige Kampagne mit aufwendig und vielseitig gestalteten Levels. Die Straßen von Paris können semi-frei erkundet und durch einen Metro-Plan in unserem Hauptquartier, in den sehr cool gestalteten Pariser Katakomben (Ja, genau die!), angesteuert werden. Am Leveldesign merkt man übrigens auch eindeutig die Einflüsse von Arkane Studios, die sich in die Entwicklung eingemischt haben. Die Jungs sind für Games wie Prey und Dishonored verantwortlich und haben ihren Stil eindeutig dem Leveldesign aufgedrückt. Man kann Doppelsprung und etwas Entdeckergeist einiges an zusätzlichen Munition und Credits zur Waffenverbesserung finden. Insgesamt sind die Levels sehr stimmig gestaltet – wenn auch nicht so cool wie die Levels in The New Colossus.

Technisch läuft Youngblood akzeptabel. Auf Wunsch ändert Youngblood die Auflösung automatisch, um eine stabile Framerate zu gewährleisten. Trotz schwacher Texturen und hässlichen Charakteren liefert Wolfenstein: Youngblood hier und da schöne Aussichten und ein cooles Gegnerdesign. Dazu kommt überall in der Welt verteilt eine Menge an 80er-Jahre Anspielungen und witzigen deutschen Werbungen wie der Mikrowelle “BLITZHITZE”. Übrigens wird Youngblood sowohl als USK, als auch als internationale Version legal in Deutschland ausgeliefert – letztere enthält vorher verbotene Hakenkreuze und SS-Runen. Eine absolute Premiere. Besitzer der USK-Version sehen nach wie vor die geänderten Varianten.

Unser Fazit:

Wer die Erwartungen niedrig hält, der wird seinen Spaß mit Wolfenstein: Youngblood haben. Eine lange Kampagne, sehr spaßiges Gunplay und funktionierende Koop-Abschnitte halten uns während der ungefähr 20 Stunden bei Laune. Bei genauerem Hinschauen offenbart Youngblood auch seine hässliche Seite: grafische Schwächen, Ressourcen-Grinding und das Aufspringen auf den Lootshooter-Trend, ohne dafür gewappnet zu sein. Wer aber Lust auf einen kurzweiligen Koop-Shooter im Wolfenstein-Universum hat und kein weiteres Meisterwerk nach Wolfenstein 2: The New Colossus erwartet, der kann hier nichts falsch machen.

Wertung: 4.1 out of 5 stars (4,1 / 5)

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